im Auftrag des Touring Club Schweiz
Der TCS-Reisebarometer gibt einen Einblick in das Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung. Die repräsentative Befragung von Einwohner:innen sowie TCS-Mitgliedern zeigt auf, welche Informationsquellen besonders beliebt sind, wie gut man sich übers Reisen informiert fühlt, welche Neuigkeiten zum Thema Reisen wahrgenommen werden oder wie es um das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung steht. Die Befragung wurde 2026 zum zehnten Mal durchgeführt.
Die Ergebnisse des zehnten TCS-Reisebarometers sowie des dritten TCS-Notfallbarometers basieren auf zwei Befragungen: Einerseits wurde eine repräsentative Auswahl von 1004 Einwohner:innen der Schweiz ab 18 Jahren befragt, wobei 506 Personen mittels eines «Random Digit Dialing (RDD)»-Verfahrens ausgewählt und via Telefon befragt wurden. 20 Prozent dieser Bevölkerungsbefragung wurden entsprechend des Dualframe-Ansatzes auf Handynummern realisiert.
Andererseits wurden zusätzlich zu den Einwohner:innen auch Mitglieder des TCS befragt. Von den insgesamt 1.5 Millionen Mitgliedern des TCS wurde eine zufällige Stichprobe von 10’000 Personen gezogen und zum Mitmachen an einer Online-Umfrage eingeladen. Insgesamt haben sich 810 TCS-Mitglieder beteiligt.
Der Stichprobenfehler beträgt ±3.1 Prozent bei der Bevölkerungsbefragung und ±3.4 Prozent bei der Befragung der TCS-Mitglieder.
Details zur Befragungsmethode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.
Die derzeitige Weltlage ist geprägt von verschiedensten geopolitischen Unsicherheiten, Kriegen und Konflikten. Diese zugespitzte Situation tangiert auch das Reiseverhalten. So haben seit Messbeginn 2017 nicht mehr so viele Personen angegeben, dass Sie in den letzten 12 Monaten Neuigkeiten wahrgenommen haben, die ihre Reisepläne beeinflussten (33%). Wie der Grafik 1 zu entnehmen ist, handelt es sich bei diesen Neuigkeiten vor allem um die angespannte Lage in den USA im Kontext der Präsidentschaft von Donald Trump, erschwerten Einreisebestimmungen sowie generellen Unruhen.
Auch Neuigkeiten zum Krieg im Nahen Osten wurden vermehrt wahrgenommen.
Die Reaktion darauf ist jedoch weniger ein genereller Verzicht aufs Reisen ins Ausland als vielmehr eine Anpassung der Destinationen. So haben seit Messbeginn nicht mehr so viele Personen aufgrund der Neuigkeit ein anderes Land für ihre Reise gewählt (35%).
Entsprechend kritisch fällt die Bewertung der Neuigkeiten aus. Mit 59 Prozent wird deren Einfluss auf die eigenen Reisepläne so negativ beurteilt wie seit der Corona-Pandemie nicht mehr (+19 Prozentpunkte – weiterhin mit Pp. Abgekürzt – gegenüber 2025).
Parallel dazu hat auch die wahrgenommene Unsicherheit von Reisen ins Ausland markant zugenommen (37%, +15 Pp.). Auch wenn in den Jahren zuvor die Welt bereits von geopolitischen Verwerfungen geprägt war, so scheint nun ein Mass an Verunsicherung erreicht zu sein, dass sich stärker im Reiseverhalten abbildet.
Sicherheit und Versorgung vor Ort ist für die reisenden Einwohner:innen ab 18 Jahren ungebrochen der wichtigste Aspekt beim Reisen (89%). Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass die Bevölkerung auf Erschütterungen der Sicherheitswahrnehmung an einem Ort entsprechend sensitiv reagiert.
Nebst der Sicherheit bleiben auch die Konsultation von Online-Reiseinformationen und Sicherheitshinweisen zentral (84%) genauso wie gute und kurze Kommunikationswege in die Schweiz, um medizinische Beratung zu erhalten. An Bedeutung dazugewonnen hat die Verfügbarkeit kurzfristiger Buchungs- und Stornierungsmöglichkeiten (75%, +5 Pp.), was dazu passt, dass aufgrund der globalen Unsicherheiten Reisen vermehrt (kurzfristig) auf andere Länder umgebucht wurden.
Die besondere Bedeutung der aktuellen Unsicherheiten zeigt sich auch darin, dass fast alle abgefragten Sicherheitsaspekte nun so wichtig erscheinen, wie seit Messbeginn 2022 noch nie. So bewerten 46 Prozent derjenigen, die angegeben haben, dass sie beim Reisen auf Sicherheit und Versorgung vor Ort achten, die Garantie einer sofortigen gesundheitlichen Behandlung im Krankenfall als wichtig. Fast ebenso viele (43%) nennen die Garantie einer Ausreisemöglichkeit im Krisenfall. Einen neuen Rekordwert gibt es auch bei der ständigen Verfügbarkeit uneingeschränkter Kommunikationsmittel (35%).
Parallel dazu gewinnt auch der Zugang zu verlässlichen Informationen und unterstützenden Kommunikationsmitteln weiter an Bedeutung. Dies trifft insbesondere auf aktuelle Länderinfos im Internet zu (24%), sowie auf Apps, die eine schnelle Hilfe ermöglichen (26%) und ständig über relevante Sicherheitsaspekte politischer (20%) oder gesundheitlicher Natur (13%) informieren. Bei all diesen Aspekten werden 2026 neue Höchstwerte erreicht, was die Tragweite der aktuellen Weltlage auf das Reiseverhalten verdeutlicht.
Im Einklang mit den bislang vorgestellten Erkenntnissen, sind es vor allem politische Instabilitäten und Kriege, die die reisende Wohnbevölkerung von Reisen abhalten. Zwei Drittel der Befragten geben an, dass dieser Faktor ihr Reiseverhalten derzeit am stärksten beeinflusst – bei den TCS-Mitgliedern liegt dieser Wert sogar bei 78 Prozent. Auch eine potenzielle Terrorgefahr führt bei 44 Prozent der Befragten zu einem aversiven Reiseverhalten. Für ein Drittel zählen auch Kriminalität, Gesundheitsrisiken und unberechenbares Verhalten der Behörden im Reiseland zu den drei zentralen Faktoren, die ihr Reiseverhalten am stärksten beeinflussen.
Umwelt- und Klimabelastungen der Reise spielen dabei eine vergleichsweise geringere Rolle (15%). Nicht jede Art von Bedrohungslage scheint damit bei der reisenden Bevölkerung gleichermassen das Handeln zu beeinflussen. Während globale politische Unsicherheiten ab einer bestimmtem Brisanz unmittelbare Anpassungen auslösen, bleibt der Einfluss von Umwelt- und Klimathemen vergleichsweise begrenzt – trotz einer grundsätzlich hohen Problemwahrnehmung in der Bevölkerung, wie aus anderen Befragungen hervorgeht.
Trotz der gestiegenen Unsicherheiten lässt sich insgesamt keine Abkehr vom Reisen beobachten. Während 2025 noch 61 Prozent der Befragten angegeben haben heute weniger oder gar nie zu reisen im Vergleich zu früher, so sind es 2026 49 Prozent, die dies angeben. Dieser Rückgang ist primär auf den gestiegenen Anteil «reise gar nie» zurückzuführen (9%, -10 Pp.). Nachdem die Reisefreudigkeit im Zuge der Corona-Pandemie zusammengebrochen war und sich bis 2023 wieder sukzessive erholte, scheint sie sich in den letzten Jahren, insbesondere im Vergleich mit letztem Jahr, zu stabilisieren.
Die Reisen ins Ausland haben nach Corona stetig zugenommen und 2025 wieder den Höhepunkt von 2018/2019 erreicht. Der leichte Rückgang der Auslandreisen im Vergleich zu 2025 (84%, -8 Pp.) erscheint vor dem Hintergrund der Vielzahl gleichzeitig wahrgenommener Konflikte plausibel und deutet eher auf eine situative Anpassung als auf eine grundlegende Trendwende hin.
Der Befund, dass aufgrund geopolitischer Unsicherheit nicht unbedingt weniger gereist, sondern vor allem auf andere Länder ausgewichen wird, widerspiegelt sich auch darin, dass das restliche Europa im Vergleich zu letztem Jahr zulasten der USA wieder an Attraktivität gewonnen hat.
Während 2025 noch 7 Prozent der Befragten angegeben haben im letzten Jahr nach Nordamerika gereist zu sein, sind es 2026 nur noch 3 Prozent. Dafür ist das restliche Europa als Reiseziel von 20 Prozent im Jahr 2025 auf 26 Prozent im Jahr 2026 gestiegen.
Die reisende Wohnbevölkerung unternimmt am liebsten Städtereisen (47%) gefolgt von Natur- und Landschaftsferien (43%) sowie Badeferien (41%). Bei den TCS-Mitgliedern zeigt sich eine ähnliche Präferenz, wobei Städtereisen etwas weniger attraktiv sind (40%).
Ein weiterer Unterschied ergibt sich aus dem Studienergebnis, wonach TCS-Mitglieder häufiger Erlebnisreisen und Wellnessferien unternehmen im Vergleich zur Wohnbevölkerung.
Der Zeitpunkt, wann mit der Ferienplanung begonnen werden soll, ist in der Wohnbevölkerung breit gestreut. Diejenigen, die eher spontan, beziehungsweise langfristig planen, halten sich in etwa die Waage. 17 Prozent bevorzugen es, eine Reise weniger als einen Monat im Voraus zu planen. Weitere 29 Prozent mögen es auch eher spontan und planen etwa ein bis drei Monate im Voraus ihre Ferien.
Etwa ein Drittel (34%) plant hingegen lieber drei bis sechs Monate vorher. Für 17 Prozent ist selbst das zu kurzfristig. Sie planen ihre Reise am liebsten mehr als sechs Monate im Voraus. Bezüglich der sehr langfristigen Planung halten es die TCS-Mitglieder ähnlich (16%). Darüber hinaus zeigen sie sich im Vergleich zur Wohnbevölkerung eher weniger spontan bei der Reiseplanung.
Das bevorzugte Reisevehikel für die kommenden Jahre ist 2026 gemäss den Befragten das eigene Auto beziehungsweise das Flugzeug (je 51%). Das eigene Auto hat seit 2023 an Bedeutung verloren und gleicht sich den Werten von Flugzeug und Zug an (50%). Andere Fortbewegungsmittel wie Nachtzug, Bus, Mietauto, Camper und Kreuzfahrtschiff spielen da vergleichsweise eine geringe Rolle und bleiben seit Messbeginn 2023 relativ konstant.
Bei den TCS-Mitgliedern hat das eigene Auto als Fortbewegungsmittel auf Reisen zwar über die Jahre auch an Attraktivität eingebüsst, befindet sich mit 62% aber auf deutlich höherem Niveau im Vergleich zur Bevölkerung. Bemerkenswert ist insbesondere, dass das Flugzeug bei den TCS-Mitgliedern das eigene Auto 2026 als beliebtestes Reisevehikel abgelöst hat.
Abseits der Massen zu reisen und neue Länder zu entdecken, war in den vergangenen Jahren äusserst beliebt. 2026 verzeichnet diese Aussage im Vergleich zum Vorjahr mit 12 Prozentpunkten einen deutlichen Rückgang in der Zustimmung (65%). Damit verliert ein zuvor klar dominanter Reisetrend spürbar an Zustimmung. In den Untergruppen macht sich denn auch ein Grund für diese Entwicklung bemerkbar: Je unsicherer die Befragten die Situation im Ausland einschätzen, desto seltener bevorzugen sie bewusst Reisen abseits etablierter touristischer Angebote. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Sicherheitsüberlegungen zu einer stärkeren Orientierung an bekannten und strukturierten Reiseformen führen. Passend dazu bleibt die Sensibilisierung für Risiken über die letzten Jahre auf erhöhtem Niveau stabil. So geben 62 Prozent der Befragten an, aufgrund globaler Unsicherheiten vorsichtiger geworden zu sein.
Ähnlich viel Zustimmung erhält das Bedürfnis nach sozialem Reisen, indem 56 Prozent regelmässig mit Freund:innen oder Bekannten verreisen. Geht es um ferne Reisen, dann fühlen sich 36 Prozent in geführten Reisegruppen sicherer (-6Pp.).
Aspekte, die potenziell vom Reisen abhalten können, stossen vergleichsweise weniger auf Zustimmung. So betrachten 30 Prozent Reisen als Luxus, den sie sich kaum leisten können, wobei dieser Anteil gegenüber dem Vorjahr etwas rückläufig ist (-7Pp.). Ähnlich viele reisende Einwohner:innen empfinden Reisen an fremde Orte als Stress und nicht als Erholung (27%). Jeweils jede fünfte Person gibt schliesslich an, häufig keine Zeit zum Reisen zu haben oder keine geeignete Reisebegleitung zu finden.
In Thesenform fassen wir die Erkenntnisse des TCS-Reisebarometers 2026 wie folgt zusammen und ordnen ein:
Geopolitische Verwerfungen wie der Krieg im Nahen Osten sowie die erschwerten Einreisebestimmungen in den USA dominieren derzeit den Diskurs zum Thema Reisen. Dies beeinflusst das Sicherheitsempfinden. Seit Corona wurden Auslandreisen nicht mehr als so unsicher empfunden wie derzeit. Gleichzeitig zeigt sich, dass Sicherheitsüberlegungen nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch das Verhalten beeinflussen. Geopolitische Unsicherheiten führen vermehrt dazu, dass Reisepläne angepasst und Destinationen gewechselt werden. Sicherheit stellt in diesem Gefüge ein zentraler Orientierungspunkt für Reiseentscheidungen dar.
Die Reisehäufigkeit bleibt trotz geopolitischer Unsicherheiten stabil. Ferne Reisen, insbesondere in die USA, verlieren jedoch an Attraktivität zugunsten europäischer Destinationen. Auch die Entdeckung neuer Länder und Sehenswürdigkeiten ist weniger beliebt. Parallel dazu nimmt auch die Präferenz für weniger erschlossene Reiseformen ab. Der deutliche Rückgang beim Wunsch, abseits des Massentourismus zu reisen, unterstreicht diese Entwicklung. Insgesamt deutet dies darauf hin, dass Reisende unter den gegebenen Umständen vermehrt auf vertraute und als sicher wahrgenommene Regionen sowie etablierte Angebote ausweichen.
Am liebsten unternimmt die Wohnbevölkerung Städtereisen gefolgt von Natur- und Landschaftsferien sowie Badeferien. Letzteres ist insbesondere bei jungen Menschen beliebt. Die Planung von Reisen erfolgt in der Wohnbevölkerung unterschiedlich: Während ein Teil eher kurzfristig plant, beginnt ein anderer Teil bereits mehrere Monate im Voraus mit der Organisation. Kurzfristige und längerfristige Planung halten sich dabei in etwa die Waage. TCS-Mitglieder zeigen sich vergleichsweise etwas weniger spontan.