Stigma trifft Versorgungslücke

Anerkannt als Krankheit, stigmatisiert im Alltag, unzureichend versorgt im Gesundheitssystem

im Auftrag von Novo Nordisk

Im Auftrag von Novo Nordisk führte gfs.bern das «Adipositas-Barometer» durch – eine zweiteilige Untersuchung zur Wahrnehmung, Akzeptanz und Versorgung von Adipositas in der Schweiz.

Befragt wurden einerseits die Schweizer Wohnbevölkerung ab 16 Jahren (N=1’539) und andererseits Hausärzt:innen sowie auf Adipositas spezialisierte Fachpersonen (N=116).

Die Studie untersucht, wie Bevölkerung und Ärzteschaft Adipositas einordnen, wie stark Betroffene stigmatisiert werden, welche Therapie- und Versorgungserfahrungen vorliegen, wie wirksam Präventions- und Politikmassnahmen eingeschätzt werden und welche Akteure als zentral wahrgenommen werden.

Methodische Details sind am Ende des Cockpits ausgewiesen.

Adipositas im Kontext der Volkskrankheiten

Die Bevölkerung nimmt drei Krankheiten als besonders stigmatisiert wahr:

  • 82 Prozent der Befragten geben an, dass Menschen mit starkem Übergewicht in der Schweiz sehr stark oder eher stark aufgrund ihrer Krankheit stigmatisiert werden (40% sehr stark, 42% eher stark).
  • 81 Prozent nennen psychische Erkrankung und 79 Prozent Suchterkrankungen.

Klar tiefere Stigmatisierungswerte werden somatischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen (26%) oder Typ-2-Diabetes (28%) zugeschrieben.

In der Ärzteschaft fällt die Wahrnehmung der Stigmatisierung noch deutlicher aus: 97 Prozent der befragten Ärzt:innen sehen Menschen mit starkem Übergewicht sehr stark (59%) oder eher stark (38%) stigmatisiert. Damit liegt Adipositas auch aus medizinischer Sicht an der Spitze, gefolgt von Suchterkrankungen (90%) und psychischen Erkrankungen (91%). Bevölkerung wie Ärzteschaft kommen also zum gleichen Befund: Adipositas wird in der Schweiz auf einem Niveau stigmatisiert, das mit psychischen Erkrankungen und Sucht vergleichbar ist und alle anderen Volkskrankheiten klar übersteigt.

Bei der Frage nach der Wichtigkeit gesellschaftlicher und politischer Massnahmen gegen Volkskrankheiten zeigt sich in der Bevölkerung ein differenziertes Bild. An erster Stelle stehen Krebserkrankungen (89% sehr oder eher wichtig), gefolgt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (86%) und psychischen Erkrankungen (ebenfalls 86%). Adipositas erreicht 81 Prozent und liegt damit am unteren Ende des Spektrums, knapp vor muskuloskelettalen Erkrankungen (79%).

Trotz der höchsten wahrgenommenen Stigmatisierung wird Adipositas in der Bevölkerung nicht als die dringlichste politische Aufgabe gesehen.

In der Ärzteschaft kehrt sich diese Reihenfolge um. 97 Prozent halten gesellschaftliche und politische Massnahmen gegen starkes Übergewicht für sehr (83%) oder eher (14%) wichtig. Adipositas teilt damit aus medizinischer Sicht den zweiten Rang mit psychischen Erkrankungen (97%) – knapp hinter Typ-2-Diabetes (98%).

 

Zwischen Bevölkerung und Ärzteschaft besteht damit eine grosse Lücke in der Priorisierung: Was die Bevölkerung als zweitletzte Volkskrankheit einordnet, sehen die Ärzt:innen als beinahe wichtigste an.

Wahrnehmung, Wissen und Aussagen zu Adipositas

Eine Mehrheit der Bevölkerung hat das Thema Adipositas in den vergangenen zwölf Monaten aktiv wahrgenommen: 59 Prozent geben an, etwas zu Adipositas gehört, gesehen oder gelesen zu haben.

36 Prozent verneinen dies, 5 Prozent geben keine Antwort. Adipositas ist damit in der öffentlichen Wahrnehmung breit präsent.

Bei den Personen, die sich an inhaltliche Informationen erinnern, dominieren Behandlungsthemen: 19 Prozent erinnern sich an Berichte zur medikamentösen Therapie, je 11 Prozent an Beiträge in Zeitungen oder TV-Dokumentationen oder andere Behandlungen (das heisst: Restkategorie von Einzelnennungen im Bereich «Behandlung»: z.B. Kostenübernahme, Einfluss der Eltern, vage Hinweise von Möglichkeiten, um gesund zu leben, vage und allgemeine Aussagen). 13 Prozent nennen die Diskussion um Adipositas als Krankheit,  rund jede zehnte Person erinnert sich an Ursachen, persönliche Geschichten oder die zunehmende Prävalenz.

Bei jenen Personen, die Inhalte zu Novo Nordisk wahrgenommen haben, bewerten 17 Prozent diese als positiv, 13 Prozent als neutral und 14 Prozent als negativ; 42 Prozent geben an, nichts spezifisch zu Novo Nordisk gehört zu haben.

Bei den Aussagen zu Adipositas zeigt sich in der Bevölkerung ein doppeltes Bild: Die Krankheitsanerkennung ist hoch, gleichzeitig wird den Betroffenen eine starke Eigenverantwortung zugeschrieben.

  • 92 Prozent stimmen zu, dass Menschen mit Adipositas im Alltag häufig abwertende Blicke erleben.
  • 82 Prozent attestieren ihnen Vorurteile auch durch Gesundheitsfachpersonen und im Berufsleben,
  • 79 Prozent erkennen Adipositas als behandlungsbedürftige Krankheit an.
  • Gleichzeitig finden 76 Prozent, Betroffene trügen eine besondere Eigenverantwortung, und
  • 49 Prozent stimmen der Aussage zu, starkes Übergewicht sei vor allem dem Lebensstil und mangelnder Disziplin geschuldet.
  • Nur 47 Prozent sehen primär genetische Ursachen.

In der Ärzteschaft fällt die Anerkennung als Krankheit noch klarer aus:

  • 96 Prozent stimmen voll (68%) oder eher (28%) zu, dass Adipositas eine medizinisch behandlungsbedürftige Krankheit sei.
  • Auch die Stigmatisierungserfahrung wird breiter bestätigt (95% bzw. 93%).

Bei den Ursachen kehrt sich das Bild gegenüber der Bevölkerung jedoch um:

  • Nur 41 Prozent der Ärzt:innen sehen Lebensstil und Disziplin als primäre Ursache,
  • 44 Prozent sehen genetische Faktoren an erster Stelle.

Die medizinische Sicht entlastet damit die Betroffenen deutlicher von individueller Schuldzuschreibung, hält aber wie die Bevölkerung an einer Eigenverantwortung fest (83% Zustimmung).

Beim Wissen über die Folgeerkrankungen zeigt die Bevölkerung ein differenziertes Bild. Mit Adipositas in Verbindung gebracht werden vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen (83%), Gelenk- und Bewegungsapparat-Probleme (81%) sowie Typ-2-Diabetes (74%). Atemwegserkrankungen (63%), psychische Erkrankungen (61%) und Fettleber (61%) werden ebenfalls von einer Mehrheit genannt.

Eine deutliche Wissenslücke besteht hingegen beim Zusammenhang mit Krebserkrankungen: Nur 29 Prozent der Bevölkerung bringen bestimmte Krebsarten mit Adipositas in Verbindung, obwohl dieser Zusammenhang medizinisch gut belegt ist.

Betroffenheit und Behandlungserfahrung in der Bevölkerung

Die Betroffenheit ist in der Bevölkerung breit verteilt. 9 Prozent der Befragten geben an, selbst von Adipositas betroffen zu sein. 29 Prozent kennen Betroffene im nahen Umfeld, 27 Prozent im entfernten Umfeld; 42 Prozent geben an, niemanden zu kennen.

Bei den Selbstbetroffenen liegt die durchschnittliche Erkrankungsdauer mehrheitlich zwischen 5 und 30 Jahren, mit deutlichen Häufungen bei 10 und 20 Jahren – ein Hinweis auf die chronische Natur der Erkrankung.

Die Bewertung der medizinischen Versorgung durch Betroffene fällt polarisiert aus: Auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) vergeben 18 Prozent die schlechteste Note 1, weitere 10 Prozent die Note 2.

Gleichzeitig befindet sich ein zweiter Schwerpunkt im positiven Bereich (Note 7–8: zusammen 27%), der Mittelwert liegt bei 5 (17%). Die Versorgung wird also weder einheitlich gut noch einheitlich schlecht erlebt, sondern stark uneinheitlich.

Bei den genutzten Therapien dominieren bei den Betroffenen niederschwellige Angebote: 71 Prozent haben Diät bzw. Ernährungsberatung in Anspruch genommen, 55 Prozent Bewegungs- oder Sporttherapie. 43 Prozent geben an, schon eine ärztlich verordnete medikamentöse Therapie genutzt zu haben, 30 Prozent eine Verhaltens- oder Psychotherapie.

Multiprofessionelle Programme (22%) und insbesondere bariatrische Chirurgie (11%) werden deutlich seltener genannt; nur 5 Prozent geben an, keine der Therapieformen genutzt zu haben.

Von jenen Betroffenen, die schon einmal medizinisch behandelt wurden, sind 51 Prozent aktuell noch in Behandlung.

Die Aussagen der selbstbetroffenen Befragten zur medizinischen Behandlung zeigen deutliche Lücken in der Versorgung.

  • 72 Prozent stimmen zu, dass die Scham an Adipositas erkrankte Personen davon abhält, medizinische Hilfe zu suchen, und 64 Prozent berichten, auch von Gesundheitsfachpersonen diskriminiert worden zu sein.
  • 68 Prozent stellen fest, dass die Berichterstattung über Behandlungen es leichter macht, sich Hilfe zu suchen.
  • 67 Prozent sehen in mehr digitalen Beratungsangeboten einen erleichterten Zugang zu Unterstützung.
  • Demgegenüber finden 60 Prozent, es gebe nicht genügend Ärzt:innen, die Menschen mit Adipositas medizinisch begleiten, und

 

  • 43 Prozent erleben die Behandlungskosten als grosse finanzielle Last.
  • 82 Prozent der Betroffenen geben an, dass sie nicht längere Zeit am Arbeitsplatz wegen Ihrer Erkrankung ausgefallen sind.

Insgesamt fällt die Kritik klar aus: Diskriminierung nicht nur von der Bevölkerung, sondern auch von Gesundheitsfachpersonen, sowie zu wenig digitale Angebote erschweren den Zugang zur Therapie.

Unter jenen Betroffenen, die eine Behandlung abgebrochen haben, dominieren psychosoziale und organisatorische Gründe:

  • 37 Prozent nennen mangelnde Unterstützung im Umfeld,
  • 35 Prozent psychische Belastung und
  • 34 Prozent zu hohen Aufwand.

Stigmatisierung während der Therapie (22%) und finanzielle Kosten (20%) folgen. Nur 17 Prozent brachen ab, weil sie ihr Zielgewicht erreicht hatten.

Sicht der Ärzteschaft

84 Prozent der befragten Ärzt:innen initiieren selbst medikamentöse Therapien zur Behandlung von Übergewicht oder Adipositas.

Unter den Ärzt:innen, die selbst Behandlungen initiieren (n=97), berichten 72 Prozent von einer Zunahme der Konsultationen wegen Adipositas in den letzten zwölf Monaten, 28 Prozent von einer gleichbleibenden Frequenz. Eine Abnahme wird nicht berichtet. Die Nachfrage nach medizinischer Behandlung steigt also klar.

80 Prozent bestätigen,  dass administrative Anforderungen eine strukturierte Betreuung erschweren würden.

75 Prozent ist wichtig zu konstatieren, dass strukturierte interdisziplinäre Angebote, an die Patient:innen verwiesen werden könnten, fehlen würden. 52 Prozent berichten von fehlenden zeitlichen Ressourcen.

Auch im Bereich der frühzeitigen Unterstützung sieht die Ärzteschaft breite Wirkungspotenziale. Am wirksamsten wird ein stärkerer Fokus auf Bewegung eingeschätzt: 92 Prozent halten diese Massnahme für sehr oder eher wirksam. Fast gleich hoch ist die Zustimmung beim stärkeren Bewusstsein für gesunde Ernährung mit 90 Prozent.

Auch verstärkte Zusammenarbeit mit Fachpersonen (84%) und ein stärkerer Fokus in der Mütter- und Väterberatung (84%) sowie Aufklärungskampagnen bei Risikogruppen (83%) erreichen hohe Zustimmung. Ein nationaler Aktionsplan zur Prävention und Behandlung von Adipositas wird von 74 Prozent als wirksam eingeschätzt, weist mit 48 Prozent aber den zweit höchsten Anteil an «sehr wirksam» auf. 76 Prozent halten gelockerte Vergütungskriterien bei Medikamenten für wirksam, 71 Prozent eine bessere Abbildung der Leistungen in den Tarifen.

Prävention

Bei den Aussagen zur Prävention zeigt sich in der Bevölkerung ein klarer Konsens: 96 Prozent stimmen zu, dass Aufklärung zu gesunder Ernährung und Bewegung bereits im Kindesalter beginnen muss. 90 Prozent finden, ein besseres Verständnis der Ursachen von Adipositas helfe, Vorurteile abzubauen. Geteilter Meinung ist die Bevölkerung beim universellen Anspruch von Prävention: 57 Prozent stimmen zu, dass es genüge, wenn Personen mit erhöhtem Risiko profitieren, 39 Prozent lehnen diese selektive Sichtweise ab.

Die Ärzteschaft trägt diesen Konsens noch klarer mit: 97 Prozent stimmen voll (80%) oder eher (17%) zu, dass Aufklärung zu Ernährung und Bewegung im Kindesalter beginnen müsse. 95 Prozent sehen ein besseres Verständnis der Ursachen als Mittel zum Abbau von Vorurteilen. Die selektive Sichtweise («es genügt, wenn Risikopersonen profitieren») findet hier deutlich weniger Zustimmung als in der Bevölkerung (40% vs. 57%). Prävention wird aus medizinischer Sicht klarer als breite, früh ansetzende Aufgabe verstanden.

Die selbstbetroffenen Befragten bewerten die potenzielle Wirksamkeit konkreter Präventionsmassnahmen breit positiv. Am wirksamsten halten sie das Stärken des Bewusstseins für gesunde Ernährung (82%) sowie einen stärkeren Fokus auf Bewegung (82%) – also genau jene Massnahmen, die in der Allgemeinbevölkerung wie in der Ärzteschaft auf Konsens stossen.

Auch klare Guidelines zur Behandlung (76%) werden als wirksam eingeschätzt.

Demgegenüber werden eine Sensibilisierung der Bevölkerung (63%), gelockerte Vergütungskriterien (61%), stärkerer Fokus auf die Mütter- und Väter-Beratung (61%) sowie ein nationaler Aktionsplan von den Betroffenen zurückhaltender beurteilt (58% wirksam vs. 74% in der Ärzteschaft).

Wahrnehmung der Akteure

Die Bevölkerung nimmt das Engagement der einzelnen Akteure im Kampf gegen Adipositas sehr unterschiedlich wahr. An der Spitze steht die Ärzteschaft (53% sehr oder eher stark), gefolgt vom Individuum und privaten Umfeld (46%), der Gesundheitsförderung Schweiz (43%) sowie Pharmaunternehmen (42%).

Krankenkassen (38%), Bundesbehörden (33%), Allianz Adipositas Schweiz (33%) und kantonale Gesundheitsdepartemente (28%) werden klar schwächer wahrgenommen.

Lebensmittel- und Getränkehersteller (21%), iMpuls (17%), das nationale Parlament (15%) und Arbeitgeber (13%) bilden das untere Ende.

Die geringe Wahrnehmung der Allianz Adipositas Schweiz sowie von iMpuls ist primär auf einen hohen Anteil «weiss nicht/keine Antwort» (38%) zurückzuführen.

Innerhalb der Pharmaindustrie ist die Wahrnehmung deutlich auf einzelne Akteure konzentriert. In der Bevölkerung, die ein Engagement der Pharmaindustrie wahrgenommen hat, führt Novo Nordisk (43% sehr oder eher stark wahrgenommen)

Es folgen Roche (37%), Astra Zeneca (28%) und Eli Lilly (21%). Amgen (11%) und Boeringer Ingelheim (11%) werden deutlich seltener mit dem Thema verbunden.

In Bezug auf die zukünftigen Erwartungen ans Engagement zeigt sich in der Bevölkerung ein breit getragener Wunsch nach mehr Engagement aller Akteure. Am stärksten wird mehr Engagement von der Lebensmittel- und Getränkeindustrie erwartet (72%), gefolgt von der Ärzteschaft (58%), den Krankenkassen (57%), den kantonalen Gesundheitsdepartementen (57%) und dem BAG (57%).

Auch von der Gesundheitsförderung Schweiz (56%), dem nationalen Parlament (50%) sowie den Pharmaunternehmen (46%) erwartet die Mehrheit mehr Einsatz. Bei iMpuls fällt der Anteil mit unklarer Erwartung («weiss nicht») mit 35 Prozent vergleichsweise hoch aus.

Synthese

Hohe Stigmatisierung

Adipositas wird in der Schweiz sowohl von Bevölkerung wie auch Ärzteschaft mit psychischen Erkrankungen und Sucht zusammen an der Spitze der Stigmatisierungsrangliste gesehen. Die Stigmatisierung erreicht auch das Gesundheitssystem selbst: Fast zwei von drei Betroffenen berichten, schon einmal durch Gesundheitsfachpersonen diskriminiert worden zu sein.

Krankheitsanerkennung mit Spannungsfeld Eigenverantwortung

Adipositas wird als behandlungsbedürftige Krankheit anerkannt. Gleichzeitig hält fast jede zweite Person in der  Bevölkerung und zwei von fünf Personen aus der Ärzteschaft an einer individuellen Verantwortungszuschreibung fest: Lebensstil und Disziplin seien schuld an der Krankheit. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen medizinischer Logik und alltäglicher Schuldzuschreibung.

Versorgungserfahrung zwischen Top und Flop

Mehr als ein Viertel der Betroffenen geben der Gesundheitsversorgung von Adipositas eine schlechte Bewertung. Ebenso viele geben jedoch auch Bestnoten.  Behandlungsabbrüche werden primär mit fehlender Unterstützung im Umfeld, psychischer Belastung und Aufwand begründet. Die Erfahrung mit der Versorgung ist nicht einheitlich schlecht, aber es gibt klare Versorgungslücken.

Steigende Nachfrage trifft auf strukturelle Engpässe

In der behandelnden Ärzteschaft berichten fast drei von vier Befragten von steigenden Konsultationszahlen in den letzten zwölf Monaten. Gleichzeitig klagen sehr viele über administrative Hürden, fehlende interdisziplinäre Strukturen und die Hälfte auch über fehlende zeitliche Ressourcen. Aus Sicht der Ärzteschaft hätte ein nationaler Aktionsplan zur Prävention und Behandlung Wirkkraft.

Prävention: Kindesalter und Ursachenverständnis

Sowohl Bevölkerung als auch Ärzteschaft sehen den Beginn der Aufklärung im Kindesalter als zentralen Hebel. Fast alle sehen im besseren Verständnis der Ursachen ein wirksames Mittel gegen Vorurteile. Bei der Frage, ob Prävention universell ansetzen oder selektiv erfolgen soll, ist die Bevölkerung gespalten, die Ärzteschaft tendiert jedoch klar zu einem universellen Ansatz.

Erwartungshaltung an alle Akteure

Bevölkerung wie Ärzteschaft erwarten von allen relevanten Akteuren mehr Engagement, am stärksten von der Lebensmittelindustrie und den Behörden. Die Pharmaindustrie wird sichtbar wahrgenommen, jedoch findet auch die Hälfte der Bevölkerung, dass auch diese Branche mehr Engagement zeigen sollte.

Methodenbox

Auftraggeberin: Novo Nordisk

Befragungszeitraum: April-Mai 2026

Stichprobe Bevölkerung:

  • Grundgesamtheit: Schweizer Wohnbevölkerung ab 16 Jahren
  • Stichprobengrösse: N = 1’539
  • Erhebung: Online-Befragung (Panel «polittrends») und CATI RDD Dual Frame im Mixed-Mode-Design
  • Gewichtung nach Alter/Geschlecht nach Sprache, Siedlungsart, Bildung, Partei
  • Stichprobenfehler: ±2.5 Prozent bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit

Stichprobe Ärzteschaft:

  • Grundgesamtheit: Hausärzt:innen sowie auf Adipositas spezialisierte Ärzt:innen (Endokrinologie/Diabetologie, Chirurgie, Gastroenterologie, Adipositas-Zentren)
  • Stichprobengrösse: N = 116
  • Erhebung: Online-Befragung mit Filterführung nach Fachrichtung und Patient:innenvolumen
  • Zusammensetzung: Allgemeine und Innere Medizin 76%, Endokrinologie/Diabetologie 8%, Chirurgie 7%, weitere 9%
  • Arbeitsort: Gemeinschaftspraxis 48%, Einzelpraxis 27%, Spital/Klinik 22%

(CH26OB00079_06/2026)