2. SRG-Trendumfrage zur Abstimmung vom 27. September 2026

Vor der Schlussmobilisierung:

Initiative «Wahrung der schweizerischen Neutralität (Neutralitätsinitiative)» – Mehrheit dagegen bei Nein-Trend

Initiative «Für eine sichere Ernährung - durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» – Mehrheit dagegen bei Nein-Trend

Studie im Auftrag der SRG SSR

Wäre bereits am 5. September 2026 abgestimmt worden, wären sowohl die Neutralitätsinitiative als auch die Ernährungsinitiative abgelehnt worden. Beide Vorlagen vom 27. September 2026 wurden im Verlauf des Abstimmungskampfs von einem Nein-Trend erfasst. Während die Neutralitätsinitiative bereits in der ersten Befragungswelle einen Nein-Vorsprung aufwies, ist bei der Ernährungsinitiative aus der anfänglichen Pattsituation inzwischen ebenfalls eine ablehnende Mehrheit geworden. Für Volksinitiativen entspricht eine solche Entwicklung dem typischen Verlauf der Meinungsbildung.

Der Stand der Meinungsbildung zu den beiden Vorlagen ist unterschiedlich weit fortgeschritten. Bei der Neutralitätsinitiative präsentieren sich die Meinungen zunehmend gefestigt; gestiegene 83 Prozent äussern sich bestimmt dafür oder dagegen. Bei der Ernährungsinitiative bleibt der Stand der Meinungsbildung dahinter zurück und ist als mittel zu taxieren; gestiegene 71 Prozent äussern sich bestimmt dafür oder dagegen. Bei der Neutralitätsinitiative liegen Stimmabsicht und argumentative Haltung inzwischen nahe beieinander (34% Zustimmung; 32% argumentativer Ja-Überhang). Bei der Ernährungsinitiative fällt die argumentative Zustimmung dagegen deutlich höher aus als die konkrete Zustimmung zur Vorlage (46% vs. 33%).

Die Stimmbeteiligung hat sich ebenfalls entwickelt und liegt mit 49 Prozent bereits im Vorfeld der Abstimmung leicht über dem langjährigen Durchschnitt von 47,4 Prozent zwischen Februar 2011 und Juni 2026 gemäss BFS.

Diese Ergebnisse entsprechen einer Momentaufnahme rund drei Wochen vor dem Abstimmungstag, und sie sind keine Prognose des Abstimmungsausgangs. Sie können allerdings im Wellenvergleich auch als Trends interpretiert werden. Alle Angaben gelten bei einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent mit einem Unsicherheitsbereich von ±2,8 Prozentpunkten.

Die Befunde der Umfrage werden anhand des Dispositionsansatzes von gfs.bern theoretisch verortet.

Hier finden sich Hintergrundinformationen zu den Vorlagen der Abstimmung vom 27. September 2026 und hier zur Methode der SRG-Trendumfragen.

Ausserdem können Sie hier eine vollständige Grafiksammlung herunterladen.

«Wahrung der schweizerischen Neutralität (Neutralitätsinitiative)»

Gegenwärtige Stimmabsichten mit deutlichem Nein-Trend

Die Neutralitätsinitiative befindet sich Anfang September noch deutlicher im Nein als in der ersten Welle. Aktuell würden 34 Prozent der teilnahmewilligen Stimmberechtigten bestimmt oder eher zustimmen, während sie 63 Prozent bestimmt oder eher ablehnen. 3 Prozent bleiben unentschieden. Gegenüber der ersten Welle hat sich damit der Nein-Trend deutlich verstärkt.

Parallel dazu hat sich auch die Einschätzung des Abstimmungsausgangs weiter in Richtung Ablehnung entwickelt: Während in der ersten Welle 59 Prozent mit einer Ablehnung der Initiative rechneten, sind es Anfang September 73 Prozent. Die aktuellen Stimmabsichten wie auch die Erwartungshaltung weisen somit klar in Richtung Nein (Mittelwert geschätzter Ja-Anteil: 45,5%).

Fortgeschrittener Stand der Meinungsbildung

Gestiegene 83 Prozent äussern eine feste Stimmabsicht (+10 ppt.). Die zunehmende Verfestigung findet dabei vor allem auf der Nein-Seite statt: 55 Prozent sind bestimmt dagegen (+12 ppt.), während 28 Prozent bestimmt dafür sind (-2 ppt.). Weitere 14 Prozent sind eher entschieden (-9 ppt.), lediglich 3 Prozent bleiben unentschieden (-1 ppt.).

Auch die argumentative Verankerung des Stimmentscheids bleibt ausgeprägt. Die geäusserten Stimmabsichten stimmen in hohem Mass mit den Bewertungen der Argumente überein. Das Meinungsbild erweist sich damit sowohl hinsichtlich der Festigkeit der Stimmabsichten als auch argumentativ als weit fortgeschritten.

Vorläufiges Konfliktmuster politisch geprägt bei breitem Nein-Trend

Das Konfliktmuster der Initiative bleibt weiterhin in erster Linie politisch strukturiert. Die Zustimmung ist im Umfeld der SVP nach wie vor klar mehrheitlich, geht aber auch dort zurück (77% bestimmt/eher dafür, -9 ppt.). In allen anderen Parteielektoraten hat sich die Ablehnung weiter verstärkt. Bei den Grünen steigt der Nein-Anteil auf 88 Prozent (+10 ppt.), bei der SP auf 92 Prozent (+6 ppt.) und bei der GLP auf 96 Prozent (+15 ppt.). Auch im politischen Zentrum wird die Ablehnung deutlicher: Bei Mitte-Sympathisierenden steigt sie auf 80 Prozent (+6 ppt.), bei FDP-Sympathisierenden auf 76 Prozent (+12 ppt.). Besonders stark fällt die Verschiebung bei den Parteiungebundenen aus. Aus der knappen Ja-Mehrheit der ersten Welle wird eine klare Nein-Mehrheit (59% bestimmt/eher dagegen, +15 ppt.; 30% bestimmt/eher dafür, -22 ppt.).

Auch das Regierungsvertrauen bleibt ein zentraler Strukturierungsfaktor. Personen mit Vertrauen in die Regierung lehnen die Initiative noch deutlicher ab (77% bestimmt/eher dagegen, +8 ppt.). Bei Regierungsmisstrauischen bleibt sie dagegen knapp mehrheitsfähig, verliert aber ebenfalls an Zustimmung (52% bestimmt/eher dafür, -7 ppt.; 45% bestimmt/eher dagegen, +7 ppt.). Das Muster der ersten Welle bestätigt sich somit, verschiebt sich insgesamt aber weiter Richtung Nein.

Räumlich hat sich der Nein-Trend ebenfalls verbreitert. In der deutschsprachigen Schweiz steigt die Ablehnung auf 64 Prozent (+7 ppt.), in der französischsprachigen Schweiz auf 63 Prozent (+14 ppt.). Die Meinungsbildung ist in der französischsprachigen Schweiz mit 75 Prozent festen Stimmabsichten jedoch weiterhin weniger gefestigt als in der deutschsprachigen Schweiz (86%). In der italienischsprachigen Schweiz ist die absolute Ja-Mehrheit der ersten Welle verschwunden: 48 Prozent sind bestimmt oder eher dafür (-7 ppt.), 47 Prozent bestimmt oder eher dagegen (+10 ppt.).

 

 

Nach Siedlungsart zeigt sich die Verschiebung Richtung Nein über alle Räume hinweg. In ländlichen Gebieten steigt die Ablehnung auf 59 Prozent (+14 ppt.), in intermediären Räumen ebenfalls auf 59 Prozent (+11 ppt.) und in städtischen Gebieten auf 65 Prozent (+6 ppt.). Damit ist die Initiative neu auch auf dem Land und in intermediären Räumen nicht mehr mehrheitsfähig.

Auch bei den soziodemografischen Merkmalen hat sich der Nein-Trend verbreitert. Besonders deutlich ist die Entwicklung nach Bildung: Bei Personen ohne Berufsschulabschluss sinkt die Zustimmung von 59 auf 42 Prozent (-17 ppt.), während die Ablehnung auf 54 Prozent steigt (+15 ppt.). Damit ist die Initiative neu auch in dieser Gruppe nicht mehr mehrheitsfähig. Bei mittlerer Bildung steigt die Ablehnung auf 57 Prozent (+11 ppt.), bei hoher Bildung auf 65 Prozent (+7 ppt.).

Nach Alter nimmt die Ablehnung in allen Gruppen zu. Am deutlichsten positionieren sich weiterhin die über 65-Jährigen gegen die Initiative (67% bestimmt/eher dagegen, +7 ppt.). Bei den 18- bis 39-Jährigen steigt der Nein-Anteil auf 61 Prozent (+11 ppt.), bei den 40- bis 64-Jährigen auf 60 Prozent (+8 ppt.). Auch nach Geschlecht zeigt sich der Nein-Trend bei beiden Gruppen, etwas ausgeprägter bei Frauen (65%, +11 ppt.) als bei Männern (60%, +6 ppt.).

Das Konfliktmuster hat sich somit seit der ersten Welle nicht grundlegend verändert. Die Ablehnung hat sich jedoch über nahezu alle politischen, räumlichen und soziodemografischen Gruppen hinweg verstärkt. Mehrere Gruppen, in denen die Initiative in der ersten Welle noch mehrheitsfähig war, sind neu ins Nein gekippt.

Argumente weitgehend stabil, Contra-Seite weiterhin breiter abgestützt

Die Pro-Argumente zur Neutralitätsinitiative bleiben über die Hauptkampagnenphase hinweg insgesamt stabil. Neu am stärksten verfängt das Argument, wonach eine glaubwürdige, bewaffnete und umfassende Neutralität die Schweiz aus fremden Konflikten heraushalte und zu ihrer Sicherheit beitrage (51%, +1 ppt.). Die in der ersten Welle noch stärkste Forderung nach einer Verankerung der immerwährenden Neutralität in der Bundesverfassung verliert leicht an Zustimmung und fällt auf 48 Prozent zurück (-4 ppt.). Am wenigsten Unterstützung erhält weiterhin der Verzicht auf wirtschaftliche Zwangsmassnahmen (41%, -3 ppt.).

Auch die Contra-Argumente bleiben stabil und allesamt klar mehrheitsfähig. Am stärksten unterstützt wird weiterhin die internationale Sicherheitszusammenarbeit (70%, ±0 ppt.), knapp gefolgt vom Erhalt einer flexiblen Neutralitätspolitik (69%, +1 ppt.). Ebenfalls klar mehrheitsfähig bleibt die Möglichkeit zur Übernahme von Sanktionen gegen kriegführende Staaten (67%, +2 ppt.).

Die argumentative Gesamtlage verändert sich damit nur wenig und bleibt klar zugunsten der Gegnerschaft. 63 Prozent weisen einen argumentativen Überhang zur Nein-Seite auf (+3 ppt.), 32 Prozent einen solchen zur Ja-Seite (-2 ppt.), 5 Prozent bleiben indifferent (-1 ppt.). Damit bestätigt sich die bereits in der ersten Welle erkennbare breitere argumentative Abstützung der Nein-Seite.

 

 

Die multivariate Analyse zeigt, dass die Pro-Argumente weiterhin eigenständig auf die Zustimmung zur Initiative einzahlen, ihre Erklärungskraft gegenüber der ersten Welle jedoch abgenommen hat. Am stärksten wirkt der Verzicht auf wirtschaftliche Zwangsmassnahmen, gefolgt vom Sicherheitsversprechen einer glaubwürdigen, bewaffneten und umfassenden Neutralität sowie der Verankerung der immerwährenden Neutralität in der Bundesverfassung. Auf der Contra-Seite bleibt die Möglichkeit, Sanktionen gegen kriegführende Staaten übernehmen zu können, der stärkste eigenständige Treiber einer Nein-Stimmabsicht. Neu kommt die Forderung hinzu, den Handlungsspielraum mit der heutigen flexiblen Neutralitätspolitik zu erhalten. Die ablehnende Haltung stützt sich damit gegenüber der ersten Welle auf eine breitere argumentative Basis.

Auch der Vergleich von Stimmabsicht und Argumenteindex bestätigt dieses Bild. Insgesamt liegen beide Grössen nahe beieinander (34% Ja-Stimmabsicht gegenüber 32% argumentativem Ja-Überhang). Im SVP-Umfeld fällt die Zustimmung zur Initiative mit 77 Prozent jedoch etwas höher aus als die argumentative Zustimmung (71%). Gerade im Kernlager der Initiative ist die Stimmabsicht damit nicht vollständig durch die getesteten Argumente abgestützt, weshalb ein weiterer Rückgang der Zustimmung nicht ausgeschlossen ist.

Trend in der Meinungsbildung

Aus Sicht des Dispositionsansatzes folgt die Neutralitätsinitiative in der zweiten Welle klar dem typischen Verlauf einer Volksinitiative. Die bereits in der ersten Welle vorhandene Nein-Mehrheit hat sich über die Hauptkampagnenphase hinweg deutlich verstärkt. Gleichzeitig ist die Meinungsbildung weiter fortgeschritten: Die Ablehnung nimmt nicht nur insgesamt zu, sondern verfestigt sich insbesondere auf der Nein-Seite.

Der Nein-Trend ist dabei breit abgestützt. Das politische Konfliktmuster bleibt zwar bestehen, die Ablehnung gewinnt jedoch über verschiedene politische, räumliche und soziodemografische Gruppen hinweg an Boden. Mehrheitsfähig bleibt die Initiative im Wesentlichen noch im SVP-Umfeld und bei Regierungsmisstrauenden. Allerdings geht die Zustimmung auch in diesen beiden Kernmilieus zurück. Besonders relevant ist zudem, dass die Initiative in mehreren Gruppen, in denen sie zu Beginn des Abstimmungskampfes noch mehrheitsfähig oder zumindest konkurrenzfähig war, inzwischen klar ins Hintertreffen geraten ist.

 

Auch argumentativ verändert sich die Ausgangslage nicht zugunsten der Initiative. Die Contra-Seite bleibt breiter abgestützt, und die ablehnende Stimmabsicht wird neu von einer etwas breiteren Argumentationsbasis getragen. Gleichzeitig fällt im SVP-Umfeld die tatsächliche Zustimmung weiterhin höher aus als der argumentative Ja-Überhang. Damit ist selbst im Kernlager der Initiative ein weiterer Rückgang der Zustimmung nicht ausgeschlossen.

Angesichts des weit fortgeschrittenen Stands der Meinungsbildung sind grössere Positionswechsel bis zum Abstimmungssonntag zunehmend weniger wahrscheinlich. Entscheidend dürfte deshalb vor allem die Mobilisierung der bestehenden Lager sein. Für die Ja-Seite wäre dafür nicht nur eine starke Mobilisierung des eigenen Kernlagers nötig, sondern auch eine Umkehr des inzwischen breit sichtbaren Nein-Trends. Zum jetzigen Zeitpunkt deutet wenig auf eine solche Gegenbewegung hin. Eine Ablehnung der Neutralitätsinitiative ist damit das klar wahrscheinlichere Szenario.

«Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)»

Gegenwärtige Stimmabsichten mit deutlichem Nein-Trend

Wäre bereits am 5. September 2026 über die Ernährungsinitiative abgestimmt worden, wäre sie abgelehnt worden. 33 Prozent der teilnahmewilligen Stimmberechtigten würden bestimmt oder eher für die Vorlage stimmen, während 64 Prozent bestimmt oder eher dagegen wären. 3 Prozent bleiben unentschieden. Gegenüber der ersten Welle hat sich damit ein deutlicher Nein-Trend herausgebildet: Die Zustimmung ist um 14 Prozentpunkte zurückgegangen.

Hinsichtlich des erwarteten Abstimmungsausgangs hat sich der Eindruck, die Vorlage werde abgelehnt, weiter verfestigt. Gestiegene 86 Prozent (+10 ppt.) der teilnahmewilligen Stimmberechtigten rechnen mit einer Ablehnung der Vorlage, 14 Prozent mit einer Annahme (-10 ppt.). Im Mittel wird der Ja-Anteil auf 39,4 Prozent geschätzt. Damit hat sich die bereits in der ersten Welle klar auf der Nein-Seite liegende Erwartungshaltung weiter in Richtung Ablehnung verschoben.

Mittlerer Stand der Meinungsbildung

71 Prozent der Teilnahmewilligen äussern eine feste Stimmabsicht für oder gegen die Vorlage. Gegenüber der ersten Welle ist dieser Anteil deutlich gestiegen (+11 ppt.). Lediglich 3 Prozent bleiben unentschlossen (-1 ppt.). Die Meinungsbildung hat sich damit im Verlauf des Abstimmungskampfs deutlich verfestigt.

Auch der Rückblick auf die Entstehung der Stimmabsichten verweist auf eine weitgehende Festigung. Insbesondere die bestimmt Befürwortenden und bestimmt Ablehnenden geben grossmehrheitlich an, von Beginn an dieser Meinung gewesen zu sein. Auch bei den tendenziell Entschiedenen haben rund vier Fünftel ihre Position im Abstimmungskampf nicht verändert.

Die Meinungsbildung hat sich damit im Verlauf des Abstimmungskampfs deutlich verfestigt. Gleichzeitig hat sich die ablehnende Position verstärkt.

Vorläufiges Konfliktmuster: Politisch geprägt bei breitem Nein-Trend

Das Konfliktmuster bleibt in erster Linie politisch geprägt. Die stärkste Trennlinie verläuft weiterhin entlang der Parteibindung, wobei sich die Stimmabsichten gegenüber der ersten Welle praktisch über das gesamte Parteienspektrum in Richtung Nein verschoben haben. Einzig bei den Sympathisierenden der Grünen bleibt die Zustimmung mit 78 Prozent klar mehrheitlich, fällt aber ebenfalls tiefer aus als zu Beginn des Abstimmungskampfs (-6 ppt).

Besonders deutlich verändert hat sich die Ausgangslage bei SP und GLP. Bei den SP-Sympathisierenden ist die Zustimmung auf 49 Prozent zurückgegangen (-15 ppt.). Die GLP-Basis, die zu Beginn noch mehrheitlich für die Initiative war, verzeichnet neu eine Zustimmung von 42 Prozent (-13 ppt.) und tendiert damit mehrheitlich zum Nein. Bei den bürgerlichen Parteien hat sich die bereits bestehende Ablehnung weiter verstärkt: Der Ja-Anteil sinkt bei der Mitte auf 22 Prozent (-15 ppt.), bei der SVP auf 17 Prozent (-17 ppt.) und bei der FDP auf 12 Prozent (-15 ppt.). Auch bei den Parteiungebundenen geht die Zustimmung auf 33 Prozent zurück (-11 ppt.), womit aus der annähernd ausgeglichenen Ausgangslage eine klare Nein-Mehrheit geworden ist.

Der Nein-Trend erweist sich als breit. Bei Frauen bleibt die Zustimmung höher als bei Männern, geht aber in beiden Gruppen deutlich zurück. Bei Frauen liegt der Ja-Anteil neu bei 38 Prozent (-17 ppt.), bei Männern bei 28 Prozent (-11 ppt.). Auch nach Alter zeigt sich in allen Gruppen eine Verschiebung Richtung Nein.

 

 

Die jüngsten Stimmberechtigten bleiben mit 39 Prozent Zustimmung (-15 ppt.) vergleichsweise am ehesten für die Initiative, während die Ja-Anteile bei den 40- bis 64-Jährigen auf 31 Prozent (-14 ppt.) und bei den über 65-Jährigen auf 30 Prozent (-12 ppt.) sinken.

Nach Sprachregion zeigt sich der Nein-Trend ebenfalls flächendeckend. In der deutschsprachigen Schweiz sinkt die Zustimmung auf 31 Prozent (-13 ppt.). Noch deutlicher fällt der Rückgang in der französischsprachigen Schweiz aus, wo der Ja-Anteil von einer Mehrheit auf 38 Prozent fällt (-19 ppt.). Auch in der italienischsprachigen Schweiz geht die Zustimmung auf 37 Prozent zurück (-16 ppt.). Nach Siedlungsart zeigt sich ebenfalls in allen Räumen eine Verschiebung Richtung Nein. In ländlichen Gebieten liegt die Zustimmung noch bei 31 Prozent (-9 ppt.), in städtischen Gebieten bei 34 Prozent (-13 ppt.) und in intermediären Räumen bei 29 Prozent (-19 ppt.). Damit bestehen neu in allen drei Siedlungsräumen klare Nein-Mehrheiten.

Schichteffekte bleiben gegenüber den politischen und regionalen Unterschieden zweitrangig. Nach Haushaltseinkommen zeigt sich weiterhin eine tendenziell höhere Zustimmung bei tieferen Einkommen, wobei die Ja-Anteile in sämtlichen Einkommensgruppen deutlich zurückgehen. Nach Bildung ist wie bereits in der ersten Welle kein klares Muster erkennbar. Auch hier sinkt die Zustimmung in allen Bildungsgruppen.

 

Argumente: Grundanliegen bleiben mehrheitsfähig, Contra-Argumente gewinnen an Gewicht

Die Pro-Argumente zur Ernährungsinitiative bleiben auch in der zweiten Welle klar mehrheitsfähig, verlieren gegenüber der ersten Welle jedoch leicht an Zustimmung. Am stärksten überzeugt weiterhin das Argument, dass Klimawandel und Verschmutzung die Wasservorkommen gefährden und deshalb eine nationale Planung zur Sicherung von sauberem Trinkwasser und Grundwasser nötig sei (78%, -6 ppt.). Ebenfalls deutlich mehrheitsfähig bleibt die Aussage, dass die Schweiz zu wenig Lebensmittel selbst produziere und in Krisenzeiten zu stark von Importen abhängig sei (71%, -4 ppt.). Das Argument, wonach eine höhere Biodiversität die landwirtschaftlichen Erträge fördere und nachhaltige Anbausysteme die Bodenfruchtbarkeit stärken, erreicht weiterhin eine klare Mehrheit (62%, -4 ppt.).

Die Contra-Argumente gewinnen demgegenüber an Zustimmung. Am stärksten verfängt neu die Kritik, wonach es kaum realistisch sei, den Netto-Selbstversorgungsgrad innerhalb von zehn Jahren auf 70 Prozent zu erhöhen (74%, +6 ppt.). Ebenfalls deutlich zugenommen hat die Zustimmung zur Aussage, dass starre Fristen laufende Investitionen gefährden und hohe Kosten verursachen würden (69%, +7 ppt.).

 

 

Mehrheitsfähig ist zudem die Befürchtung, dass mehr pflanzliche Lebensmittel aus der Schweiz zu staatlichen Vorgaben für die Ernährung führen würden (54%).

Indexiert hat sich die argumentative Ausgangslage damit leicht in Richtung Nein verschoben. 46 Prozent weisen einen argumentativen Überhang zur Ja-Seite auf (-3 ppt.), 45 Prozent einen solchen zur Nein-Seite (+3 ppt.), 9 Prozent bleiben indifferent. Damit halten sich die beiden argumentativen Lager neu nahezu die Waage. Die Verschiebung der Stimmabsichten Richtung Nein fällt allerdings deutlich stärker aus als jene im Argumenteindex.

Die multivariate Analyse bestätigt dieses Bild. Auf der Pro-Seite stehen weiterhin alle drei Argumente eigenständig mit einer höheren Zustimmung zur Initiative in Zusammenhang. Am stärksten wirkt das Biodiversitätsargument. Ebenfalls relevant bleiben die Versorgungssicherheit und der Schutz der Wasservorkommen. Auf der Contra-Seite wirkt mit Abstand am stärksten die Befürchtung, dass starre Fristen laufende Investitionen gefährden und zu hohen Kosten führen. Ebenfalls ablehnend wirken Zweifel an der Realisierbarkeit eines Netto-Selbstversorgungsgrads von 70 Prozent sowie die Sorge vor staatlichen Vorgaben für die Ernährung.

Trend in der Meinungsbildung

Aus Sicht des Dispositionsansatzes entspricht die Entwicklung bei der Ernährungsinitiative dem typischen Verlauf einer Volksinitiative. Aus der Pattsituation der ersten Welle ist im Verlauf des Abstimmungskampfs eine klare Nein-Mehrheit geworden. Die Zustimmung ist deutlich zurückgegangen, während sich die Ablehnung verstärkt hat. Für Volksinitiativen ist eine solche Entwicklung typisch, wenn im Verlauf der Kampagne neben den grundsätzlichen Anliegen verstärkt auch die konkrete Ausgestaltung und mögliche Folgen der Vorlage in den Vordergrund rücken.

Der Nein-Trend zeigt sich breit über verschiedene gesellschaftliche und politische Gruppen hinweg. Besonders relevant ist die Entwicklung entlang der Parteibindung: Während die Initiative in der ersten Welle neben den Grünen auch bei SP- und GLP-Sympathisierenden mehrheitlich unterstützt wurde, verbleibt mittlerweile einzig bei den Grünen eine klare Ja-Mehrheit. Die Stimmfreigabe der Delegierten gegen die Haltung im Parlament scheint hier Wirkung zu zeigen. Auch in den übrigen untersuchten Gruppen hat die Zustimmung praktisch durchgehend abgenommen.

Die Debatte rund um die Ernährungsinitiative steht dabei weiterhin im Schatten der Neutralitätsinitiative und erhält vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Gleichzeitig fehlt der Initiative eine breite politische Abstützung: Im Parlament fand sie keine Unterstützung, und auch bei den Parteien dominieren die Nein-Parolen deutlich (einzig PdA und Junge Grüne empfehlen ein Ja, die Grünen haben Stimmfreigabe beschlossen). Diese Konstellation dürfte für die weitere Meinungsbildung insbesondere dort relevant sein, wo die Anhängerschaften in der ersten Welle noch von den Parteiparolen abwichen.

 

Eine Annäherung an die ablehnenden Parteiparolen ist bereits erkennbar: Bei den SP-Sympathisierenden ist die frühere Ja-Mehrheit einer nahezu ausgeglichenen Situation gewichen, bei der GLP ist sie in eine Nein-Mehrheit gekippt. Damit bewegt sich die Meinungsbildung in diesen beiden Parteimilieus zunehmend in Richtung der ablehnenden politischen Empfehlungen.

Argumentativ bleibt die Ausgangslage etwas weniger eindeutig als bei den Stimmabsichten. Die zentralen Anliegen rund um Biodiversität, Versorgungssicherheit sowie Klimawandel und Wasserversorgung bleiben mehrheitsfähig. Gleichzeitig haben die Contra-Argumente an Zustimmung gewonnen, insbesondere die Zweifel an der Umsetzbarkeit des angestrebten Selbstversorgungsgrads sowie die Sorge um starre Fristen und damit verbundene Kosten. Der Argumenteindex ist dadurch von einem leichten Vorteil für die Ja-Seite zu einer nahezu ausgeglichenen argumentativen Ausgangslage geworden. Die Stimmabsichten haben sich somit deutlich stärker in Richtung Nein verschoben als die argumentative Gesamtbeurteilung.

Auch die Erwartungshaltung ist inzwischen klar auf eine Ablehnung ausgerichtet. Gleichzeitig hat sich die Meinungsbildung weiter verfestigt.

Insgesamt sprechen damit sowohl die Entwicklung der Stimmabsichten als auch der breite Nein-Trend über verschiedene politische, soziale und regionale Gruppen hinweg derzeit für die Gegnerschaft. Der Nein-Trend dürfte sich im Schatten der Debatte über die Neutralitätsinitiative weiter fortsetzen. Die Ausgangslage für die Ernährungsinitiative ist gegenüber der ersten Welle sehr deutlich geworden und hat sich der klaren Erwartung der Stimmenden – einer Ablehnung der Initiative –  angenähert.

Teilnahmeabsichten

Hinweis zur Interpretation der Teilnahmeabsicht:

Die Auswertungen zur Teilnahmeabsicht basieren auf einer im Vergleich zur Gesamtstichprobe kleineren Fallzahl von N=509 Befragten (nur CATI-Interviews). Entsprechend ist der statistische Unsicherheitsbereich grösser; der Stichprobenfehler beträgt rund ±4.3 Prozentpunkte. Unterschiede und Veränderungen innerhalb dieser Auswertungen sind deshalb mit der gebotenen Vorsicht zu interpretieren, besonders in kleineren Subgruppen der Stichprobe (z.B. nach Partei, wo der Stichprobenfehler nochmals höher ausfällt).

Bisher leicht überdurchschnittliche Teilnahmeabsicht für die Abstimmung vom 27. September 2026

Die bisher gemessene Beteiligungsbereitschaft für den 27. September 2026 liegt mit 49 Prozent leicht über dem langjährigen Durchschnitt (47.4% zwischen 2011 und 2026 gemäss BFS). Gegenüber der ersten Welle entspricht dies einem Anstieg um 5 Prozentpunkte. Damit zeichnet sich für den Urnengang vom 27. September 2026 derzeit eine durchschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Stimmbeteiligung ab.

Profil der Beteiligungswilligen

Nach Alterskategorien differenziert betrachtet haben sich die Unterschiede gegenüber der ersten Welle deutlich eingeebnet. Bei den unter 40-Jährigen ist die feste Teilnahmeabsicht klar angestiegen und liegt neu leicht über dem Durchschnitt. Bei den älteren Stimmberechtigten bleibt sie demgegenüber weitgehend stabil und bewegt sich ungefähr im nationalen Mittel. Nach Bildung zeigt sich weiterhin eine klare soziale Selektivität: Personen mit hoher Bildung sind überdurchschnittlich mobilisiert, während Personen mit tiefer Bildung deutlich unterdurchschnittlich mobilisiert sind.

Politisch betrachtet sind aktuell insbesondere Sympathisierende der GLP und der Grünen stark mobilisiert. Auch SP- und Mitte-Sympathisierende weisen eine überdurchschnittliche feste Teilnahmeabsicht auf. FDP-nahe Stimmberechtigte bewegen sich ungefähr im nationalen Mittel.

 

Unterdurchschnittlich mobilisiert sind dagegen Sympathisierende der SVP und insbesondere Parteiungebundene. Beim Regierungsvertrauen zeigt sich ebenfalls ein klares Muster: Stimmberechtigte mit Vertrauen in die Regierung sind deutlich überdurchschnittlich mobilisiert, regierungsmisstrauische Kreise dagegen klar unterdurchschnittlich.

Die feste Teilnahmeabsicht liegt in der deutschsprachigen Schweiz bei 50 Prozent, in der französischsprachigen Schweiz bei 47 Prozent und in der italienischsprachigen Schweiz bei 42 Prozent. Nach Siedlungsart fällt aktuell vor allem die überdurchschnittliche Mobilisierung in ländlichen Gebieten auf. Städtische Gebiete bewegen sich ungefähr im Durchschnitt, während intermediäre Räume leicht darunter liegen.

Bis zum Abstimmungssonntag kann sich die Zusammensetzung des Stimmkörpers noch verändern.

Zitierweise

Zweite Welle der SRG-SSR-Trendbefragung zu den Volksabstimmungen vom 27. September 2026 vom Forschungsinstitut gfs.bern. Realisiert zwischen dem 2. September und dem 9. September 2026 bei 12’916 Stimmberechtigten. Der statistische Fehlerbereich beträgt +/-2.8 Prozentpunkte.

Methode und Datengrundlage

Der telefonische Teil der vorliegenden Befragung wurde vom gfs-Befragungsdienst realisiert, die Auswertung und Analyse der Daten nahm das Forschungsinstitut gfs.bern vor. Befragt wurde via eines RDD-Dualframe-Verfahrens per Festnetz und Handy.

Seit dem Herbst 2018 wird im Rahmen des SRG-Trend-Mandats die telefonische Umfrage durch eine Online-Befragung ergänzt mit dem Ziel die Stichprobengrösse in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu erhöhen.

Der Online-Teil wurde als Opt-in-Umfrage (Mitmachumfrage) über die Online-Portale der SRG SSR Medien durchgeführt. Seit Anfang 2024 wird mithilfe von Boomerang Ideas zudem systematisch auch über Social-Media-Kanäle befragt.

Aussagen über das Ständemehr können wir keine machen, denn die Fallzahl lässt gesicherte Rückschlüsse auf die Kantone nicht zu.

Weiterführende Informationen zur Theorie und der Methode der SRG-Trendumfragen finden sich hier.

Technischer Kurzbericht

Auftraggeber: CR-Konferenz der SRG SSR
Grundgesamtheit: Stimmberechtigte Schweizer:innen
Herkunft der Adressen CATI: Stichprobenplan Gabler/Häder für RDD/Dual-Frame; Verwendung Swiss-Interview-Liste,
Herkunft der Adressen Online: Opt-in-Befragung über die Webportale der SRG SSR
Datenerhebung: telefonisch, computergestützt (CATI) und Online
Art der Stichprobenziehung CATI: at random/Geburtstagsmethode im Haushalt geschichtet nach Sprachregionen
Art der Stichprobenziehung Online: offene Mitmachumfrage
Befragungszeitraum: 2. September – 9. September 2026
mittlerer Befragungstag: 5. September 2026
Stichprobengrösse: minimal 1’200, effektiv 12’916 (Cati: 509, Online: 11’904, Boomerang Ideas: 503), DCH: 10’893, n FCH: 1’657, n ICH: 366x
Stichprobenfehler: ± 2.8 Prozentpunkte bei einem Wert von 50% (und 95%iger Wahrscheinlichkeit)
Quotenmerkmale CATI: Sprachregion
Quotenmerkmale Online: keine
Gewichtung: Dual-Frame-Gewichtung, Sprache, Siedlungsart, Parteiaffinität, Recall, Teilnahme, Methode
mittlere Befragungsdauer CATI: 21.5 Minuten (Standardabweichung: 2.8 Minuten)
Publikation: 16. September 2026, 6h00