Die grosse Sehnsucht nach Reisen ins Ausland bleibt aus

Die Wohnbevölkerung reagiert vorsichtig aber risikobewusst und resilient auf die Reiseeinschränkungen und entdeckt dabei die Schweiz

im Auftrag des Touring Club Schweiz

Der TCS-Reisebarometer gibt einen Einblick in das Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung. Die repräsentative Befragung von Einwohner*innen sowie TCS-Mitgliedern zeigt auf, welche Destinationen besonders beliebt sind, welche Neuigkeiten zum Thema Reisen wahrgenommen werden oder wie es um das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung steht. Die Befragung wurde 2021 zum fünften Mal durchgeführt.

Die Ergebnisse des TCS-Reisebarometers 2021 basieren auf zwei Befragungen: Einerseits wurde eine repräsentative Auswahl von 1’000 Einwohner*innen der Schweiz ab 18 Jahren per Telefon befragt. 20 Prozent dieser Bevölkerungsbefragung wurden entsprechend des Dualframe-Ansatzes auf Handynummern realisiert.

Andererseits wurden zusätzlich auch Mitglieder des TCS befragt. Von den insgesamt 1.5 Millionen Mitgliedern des TCS wurde eine zufällige Stichprobe von 10’000 gezogen und zum Mitmachen an einer Online-Umfrage eingeladen.

1’832 TCS-Mitglieder haben sich beteiligt. Der Stichprobenfehler beträgt ± 3.2 Prozent bei der Bevölkerungsbefragung und ± 2.3 Prozent bei der Befragung der TCS-Mitglieder. Befragt wurde vom 8. Februar bis zum 6. März 2021.

Details zur Befragungsmethode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.

 

Reisen in Zeiten von Corona: Bewusster Umgang mit Reiserisiken

Die Corona-Krise trifft die Reisebranche besonders hart. Die Reisepläne von über zwei Dritteln (68%) der Wohnbevölkerung und 89 Prozent der TCS-Mitglieder waren seit Ausbruch des Virus beeinflusst worden.

Stornierungen gebuchter Reisen sowie Reisebeschränkungen wurden bei allen Befragten am häufigsten als Konsequenz des Virus auf die Reisepläne angegeben.

Die Mehrheit der Befragten in der Bevölkerung fühlt sich eher/sehr gut über Reiserisiken informiert. Bei den TCS-Mitgliedern sieht es sehr ähnlich aus: 64 Prozent fühlen sich eher gut – 18 Prozent sehr gut informiert.

Dafür herrscht etwas mehr Unklarheit bei den Reiseempfehlungen: 39 Prozent der Wohnbevölkerung geben an, diese seien eher/sehr unklar. Eine Mehrheit von 56 Prozent versteht jedoch die Reiseempfehlungen. Vor allem die italienischsprachige Schweiz gibt an, dass die Verständlichkeit über Reiseempfehlungen gegeben ist (69% eher/sehr klar),

gefolgt von den deutschsprachigen Einwohner*innen (58% eher/sehr klar) und schliesslich der französischsprachigen Schweiz (48%).

Bei den TCS-Mitgliedern sieht es wieder ähnlich aus: 55 Prozent verstehen die Reiseempfehlungen, für 40 Prozent sind sie unklar.

20 Prozent der Befragten geben an, in den letzten zwölf Monaten Neuigkeiten über Länder mitbekommen zu haben, die sie in ihren Reiseplänen beeinflussten. Nicht überraschend ist, dass für 41 Prozent das wichtigste genannte Thema „Corona“ ist. 2017 und 2018 war das wichtigste Thema noch „Terrorismus/Krieg“.

Fast die Hälfte der Befragten (47%, +20 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) gibt an, heute grundsätzlich weniger zu reisen. Obschon in der Fragestellung bewusst auf den Kontext der Pandemie verzichtet wurde, gehen wir davon aus, dass diese zusätzlichen 20 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr aufgrund Corona dazugekommen sind. Wie nachhaltig diese Änderung ist, lässt sich noch nicht beurteilen.

Seit 2018, also noch vor der Pandemie, steigen die Anteile im Trend deutlich an, die selten oder nie reisen. Vor allem die Bevölkerung der deutschsprachigen (50%) sowie der italienischsprachigen Schweiz (51%) gibt an, weniger zu reisen. Bei den Romand(e)s sind es 38 Prozent. Fast ein Drittel (32%) gibt an, gar nie mehr zu reisen. Nach wie vor sind das vor allem über 65-Jährigen (44%, zum Vergleich: 33% bei den 40- bis 64-Jährigen und 24% bei den 18- bis 39-Jährigen).

Von den Personen, die letztes Jahr mindestens drei Übernachtungen ausser Haus vorgenommen haben, waren 55 Prozent (-33 Prozentpunkte) im Ausland. Das ist zwar ein Drittel weniger als bei der letzten Befragung, aber dennoch über die Hälfte der Einwohner*innen der Schweiz. Ein bemerkenswerter Anteil in einem von Lockdown und Reiseeinschränkungen geprägten Jahr.

45 Prozent von denen, die mindestens drei Nächte ausser Haus übernachtet haben, gingen nicht ins Ausland, sondern blieben in der Schweiz. In den vorherigen Jahren waren es jeweils zwischen 7 bis 12 Prozent. Obwohl so viele Personen weniger oder gar nicht ins Ausland gingen, ist die individuell gefühlte Sehnsucht nach Auslandreisen bei 52 Prozent sehr oder eher klein. Es scheint, als würde die Reiselust der Einwohner*innen der Schweiz durch erschwerte Reisebedingungen und unterschiedliche Bestimmungen gehemmt.

Eher oder sehr grosse Sehnsucht haben 46 Prozent der Personen, die angeben, zurzeit gar nie zu verreisen. Von denen,

die mindestens ab und zu reisen, geben 77 Prozent an, eher oder sehr grosse Sehnsucht zu haben. Nur rund ein Fünftel (22%) der Wohnbevölkerung der Schweiz hat sehr grosse Sehnsucht nach Reisen. Bei den 18- bis 39-Jährigen geben 22 Prozent an, sehr grosse Sehnsucht zu haben, bei den 40- bis 64-Jährigen ist es einen Viertel und nur 15 Prozent bei den Personen über 65 Jahren.

40 Prozent der ausländischen Einwohner*innen haben sehr grosse Sehnsucht nach Auslandreisen. Möglicherweise sind das Personen, die auch Sehnsucht nach ihrer Familie in ihrem Heimatland haben.

62 Prozent der Befragten würden sich wahrscheinlich oder sicher fürs Reisen impfen lassen, wenn dies für einen Auslandsaufenthalt oder die Reise selbst Pflicht wäre. Bei 64 Prozent ist die Impfbereitschaft ohnehin wahrscheinlich oder gar definitiv vorhanden.

Von den Personen, die im letzten Jahr ins Ausland reisten, gingen die meisten in eines unserer Nachbarländer. 63 Prozent gingen nicht weiter weg als nach Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Italien oder Frankreich.

Freizeitaktivitäten: Flexibilität im Umgang mit Corona

Die Wahl der Freizeitaktivitäten wurde im Pandemie-Jahr stark eingeschränkt. Aktivitäten, die bei den letzten Befragungen am attraktivsten waren, sind es auch während der Pandemie: ein Essen mit Freunden, einen Tagesausflug oder Ferien in der Schweiz bewertet eine Mehrheit der Bevölkerung mit 8 oder mehr Punkten auf einer Skala von 0-10. Auch Campingferien werden beliebter. Zum ersten Mal seit Befragungsbeginn ist ein deutlicher Anstieg von 8 Prozentpunkten von Camping-Fans (8-10 auf der 10er-Skala) gegenüber dem Vorjahr festzustellen.

Nachhaltigkeit ist weiterhin im Trend: 41 Prozent bewerten ökologisch bewusstes Reisen als eine sehr attraktive Freizeitbeschäftigung.

Bereits im letzten Jahr waren die Aktivitäten „Ferien im Ausland“, „Ferien am Meer“ und „Entdeckungsreisen“ deutlich weniger attraktiv als in bisherigen Befragungen. Daran ändert auch der weltweite Start der Impfungen nichts – den Befragten ist die Situation noch zu unsicher.

Reiseverhalten: Zuviel Unsicherheit führt zu Reiseverzicht, Autoreisen im Trend

70 Prozent der Befragten verzichten auf die geplante Reise, wenn die Empfehlungen unklar sind. Dabei geben etwas mehr Frauen als Männer an, auf die Reise zu verzichten (74% der Frauen, 66% der Männer). Doch nicht nur im Geschlecht, sondern auch in den unterschiedlichen Alterskohorten lassen sich Differenzen im Reiseverhalten feststellen: Bei den 18- bis 39-Jährigen geben 20 Prozent an, bei unklaren Reiseempfehlungen die Reise anzutreten, während es bei den

40- bis 64-Jährigen 13 Prozent sind und bei den über 65-Jährigen 6 Prozent. 14 Prozent können keine klare Antwort darauf geben oder sagen, es käme darauf an. Weitere 14 Prozent treten die Reise an (10% der Frauen, 18% der Männer).

Bei den Mitgliedern geben 6 Prozent an, trotz unklaren Empfehlungen zu reisen. 44 Prozent sind sich unsicher und 46 Prozent verzichten auf die Reise.

25 Prozent der Befragten, die Reisen unternehmen, sind wegen der Pandemie auf ein Transportmittel ausgewichen, in dem sie sich sicherer fühlten. In der französischsprachigen Schweiz geben 36 Prozent an, das Transportmittel gewechselt zu haben. Bei den Deutschschweizer*innen waren es 22 Prozent.

Von den Personen, deren Reiseplanungen von Corona beeinflusst wurde, sind 51 Prozent auf das Auto ausgewichen anstatt das Flugzeug zu nehmen. 43 Prozent bevorzugten das Auto gegenüber dem Zug.

Würden die Einwohner*innen der Schweiz heute eine Reise planen, so zählen hauptsächlich die allgemeine Sicherheit und Versorgung vor Ort sowie die Sicherheitsmassnahmen gegen Covid-19. Der Einbezug von Terrorgefahren war in den Jahren 2017-2019 am zweitwichtigsten bei der Reiseplanung – 2021 ist es das fünftwichtigste Kriterium.

Erste Leseweise

Ferien in der Schweiz

Die Corona-Pandemie hat die Reisebranche besonders hart getroffen. Die Reisepläne von über zwei Dritteln der Befragten wurden durch das Virus beeinflusst. Generell reist die Wohnbevölkerung der Schweiz deutlich weniger. Reisen tut sie dennoch – in der Schweiz. Der Anteil, der mindestens drei Übernachtungen ausser Haus buchte, doch im Inland blieb, stieg deutlich an.

Mobil mit dem Auto

Trotz teilweise unklaren Reiseempfehlungen reisten auch im ersten Pandemiejahr 2020 auffallend viele Einwohner*innen der Schweiz. Reisen im Pandemiezeitalter erfolgt risikobewusst und flexibel. Sind die Reiseempfehlungen jedoch zu unklar, bleiben die Befragten lieber in der Schweiz oder verreisen mit dem Auto in die Nachbarländer.

Impfen um zu reisen

Dank flexiblen Reisen im 2020 bleibt die grosse Reiselust aus. Vor allem Personen, die gerne reisen, sind mehrheitlich bereit, sich impfen zu lassen, falls dies einzig für eine Reise oder den Aufenthalt im Ausland vorgeschrieben wäre. Doch solange das Reisen unsicher bleibt, verbringt die Wohnbevölkerung ihre Zeit stattdessen mit Freunden, oder sie unternimmt einen Tagesausflug.

Höheres Risikobewusstsein durch Corona

Die Pandemie-Situation steigert das Risikobewusstsein in der Bevölkerung. Davon profitieren Online-Plattformen, die Reiseinformationen und Sicherheitsanweisungen anbieten, sowie Reiseversicherungen mit Annulationskosten-Vergütung und medizinischer Rückführung. Sicherheitsmassnahmen vor Corona werden bei der Reiseplanung fast gleich hoch gewichtet wie die allgemeine Sicherheit und Versorgung vor Ort. Klimafolgen und Terrorgefahren rücken in den Hintergrund.

Methodische Details

  • Auftraggeber: TCS Schweiz
  • Grundgesamtheit
    • Bevölkerung: Einwohner*innen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in der Schweiz, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind
    • Mitglieder: Mitglieder des TCS Schweiz, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind
  • Erhebungsart
    • Bevölkerung: telefonisch, computergestützt (CATI)
    • Mitglieder: online
  • Auswahlverfahren
    • Bevölkerung: Stichprobenplan nach Gabler/Häder für RDD/Dual Frame / Verwendung der Swiss-Interview-Liste
    • Mitglieder: Zufallsstichprobe aus der Mitgliederdatenbank des TCS Schweiz
  • Stichprobengrösse
    • Bevölkerung: 1’011 (DCH 709, FCH 242, ICH 60)
    • Mitglieder: 1’832 (DCH 1’080, FCH 612, ICH 140)
  • Befragungszeitraum
    • Bevölkerung: 08.02. bis 06.03.2021
    • Mitglieder: 08.02. bis 04.03.2021
  • Stichprobenfehler
    • Bevölkerung: 3.2%
    • Mitglieder: 2.3%