Versorgungssicherheit und Preisstabilität bleiben zentral

Breite Unterstützung für Erneuerbare Energien

Im Auftrag von Sarah Fuchs und Dominique Martin, Verband Schweizer Elektrizitätsunternehmen VSE

Befragt wurden 1’000 Stimmberechtigte der Schweiz online oder per Telefon (CATI), die mindestens einer der drei Hauptsprachen mächtig sind. Alle Angaben gelten bei einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit mit einem Unsicherheitsbereich von ±3.1 Prozentpunkten.

Die Befunde der Umfrage werden anhand des Dispositionsansatzes von gfs.bern theoretisch verortet.

Weitere Details zur Befragungsmethode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.

Befunde

Energiepolitik

Auch 2025 ist eine stabile Mehrheit der Stimmberechtigten grundsätzlich einverstanden mit der Schweizer Energiepolitik.

Insgesamt sagen aktuell 59 Prozent der Befragten, dass sie mit der Energiepolitik eher oder sehr einverstanden sind (+2 Prozentpunkte [Pp.] im Vergleich zum Vorjahr). So sind auch die 39 Prozent mit zumindest eher kritischer Sicht auf die Energiepolitik unverändert, wobei aktuell etwas weniger Personen gar nicht einverstanden sind (11%, -4Pp.).

Die Haltung der Schweizer Stimmberechtigten in den abgefragten Aussagen zur Energie- und Klimapolitik ist gegenüber der Vorjahresbefragung insgesamt äusserst stabil. Weiterhin geniesst die Förderung von erneuerbaren Energieformen als Zeichen gelebten Klimaschutzes die höchsten Zustimmungswerte (80% sehr/eher einverstanden, +3 Prozentpunkte gegenüber 2024). Daran knüpft das neu abgefragte Item an, dass das neue Stromgesetz ein sinnvoller Schritt für die Energiezukunft der Schweiz ist (77%). Mit jeweils 74 Prozent stimmt ebenfalls ein grosser Anteil der Befragten den beiden Aussagen zu, dass mit der Förderung erneuerbarer Energien die Energie-Abhängigkeit vom Ausland bekämpft werden könne (+3 Pp.) und dass die Abhängigkeit von fossilen Energien aus nicht demokratischen Ländern gestoppt werden müsse. Letzteres hat im Vergleich zum Vorjahr mit plus 6 Prozentpunkten klar an Zustimmung gewonnen. Auch die Energiewende in der Schweiz geht nach wie vor einer klaren Mehrheit der Stimmberechtigten viel zu langsam (63%, +2 Pp.).

 

Dass die erneuerbare Energie bei Weitem nicht ausreicht, um den Strombedarf der Schweiz zu decken, finden 63 Prozent der Stimmbevölkerung  (+1 Pp.), während 56 Prozent (+2 Pp.) der Meinung sind, dass ohne sofortigen Umstieg auf ebendiese erneuerbaren Energiequellen die Klimakatastrophe nicht mehr abzuwenden sei. Ebenfalls mehrheitsfähig ist die Meinung, dass Firmen nicht durch zusätzliche Energieabgaben belastet werden sollen (54%, +5 Pp.).

Die weiteren Aussagen, die allesamt kritisch auf die Energiewende blicken, werden hingegen von weniger als der Hälfte der Schweizer:innen geteilt, wobei noch eine relative Mehrheit der Meinung ist, dass die Energiewende viel zu teuer sei (48%, +2 Pp.). Dass die Weiterführung der aktuellen Energiepolitik zu Stromausfällen in Teilen der Schweiz führen wird (41%, -1 Pp.) überzeugt hingegen nur noch Minderheiten. Noch deutlicher ist die Ablehnung der Aussage, dass die Energiewende in der Schweiz viel zu weit geht (63% überhaupt/eher nicht einverstanden, -2 Pp.).

Ob der in der Energiepolitik eingeschlagene Weg zu Problemen in der Versorgungssicherheit in zehn Jahren führt, spaltet die Stimmbevölkerung. Rund die Hälfte der Stimmberechtigten gibt an besorgt zu sein, wenn diese an die Versorgungssicherheit in der Zukunft denken (51% sehr grosse/eher Sorgen) und bleibt damit stabil im Vergleich zum Vorjahr (-3 Pp.). Ihnen stehen 48 Prozent der Befragten gegenüber, die sich hingegen eher oder überhaupt keine Sorgen machen (+ 4 Pp.).

Versorgungssicherheit

Im Trilemma der Stromproduktion zwischen Versorgungssicherheit, bezahlbarem Strompreis und klimaneutraler Energieproduktion bleibt auch 2025 die Sicherstellung der Versorgungssicherheit die häufigste erste Priorität.

Bezogen auf den Umgang mit den Zielkonflikten innerhalb der Stromproduktion zeigt sich auch 2025 ein deutliches Meinungsbild in der Schweizer Bevölkerung: In den drei am stärksten unterstützten Aussagen wird jeweils die klimaneutrale und nachhaltige Stromproduktion anderen Zielen untergeordnet – dem Strompreis, der Versorgungssicherheit sowie dem Landschaftsschutz. Damit bestätigt sich das Zustimmungsmuster des Vorjahres.

So sind 76 Prozent der Stimmberechtigten (sehr/eher einverstanden, +4 Prozentpunkte) der Meinung, dass der Ausbau nachhaltiger Energien nicht zu einer massiven Verteuerung des Stroms führen darf. Eine klare Mehrheit (68%, +2 Pp.) unterstützt zudem die Aussage, dass sich die Schweiz Stromausfälle nicht leisten kann – selbst wenn dadurch Klima- und Energieziele in den Hintergrund treten. Auch die Aussage, dass für die Energiewende nicht leichtfertig auf Landschaftsschutz verzichtet werden darf, wird mit 58 Prozent Zustimmung (–3 Pp. im Vergleich zu 2024) von einer Mehrheit getragen und liegt damit wieder auf dem Niveau von 2022.

Wenn es um die konkreten Konsequenzen eines raschen Ausbaus der erneuerbaren Energien geht, zeigt sich die Bevölkerung hingegen gespaltener. Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent befürwortet ein zügiges Vorantreiben der Energiewende, auch wenn dies mit höheren Kosten verbunden ist (–6 Pp.). Die Zustimmung zur Aussage, dass der Ausbau der inländischen erneuerbaren Energiequellen auch auf Kosten des Umweltschutzes erfolgen darf, liegt mit 49 Prozent knapp unter der Hälfte und ist ebenfalls rückläufig (–2 Pp.). Beide Aussagen verzeichnen seit drei Jahren kontinuierlich sinkende Zustimmungswerte.

Nur eine Minderheit wäre bereit, Stromausfälle zugunsten einer kompromisslosen Umsetzung der Energiewende zu akzeptieren – dieser Wert liegt seit mehreren Jahren stabil bei 44 Prozent (±0 Pp.). Auch der Vorschlag, lieber ein neues Atomkraftwerk zu bauen statt zahlreiche neue andere Kraftwerke, erhält mit 41 Prozent (±0 Pp.) weiterhin nur Minderheitenunterstützung, bleibt aber konstant auf dem Vorjahresniveau.

Massnahmen zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit

Die Förderung der Energieeffizienz (94%, +4 Prozentpunkte gegenüber 2024), der Ausbau von Solaranlagen auf Dächern und Fassaden (94%, +2 Pp.) sowie der Ausbau der Wasserkraft (92%, +1 Pp.) werden nahezu einstimmig als sinnvolle Massnahmen zur Vermeidung einer Strommangellage bewertet. Auch Investitionen in die Eigenproduktion von Energie durch Konsument:innen finden mit 82 Prozent (±0 Pp.) bei rund vier von fünf Stimmberechtigten Zustimmung. Der Ausbau der Biomasse wird von 79 Prozent als sinnvolle Option zur Sicherung der Versorgungssicherheit in der Schweiz beurteilt. Etwa drei Viertel der Befragten sprechen sich zudem für den Ausbau der Geothermie (74%, +1 Pp.) und der Windkraft (72%, –2 Pp.) aus.

Beide Technologien werden mehrheitlich als tragfähige Lösungen zur langfristigen Gewährleistung der Stromversorgung angesehen.

Lenkungsabgaben mit Rückvergütung an sparsame Haushalte erfahren ebenfalls breite Zustimmung: 72 Prozent der Bevölkerung befürworten dieses Instrument (+4 Pp.) – damit steigt die Zustimmung bereits zum zweiten Mal in Folge spürbar an.

Verglichen mit 2024 bleibt die Einschätzung der politischen Massnahmen weitgehend stabil. Im längerfristigen Vergleich mit den Jahren 2022 und 2023 zeigt sich eine zunehmende Konvergenz in der Zustimmung. Jeweils 71 Prozent der Befragten erachten den Ausbau von Wasserstoff sowie politische Massnahmen in Form von steuerlichen Anreizen klar als sinnvoll (+1 Pp.). Die Befürwortung des Ausbaus von Solaranlagen in den Bergen (62%, +2 Pp.) sowie die Sichtweise auf die Einschränkung von Beschwerdemöglichkeiten gegen Bauvorhaben im Energiebereich (62%, +3 Pp.) sind im Vergleich zum Vorjahr etwa gleich geblieben.

Der Bau von Atomkraftwerken der neusten Generation hat insgesamt gegenüber 2024 als Massnahme gegen Strommangellagen erneut etwas an Unterstützung zulegen können (53%, +1 Pp.). Der Bau von Atomkraftwerken der aktuellen Generation wird (39%, -1 Pp.) hingegen weiterhin nur von einer Minderheit als sinnvoll erachtet.

Gaskraftwerke für den Notfall (45%, +1 Pp.) sowie Regulierungen und Verbote (44%, ±0 Pp.) vermögen aktuell keine Mehrheiten von ihrer Sinnhaftigkeit zu überzeugen. Die Steigerung der Stromimporte aus dem Ausland wird ebenfalls unverändert sehr deutlich abgelehnt (24% eher/sehr sinnvoll, -2 Pp.).

Stromgesetz

Für den Fall, dass der im Stromgesetz beschlossene Ausbau der Stromproduktion nicht ausreicht, setzt die Schweizer Bevölkerung eher auf erneuerbare Energien als auf Gas- und Kernkraftwerke. Jeweils eine Mehrheit würde in einer solchen Situation für mehr Wasser (53%) respektive mehr Solar (50%) plädieren. Bei jeder dritten Person würde die Wahl auf mehr Wind oder Kernkraftwerke fallen. Nur sieben Prozent sehen in diesem Szenario Gaskraftwerke als alternative Quelle zur Stromproduktion.

Wenn trotz aller Bemühungen keine weiteren Anlagen für Solar-, Wind- und Wasserkraft gebaut werden können, würde sich die Schweizer Bevölkerung betreffend zusätzlicher Stromproduktion eher für Kernkraftwerke (49 %) als für Gaskraftwerke (26%) aussprechen.

Die Schweizer Bevölkerung ist bereit, mitanzupacken, wenn es darum geht, Stromengpässe zu vermeiden. Besonders dort, wo Massnahmen einfach umsetzbar sind, ist die Zustimmung nahezu einstimmig: 97 Prozent wären eher oder absolut bereit, auf effiziente Elektrogeräte oder LED-Lampen umzusteigen. Auch beim Lichtausmachen oder dem bewussten Abschalten von Geräten zeigen sich über 90 Prozent kooperationsbereit. Doch je stärker eine Massnahme in den Alltag eingreift, desto differenzierter fällt die Zustimmung aus. Auch das Waschen bei niedrigen Temperaturen und ohne Vorwaschgang findet mit 85 Prozent Zustimmung breite Unterstützung, jedoch mit geringerer Überzeugung.

Die Bereitschaft, den Gebrauch energieintensiver Geräte zu Spitzenzeiten zu vermeiden, ist zwar mehrheitlich vorhanden, doch nur knapp die Hälfte wäre dazu wirklich konsequent bereit. Gleiches lässt sich bei der zurückhaltenden Regulierung der Raumtemperatur beobachten.

Beim Mobilitätsverhalten zeigt sich schliesslich: Zwar geben drei Viertel an, häufiger auf ÖV oder Velo umsteigen zu wollen, doch der Anteil der wirklich Überzeugten ist hier mit am tiefsten. Zugleich ist die Ablehnung am stärksten spürbar.

Anlagen zur Stromproduktion

Insgesamt bleibt die Beurteilung der Standorte von neuen Anlagen zur Stromproduktion – insbesondere im Vergleich zum letzten Jahr – recht stabil. Wie bereits in den vergangenen Befragungswellen sind Solaranlagen auf bestehender Infrastruktur (94% sehr/eher einverstanden, -1 Pp.) sowie auf allen geeigneten Dächer und Fassaden (92%, -3 Pp.) gänzlich unumstritten. Die Akzeptanz für Stauseen anstelle früherer Gletscherflächen liegt weiterhin hoch: 76 Prozent sprechen sich dafür aus – ein Anstieg um 3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 2022 lässt sich ein klarer Trend erkennen: Die Zustimmung wächst kontinuierlich und liegt inzwischen fast 10 Prozentpunkte über dem Ausgangswert.

Sehr konstant zeigt sich die Zustimmung zu Anlagen die direkt in die Natur gebaut werden: So sind 2025 59 Prozent (+1 Pp.) der Befragten einverstanden mit Windrädern auf Hügeln, die vom eigenen Balkon aus sichtbar sind, und nach wie vor ist mit 50 Prozent (±0 Pp.) eine minimale Mehrheit mit grossen Solaranlagen auf freien Wiesen in den Bergen einverstanden. Auf tiefem Niveau stabil zeigt sich die Zustimmung zu einem Gaskraftwerk im Umkreis von 10 Kilometern vom eigenen Wohnort (39%, +2 Pp.). Gaskraftwerke in der eigenen nahen Umgebung sind somit die einzigen Anlagen, mit denen eine Mehrheit der Stimmberechtigten nicht einverstanden sind (57% eher/gar nicht einverstanden, +10 Pp.).

Atomkraftwerke

Ob in der Schweiz grundsätzlich wieder über den Neubau von Atomkraftwerken nachgedacht werden soll, spaltet die Schweizer Bevölkerung nicht mehr in gleichem Ausmass wie noch 2024. Insgesamt ist neu eine Mehrheit von 56 Prozent der Stimmberechtigten eher oder sehr damit einverstanden, dass die Diskussion über den Neubau von Kernkraftwerken wieder geführt wird (+7 Pp.). Ihnen gegenüber steht nun eine Minderheit von 44 Prozent (-3 Pp.), die nicht damit einverstanden sind.

Blackout-Initiative

In die gleiche Kerbe schlägt die die Volksinitiative «Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)», welche fordert, dass die Schweiz eine sichere Stromversorgung jederzeit gewährleistet und keine Technologie – einschliesslich Kernenergie – ausgeschlossen wird. Würde schon heute über diese Initiative abgestimmt, wäre der Outcome noch offen. 46 Prozent der Stimmberechtigten würden der Initiative tendenziell oder klar zustimmen, während 48 Prozent sie eher oder klar ablehnen. Nur 6 Prozent sind unentschieden oder machen keine Angabe. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Frage der sicheren Stromversorgung unter Einsatz aller Technologien stark polarisiert. Eine klare Mehrheit ist derzeit nicht erkennbar, was die Bedeutung einer breiten öffentlichen Diskussion unterstreicht.

Bei Betrachtung der Befürwortung der Blackout-Initiative nach Parteipräferenz, präsentiert sich ein ähnliches Bild wie bei der Diskussion um den Neubau von Atomkraftwerken. Anhänger:innen des links-grünen Lagers lehnen die Blackout-Initiative deutlich ab: Bei den Grünen sprechen sich 73 Prozent, bei der SP 61 Prozent und bei der GLP 64Prozent eher oder klar dagegen aus. Jene, die mit der Mitte sympathisieren sind hingegen gespalten und tendieren nur knapp mehrheitlich zur Ablehnung (51%). FDP- und SVP-Sympathisant:innen unterstützen die Initiative deutlich stärker – jeweils über 50 Prozent stimmen eher oder klar zu. Auch bei parteiungebundenen Personen überwiegt mit 64 Prozent die Zustimmung. Insgesamt zeigt sich ein klares parteipolitisches Muster: Linke Parteien lehnen ab, bürgerliche Kreise befürworten die Initiative. Insbesondere an den Polen ist dabei die Meinung mit hohen Anteilen klarer Positionierung schon ziemlich gefestigt.

Die Zustimmung zu häufig gehörten Aussagen im Kontext der Blackout-Initiative macht deutlich, worauf das vielfältige Meinungsbild in der Bevölkerung zurückzuführen ist: Die Aussagen zur Blackout-Initiative zeigen ein klar gespaltenes Meinungsbild. Zustimmung finden vor allem Argumente zur wirtschaftlichen Bedeutung einer stabilen Stromversorgung (72%) und zur Offenheit gegenüber allen klimafreundlichen Technologien, inklusive Kernenergie (68%).

Auch das Argument, dass im Winter Kernkraft nötig sei, wird von 44 Prozent unterstützt – bleibt jedoch umstritten. Kritische Stimmen überwiegen bei der Einschätzung, dass neue Kernkraftwerke kurzfristig nicht helfen (74%) und die Initiative zu teuren, risikobehafteten AKW führen könnte (57%). Zudem sehen 52 Prozent die Gefahr, dass Investitionen in erneuerbare Energien gebremst werden. Die Bewertungen erklären die parteipolitische Polarisierung: Linke Lager lehnen die Initiative überwiegend ab, während rechte Parteien sie stärker stützen.

Stromabkommen und Marktliberalisierung

Nachdem im vergangenen Jahr die Offenheit gegenüber einem Abkommen mit der EU im Strombereich wieder etwas abgekühlt ist, erreicht die Befürwortung eines solchen Abkommens, im Kontext neu verhandelter Abkommen, in der aktuellen Befragung neue Höchstwerte seit Messbeginn. 2025 wären insgesamt 79 Prozent der Stimmberechtigten für ein Stromabkommen mit der EU. Das sind 19 Prozentpunkte mehr als in der Vorjahresbefragung. Auf der anderen Seite ist aktuell nur noch rund jede fünfte Person gegen ein solches Abkommen (17% sehr/eher dagegen) was wiederum einem neuen Tiefstwert dieser Befragungsreihe entspricht.

Eine Bedingungen für ein Stromabkommen mit der EU ist die vollständige Öffnung des Schweizer Strommarktes. Nach wie vor ist eine knappe Mehrheit der Schweizer:innen für eine freie Wahl des Stromanbieters für alle Konsument:innen. Etwas mehr als die Hälfte der Stimmbevölkerung befürwortet eine freie Wahl des Stromanbieters auch für die privaten Haushalte (56% sehr/eher dafür, +5 Pp.). Mit 39 Prozent (-5 Pp.) gibt es allerdings eine nicht zu vernachlässigende Minderheit, die sich dagegen ausspricht.

Unter der Annahme den Energieversorger frei wählen zu können, gibt allerdings wie im Jahr zuvor die klare Mehrheit der Schweizer:innen an, zumindest wahrscheinlich bei ihrem aktuellen Stromanbieter zu bleiben. Insgesamt sagen über zwei Drittel, dass sie voraussichtlich bei ihrem aktuellen Energieversorger zu bleiben gedenken (69% bleibe auf jeden Fall/wahrscheinlich, +1 Pp). Fast jede vierte dazu befragte Person will sogar auf jeden Fall beim aktuellen Stromanbieter bleiben (23%). Ihnen gegenüber stehen lediglich 20 Prozent (+3 Pp.), die wahrscheinlich oder auf jeden Fall den Anbieter wechseln wollen.

Synthese

Stabilität in den Prioritäten

Auch 2025 steht man generell hinter der Energiepolitik 2050 (59% eher oder sehr einverstanden), was sich auch durch die abgefragten Aussagen zur Energie- und Umweltpolitik zeigt. Die Förderung erneuerbarer Energieformen ist breit abgestützt, nicht zuletzt um Abhängigkeiten vom Ausland zu verhindern. Zudem wird das Stromgesetz klar als sinnvoller Schritt für die Energiezukunft der Schweiz erachtet. Die Sicherstellung der Stromversorgung bleibt auch 2025 das energiepolitische Leitziel. 45  Prozent der Befragten nennen sie als oberste Priorität gefolgt von bezahlbarem Strompreis und Klimaneutraler Energieporduktion. Im Kontext des Zielkonflikts zwischen Versorgung, Klimaschutz und Kosten dürften politische Massnahmen in ihrer Balancefähigkeit gemessen werden.

Konsens bei Zielen - Kritik am Tempo der Umsetzung

Die Förderung erneuerbarer Energien ist für die Bevölkerung weiterhin das zentrale Element einer glaubwürdigen Energiepolitik, aber auch nicht zu jedem Preis: Nicht nur Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit müssen gewährleistet sein, auch Anforderungen des Landschaftsschutzes haben mehrheitlich geteilte Berechtigung. Gleichzeitig empfindet eine gewichtige Mehrheit von 63 Prozent die Energiewende als zu langsam, und 56 Prozent mahnen, dass ohne sofortigen Umstieg auf ebendiese erneuerbaren Energiequellen die Klimakatastrophe nicht mehr abzuwenden sei. Hier zeigt sich entsprechend die Erwartungshaltung, dass politische Absichten auch in konkrete Fortschritte übersetzt werden – sowohl beim Ausbau als auch bei der Unabhängigkeit von fossilen und ausländischen Energiequellen.

Neue Technologien: Ja, aber bitte bewährt und ortsverträglich

Offenheit wächst – aber nur ausgewählte Lösungen stossen auf breite Akzeptanz. Die Bevölkerung unterstützt grundsätzlich neue Produktionsanlagen, bevorzugt dabei aber etablierte und lokal verträgliche Technologien: Solaranlagen auf Dächern (94%), Wasserkraft (92%) und Energieeffizienzmassnahmen geniessen höchste Zustimmung. Auch Geothermie, Biomasse und Windkraft finden mehrheitliche Unterstützung. Der Bau neuer Atomkraftwerke der nächsten Generation wird von 53 Prozent befürwortet, während herkömmliche AKW-Typen mehrheitlich abgelehnt bleiben. Gaskraftwerke im Nahbereich stossen auf breite Ablehnung. Akzeptanz ist also da – aber sie bleibt technologie- und standortabhängig.

Die Blackout-Initiative polarisiert

Die Volksinitiative «Jederzeit Strom für alle» spaltet die Stimmbevölkerung: 46 Prozent würden aktuell zustimmen – 48 Prozent lehnen sie ab. Besonders FDP-, SVP- und parteiunabhängig Wählende befürworten sie mehrheitlich, während das links-grüne Lager sie klar ablehnt. Die Argumente dahinter reichen von der Forderung nach Technologieoffenheit (68% Zustimmung) bis hin zur wirtschaftlichen Bedeutung stabiler Stromversorgung (72%). Gleichzeitig überwiegen die Bedenken: 74 Prozent sind überzeugt, dass neue AKW kurzfristig keine Lösung bringen, 57 Prozent befürchten teure oder risikobehaftete Entwicklungen, 52 Prozent sehen eine Gefahr für den Ausbau der Erneuerbaren. Die Debatte zeigt: Die Energiezukunft ist ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess, der nicht nur auf Fakten sondern auch auf Grundhaltungen beruht.

EU-Stromabkommen gewünscht - Marktöffnung mit Vorbehalt

Die Zustimmung zum Stromabkommen erreicht im Kontext neu verhandelter Verträge mit 79 Prozent einen neuen Höchstwert seit Messbeginn. Besonders stark zugelegt haben SVP-Sympathisant:innen und parteiunabhängig Wählende. Die energiepolitische Zusammenarbeit mit Europa wird mehrheitlich als sinnvoller Schritt zur Sicherung der Versorgungssicherheit gesehen. Dennoch bleibt die Meinungsbildung volatil. Die vollständige Marktöffnung – als Bedingung für ein Abkommen – wird zwar mehrheitlich (56%) befürwortet, aber ohne Begeisterung: Zwei Drittel würden trotz Wahlmöglichkeit bei ihrem bisherigen Anbieter bleiben. Die EU-Frage bleibt damit auch im Strombereich ein Thema politischer Identität – und damit sensibel für künftige Debattenverläufe.

Methodische Details

Auftraggeber: Verband Schweizer Elektrizitätsunternehmen VSE

Grundgesamtheit: Stimmberechtigte der Schweiz, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind

Erhebungsart: Mixed-Mode (Online- und Telefonbefragung)

> Online: hauseigenes Online-Panel „Polittrends“ für Stimmbevölkerung

> Telefon: (CATI) mit Random Digit Dialing

Stichprobengrösse: Total Befragte N = 1’000
> n DCH: 706
> n FCH: 238
> n ICH: 56
> n Onlinepanel: 288
> n Telefonbefragung: 712

Gewichtung: Dual-Frame-Gewichtung, Alter/Geschlecht, Sprache, Siedlungsart, Bildung und Partei

Stichprobenfehler: ±3.1 Prozent bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit

Befragungszeitraum: 11. bis 21. März 2025