Versorgungssicherheit rückt ins Zentrum

Inländische Produktion und Kernenergie gewinnen an Bedeutung

Im Auftrag von Jan Flückiger und Adrian Reber, Verband Schweizer Elektrizitätsunternehmen VSE

Das Forschungsinstitut gfs.bern führte im Auftrag des Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE eine Befragung bei 1’015 Stimmberechtigten durch. 710 Interviews davon wurden, wie in den vergangenen Jahren, mittels eines „Random Digit Dialing (RDD)“-Verfahrens ausgewählt und via Telefon befragt. 305 Interviews wurden über das gfs.bern-eigene Panel «Polittrends» durchgeführt.

Die Erhebung fand zwischen dem 23. März und dem 15. April 2026 statt und beleuchtet zentrale Themen zur Energiepolitik und Versorgungssicherheit. Alle Angaben gelten bei einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit mit einem Unsicherheitsbereich von ±3,1 Prozentpunkten.

Weitere Details zur Befragungsmethode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.

Befunde

Energiepolitik

Die Befragung fand in einem energiepolitisch stark aufgeladenen Umfeld statt. Innenpolitisch rückte die Kernenergie erneut deutlich ins Zentrum der Debatte: Der Ständerat sprach sich im März 2026 dafür aus, das Neubauverbot für Atomkraftwerke grundsätzlich wieder aufzuheben, als indirekten Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative. Damit wurde die Frage, ob Versorgungssicherheit künftig wieder stärker technologieoffen gedacht werden soll, politisch neu akzentuiert. Parallel dazu blieb auch das Stromabkommen mit der EU, Teil der energiepolitischen Agenda; nach der Überweisung der Botschaft ans Parlament im März 2026 wurde es als Beitrag zur Netzstabilität, zum Stromhandel und zur Versorgungssicherheit diskutiert. Zusätzlich wurde die energiepolitische Debatte durch internationale Unsicherheiten geprägt. Der Irankrieg und die zeitweise angespannte Lage rund um die Strasse von Hormus rückten Fragen der Energieversorgung, der Abhängigkeit von internationalen Märkten und der Preisstabilität erneut in den Vordergrund.

 

Zwar war die Versorgung der Schweiz mit Mineralölprodukten gemäss Bund weiterhin gewährleistet, die globale Versorgungslage wurde aber als angespannt beschrieben.

Vor diesem Hintergrund ist die etwas kritischere Beurteilung der Schweizer Energiepolitik auch als Ausdruck einer breiteren Verunsicherung zu lesen. So zeigt sich 2026 eine knappe Mehrheit der Stimmberechtigten mit der Schweizer Energiepolitik einverstanden (52%). Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang von 7 Prozentpunkten. Wir beobachten damit im Vergleich zu den vorangehenden Jahren eine etwas kritischere Sicht auf die Energiepolitik, wobei der Anteil Personen, die sich mit dieser Politik nicht einverstanden zeigen, mit 3 Prozentpunkten nicht signifikant zugenommen hat (42%).

Bei Betrachtung der Einschätzungen zur Energie- und Klimapolitik in der Schweiz wird deutlicher, woher die stärker spürbare Kritik herrührt.

Am stärksten verankert bleibt die Unterstützung für erneuerbare Energien. So stimmen im Jahr 2026 80 Prozent der Stimmberechtigten der Aussage zu, dass die Förderung erneuerbarer Energieformen gelebter Klimaschutz ist. Ebenfalls sehr hohe Zustimmung erhält die Einschätzung, dass das neue Stromgesetz ein sinnvoller Schritt für die Energiezukunft der Schweiz ist (76%). Gleichzeitig bleibt auch die energiepolitische Unabhängigkeit ein zentrales Motiv. 72 Prozent sind der Ansicht, dass mit der Förderung erneuerbarer Energien die Energieabhängigkeit vom Ausland am besten bekämpft werden könne. Ebenfalls verbreitet ist die Forderung, die Abhängigkeit von fossilen Energien aus nicht demokratischen Ländern zu stoppen (70%), auch wenn diese im Vergleich zu 2025 leicht an Zustimmung verliert (-4 Prozentpunkte [Pp.]).

Dass der Handlungsdruck in der Energiepolitik wieder steigt, zeigt sich auch darin, dass mit 67 Prozent wieder mehr Stimmberechtigte der Meinung sind, die Energiewende in der Schweiz gehe zu langsam (+4 Pp.). Gleichzeitig finden aber auch kritische Aussagen weiterhin relevante Zustimmung. 64 Prozent sind der Ansicht, erneuerbare Energien reichten nicht aus, um den Strombedarf der Schweiz zu decken. Damit bleibt die Versorgungssicherheit ein zentrales Spannungsfeld innerhalb der energiepolitischen Debatte.

Weniger deutlich, aber weiterhin mehrheitsfähig, ist die Ablehnung zusätzlicher Belastungen für Unternehmen. 54 Prozent sprechen sich dagegen aus, Schweizer Firmen durch zusätzliche Energieabgaben stärker zu belasten. Parallel dazu monieren 51 Prozent, dass die Weiterführung des aktuellen energiepolitischen Kurses zu Stromausfällen in Teilen der Schweiz führt. Die Zunahme von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verdeutlicht die Unsicherheit in der Bevölkerung und den gestiegenen Handlungsdruck abermals. Gleichzeitig verlieren grundsätzlich skeptische Positionen zur Energiewende an Rückhalt. So liegt der Anteil jener, die finden, ohne sofortigen Umstieg auf erneuerbare Energiequellen lasse sich die Klimakatastrophe nicht mehr abwenden, neu bei 50 Prozent (-6 Pp.). Etwas geringer fällt die Zustimmung zur Aussage aus, die Energiewende sei zu teuer (47%). Nach wie vor nur eine Minderheit ist hingegen der Meinung, dass die Energiewende in der Schweiz viel zu weit geht (37%).

Die Unterstützung für erneuerbare Energien und die strategische Stossrichtung der Schweizer Energiepolitik bleibt breit abgestützt. Gleichzeitig wächst aber der Druck, Fragen der Versorgungssicherheit stärker mitzudenken. Die Energiewende wird damit von einer Mehrheit nicht infrage gestellt, ihre konkrete Ausgestaltung bleibt jedoch umkämpft.

Im Einklang zu dieser Beobachtung wächst die Sorge um die Versorgungssicherheit in der Zukunft. Bei der Frage, ob der in der Energiepolitik eingeschlagene Weg in zehn Jahren in der Versorgungssicherheit zu Problemen führt, zeigt sich eine Zuspitzung.

Während im letzten Jahr noch 51 Prozent angaben, sich Sorgen zu machen, sind es dieses Jahr 58 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Anteil jener, die angeben, sich keine Sorgen zu machen, von 48 auf 37 Prozent.

Versorgungssicherheit

Im Trilemma der Stromproduktion zwischen Versorgungssicherheit, bezahlbarem Strompreis und klimaneutraler Energieproduktion bleibt auch 2025 die Sicherstellung der Versorgungssicherheit die häufigste erste Priorität (45%).

Etwas abgenommen hat demgegenüber die Priorisierung der klimaneutralen Energieproduktion (26%, -5 Pp.).

Bezogen auf den Umgang mit den Zielkonflikten innerhalb der Stromproduktion zeigt sich in diesem Jahr wieder ein ähnliches Meinungsbild in der Stimmbevölkerung: In den drei am stärksten unterstützten Aussagen wird jeweils die klimaneutrale und nachhaltige Stromproduktion dem Strompreis, der Versorgungssicherheit sowie dem Landschaftsschutz untergeordnet, wobei letzterer vor dem Hintergrund der Priorisierung inländischer Produktion erneuerbarer Energien ins Wanken gerät.

Am stärksten unterstützt bleibt die Aussage, dass der Aufbau nachhaltiger Energieproduktion den Strompreis nicht massiv verteuern dürfe. 70 Prozent stimmen dieser Haltung zu, auch wenn die Zustimmung gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgeht (-6 Prozentpunkte). Ebenfalls klar mehrheitsfähig bleibt die Priorisierung der Versorgungssicherheit: 63 Prozent sind der Meinung, dass sich die Schweiz Stromausfälle nicht leisten könne, selbst wenn dadurch Klima- und Energieziele nicht vollständig erreicht werden (-5 Pp.). Die unmittelbare Krisenwahrnehmung rund um eine Strommangellage hat sich damit zwar etwas abgeschwächt, Versorgungssicherheit bleibt jedoch ein zentrales Leitmotiv der Energiepolitik. Die Zustimmung zur Aussage, dass die Energiewende keine Ausrede für das Aufgeben des Landschaftsschutzes ist, bleibt ebenfalls mehrheitsfähig (60%).

Gleichzeitig wächst die Bedeutung der inländischen Energieproduktion. 58 Prozent unterstützen inzwischen die Aussage, dass die Produktion erneuerbarer Energien in der Schweiz auch dann gesteigert werden müsse, wenn dafür beim Umweltschutz Abstriche gemacht werden müssen (+8 Pp.). Parallel dazu bleibt auch die Unterstützung für eine rasche Energiewende mehrheitsfähig, egal wie viel Kosten dafür anfallen würden (52%). Dennoch sinkt die Bereitschaft, dafür grössere Risiken in Kauf zu nehmen: Nur noch 36 Prozent wären bereit, Stromausfälle zugunsten einer kompromisslosen Umsetzung der Energiewende zu akzeptieren (-8 Pp.). Damit erreicht diese Position den tiefsten gemessenen Wert seit Beginn der Erhebung.

Auffällig ist zudem die deutlich gestiegene Offenheit gegenüber der Kernenergie. Erstmals spricht sich mit 50 Prozent die Hälfte der Stimmberechtigten eher für ein neues AKW aus als für zahlreiche neue Kraftwerke wie Windräder, Solaranlagen oder Staumauern (+9 Pp.).

Massnahmen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit

Auch bei den politischen Massnahmen gegen eine mögliche Strommangellage zeigt sich 2026 im Vergleich zu 2024/2025 wieder mehr Bewegung in den Präferenzen.  Besonders breit abgestützt sind weiterhin Massnahmen, die den Ausbau der inländischen Stromproduktion stärken oder die Energieeffizienz erhöhen. Gleichzeitig zeigt sich eine zunehmende Skepsis gegenüber dem Ausbau von gewissen Erneuerbaren.

Am stärksten unterstützt bleibt die Förderung von Energieeffizienz. 89 Prozent der Stimmberechtigten halten entsprechende Massnahmen für sinnvoll (-4 Pp.). Ebenfalls sehr hohe Zustimmung erhalten der Ausbau der Wasserkraft (85%, -7 Pp.) sowie der Ausbau von Solaranlagen auf Gebäuden und Fassaden (82%, -12 Pp.). Trotz Rückgängen in der Zustimmung gegenüber dem Vorjahr bleiben diese Massnahmen klar mehrheitsfähig und bilden weiterhin den Kern eines breit akzeptierten energiepolitischen Kurses.

Ungebrochen hoch ist die Bereitschaft, selbst als Konsument oder Konsumentin in die Energieproduktion zu investieren (82%).

Auffällig ist zugleich die hohe Unterstützung für bestehende AKW. 79 Prozent sprechen sich dafür aus, Kernkraftwerke weiterzubetreiben, solange sie sicher sind. Damit befindet sich die Zustimmung auf gleich hohem Niveau wie die etablierte erneuerbare Technologie der Biomasse (79%). Etwas tiefer, aber weiterhin klar mehrheitsfähig, ist der Ausbau der Geothermie (72%) sowie die Unterstützung für steuerliche Anreize (71%). Beide Werte bleiben gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil.

Ebenfalls von klaren Mehrheiten unterstützt werden weiterhin der Ausbau der Windkraft und des Wasserstoffs (68%). Ebenso viele befürworten die Möglichkeit, Beschwerden gegen Energieprojekte einzuschränken, damit der Ausbau schneller vorankommt (68%). Diese Massnahme hat im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozentpunkte an Zustimmung zugelegt. Abgenommen hat hingegen die Unterstützung der Massnahme in Form von Lenkungsabgaben mit Rückerstattung an die Sparsameren (66%, -6 Pp.) Stabil auf 62 Prozent bleibt die Zustimmung zu Solaranlagen in den Bergen und auf Freiflächen. Damit bleibt die Bereitschaft gross, den Ausbau der inländischen Energieproduktion zu beschleunigen, auch wenn dafür Eingriffe in Verfahren oder Landschaften nötig werden.

Nicht nur die Weiterführung bestehender Atomkraftwerke, sondern auch neue werden mehrheitlich befürwortet. So halten 59 Prozent den Bau von AKW der nächsten Generation für sinnvoll (+6 Pp. gegenüber 2025).

Die stärkere Unsicherheit macht sich auch dadurch bemerkbar, dass der Bau von Gaskraftwerken für Notfälle in der Versorgung an Zustimmung gewinnt (51%, +6 Pp.). Auch der Bau heutiger AKW-Typen gewinnt an Zustimmung und erreicht 2026 48 Prozent (+9 Pp. gegenüber 2025). Die Kernenergie wird damit in diesem Jahr als realistischere Option zur langfristigen Sicherung der Stromversorgung wahrgenommen.

Demgegenüber bleiben klassische staatliche Eingriffe deutlich umstrittener. Politische Massnahmen in Form von Regulierungen und Verboten (43%) erreichen vergleichsweise tiefere Zustimmungswerte. Noch geringer bleibt die Unterstützung für mehr Stromimporte aus dem Ausland (25%). Die Bevölkerung setzt damit klar stärker auf den Ausbau der inländischen Stromproduktion als auf eine stärkere Abhängigkeit vom Ausland.

Stromgesetz

Für den Fall, dass der im Stromgesetz beschlossene Ausbau der Stromproduktion nicht ausreicht, setzt die Schweizer Bevölkerung nach wie vor eher auf erneuerbare Energien als auf Gas- und Kernkraftwerke. Jeweils eine Mehrheit würde in einer solchen Situation für mehr Solar (56%) respektive mehr Wasser (49%) plädieren, wobei erstere Energiequelle im Vergleich zum Vorjahr an Zustimmung gewinnt (+6 Pp.) und letztere leicht verliert (-4 Pp.).

Bei knapp jeder dritten Person würde die Wahl auf mehr Wind fallen (29%). Deutlich an Popularität gewonnen haben bei der Frage zum Kapazitätsmangel die Kernkraftwerke (43%, +13 Pp.). Auch die Gaskraftwerke werden in diesem Szenario Gaskraftwerke häufiger als alternative Quelle zur Stromproduktion gesehen (14%, +7 Pp.)

Wenn trotz aller Bemühungen keine weiteren Anlagen für Solar-, Wind- und Wasserkraft gebaut werden können, würde sich die Schweizer Bevölkerung betreffend zusätzlicher Stromproduktion nach wie vor eher für Kernkraftwerke (58%, +9 Pp.) als für Gaskraftwerke (26%) aussprechen.

Anlagen zur Stromproduktion

Auch bei der  Frage nach konkreten Standorten neuer Energieanlagen zeigen sich im Vergleich zum Vorjahr gewisse Verschiebungen.

Mit Abstand am breitesten abgestützt bleiben grosse Solaranlagen auf bestehender Infrastruktur wie Autobahnen oder Staumauern. 94 Prozent der Stimmberechtigten unterstützen solche Standorte. Ebenfalls hohe Zustimmung erhält 2026 die Nutzung von Solaranlagen auf geeigneten Dächern und Fassaden, selbst wenn dadurch traditionelle Ortsbilder beeinträchtigt werden (70%). Damit bleibt der Ausbau der Solarenergie gesellschaftlich stark legitimiert, solange bestehende Flächen genutzt werden können.

Darüber hinaus zeigt sich auch eine nach wie vor relativ hohe Offenheit gegenüber Eingriffen in alpine Räume. So werden zwar etwas weniger stark, aber immer noch mehrheitlich neue Stauseen an Orten früherer Gletscher befürwortet (70%, -6 Pp.).

Stabile 59 Prozent der Stimmbevölkerung haben zudem nichts einzuwenden gegen Windräder auf Hügeln oder in der Nähe von Wohnhäusern. Die Bereitschaft, neue Energieinfrastruktur auch sichtbar im Landschaftsbild zuzulassen, bleibt damit mehrheitsfähig und verweist auf die hohe Bedeutung der inländischen Stromproduktion. Grosse Solaranlagen in den Bergen auf freien Wiesen werden ebenfalls knapp mehrheitlich akzeptiert (52%).

47 Prozent haben zudem gegen ein AKW in der benachbarten Region im Umkreis von zehn Kilometern nichts einzuwenden. Etwas zurückhaltender bleibt die Haltung gegenüber fossilen Lösungen. Ein Gaskraftwerk in zehn Kilometern Entfernung vom eigenen Wohnort wird lediglich von 44 Prozent (+5 Pp.) unterstützt und bleibt damit klar hinter den erneuerbaren Formen der Stromproduktion zurück.

Blackout-Initiative

Die zunehmende Offenheit gegenüber technologieoffenen Lösungen zeigt sich schliesslich auch bei der sogenannten Blackout-Initiative. Nachdem sich in den vorangehenden Befunden bereits eine wachsende Akzeptanz der Kernenergie sowie ein stärkerer Fokus auf Versorgungssicherheit abgezeichnet haben, findet auch die Initiative selbst inzwischen eine mehrheitsfähige Ausgangslage.

Würde heute über die Blackout-Initiative abgestimmt, würden 55 Prozent der Stimmberechtigten eher oder klar zustimmen, während 36 Prozent die Vorlage ablehnen.

2025 lag der Ja-Anteil noch bei 46 Prozent. Die Initiative gewinnt damit innerhalb eines Jahres an Unterstützung. Der Anteil Unentschlossener bleibt mit 9 Prozent vergleichsweise tief.  Etwas ambivalenter präsentiert sich hingegen das Bild beim Gegenvorschlag, der sich auf die Aufhebung des Neubauverbots für Atomkraftwerke beschränkt. Zwar sprechen sich auch hier 50 Prozent für die Vorlage aus, gleichzeitig fällt die Ablehnung mit 44 Prozent relativ hoch aus. Auffällig ist zudem die stärkere Polarisierung: Der Anteil klarer Ablehnung liegt mit 22 Prozent deutlich höher als bei der Initiative.

Mit der steigenden Zustimmung zur Blackout-Initiative verschiebt sich auch die Wahrnehmung der damit verbundenen Argumente. Besonders stark verfängt dabei die Verbindung von Versorgungssicherheit, wirtschaftlicher Stabilität und technologischer Offenheit.

Am meisten Zustimmung erhalten wirtschafts- und versorgungspolitische Überlegungen. Jeweils 73 Prozent der Stimmberechtigten sind der Meinung, dass eine zuverlässige Stromversorgung die Wirtschaft stärkt und Unternehmen in der Schweiz hält, sowie dass ein Bau neuer Kernkraftwerke kurzfristige Versorgungsprobleme nicht lösen würde. Gleichzeitig betonen 70 Prozent der Stimmberechtigten, dass alle klimaschonenden Technologien – inklusive Kernenergie – genutzt und diskutiert werden sollen. Breit abgestützt ist auch die Vorstellung, dass sich Kernkraft und erneuerbare Energien sinnvoll ergänzen (62%).

Auffällig ist zudem die Entwicklung beim Argument rund um erneuerbare Energien. Mittlerweile unterstützt eine Mehrheit von 55 Prozent die Aussage, dass Sonne und Wind die Stromversorgung nicht sicherstellen und es deshalb Kernkraftwerke braucht (+11 Pp.), was die gestiegenen Bedenken bezüglich Versorgungssicherheit spürbar macht. Hingegen leicht abgenommen hat die Meinung, dass die Annahme der Initiative zu neuen Atomkraftwerken führt, was hohe Kosten und langfristig grosse Risiken mit sich bringt (54%, -4 Pp.). Knapp die Hälfte ist zudem der Überzeugung, dass Kernkraftwerke benötigt werden, um den grossen Energiebedarf von KI-Rechenzentren decken zu können (49%).  Klar an Zustimmung eingebüsst hat hingegen die Aussage, dass die Initiative Investitionen in erneuerbare Energien verhindert und den Fortschritt bremst (-10 Pp.). Damit fällt dieses Argument erstmals unter die Mehrheitsgrenze – gemäss Wirkungsanalyse der stärkste Treiber für die Ablehnung der Initiative und des Gegenvorschlags.

Stromabkommen und Marktliberalisierung

Nachdem die Zustimmung zu einem Stromabkommen mit der EU im vergangenen Jahr ihren Höchststand erreicht hatte, zeigt sich 2026 wieder eine gewisse Abkühlung. Dennoch bleibt die Unterstützung insgesamt klar mehrheitsfähig und bewegt sich weiterhin auf vergleichsweise hohem Niveau.

Aktuell sprechen sich 66 Prozent der Stimmberechtigten sehr oder eher für ein Stromabkommen mit der EU aus.

Gegenüber 2025 entspricht dies einem Rückgang von 13 Prozentpunkten. Gleichzeitig steigt die Ablehnung wieder leicht an: 23 Prozent sind eher oder sehr dagegen (+6 Pp.). Trotz dieses Rückgangs bleibt die Zustimmung deutlich höher als noch 2022 oder 2024. Das Stromabkommen wird weiterhin von einer breiten Mehrheit als sinnvoller Beitrag zur Versorgungssicherheit wahrgenommen.

Die Argumente zum Stromabkommen werden auffallend häufig ambivalent beurteilt und sind von Unsicherheit geprägt. Zwar wird das Abkommen weiterhin mehrheitlich mit Versorgungssicherheit verbunden, bei vielen konkreten Auswirkungen herrscht jedoch spürbare Unsicherheit. Auffällig ist insbesondere der hohe Anteil an Personen ohne klare Position, was auf eine noch wenig gefestigte Meinungsbildung hindeutet. Dies dürfte auch mit den aktuell zahlreichen geopolitischen Unsicherheiten zusammenhängen, welche die Energieversorgung und den europäischen Energiemarkt direkt betreffen.

Klar am stärksten verfängt das Argument zur Versorgungssicherheit. 71 Prozent stimmen der Aussage zu, dass das Stromabkommen wichtig sei, weil es notwendige Stromimporte im Winter absichere – laut der Wirkungsanalyse ein zentraler Treiber für die Befürwortung des Stromabkommens. Bei den anderen Argumenten zeigt sich hingegen ein deutlich offeneres Meinungsbild. So stimmen 44 Prozent der Aussage zu, das Stromabkommen führe zu mehr Rechtssicherheit.

Gleichzeitig äussern sich 36 Prozent ablehnend, während weitere 20 Prozent keine klare Position einnehmen. Ähnlich verteilt sind die Einschätzungen zu den Auswirkungen auf den Ausbau erneuerbarer Energien oder zu möglichen höheren Strompreisen infolge der Marktöffnung.

Auch bei Fragen zur nationalen Souveränität bleibt das Bild uneinheitlich. 42 Prozent befürchten, die Schweiz könne mit dem Stromabkommen weniger selbst über ihre Reservekraftwerke entscheiden, während 35 Prozent dies nicht so sehen. Ebenfalls auffällig ist die hohe Unsicherheit bei institutionellen Fragen: Fast jede vierte Person macht keine Angabe dazu, ob die Kantone durch das Abkommen Hoheit über ihre Wasserkraft verlieren würden. Besonders wenig überzeugt schliesslich das Argument, das Stromabkommen führe zu tieferen Strompreisen. Nur 29 Prozent stimmen dieser Aussage zu, während knapp die Hälfte sie ablehnt. Die Verknüpfung mit den Bilateralen III stösst hingegen eher auf Zustimmung als auf Skepsis.

Synthese

In Thesenform fassen wir die Erkenntnisse dieser Studie wie folgt zusammen:

Versorgungssicherheit als zentrales Leitmotiv

Auch 2026 bleibt die Unterstützung für erneuerbare Energien breit abgestützt, wobei sich die Begründung dafür verändert. Erneuerbare Energien werden zunehmend weniger ausschliesslich mit Klimaschutz verbunden, sondern stärker mit Versorgungssicherheit und der Verringerung der Abhängigkeit vom Ausland. Parallel dazu wächst die Sorge, dass der aktuelle energiepolitische Kurs nicht ausreicht, um die langfristige Stromversorgung sicherzustellen. Der Handlungsdruck in der Energiepolitik nimmt damit sichtbar zu.

Inländische Produktion gewinnt an Bedeutung

Im Umgang mit Zielkonflikten innerhalb der Energiepolitik erhalten Versorgungssicherheit, stabile Strompreise und der Ausbau der inländischen Stromproduktion erneut höheres Gewicht. Die Bevölkerung zeigt sich zunehmend bereit, für den Ausbau der Energieproduktion Eingriffe in Landschaftsschutz oder Bewilligungsverfahren in Kauf zu nehmen. Gleichzeitig bleibt der Ausbau erneuerbarer Energien klar prioritär – insbesondere bei Solar- und Wasserkraft. Die Energiewende bleibt damit mehrheitsfähig, soll aber stärker mit Versorgungssicherheit und wirtschaftlicher Stabilität vereinbar sein.

Kernenergie verliert ihren Ausnahmecharakter

Besonders auffällig ist die deutlich gestiegene Offenheit gegenüber der Kernenergie. Sowohl der Weiterbetrieb bestehender AKW als auch neue Anlagen der nächsten Generation stossen mittlerweile auf breite Zustimmung. Gleichzeitig wächst der Zweifel, dass erneuerbare Energien alleine den zukünftigen Strombedarf decken können. Die Debatte verschiebt sich damit zunehmend von einer eher ablehnenden Haltung gegenüber der Kernenergie hin zu einer pragmatischeren Diskussion über Versorgungssicherheit und technologische Offenheit. Davon profitiert auch die Blackout-Initiative, die inzwischen mehrheitsfähige Unterstützung erreicht.

Energiepolitische Unsicherheit prägt die Meinungsbildung

Trotz vieler stabiler Grundhaltungen bleibt die Meinungsbildung in energiepolitischen Fragen von Unsicherheit geprägt. Dies zeigt sich besonders beim Stromabkommen mit der EU: Zwar verbindet eine Mehrheit das Abkommen weiterhin mit Versorgungssicherheit, viele konkrete Auswirkungen werden jedoch ambivalent beurteilt. Der hohe Anteil an Personen ohne klare Position verweist darauf, dass geopolitische Spannungen, Diskussionen um internationale Abhängigkeiten und die Debatte über die zukünftige Stromversorgung die energiepolitische Wahrnehmung derzeit stark beeinflussen.

Methodische Details

Auftraggeber: Verband Schweizer Elektrizitätsunternehmen VSE

Grundgesamtheit: Stimmberechtigte der Schweiz, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind

Erhebungsart: Mixed-Mode (Online- und Telefonbefragung)

> Online: hauseigenes Online-Panel „Polittrends“ für Stimmbevölkerung

> Telefon: (CATI) mit Random Digit Dialing

Stichprobengrösse: Total Befragte N = 1’015
> n DCH: 706
> n FCH: 247
> n ICH: 62
> n Onlinepanel: 305
> n Telefonbefragung: 710

Gewichtung: Dual-Frame-Gewichtung, Alter/Geschlecht, Sprache, Siedlungsart, Bildung und Partei

Stichprobenfehler: ±3.1 Prozent bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit

Befragungszeitraum: 23. März bis 15. April 2026