Umfrage bei Jugendlichen und Unternehmen im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation SBFI
Studienziele und Design
Ziel des Nahtstellenbarometers ist die Erfassung von Bildungsentscheiden von Jugendlichen am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit und das Einschätzen der Situation auf dem Schweizer Lehrstellenmarkt.
Zu diesem Zweck wird jährlich eine dreisprachige Online-Umfrage in zwei Erhebungswellen (März/April und August) bei Jugendlichen im Alter von 15-17 Jahren (Ausnahme Tessin: 14-16 Jahre) und Unternehmen mit mindestens zwei Angestellten durchgeführt (Archiv Nahtstellenbarometer).
Die vorliegenden Grafiken geben einen Überblick über zentrale Ergebnisse der ersten Erhebungswelle von 2026. Details zu den Methoden finden sich am Schluss dieses Cockpits.
Bei den ausgewiesenen Absolutwerten handelt es sich um hochgerechnete Werte. Die Stichprobenergebnisse wurden auf die Grundgesamtheit hochgerechnet.
98’097 Jugendliche zwischen 15-17 Jahren (Tessin: 14-16 Jahre) stehen im März/April 2026 vor der Ausbildungswahl. Am häufigsten ziehen sie nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit eine berufliche Grundbildung in Erwägung. Maturitäts- und Fachmittelschulen sind die zweithäufigste Präferenz. Ein Viertel der Jugendlichen plant ein Zwischenjahr oder will ein Brückenangebot in Anspruch nehmen.
62 Prozent (28’630) der Jugendlichen mit Interesse an einer Lehrstelle verfügen bereits über einen unterschriebenen Lehrvertrag. Dieser Wert erweist sich als äusserst stabil, wenn man die Pandemiejahre ausblendet (2025: 63%, 2024: 61%, 2023: 62%, 2022: 56%, 2021: 52%, 2020: 56%, 2019: 61%). Weitere 11 Prozent (5’172) der Jugendlichen erhielten bereits eine mündliche Zusage für eine Lehrstelle. Wichtig ist anzumerken, dass hier nur ein Teil der Nachfrage nach Lehrstellen abgebildet ist, nämlich jene von 15-17-Jährigen (Tessin: 14-16-Jährige) am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit.
22’299 Jugendliche an der Nahtstelle I haben Aufnahmeprüfungen für Maturitäts- und Fachmittelschulen oder schulische berufliche Grundbildungen bestanden oder Zusagen für ein anderen Angebot erhalten (Zwischenjahr, Brückenangebot).
Insgesamt haben somit bereits 57 Prozent (56’101) der befragten Jugendlichen eine Anschlusslösung für die Zeit nach den Sommerferien. Dieser Wert liegt tiefer als in den Vorjahren (2025: 60%, 2024: 64%, 2023: 63%, 2022: 51%, 2021: 51%, 2020: 51%, 2019: 57%).
Insgesamt bieten 53 Prozent der befragten Unternehmen Lehrstellen an. Seit 2023 kann der Anteil ausbildender Unternehmen in der Bruttostichprobe der vorliegenden Erhebung bestimmt werden, wodurch ausbildende Unternehmen besser erreicht werden können. Dies erklärt den anhaltend hohen Wert in den vergangenen drei Jahren (2026: 53%; 2025: 57%, 2024: 57%, 2023: 56%). In den Jahren vor 2023 lag der Anteil der ausbildenden Unternehmen in der Stichprobe jeweils bei rund einem Viertel.
Die Gesamtzahl der 2026 angebotenen Lehrstellen beträgt hochgerechnet 74’086. 91 Prozent (67’083) der angebotenen Lehrstellen sind berufliche Grundbildungen, die zu einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) führen. Bei 8 Prozent (6’327) handelt es sich um berufliche Grundbildungen mit einem Eidgenössischen Berufsattest (EBA). Der Rest (1%) konnte aufgrund der Angaben nicht eindeutig zugeordnet werden.
Bei den meisten Unternehmen ist das Lehrstellenangebot gleich gross wie im Vorjahr (72%). 10 Prozent der Unternehmen bieten mehr Lehrstellen an als 2025. 10 Prozent der Unternehmen geben an, weniger Lehrstellen anzubieten. Diese Werte sind weitgehend stabil.
68 Prozent (50’742) der Lehrstellen waren im März/April 2026 bereits vergeben. Dieser Wert ist mit Ausnahme der leichten Baisse in den Jahren 2021-2023 stabil.
Die berufliche Grundbildung ist und bleibt die häufigste Wahl für Jugendliche am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit. Einleitend legen wir daher einen Fokus auf diesen Bildungsweg.
Bei Jugendlichen wie auch bei ausbildenden Unternehmen geniesst die berufliche Grundbildung grundsätzlich eine starke Verankerung.
Die Ergebnisse des Nahtstellenbarometers 2026 zeigen, dass Jugendliche am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit der beruflichen Grundbildung überwiegend positive Eigenschaften zuschreiben. Gleichzeitig machen die Einschätzungen der Unternehmen deutlich, dass der erfolgreiche Einstieg in eine Lehre nicht allein von fachlichem Interesse abhängt, sondern stark mit überfachlichen Kompetenzen, Auftreten und Motivation verbunden ist.
Jugendliche
Unter den Jugendlichen, die vor der Ausbildungswahl stehen, ist das Bild der beruflichen Grundbildung mehrheitlich positiv. Besonders stark ist die Zustimmung zur Aussage, dass Auszubildende in der Lage sind, praktische Probleme zu lösen (69% stimmen eher/voll und ganz zu). 68 Prozent sehen die berufliche Grundbildung in einem Unternehmen ebenfalls als Ausbildung mit Zukunft. Gleich viele Jugendliche sind der Ansicht, dass die berufliche Grundbildung schulische Bildung mit praktischer Arbeit verbindet und dadurch eine umfassendere Ausbildung ermöglicht.
Diese Befunde unterstreichen, dass die berufliche Grundbildung von vielen Jugendlichen nicht als zweite Wahl wahrgenommen wird, sondern als eigenständiger, praxisorientierter Bildungsweg mit konkretem Nutzen. Auch die Aussage, dass man mit einer beruflichen Grundbildung in einem Unternehmen einen «echten» Beruf erlernt, findet mit 62 Prozent Zustimmung eine klare Mehrheit. Gleichzeitig zeigen sich gewisse Ambivalenzen.
So stimmen 65 Prozent der Jugendlichen der Aussage zu, dass man sich sehr früh für einen Beruf entscheiden muss, was später einschränkend sein kann. Dieser Punkt verweist auf eine zentrale Herausforderung der Berufsorientierung: Die Attraktivität der beruflichen Grundbildung hängt nicht nur von ihrem Nutzenversprechen ab, sondern auch davon, ob Jugendliche genügend Orientierung, Sicherheit und Durchlässigkeit wahrnehmen.
Deutlich weniger stark ist die Zustimmung zu negativen Aussagen. Nur 23 Prozent sind der Ansicht, dass die Entwicklungsmöglichkeiten nach einer Ausbildung in einem Unternehmen begrenzt sind, die Mehrheit widerspricht dieser Aussage (53% stimmen eher/ganz und gar nicht zu). Auch die Aussage, die berufliche Grundbildung geniesse ein geringeres Ansehen als eine gymnasiale Ausbildung, wird nur von 36 Prozent geteilt. Allerdings fällt bei beiden Aussagen der Anteil «weiss nicht/keine Angabe» relativ hoch aus. Das deutet darauf hin, dass ein Teil der Jugendlichen die langfristigen Perspektiven und den gesellschaftlichen Status der beruflichen Grundbildung noch nicht klar einschätzen kann.
Unternehmen
Aus Sicht der Unternehmen, die mindestens eine berufliche Grundbildung anbieten, stehen zu Beginn einer beruflichen Grundbildung vor allem grundlegende Selbst- und Sozialkompetenzen im Vordergrund. Bei den erwarteten Selbstkompetenzen von Lernenden werden Motivation (74%) und Lernwillen (62%) mit Abstand am häufigsten genannt. Erst mit deutlichem Abstand folgen Selbstständigkeit mit 30 Prozent und Neugierde mit 28 Prozent.
Für Unternehmen ist zu Beginn der beruflichen Grundbildung somit weniger entscheidend, dass Jugendliche bereits stark ausgeprägte organisatorische oder analytische Fähigkeiten mitbringen. Vielmehr stehen Haltung, Bereitschaft und Engagement im Zentrum.
Bei den Sozialkompetenzen ist das Bild ähnlich klar. Am wichtigsten sind bei Lehreintritt aus Sicht der Unternehmen ein angenehmes Auftreten und gute Umgangsformen. 76 Prozent nennen diesen Aspekt als eine der zentralen Sozialkompetenzen.
Danach folgen Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftssinn mit 52 Prozent, Zusammenarbeit mit anderen zur gemeinsamen Lösungsfindung mit 49 Prozent sowie die Fähigkeit, Kritik und Feedback zu geben und anzunehmen, mit 46 Prozent.
Die Auswahl der Lernenden stützt sich stark auf schulische Unterlagen. Am wichtigsten sind dabei Hinweise zu Selbst- und Sozialkompetenzen im Zeugnis (73% eher/sehr wichtig). Auch das Niveau aus dem Zeugnis (72%) und die Ziffernnoten (70%) spielen eine zentrale Rolle. Eignungsabklärungen und Tests haben demgegenüber eine geringere Bedeutung.
Eigene Branchen-Eignungsabklärungstests werden noch von 50 Prozent als wichtig eingestuft. Externe Instrumente wie Multicheck, Stellwerk, Basic-Check oder Check-Test beziehungsweise Check-dein-Wissen werden deutlich seltener als wichtig beurteilt.
Die Anforderungen der Unternehmen sind damit stark auf die soziale Integration in den Betrieb ausgerichtet. Lehrbetriebe erwarten von Jugendlichen nicht primär fertige Berufskompetenzen, sondern grundlegende Voraussetzungen für den gemeinsamen Lern- und Arbeitsprozess: Verlässlichkeit, respektvoller Umgang, Teamfähigkeit und Feedbackfähigkeit.
Gleichzeitig machen die Unternehmen deutlich, dass gerade bei zentralen Selbstkompetenzen noch Lücken bestehen. Am häufigsten vermissen sie bei Lernenden Selbstständigkeit (37%) sowie Selbstorganisation und Priorisierung (35%).
Auch Konzentrationsfähigkeit (28%) und Motivation (27%) werden vergleichsweise oft als fehlende Kompetenzen genannt.
Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Erwartung an Lernende hin zur Frage, wo beim Einstieg in die Lehre besonderer Unterstützungsbedarf besteht. Während klassische Sozialkompetenzen wie Umgangsformen, Hilfsbereitschaft oder Teamfähigkeit nur selten als fehlend genannt werden, sehen Unternehmen vor allem beim eigenständigen, strukturierten und fokussierten Arbeiten Entwicklungsbedarf.
Die Unternehmen sehen mehrere Ansatzpunkte, um den Übergang von der Sekundarschule beziehungsweise der Volksschule in die berufliche Ausbildung zu verbessern.
Am stärksten unterstützt werden schulintegrierte Module zur Vorbereitung auf die Berufsschule oder Berufspraxis (68% eher/sehr nützlich). Fast gleich hoch ist die Zustimmung zu mehr Wahl- und Schwerpunktfächern zur Vorbereitung auf Berufsschule oder Berufspraxis mit 67 Prozent. Damit wird deutlich, dass Unternehmen der Schule eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung auf die Lehre zuschreiben.
Die Sekundarstufe I soll nicht nur allgemeine Grundlagen vermitteln, sondern Jugendlichen auch gezieltere Einblicke und Vorbereitungsmöglichkeiten im Hinblick auf berufliche Anforderungen bieten.
Daneben werden aber auch betriebliche Massnahmen als nützlich beurteilt. Ein konkretes Onboarding im Betrieb, etwa an einzelnen Tagen oder während einzelner Wochen, halten 58 Prozent der Unternehmen für sehr oder eher nützlich. Ein Teilzeit-Einsatz im Betrieb vor Lehrbeginn wird von 53 Prozent als nützlich bewertet. Diese Massnahmen zielen darauf ab, den Eintritt in die betriebliche Realität schrittweise zu gestalten und Erwartungen frühzeitig zu klären.
Auch das Umfeld der Jugendlichen ist ein wichtiger Faktor für einen gelingenden Übergang an der Nahtstelle I. Die Lehrpersonen werden von den befragten Unternehmen dabei etwas positiver eingeschätzt als die Eltern: 47 Prozent der Unternehmen erleben sie als sehr oder eher stark engagiert. Bei den Eltern liegt dieser Anteil bei 37 Prozent.
Gleichzeitig fällt auf, dass ein beträchtlicher Teil der Unternehmen das Engagement als eher gering oder gar nicht vorhanden wahrnimmt. Bei den Eltern betrifft dies 49 Prozent, bei den Lehrpersonen 33 Prozent.
Interessen Ausbildungswahl
Die Jugendlichen ziehen für die Zeit nach Ende des Schuljahres 2025/2026 am häufigsten eine berufliche Grundbildung in Erwägung (2026: 55’022 Jugendliche, 63%, 2025: 61%, 2024: 63%, 2023: 61%). Innerhalb der beruflichen Grundbildung dominiert klar die duale berufliche Grundbildung, die von 46’535 Jugendlichen genannt wird und damit 84 Prozent der Nennungen innerhalb der beruflichen Grundbildung ausmacht. Die schulische berufliche Grundbildung wird von 8’488 Jugendlichen beziehungsweise 15 Prozent genannt.
Da zum Zeitpunkt der Befragung im März/April 2026 die Anschlusslösung für 43 Prozent der Jugendlichen noch nicht definitiv feststeht, waren bei der Frage nach den Präferenzen Mehrfachantworten möglich. Dies dürfte miterklären, weshalb auch der allgemeinbildende Weg häufig genannt wird. Mit 38’006 Jugendlichen beziehungsweise 43 Prozent ist er die zweithäufigste Option. Betrachtet man nur die Erstnennungen, sinkt der Anteil auf einen Drittel.
Ein Zwischenjahr kommt für 9’258 Jugendliche (11%) infrage, und 12’633 Jugendliche (14%) werden allenfalls ein Brückenangebot besuchen. Das Interesse an einem Zwischenjahr ist nach dem Anstieg in den Jahren 2023 und 2024 zum zweiten Mal in Folge rückläufig. Die Nachfrage nach Brückenangeboten bleibt dagegen über die Zeit stabil.
Nach Geschlecht zeigen sich unterschiedliche Präferenzmuster. Von den männlichen Jugendlichen zieht eine Mehrheit eine duale berufliche Grundbildung in Betracht (59%), während deutlich weniger einen allgemeinbildenden Weg wählen möchten (37%). Bei den jungen Frauen ist das Verhältnis ausgeglichener: 49 Prozent interessieren sich für den allgemeinbildenden Weg, 46 Prozent für eine duale berufliche Grundbildung. Brückenangebote und Zwischenjahre sind für beide Geschlechter ähnlich häufig von Interesse.
Nach Nationalität fallen die Unterschiede vor allem bei Übergangslösungen auf. Ausländische Jugendliche ziehen häufiger ein Brückenangebot (20% gegenüber 13%) oder ein Zwischenjahr beziehungsweise eine andere Lösung (14% gegenüber 9%) in Betracht als Schweizer Jugendliche. Auch die schulische berufliche Grundbildung wird von den ausländischen Jugendlichen etwas häufiger genannt. Bei der dualen beruflichen Grundbildung liegen beide Gruppen gleichauf, beim allgemeinbildenden Weg liegen sie nahe beieinander.
Deutliche Unterschiede zeigen sich erneut nach Sprachregion. In der deutschsprachigen Schweiz ist das Interesse an der dualen beruflichen Grundbildung besonders ausgeprägt. In der französisch- und italienischsprachigen Schweiz steht dagegen der allgemeinbildende Weg klar im Vordergrund. Auch schulische berufliche Grundbildungen als Anschlusslösung werden in diesen beiden Sprachregionen häufiger genannt. Zwischenjahre und andere Lösungen sind über die Sprachregionen hinweg ähnlich häufig von Interesse.
Jugendliche mit Interesse an beruflicher Grundbildung
Von den 46’535 Jugendlichen, die im Sommer 2026 eine duale berufliche Grundbildung starten möchten, streben 43’535 beziehungsweise 94 Prozent einen EFZ-Abschluss an. 1’394 Jugendliche beziehungsweise 3 Prozent zielen auf einen EBA-Abschluss ab. Rückblickende Vergleiche mit den Zahlen des Bundesamtes für Statistik zum gesamten Lehrstellenmarkt – also nicht nur zur Nahtstelle I – zeigen, dass der Anteil beruflicher Grundbildungen mit EBA-Abschluss insgesamt höher liegt. 2024 betrug er 10 Prozent. Dies dürfte unter anderem damit zusammenhängen, dass viele EBA-Lehren erst nach einem Brückenangebot oder nach dem Abbruch einer EFZ-Lehre begonnen werden.
Die zehn beliebtesten beruflichen Grundbildungen der Jugendlichen im Frühjahr 2026 sind in der nachfolgenden Grafik dargestellt. Bei den konkret interessierenden beruflichen Grundbildungen zeigen sich nur punktuell grössere Verschiebungen. Die kaufmännische Lehre bleibt über den gesamten Beobachtungszeitraum klar an erster Stelle. Ihr Anteil bewegt sich meist zwischen 19 und 22 Prozent. Auffällig ist einzig der Rückgang von 21 Prozent im Jahr 2023 auf 17 Prozent im Jahr 2024. Seither liegt das Interesse wieder stabil bei 19 Prozent.
Zugenommen hat das Interesse an der Lehre als Fachmann:frau Gesundheit. Seit 2018 ist der Anteil von 6 auf aktuell 10 Prozent gestiegen. Damit erreicht diese berufliche Grundbildung 2026 den höchsten Wert der Zeitreihe und festigt ihre Position als zweitwichtigste konkrete Berufswahl. Ebenfalls an Bedeutung gewonnen hat die Lehre als Fachmann:frau Betreuung. Nach Werten zwischen 4 und 6 Prozent in den Vorjahren steigt das Interesse 2026 auf 8 Prozent. Damit gehört diese berufliche Grundbildung 2026 wieder zu den stärker nachgefragten Optionen.
Im Vergleich zum Vorjahr erweisen sich die Top Ten der beliebtesten Ausbildungen als relativ konstant, denn acht Lehrberufe waren bereits 2025 in den Top Ten vertreten. Neu beziehungsweise wieder in den Top Ten sind 2026 die beruflichen Grundbildungen Koch/Köchin und Polymechaniker:in. Nur knapp nicht in die Top Ten geschafft haben es 2026 die beruflichen Grundbildungen Logistiker:in und Elektroinstallateur:in.
Die Berufswünsche der jungen Frauen und Männer unterscheiden sich weiterhin deutlich, wobei sich das bekannte Muster bestätigt. Bei jungen Frauen stehen neben der kaufmännischen Ausbildung vor allem medizinische und soziale Berufe hoch im Kurs. Für junge Männer sind neben der kaufmännischen Ausbildung vorwiegend technische Berufe attraktiv, wie die nachfolgende Übersicht zeigt.
12’775 Jugendliche, also 27 Prozent derjenigen, die eine duale berufliche Grundbildung anstreben, haben vor, gleichzeitig eine Berufsmaturität zu absolvieren. Über die Zeit betrachtet, erweist sich dieser Anteil als stabil (24-29%). Ausschlaggebend für den Wunsch, eine Berufsmaturität zu erlangen, ist in erster Linie die Vorbildung. Wer aktuell in einer Vorstufe mit erweiterten Anforderungen (z.B. gymnasiale Vorstufe) zur Schule geht, strebt zu 50 Prozent eine Berufsmaturität an, während auf der Vorstufe mit Grundanforderungen (z.B. Realstufe) lediglich 17 Prozent eine Berufsmaturität erwägen. Zudem spielt die Sprachregion eine zentrale Rolle. Weitaus mehr Jugendliche aus der französisch- und italienischsprachigen Schweiz wollen die Berufsmaturität machen (DCH: 26%, FCH: 32%, ICH: 51%).
33’802 Jugendliche (73%) haben bereits eine zugesicherte Lehrstelle (schriftlich oder mündlich), womit sich auch dieser Wert definitiv wieder auf dem Niveau vor der Pandemie eingependelt hat (2025: 73%, 2024: 72%, 2023: 74%, 2022: 67%, 2021: 62%, 2020: 64%, 2019: 72%). Bei den meisten Top-10-Lehrstellen hat bereits ein beträchtlicher Teil der interessierten Jugendlichen einen Lehrvertrag unterschrieben. Gleichzeitig bleibt je nach Berufslehre ein relevanter Anteil noch im Bewerbungsprozess oder hat sich zum Zeitpunkt der Befragung noch gar nicht beworben. Besonders weit fortgeschritten ist der Prozess bei den beruflichen Grundbildungen zum oder zur Fachmann:frau Gesundheit, Polymechaniker:in und Kaufmann:frau, wo bereits mehr als die Hälfte der Interessent:innnen einen unterschriebenen Lehrvertrag haben. Umgekehrt haben viele Bewerber:innen für berufliche Grundbildungen zum oder zur medizinischen Praxisassistent:in oder Detailhandelsfachmann:frau sich zwar schon beworben aber noch keinen positiven Bescheid erhalten.
95 Prozent der Jugendlichen mit Interesse für eine berufliche Grundbildung haben eine (21%) oder mehrere Schnupperlehren (74%) absolviert. Diese Werte entsprechen annähernd den Vorjahreswerten (2025: 19% eine/77%, mehrere 2024: 17%/77%, 2023: 22%/72%, 2022: 20%/72% 2021: 21%/70%, 2020: 18%/74%, 2019: 18%/76%). Praktika sind insgesamt klar weniger verbreitet (13% eines, 16% mehrere).
Arbeitsplätze in der Nähe von zu Hause bleiben begehrt. Rund zwei Drittel wären nach der beruflichen Grundbildung gerne bei einem Unternehmen an ihrem Wohnort (66%) oder in ihrem Heimatkanton (71%) angestellt, und etwas mehr als die Hälfte könnte sich eine Anstellung bei einem regional tätigen KMU (55%) gut vorstellen. Dagegen wären lediglich 39 Prozent der Jugendlichen gern im Ausland bei einem international tätigen Unternehmen und 33 Prozent bei einem exportorientierten KMU angestellt. Gerne wären Jugendliche aber auch ihr eigener Chef: Die Perspektive der beruflichen Selbstständigkeit ist für eine Mehrheit der Jugendlichen attraktiv, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie am Ende der Corona-Pandemie (2026: 57% gerne oder eher gerne selbstständig, 2025: 57%, 2024: 59%, 2023: 68%, 2022: 69%, 2021: 52%, 2020: 47%, 2019: 53%, 2018: 49%).
Von den Jugendlichen, die eine schulisch organisierte berufliche Grundbildung (z.B. Handelsmittelschule) anstreben, haben sich 47 Prozent noch nicht für ein entsprechendes Angebot angemeldet. Lediglich 22 Prozent von ihnen geben an, bereits an einer Schule aufgenommen worden zu sein (2025: 24%, 2024: 26%, 2023: 25%, 2022: 16%, 2021: 21%, 2020: 19%, 2019: 23%).
Weiterführende Angebote im Anschluss an die berufliche Grundbildung sind bei den Jugendlichen unterschiedlich bekannt: Die Berufsmaturität (2026: 78%, 2025: 78%, 2024: 79%, 2023: 79%) und die Fachhochschulen (2026: 72%, 2025: 72%, 2024: 76%, 2023: 75%) sind von allen weiterführenden Angeboten am bekanntesten. Von jenen, die sich im April 2026 für eine berufliche Grundbildung interessieren, weiss knapp die Hälfte, was die höhere Berufsbildung ist (2026: 47%, 2025: 50%, 2024: 48%, 2023: 50%). 56 Prozent geben an, höhere Fachschulen oder eidgenössische Prüfungen zu kennen (2025: 56%, 2024: 57%). Etwas mehr als die Hälfte kennt Universitäten oder die ETH als Weiterbildungsmöglichkeiten nach der beruflichen Grundbildung (2026: 54%, 2025: 53%, 2024: 55%, 2023: 57%), bzw. die PH (2026: 52%, 2025: 52%, 2024: 54%, 2023: 57%).
Jugendliche mit Interesse an Maturitäts- und Fachmittelschulen
Von jenen 38’006 Jugendlichen, die sich für eine Maturitäts- oder Fachmittelschule interessieren, haben 41 Prozent die Aufnahmeprüfungen bestanden oder erfüllen die Aufnahmebedingungen und haben deshalb einen zugesicherten Platz für die Zeit nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit. Das ist ein ähnlicher Wert wie im Vorjahr (2025: 40%, 2024: 41%, 2023: 46%, 2022: 36%, 2021: 40%, 2020: 36%, 2019: 45%).
Auch 2026 ist ein Schwerpunkt in Wirtschaft/Handel/Recht der beliebteste für Jugendliche, die sich für den allgemeinbildenden Weg interessieren (24%).
An zweiter Stelle folgt ein Schwerpunkt in Biologie/Chemie (17%) und an dritter Stelle folgen gleichauf das neusprachliche Profil (14%) und Physik und Anwendungen der Mathematik (14%). Über die Zeit betrachtet, erweisen sich die Verteilungen auf diese fünf Schwerpunkte sowie deren Hierarchie als relativ stabil.
Nach Geschlecht zeigen sich auch hier deutliche Unterschiede. Bei jungen Männern steht Wirtschaft/Handel/Recht klar an erster Stelle (35%), gefolgt von Physik und Anwendungen der Mathematik (22%). Bei jungen Frauen ist Biologie und Chemie am stärksten gefragt (21%), gefolgt vom neusprachlichen Profil (17%). Auch Philosophie/Pädagogik/Psychologie sowie bildnerisches Gestalten/Musik werden von jungen Frauen häufiger genannt als von jungen Männern.
Jugendliche in Brückenangeboten oder Zwischenlösungen
14 Prozent der Jugendlichen interessieren sich aktuell für ein Brückenangebot, womit sich der Wert über die Erhebungsjahre als stabil erweist (2025: 12%, 2024: 13%, 2023: 14%, 2022: 13%, 2021: 14%, 2020: 8%, 2019: 8%, 2018: 11%). Eine fehlende Lehrstelle bleibt auch 2026 der am häufigsten angegebene Grund für die Wahl eines Brückenangebots (2026: 34%, 2025: 35%, 2024: 36%, 2023: 34%, 2022: 27%, 2021: 28%, 2020: 35%, 2019: 32%). An zweiter Stelle steht das Motiv, schulische Leistungen zu verbessern und Lernstoff nachzuholen (2026: 10%, 2025: 14%, 2024: 12%). Im Vorjahr wurde zudem ähnlich häufig angegeben, dass das Brückenangebot eine Voraussetzung für die anschliessende Ausbildung sei. Dieser Grund wird im aktuellen Erhebungsjahr etwas seltener genannt (2026: 8%, 2025: 12%). Ähnlich häufig werden andere Gründe angegeben (2026: 11%). Die wenigen offenen Antworten deuten darauf hin, dass Brückenangebote vor allem als Zwischenlösung bei noch offener Anschlusslösung, als Orientierungsphase oder als Vorbereitung auf eine spätere berufliche Grundbildung verstanden werden. Weiter spielt der Wunsch, Sprachkenntnisse zu verbessern, für 9 Prozent eine Rolle beim Entscheid für ein Brückenangebot. Und 6 Prozent geben als Grund für ein Brückenangebot an, dass sie die Aufnahmeprüfungen für die gewünschte Schule nicht bestanden haben.
Das Interesse an einem Brückenangebot ist aber wie in den letzten Jahren bei der Mehrheit der Jugendlichen noch wenig konkret. 61 Prozent der 15-17-Jährigen (Tessin 14-16-Jährige), die sich für ein Brückenangebot interessieren, haben sich noch nicht für ein solches angemeldet (2025: 55%, 2024: 58%, 2023: 54%, 2022: 59%, 2021: 60%, 2020: 65%, 2019: 53%). Weitere 27 Prozent sind angemeldet, warten aber noch auf eine Zusage. Kurzfristig stabile 18 Prozent geben an, bereits in ein Brückenangebot aufgenommen worden zu sein (2025: 19%, 2024: 23%, 2023: 24%, 2022: 23%, 2021: 23%, 2020: 17%, 2019: 17%).
2026 geben erneut weniger Jugendliche an, ein Zwischenjahr machen zu wollen. Der Anteil liegt aktuell bei 11 Prozent und ist damit gegenüber den beiden Vorjahren weiter zurückgegangen (2025: 14%, 2024: 17%, 2023: 12%). Nach dem zwischenzeitlichen Anstieg in den Jahren 2023 und 2024 hat sich das Interesse an einem Zwischenjahr somit wieder auf dem Niveau der Jahre vor der Pandemie eingependelt.
Die Gründe für ein Zwischenjahr bleiben vielfältig. Dies zeigt sich unter anderem an der Sammelkategorie «Anderes», die 23 Prozent der Nennungen ausmacht. Die offenen Antworten deuten darauf hin, dass Zwischenlösungen vor allem als Orientierungsphase, als Möglichkeit zur sprachlichen oder persönlichen Weiterentwicklung, als Absicherung bei noch offener Anschlusslösung oder als Vorbereitung auf eine spätere Ausbildung verstanden werden. Aufgrund der geringen Zahl inhaltlicher Nennungen sollten diese Befunde jedoch vorsichtig und primär qualitativ interpretiert werden. Rund ein Drittel der Jugendlichen, die sich für eine Zwischenlösung interessieren, macht keine Angabe zum Grund (32%). Inhaltlich am häufigsten wird genannt, dass keine passende Lehrstelle gefunden wurde. Dieser Grund hat seit 2023 kontinuierlich an Bedeutung gewonnen und erreicht 2026 mit 27 Prozent den höchsten Wert der Zeitreihe (2025: 18%, 2024: 16%, 2023: 12%). Daneben spielt auch der Wunsch, Zeit für sich selbst zu haben, weiterhin eine Rolle. Der entsprechende Anteil liegt 2026 bei 13 Prozent und damit auf dem Niveau des Vorjahres.
Weniger als die Hälfte der Jugendlichen, die eine Zwischenlösung anstreben, hat bereits eine feste Zusage für die Pläne im Zwischenjahr, was nochmals weniger ist als im Vorjahr (2026: 41%, 2025: 49%, 2024: 59%, 2023: 56%, 2022: 47%, 2021: 49%, 2020: 52%, 2019: 51%). Für die Zeit nach dem Zwischenjahr oder dem Brückenangebot planen die meisten Jugendlichen eine berufliche Grundbildung (72% jener mit Interesse an einem Zwischenjahr bzw. 58% jener mit Interesse an einem Brückenangebot). Der allgemeinbildende Weg ist eher für jene mit Interesse an einem Brückenangebot eine Option als für solche, die ein Zwischenjahr absolvieren wollen (18% resp. 0%). In beiden Gruppen sind aber viele noch unentschlossen, was die nähere Zukunft betrifft (25% resp. 28% weiss nicht).
Lehrstellenangebot
Insgesamt bewegt sich das Lehrstellenangebot der Unternehmen 2026 auf einem ähnlichen Niveau wie in den vier vorangehenden Jahren, jedoch deutlich unter jenem von 2020 und 2021 (2026: 74’086, 2025: 76’273, 2024: 75’724, 2023: 76’881, 2022: 76’749, 2021: 87’786, 2020: 87’496, 2019: 81’340). Die erhöhten Werte von 2020 und 2021 dürften einer Überschätzung des Angebots in den Pandemiejahren 2020 und 2021 geschuldet sein. Diese zeigte sich in den beiden ausbildungsstärksten Branchen besonders deutlich (Handel sowie Gesundheits- und Sozialwesen). Entsprechend wird bei der Interpretation von Trends auf Branchenebene, wie sie untenstehend abgebildet sind, Zurückhaltung geübt.
Von den insgesamt 74’086 angebotenen Lehrstellen entfällt auch 2026 der Grossteil auf die Handelsbranche, das Gesundheits- und Sozialwesen und das Baugewerbe. Zusammen mit dem in den letzten Jahren konstant gebliebenen Lehrstellenangebot im Bereich Land- und Forstwirtschaft stellen diese Branchen mehr als die Hälfte der 2026 angebotenen Lehrstellen und bilden damit stabile Pfeiler des Lehrstellenmarktes.
Bemerkenswert ist dabei die Trendwende beim Lehrstellenangebot der Handelsbranche: Erstmals seit 2021 bietet diese Branche wieder mehr Lehrstellen an. Damit nimmt die Handelsbranche zusammen mit dem Gesundheits- und Sozialwesen ihre ursprüngliche, führende Position punkto Lehrstellenangebot wieder ein. Das kontinuierliche Wachstum im Bereich freiberuflicher Dienstleistungen, wo 2025 mit 7’844 Stellen ein Höchstwert erreicht wurde, wird in diesem Jahr nicht bestätigt. Tendenziell rückläufig ist dagegen das Lehrstellenangebot des verarbeitenden Gewerbes. Branchen mit weniger als 1’000 Lehrstellen werden unter der Kategorie «Andere Branchen» summiert.
6’327 der angebotenen Lehrstellen sind EBA-Lehren (8%). 67’083 sind EFZ-Lehren (91%). Das restliche Prozent der Lehrstellen lässt sich aufgrund der Angaben nicht eindeutig zuordnen. Von den 2026 angebotenen Lehrstellen entfallen 77 Prozent auf die Deutschschweiz, 20 Prozent auf die französischsprachige und 3 Prozent auf die italienischsprachige Schweiz. Diese Verteilung auf die Sprachregionen erweist sich als äusserst stabil.
Über die Hälfte der Unternehmen, die Lehrstellen anbieten, bietet 2026 gleichzeitig die Möglichkeit an, während der beruflichen Grundbildung die Berufsmaturität zu absolvieren. Dieser Anteil liegt damit aktuell auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Spitzenjahr 2020 (2026: 56%; 2025: 51%, 2024: 52%, 2023: 48%, 2022: 56%, 2021: 55%, 2020: 57%, 2018/2019: 44%). Besonders häufig bieten erneut Unternehmen mit mehr als 100 Angestellten diese Möglichkeit an (2-9 Beschäftigte: 51%, 10-100 Beschäftigte: 65%, 100+ Beschäftigte: 87%) und solche, die im zweiten (Industrie und Gewerbe) oder dritten Sektor (Dienstleistungen) tätig sind (1. Sektor: 39%, 2. Sektor: 58%, 3. Sektor: 58%). Dabei zeigt sich, dass der Anteil 2026 gerade in jenen Gruppen am deutlichsten gestiegen ist, die diese Möglichkeit bislang vergleichsweise seltener angeboten haben
Das Informationsverhalten der Unternehmen bleibt weitgehend unverändert: Um Interessierte über freie Lehrstellen zu informieren, nutzen Unternehmen weiterhin häufig eigene Kanäle, wie die eigene Firmen- oder Verbandswebseite (45%) oder persönliche Kontakte (38%). Weiter spielt der kantonale Lehrstellennachweis eine wichtige Rolle bei der Ausschreibung freier Lehrstellen (44%). 17 Prozent der Unternehmen pflegen direkte Kontakte zu Schulen. Ähnlich viele Unternehmen nutzen das Internet, um über Lehrstellen zu informieren: Je 17 Prozent nutzen zudem soziale Netzwerke oder Suchmaschinen im Internet und 19 Prozent das Berufsbildungsportal yousty.ch.
Anlässe für Lehrstellensuchende werden nur von 15 Prozent der Unternehmen für die Information über freie Lehrstellen genutzt, Publikumsmessen oder Kongresse nur von 3 Prozent. Inserate spielen für 10 Prozent eine Rolle bei der Ausschreibung freier Lehrstellen, Plakate lediglich für 2 Prozent. Am ehesten nutzen Grossunternehmen solche werberischen Kanäle (Inserate/Plakate) für die Suche von Lernenden (Plakate: 2-9 Beschäftigte: 2%/ 10-99 Beschäftigte: 1%/ 100+ Beschäftigte: 6%, Inserate 8%/ 11%/ 30%).
Das Anbieten von Schnupperlehren ist für ausbildende Unternehmen in der Schweiz die Regel. Wie bereits im Vorjahr geben lediglich 4 Prozent der Unternehmen an, keine solchen anzubieten. Im Durchschnitt empfingen Unternehmen 2026 fünf Schüler:innen für Schnupperlehren. Dieser Wert variiert beträchtlich nach Unternehmensgrösse: Bei Unternehmen mit 2-10 Beschäftigten schnupperten 2026 bisher durchschnittlich drei Schüler:innen, bei solchen mit 10-99 Beschäftigten sechs und bei den grössten Unternehmen 60. Über die Zeit betrachtet bleibt die durchschnittliche Anzahl der in Schweizer Unternehmen absolvierten Schnupperlehren weitgehend konstant (2026: 5, 2025: 5, 2024: 4, 2023: 4, 2022: 4, 2021: 4, 2020: 5, 2019: 5).
Vergebene Lehrstellen
68 Prozent der angebotenen Lehrstellen konnten im März/April 2026 bereits besetzt werden. Nach stetigem Rückgang vergebener Lehrstellen zu diesem Zeitpunkt stabilisiert sich die Vergabequote damit wieder auf dem Niveau der ersten Erhebungsjahre (2026: 68%, 2025: 67%, 2024: 66%, 2023: 63%, 2022: 64%, 2021: 63%, 2020: 66%, 2019: 67%; 2018: 70%).
Der Anteil der im Frühjahr 2026 vergebenen Lehrstellen variiert beträchtlich zwischen den verschiedenen Branchen. Bereits viele Lehrstellen sind in den Branchen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Information und Kommunikation, freiberufliche Dienstleistungen, Land- und Forstwirtschaft sowie der öffentlichen Verwaltung vergeben. Im Bereich freiberuflicher Dienstleistungen ist der Anteil bereits vergebener Lehrstellen stabil, obwohl deutlich weniger Lehrstellen angeboten wurden als im Vorjahr. Damit scheint die entsprechende Nachfrage dennoch abgedeckt. Geringer als noch in den Jahren 2024 und 2023 ist der Anteil vergebener Lehrstellen im Bereich Erziehung und Unterricht, was bei einem in etwa gleichbleibenden Angebot auf eine tiefere Nachfrage hindeutet. Vergleichsweise viele offene Lehrstellen finden sich dagegen im März/April 2026 im Gastgewerbe, im Baugewerbe, im Handel und im Bereich sonstige Dienstleistungen. Der im letzten Jahr ebenfalls dazuzählende Bereich sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen weist derzeit einen deutlich erhöhten Anteil bereits vergebener Lehrstellen auf.
Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass sich die Lehrstellenvergabe nach den pandemiebedingten Einbrüchen in mehreren Branchen stabilisiert hat. Die Erholung verläuft jedoch nicht überall im gleichen Takt. Während Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, freiberufliche Dienstleistungen, Information und Kommunikation sowie die öffentliche Verwaltung weiterhin hohe Vergaberaten aufweisen, bleiben Bau- und Gastgewerbe am unteren Ende der Rangliste.
Rückblickend sind zwei Aspekte bemerkenswert. In der Finanz- und Versicherungsbranche waren 2025 so viele Lehrstellen wie nie zuvor in der Untersuchungsreihe noch unbesetzt; aktuell nähert sich dieser Wert wieder dem Niveau der Vorjahre an. In der öffentlichen Verwaltung zeigt sich die gegenteilige Entwicklung. Der zuletzt hohe Anteil bereits vergebener Lehrstellen ist wieder auf das Niveau von 2024 gesunken.
Aus der Kombination des Lehrstellenangebots und dem Stand der Vergabe lassen sich Rückschlüsse auf die Marktsituation ziehen. Im Gesundheits- und Sozialwesen und in der Land- und Forstwirtschaft trifft das hohe Angebot an Lehrstellen auf rege Nachfrage. Trotz kleinerer Angebotsbasis bleibt die Informations- und Kommunikationsbranche hoch attraktiv und kann Lehrstellen früh besetzen. Zu den Branchen mit hohem Angebot, aber tiefer Vergabequote, zählen das Bau- und das Gastgewerbe sowie die Handelsbranche.
Durchschnittlich erhielten Unternehmen 2026 bisher 11 Bewerbungen auf eine Lehrstelle. Damit liegt der Wert leicht unter dem bisherigen Rekordwert des Vorjahrs (2026: 11, 2025: 13, 2024: 8, 2023: 7, 2022: 9, 2021: 10, 2020: 10, 2019: 8). Besonders Grossunternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten erhalten 2026 überdurchschnittlich viele Bewerbungen auf ihre Lehrstellen, aber auch Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationsbranche, dem Finanz- und Versicherungswesen, dem Bereich Erziehung und Unterricht, der öffentlichen Verwaltung sowie dem Gesundheits- und Sozialwesen.
Veränderung Lehrstellenangebot
Die Entwicklung des Lehrstellenangebots zeigt sich gemäss Selbsteinschätzung der Unternehmen im Jahr 2026 insgesamt stabil. Der Grossteil der befragten Unternehmen gibt an, das Lehrstellenangebot gegenüber dem Vorjahr konstant gehalten zu haben (72%). 10 Prozent bieten, verglichen mit dem Vorjahr, mehr Lehrstellen an. 10 Prozent bieten hingegen weniger an. Dies bestätigt den langfristigen Trend eines robusten Schweizer Lehrstellenmarktes, bei welchem grössere Schwankungen selten bleiben.
Ein differenzierter Blick auf einzelne Branchen zeigt jedoch gezielte Anpassungen nach expliziter Nachfrage bei den Unternehmen. Mehr Lehrstellen werden 2026 besonders im Bereich Erziehung und Unterricht (18%), Gastgewerbe und dem Gesundheits- und Sozialwesen (je 14%), im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (13%) sowie im verarbeitenden Gewerbe (12%) angeboten.
Gleichzeitig verzeichnen einzelne Branchen Rückgänge, vor allem und zum zweiten Mal in Folge die sonstigen Dienstleistungen (2026: 22%, 2025:18%) und die Information und Kommunikation (20%), was auf branchenspezifische Herausforderungen hindeutet. Besonders stabil zeigen sich die Land- und Forstwirtschaft (86 % bieten gleich viele Lehrstellen) sowie die öffentliche Verwaltung (85%).
Wie bereits in den Vorjahren sind es auch 2026 vor allem die grössten Unternehmen, die das Lehrstellenangebot erhöhen (2026: 25%, 2025: 28%, 2024: 26%, 2023: 30% 2022: 23%, 2021: 20%, 2020: 26%, 2019: 28% mit mehr Lehrstellen bei Unternehmen mit 100 oder mehr Angestellten).
Sowohl unter den Gründen für mehr Lehrstellen als auch unter jenen für weniger wird häufig angegeben, dass das Angebot an Lehrstellen einfach von Jahr zu Jahr variiert. Viele Unternehmen regulieren ihr Lehrstellenangebot offenbar zyklisch oder bedarfsorientiert, ohne dass eine strukturelle Veränderung vorliegt.
Die Motivation für ein erhöhtes Lehrstellenangebot liegt auch 2026 im langfristigen und strukturellen Denken der Unternehmen: Fachkräftesicherung und flexible Ressourcenplanung (jährliche Schwankungen) sind die zwei wichtigsten Treiber. Daneben ist die Begründung für mehr Lehrstellen wieder breiter angelegt: So spielen beispielsweise Neuausrichtungen, Personenmangel, die explizite Entscheidung, ein Ausbildungsunternehmen sein zu wollen, oder etwa die Übernahme von Lernenden eine Rolle. Die Sorge um den Berufsnachwuchs treibt Unternehmen seit Beginn der Untersuchungsreihe an. Die starke Nachfrage nach Lehrstellen ist insbesondere seit dem Ende der Pandemie vermehrt der Grund für einen Angebotsausbau, nimmt aber in ihrer Wichtigkeit wieder ab. Krisenbedingte Sondereffekte wie die Corona-Pandemie haben kaum noch Einfluss, und auch demografische Erwägungen (Pensionierungen, Teilzeittrend) spielen nur eine untergeordnete Rolle. Aktuell führen die Unternehmen ihr erhöhtes Lehrstellenangebot deutlich seltener auf die derzeitige Wirtschaftslage zurück.
Unternehmen nennen 2026 neben der Hauptbegründung, dass das Unternehmen nicht jedes Jahr gleich viele Lehrstellen anbietet, insbesondere zwei Gründe für den Rückgang an Lehrstellen: interne Umstrukturierungen und eine aus ihrer Sicht mangelnde Qualifikation vieler Schulabgänger:innen. Die Einschätzung zur Qualifikation basiert dabei auf einer unternehmensseitigen Bewertung und nicht auf unabhängigen Erhebungen. Die beiden Gründe werden stabil genannt und können somit als strukturelle Gründe gelten.
2025 war die aktuelle Wirtschaftslage gleichsam entscheidend. Aktuell ist der Grund etwas weniger zentral für die unternehmerische Entscheidung, weniger Lehrstellen anzubieten. Seit 2023 werden Personalengpässe im Ausbildungsteam vermehrt als limitierender Faktor für die Lehrstellenanzahl genannt. Das Problem scheint sich aber nicht weiter zu verschärfen.
Die schwache Nachfrage nach Lehrstellen wurde 2023 und 2024 häufiger als Grund genannt, verlor in den letzten beiden Jahren jedoch wieder an Bedeutung.
Wichtiger Hinweis:
Wichtiger Hinweis: Bei den ausgewiesenen Werten handelt es sich um hochgerechnete Werte. Die Stichprobenergebnisse wurden auf die Grundgesamtheit hochgerechnet.
Die Hochrechnung der Jugendlichen basiert auf den Jugendlichen, die gemäss Statistik der Lernenden (Bundesamt für Statistik) im Vorjahr die 8. Klasse (das zehnte Schuljahr) besucht haben.
Die Hochrechnung der Unternehmen basiert auf den Angaben der Eintritte in die berufliche Grundbildung des Vorjahres (BFS). Detailangaben zu den Hochrechnungen finden sich im ausführlichen Forschungsbericht zum Projekt.
Jugendliche:
Unternehmen:
Lukas Golder: Politik- und Medienwissenschaftler, Co-Leiter gfs.bern
Martina Mousson: Politikwissenschaftlerin, Senior Projektleiterin
Adriana Pepe: Politikwissenschaftlerin, Projektleiterin
Alessandro Pagani: Politikwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter
Roland Rey: Projektmitarbeiter / Administration
Externe Beratung
Prof. Dr. Stefan C. Wolter, Professor für Bildungsökonomie, Universität Bern