Gassmann Media
Im Auftrag der Gassmann Medien hat gfs.bern im Vorfeld der Berner Gesamterneuerungswahlen vom 29. März 2026 eine kantonale Wahlumfrage durchgeführt. Ziel der Studie ist es, die politische Ausgangslage für die Wahlen in den Grossen Rat und in den Regierungsrat abzubilden, Trends sichtbar zu machen und zentrale Mobilisierungspotenziale zu identifizieren.
Im Zentrum des Fragebogens standen die Teilnahmeabsicht, Parteipräferenzen und Wahlabsichten für den Grossen Rat, die Wahlabsichten für den Regierungsrat und das Wahlverhalten bei den letzten kantonalen Wahlen. Ergänzend wurden zentrale Wahlthemen erhoben, um die inhaltliche Struktur der Wahlentscheidung zu analysieren. Die Studie bildet damit eine strukturierte Momentaufnahme der politischen Kräfteverhältnisse rund einen Monat vor dem Wahltermin ab.
Die Erhebung wurde als Mixed-Mode-Online Befragung realisiert. Kombiniert wurden eine offen beworbene Opt-In-Befragung über die Kanäle des Medienpartners, gezieltes Social Media Targeting und das Panel Polittrends von gfs.bern. Insgesamt wurden 1613 Stimmberechtigte im Kanton Bern befragt. Die Feldphase dauerte vom 6. bis 22. Februar 2026, der Median der Interviews liegt beim 12. Februar 2026.
Da es sich nicht um eine klassische Zufallsstichprobe handelt, wurden die Daten nach repräsentativen Kriterien gewichtet. Das Gewichtungsmodell berücksichtigt Alter und Geschlecht nach Sprache, Siedlungsart, Bildung, Parteibindung und Wahlkreis. Der Stichprobenfehler beträgt ±2.4 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent und einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 95 Prozent.
Weitere Details zur Stichprobe und Methode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.
Für die Stimmbevölkerung im Kanton Bern stellt die individuelle finanzielle Zukunft eine der grössten Herausforderungen dar. 35 Prozent der Stimmberechtigten nennen Lebenshaltungskosten und Krankenkassenprämien als grösste Herausforderung. Kein anderes Thema erreicht vergleichbare Werte. An zweiter Stelle folgt Klimaschutz und Umwelt (29%). Die ökologische Frage bleibt damit ein zentrales politisches Feld, auch wenn sie hinter der Kostenproblematik zurückliegt. Auf Rang drei steht bezahlbarer Wohnraum (23%). Die Wohnsituation wird damit als eigenständiges Problem wahrgenommen, das über die allgemeine Kostenbelastung hinausgeht. Ebenfalls zu den fünf meistgenannten Herausforderungen gehören Steuerbelastung (20%) sowie Kriminalität und Sicherheit im öffentlichen Raum (18%). Diese Top 5 zeigen die Spannungsfelder der Wahl: ökonomische Belastung, ökologische Transformation, soziale Frage des Wohnens sowie fiskalische und sicherheitspolitische Aspekte.
Obwohl die Lebenshaltungskosten kantonal dominieren, zeigen sich deutliche parteipolitische Unterschiede bei der Schwerpunktsetzung:
Neben den parteipolitischen Unterschieden zeigen sich auch sprachregionale Differenzen zwischen der deutschsprachigen und der französischsprachigen Bevölkerung des Kantons Bern. In der deutschsprachigen Bevölkerung stehen Lebenshaltungskosten klar an erster Stelle, gefolgt von Klimaschutz und bezahlbarem Wohnraum. Auch die Steuerbelastung wird hier überdurchschnittlich häufig als Herausforderung genannt. Wirtschaftliche Belastung und fiskalische Fragen haben damit im deutschsprachigen Kantonsteil ein besonders hohes Gewicht. In der französischsprachigen Bevölkerung ist das Bild leicht verschoben. Zwar bleiben auch hier die Lebenshaltungskosten ein zentrales Thema, doch der Klimaschutz erreicht einen noch höheren Stellenwert als im deutschsprachigen Teil und liegt praktisch gleichauf mit der Kostenfrage. Deutlich stärker gewichtet werden zudem Fragen des öffentlichen Verkehrs, der Infrastruktur und des Service Public in Gemeinden und Regionen. Auch der Schutz der frankophonen Minderheit ist hier ein eigenständiges Thema mit relevanter Bedeutung. Sicherheit und Migration werden ebenfalls etwas häufiger als Herausforderung genannt als im deutschsprachigen Kantonsteil. Insgesamt zeigt sich somit eine strukturelle Differenz: Während im deutschsprachigen Teil stärker Kosten- und Steuerfragen dominieren, ist die Agenda im französischsprachigen Teil stärker durch Umwelt-, Infrastruktur- und identitätspolitische Themen geprägt.
Auch nach Geschlecht bestehen klare Unterschiede in der Wahrnehmung der grössten Herausforderungen. Frauen nennen Lebenshaltungskosten deutlich häufiger als Männer. Ebenso werden Klimaschutz, bezahlbarer Wohnraum, Armut und soziales Sicherheitsnetz sowie der regionale Ärzt:innen-Mangel von Frauen klar stärker als Herausforderung wahrgenommen. Die soziale und versorgungsbezogene Dimension politischer Fragen steht bei ihnen stärker im Vordergrund. Männer hingegen gewichten Steuerbelastung, Kriminalität und Sicherheit, Migration, Wirtschaftslage des Kantons sowie kantonale Finanzen höher. Die fiskalische und ordnungspolitische Perspektive ist hier ausgeprägter.
Damit verläuft die politische Spannungsachse nicht nur zwischen Parteien, sondern auch zwischen Sprachregionen und Geschlechtern. Die Kostenfrage bildet zwar den gemeinsamen Nenner, doch ihre inhaltliche Rahmung unterscheidet sich je nach gesellschaftlicher Perspektive deutlich.
Im Wahlkreis Biel-Bienne-Seeland bestätigt sich die Dominanz der Lebenshaltungskosten (37%). Gleichzeitig rücken Kriminalität und Sicherheit im öffentlichen Raum sowie Steuerbelastung deutlich stärker in den Vordergrund als im kantonalen Durchschnitt.
Während das Grundmotiv Kosten identisch bleibt, unterscheiden sich die politischen Akzentsetzungen regional. Das wird besonders im Vergleich mit der Stadt Bern sichtbar.
Im Wahlkreis Bern steht bezahlbarer Wohnraum klar an erster Stelle (48%). Klimaschutz und Umwelt (41%) sowie Lebenshaltungskosten und Krankenkassenprämien folgen knapp dahinter (38%). Armut und soziales Sicherheitsnetz erreichen ebenfalls hohe Werte (26%).
Die urbane Agenda verschiebt den Fokus damit von der allgemeinen Kostenbelastung stärker auf Wohnraum, soziale Absicherung und Klimapolitik. Sicherheit oder Steuerbelastung spielen hier eine geringere Rolle.
Gefragt nach dem wichtigsten Thema für den persönlichen Wahlentscheid verdichtet sich die kantonale Ausgangslage deutlich. Lebenshaltungskosten und Krankenkassenprämien stehen klar an erster Stelle. 17 Prozent der Stimmberechtigten nennen sie als ausschlaggebend für ihre Parteiwahl. Auf Rang zwei folgt Klimaschutz und Umwelt mit 14 Prozent. Alle übrigen Themen bleiben im einstelligen Bereich. Während die allgemeine Problemwahrnehmung noch mehrere Themenfelder umfasst, konzentriert sich der konkrete Wahlentscheid somit stark auf die finanzielle Belastung und die ökologische Frage.
Bemerkenswert ist die parteipolitische Differenzierung. Selbst bei der SVP-Wählerschaft sind die Lebenshaltungskosten das wichtigste Motiv für die Parteiwahl. Sicherheit und Migration prägen zwar die grundsätzliche Problemwahrnehmung in diesem Lager, doch bei der effektiven Wahlentscheidung rückt die ökonomische Belastung in den Vordergrund. Die Kostenfrage überlagert damit das sicherheitspolitische Narrativ. Bei der SP und bei der Mitte ist die Dominanz der Lebenshaltungskosten ebenfalls klar ausgeprägt. Auch bei der GLP stehen finanzielle Belastungsfragen weit oben, allerdings verbunden mit einer starken Gewichtung des Klimaschutzes. Für die Grünen bleibt Klimaschutz klar das zentrale, identitätsstiftende Wahlmotiv. Die FDP wiederum hebt sich ab: Hier steht die Wirtschaftslage des Kantons Bern im Zentrum des Wahlentscheids. Die Parteiwahl wird in diesem Umfeld primär wirtschaftspolitisch begründet. Insgesamt zeigt sich eine klare Struktur: Lebenshaltungskosten sind für SVP, Mitte, SP und auch für viele GLP-Wählende das wahlentscheidende Thema. Klimaschutz mobilisiert vor allem bei Grünen und GLP. Die Wirtschaftslage ist das profilprägende Motiv der FDP. Sicherheit hingegen verliert im konkreten Wahlentscheid an Gewicht, selbst wenn sie in der allgemeinen Problemwahrnehmung hoch rangiert.
Auch sprachregional ergeben sich Unterschiede. Für deutschsprachige Stimmberechtigte stehen Lebenshaltungskosten klar im Zentrum der Parteiwahl. In der französischsprachigen Bevölkerung verschiebt sich der Fokus. Dort sind Migration und Bevölkerungswachstum mit 14 Prozent das wichtigste wahlentscheidende Thema, gefolgt von Klimaschutz mit 12 Prozent und Lebenshaltungskosten mit 11 Prozent. Während im deutschsprachigen Teil die finanzielle Belastung dominiert, ist die Wahlentscheidung im französischsprachigen Teil stärker durch gesellschafts- und strukturpolitische Fragen geprägt.
Auf Ebene der Wahlkreise zeigt sich ein ähnliches Muster. Im Wahlkreis Biel-Bienne-Seeland stehen Lebenshaltungskosten klar im Zentrum des Wahlentscheids. In der Stadt Bern hingegen ist Umwelt und Klimaschutz das wichtigste Motiv. Die urbane Themenagenda schlägt sich somit direkt in der Parteiwahl nieder.
Nach Geschlecht betrachtet sind für Frauen wie für Männer Lebenshaltungskosten sowie Klimaschutz die beiden zentralen Motive. Allerdings ist bei Frauen die ökonomische Belastung noch stärker ausschlaggebend für den Wahlentscheid als bei Männern. Männer gewichten Klimafragen etwas gleichmässiger neben der Kostenfrage. Insgesamt bleibt jedoch auch hier die finanzielle Entlastung das dominierende Wahlmotiv über Parteigrenzen hinweg.
Für jene Stimmberechtigten, die Lebenshaltungskosten und Krankenkassenprämien als wichtigstes Thema für ihren Wahlentscheid nennen, zeigt sich ein differenziertes Parteienbild. Dieses Thema ist für die Wählerschaften von SVP, SP, Mitte und in weiten Teilen auch der GLP wahlentscheidend.
In diesem Umfeld wird die SP am stärksten mit einer guten Positionierung in Verbindung gebracht. Eine klare Mehrheit attestiert ihr eine sehr gute oder eher gute Position zu diesem Thema. Auch Die Mitte und die GLP schneiden insgesamt positiv ab, wobei bei beiden Parteien ein Teil der Befragten die Position nicht klar beurteilen kann.
Die SVP erhält im Kostenbereich ein gemischtes Urteil. Zwar wird ihr von einem Teil der Wählenden eine gute Position zugesprochen, gleichzeitig ist der Anteil negativer Bewertungen deutlich höher als bei SP oder Mitte. Das ist insofern bemerkenswert, als die Lebenshaltungskosten selbst bei der SVP-Wählerschaft das wichtigste Wahlmotiv darstellen. Die Partei mobilisiert stark über das Thema, wird jedoch nicht von allen als kompetenteste Kraft zur Lösung wahrgenommen.
Die FDP wird im Kontext der Lebenshaltungskosten deutlich kritischer beurteilt. Ein substanzieller Teil der Befragten sieht ihre Position hier eher oder sehr schlecht. Dies passt zum Befund, dass die FDP ihr wahlentscheidendes Profil stärker über die allgemeine Wirtschaftslage des Kantons definiert als über direkte Entlastungsfragen bei Prämien oder Haushaltskosten.
Für jene Stimmberechtigten, die Klimaschutz und Umwelt als wichtigstes Thema nennen – ein Motiv, das insbesondere bei Grünen und GLP identitätsstiftend wirkt und auch bei der SP stark präsent ist – ergibt sich ein klar polarisiertes Bild.
Die Grünen werden mit grossem Abstand als am überzeugendsten positioniert wahrgenommen. Eine überwältigende Mehrheit attestiert ihnen eine sehr gute oder eher gute Position. Das Thema ist hier klar mit der Partei verknüpft. Auch die SP erhält sehr hohe Zustimmungswerte und wird ebenfalls breit als kompetent eingeschätzt. Die GLP folgt mit ebenfalls mehrheitlich positiven Bewertungen, allerdings mit einer etwas stärkeren Streuung und einem höheren Anteil an kritischen Stimmen als bei Grünen oder SP.
Demgegenüber werden SVP, EDU und auch die FDP negativ beurteilt. Insbesondere die SVP wird von einer überwältigenden Mehrheit der Klimawählenden als schlecht oder sehr schlecht positioniert eingeschätzt. Hier besteht eine klare thematische Entkopplung zwischen Partei und Wählenden dieses Themenfelds.
Das Bild ist eindeutig: Beim Klimaschutz besteht eine klare thematische Lagerbildung. Grüne, SP und in abgeschwächter Form die GLP bündeln das Vertrauen der Klimawählenden. Die bürgerlichen Parteien sind in diesem Segment strukturell schwach verankert.
Für jene Stimmberechtigten, die die Wirtschaftslage des Kantons Bern als wichtigstes Thema für ihre Parteiwahl nennen – ein Motiv, das besonders bei der FDP zentral ist – ergibt sich ein spiegelverkehrtes Bild zur Klimafrage.
Die FDP wird hier klar als am stärksten positioniert bewertet. Eine deutliche Mehrheit bescheinigt ihr eine sehr gute oder eher gute Position. Das wirtschaftspolitische Profil ist damit glaubwürdig verankert.
Auch Die Mitte und die SVP erhalten mehrheitlich positive Bewertungen. Beide werden als wirtschaftlich kompetent wahrgenommen, wenn auch mit geringerer Dominanz als die FDP.
Die GLP liegt im Mittelfeld mit einer gemischten Bewertung. Ein Teil der Befragten sieht sie positiv, ein anderer eher kritisch.
Deutlich schwächer schneiden SP und Grüne ab. Ein grosser Anteil derjenigen, für die die Wirtschaftslage zentral ist, beurteilt deren Position als eher oder sehr schlecht. Hier zeigt sich eine klare thematische Segmentierung des Elektorats.
Insgesamt bestätigt sich: Die Wirtschaftslage ist das profilprägende Kernthema der FDP. Während beim Kostenmotiv die SP als kompetent wahrgenommen wird und beim Klimamotiv die Grünen dominieren, ist das wirtschaftspolitische Vertrauen klar im bürgerlich-liberalen Lager verankert., Klima polarisiert progressiv, Wirtschaft bündelt sich stark bei der FDP.
Für die Legislatur 2023 bis 2026 hat sich der Kanton Bern mehrere strategische Ziele gesetzt. Die Einschätzung der Bevölkerung fällt insgesamt differenziert aus. Eine klare Ablehnung ist nicht erkennbar, doch in zentralen Zukunftsfeldern überwiegt Skepsis gegenüber der Umsetzung.
Am positivsten wird die Berücksichtigung der Anliegen der verschiedenen Regionen sowie der Umgang mit kultureller Vielfalt und Zweisprachigkeit bewertet. Hier attestiert eine Mehrheit dem Kanton eine eher oder sehr gute Zielerreichung. In föderalen und institutionellen Fragen scheint der Kanton seine Rolle solide wahrgenommen zu haben.
Deutlich kritischer wird hingegen der Beitrag zu Klimaschutz, Umwelt und nachhaltiger Entwicklung beurteilt. Hier überwiegen die Stimmen, die die Zielerreichung als eher schlecht oder nicht erreicht einstufen. Angesichts der hohen Bedeutung des Klimathemas für einen Teil der Wählerschaft entsteht damit eine erkennbare Erwartungslücke.
Auch bei der Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts sowie bei der Digitalisierung der Verwaltung und der Verbesserung des Wirtschaftsstandorts fällt die Bilanz gemischt bis kritisch aus. Zwar werden Fortschritte anerkannt, doch ein substanzieller Teil der Bevölkerung sieht die Ziele nicht ausreichend umgesetzt.
Während institutionelle Stabilität wahrgenommen wird, bestehen Zweifel an der Durchsetzungskraft bei Reform- und Zukunftsthemen. In einem Wahljahr verschiebt sich damit der Fokus von Zielsetzungen auf die Frage, wie überzeugend deren Umsetzung gelingt.
Im Vorfeld der Regierungsratswahlen 2026 präsentiert sich die Ausgangslage im Kanton Bern wie folgt. Der Regierungsrat besteht aus sieben Mitgliedern, die jeweils einer Direktion vorstehen. In der laufenden Legislatur verantwortet Evi Allemann (SP) die Direktion für Inneres und Justiz, Astrid Bärtschi (Mitte) die Finanzdirektion, Philippe Müller (FDP) die Sicherheitsdirektion, Pierre Alain Schnegg (SVP) die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion, Christoph Neuhaus (SVP) die Bau- und Verkehrsdirektion, Christoph Ammann (SP) die Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion sowie Christine Häsler (Grüne) die Bildungs- und Kulturdirektion. Für die Gesamterneuerungswahlen 2026 kommt es zu einer markanten personellen Erneuerung. Christoph Neuhaus (SVP), Christoph Ammann (SP) und Christine Häsler (Grüne) treten nicht mehr zur Wiederwahl an. Damit werden mindestens drei der sieben Regierungssitze neu besetzt.
Gleichzeitig stellen sich mehrere bisherige Regierungsmitglieder erneut zur Wahl. Evi Allemann (SP), Astrid Bärtschi (Mitte), Philippe Müller (FDP) und Pierre Alain Schnegg (SVP) kandidieren erneut und sichern damit ein gewisses Mass an Kontinuität.
Die frei werdenden Sitze betreffen mit der SVP, der SP und den Grünen drei etablierte Regierungsparteien. Alle drei Parteien werden versuchen, ihren jeweiligen Sitz mit einer Person aus den eigenen Reihen zu verteidigen. Es geht damit nicht nur um personelle Erneuerung, sondern auch um die parteipolitische Zusammensetzung der Exekutive. Die Frage ist, ob es gelingt, die bestehende Kräfteverteilung zu stabilisieren oder ob Verschiebungen zwischen den Lagern stattfinden.
Die Wahl 2026 ist somit strukturell doppelt geprägt: Einerseits sorgt der Rücktritt von drei Regierungsmitgliedern für reale personelle Offenheit und erhöht die Konkurrenz um freie Sitze. Andererseits treten vier etablierte Amtsinhaber:innen mit Amtsbonus, hoher Bekanntheit und klarer departementaler Verantwortung erneut an. Diese Kombination aus Erneuerung und Stabilität bildet den institutionellen Rahmen, in dem sich die folgenden Befunde zu Zufriedenheit, Wahlabsichten und parteipolitischer Verankerung der Kandidierenden einordnen.
Die Zufriedenheit mit den Kandidierenden zeigt ein klares Muster. Die bisherigen Regierungsrätinnen und Regierungsräte verfügen insgesamt über solide Ausgangslagen, profitieren jedoch nicht alle im gleichen Mass vom Amtsbonus.
An der Spitze steht Evi Allemann. Sie erreicht die höchsten Zufriedenheitswerte aller Kandidierenden. Eine absolute Mehrheit zeigt sich mit ihrer politischen Arbeit zufrieden. Ihre Position ist damit klar konsolidiert. Auch Astrid Bärtschi weist eine stabile Bilanz auf. Der Anteil zufriedener Stimmen überwiegt deutlich gegenüber den unzufriedenen. Beide Regierungsrätinnen verfügen somit über ein komfortables Polster.
Deutlich ambivalenter fällt das Bild bei Pierre Alain Schnegg aus. Zwar erreicht auch er einen hohen Bekanntheitsgrad und einen substanziellen Anteil zufriedener Stimmen, gleichzeitig ist er der am stärksten polarisierende Bisherige. Der Anteil Unzufriedener liegt sogar leicht über dem Anteil Zufriedener. Seine Ausgangslage ist damit weniger abgesichert als jene der beiden Regierungsrätinnen. Philippe Müller bewegt sich ebenfalls in einem polarisierteren Feld. Seine Zufriedenheitswerte sind solide, doch auch bei ihm ist der Anteil der Unzufriedenen relativ hoch. Er profitiert vom Amtsstatus, steht aber stärker im politischen Gegenwind als Allemann oder Bärtschi.
Besonders bemerkenswert ist die Position von Aline Trede. Obwohl sie als Nationalrätin nicht Mitglied des Regierungsrates ist, erreicht sie Zufriedenheitswerte auf dem Niveau der Bisherigen. Der Anteil Zufriedener liegt klar über jenem der Unzufriedenen. Damit startet sie als prominente Herausforderin mit einem strukturellen Vorteil. Sie verbindet hohe Bekanntheit mit einer mehrheitlich positiven Wahrnehmung.
Bei den übrigen Kandidierenden zeigt sich ein klassisches Muster geringerer Bekanntheit und hoher Anteile von Unentschiedenen.
Insgesamt ergibt sich ein dreigeteiltes Bild. Erstens verfügen die meisten Bisherigen über einen Amtsbonus, wobei Allemann und Bärtschi am stabilsten positioniert sind. Zweitens sind Schnegg und Müller deutlich polarisierender. Drittens stellt Aline Trede die eigentliche Überraschung dar. Als Nicht-Regierungsrätin erreicht sie eine Ausgangslage, die mit jener der Bisherigen konkurriert und das Rennen strukturell offener macht, als es die reine Amtslogik vermuten liesse.
Der simulierte Wahlentscheid bildet die Ausgangslage für die sieben zu vergebenden Sitze im Regierungsrat ab. Die Befragten konnten bis zu sieben Stimmen vergeben und nutzten im Durchschnitt 4,3 Stimmen. Das Resultat zeigt damit nicht ein vollständig ausgeschöpftes Wahlverhalten, sondern eine strukturierte Präferenzverteilung vor der intensiven Wahlkampfphase. Es handelt sich um eine Momentaufnahme der Kräfteverhältnisse unter noch relativ ruhigen politischen Bedingungen.
Evi Allemann liegt klar auf Platz eins. Sie ist die Einzige, die die absolute Mehrheitsmarke deutlich überschreitet und verfügt über ein komfortables Polster. Ihr Vorsprung signalisiert eine sehr stabile Verankerung in der Wählerschaft.
Grundsätzlich profitieren die bisherigen Regierungsrät:innen vom Amtsbonus. Astrid Bärtschi, Pierre Alain Schnegg und Philippe Müller positionieren sich ebenfalls allesamt im vorderen Feld. Schnegg sichert sich dabei zugleich klar den Jura-Sitz, der institutionell garantiert ist. Trotz teilweise polarisierender Bewertungen reicht seine strukturelle Basis für eine solide Platzierung.
Auffällig ist die Position von Aline Trede. Als Nationalrätin und Nicht-Mitglied der Kantonsregierung liegt sie überraschend weit vorne und bewegt sich auf Augenhöhe mit den Bisherigen. Sie durchbricht damit die klassische Amtsinhaberlogik und etabliert sich im Kern der Spitzengruppe.
Spannend wird das Rennen bei den frei werdenden Sitzen von SP und SVP. Hier zeichnen sich Vorteile für Reto Müller auf SP-Seite und für Raphael Lanz auf SVP-Seite ab. Beide positionieren sich im Bereich der wählbaren Plätze und verfügen über eine solide parteipolitische Basis. Daniel Bichsel und Hervé Gullotti folgen mit leichtem Abstand. Sie bewegen sich nahe an der erweiterten Spitzengruppe, liegen jedoch in der Momentaufnahme knapp zurück. Kleine Verschiebungen könnten hier entscheidend sein.
Tobias Vögeli liegt nochmals leicht dahinter. Seine Ausgangslage ist strukturell anspruchsvoller. Die GLP verfügt im Kanton Bern über eine deutlich kleinere Parteibasis als SP, SVP oder FDP. In einer Majorzwahl, in der breite Mobilisierung zentral ist, wirkt sich diese geringere strukturelle Verankerung unmittelbar auf die Wahlchancen aus.
Die Auswertung nach Parteiwahl für den Grossen Rat zeigt, wie stark die Regierungsratskandidierenden in ihren jeweiligen politischen Lagern verankert sind. Betrachtet man das rot-grüne Lager gemeinsam, also SP- und Grüne-Wählende zusammen, wird die Blockstruktur besonders deutlich.
Im rot-grünen Lager konzentriert sich die Unterstützung stark auf die eigenen Kandidierenden. Evi Allemann erzielt hier sehr hohe Werte, ebenso Aline Trede und Reto Müller. Auch Hervé Gullotti wird in diesem Lager überdurchschnittlich häufig gewählt. Die Mobilisierung innerhalb des linken Spektrums ist damit klar erkennbar und relativ geschlossen. Kandidierende aus bürgerlichen Parteien erhalten in diesem Lager nur vereinzelt Stimmen.
Bei der SVP-Wählerschaft zeigt sich ein ähnliches Muster der Binnenmobilisierung. Pierre Alain Schnegg und Raphael Lanz werden hier klar priorisiert. Auch Daniel Bichsel profitiert stark von der parteiinternen Unterstützung. Stimmen an Kandidierende ausserhalb des eigenen Lagers bleiben die Ausnahme. Die SVP-Wählerschaft wählt deutlich blockorientiert.
Die FDP-Wählerschaft fokussiert sich primär auf Philippe Müller, zeigt jedoch eine gewisse Offenheit gegenüber einzelnen bürgerlichen Kandidierenden anderer Parteien, insbesondere aus dem Mitte-Spektrum. Die Mitte-Wählerschaft wiederum verteilt ihre Stimmen breiter. Astrid Bärtschi profitiert klar von der eigenen Basis, erhält aber auch Unterstützung aus angrenzenden bürgerlichen Lagern.
Auffällig ist die strukturelle Logik der Majorzwahl. Die grösseren Lager verfügen über klar mobilisierbare Stammwählerschaften, die ihre eigenen Kandidierenden relativ geschlossen unterstützen. Das rot-grüne Lager kann seine Stimmen stark bündeln, ebenso die SVP. Kandidierende mit grosser Parteibasis profitieren unmittelbar davon.
Für kleinere Parteien wie die GLP ist die Ausgangslage anspruchsvoller. Tobias Vögeli erhält zwar aus dem eigenen Umfeld Unterstützung, doch das Volumen dieser Basis ist deutlich kleiner als jenes von SP, Grünen oder SVP. In einer Wahl, in der kumulative Mobilisierung entscheidend ist, wirkt sich diese strukturelle Begrenzung direkt auf die Platzierung aus.
Die Analyse der parteipolitischen Zusammensetzung der erhaltenen Stimmen zeigt deutlich, wie stark die Kandidierenden in ihren jeweiligen Lagern verankert sind und wo überparteiliche Effekte greifen. Grundsätzlich stützen sich die meisten Bewerbenden primär auf ihre eigene Parteiwählerschaft. Die Exekutivwahl folgt damit einer klaren Stabilitätslogik. Die parteipolitische Basis bildet das Fundament.
Bei vielen Kandidierenden ist dieses Muster klar erkennbar. Pierre Alain Schnegg und Raphael Lanz beziehen den Grossteil ihrer Stimmen aus der SVP-Wählerschaft. Auch Daniel Bichsel ist stark parteigebunden abgestützt. Auf der linken Seite zeigt sich ein ähnliches Bild. Reto Müller und Hervé Gullotti werden in erster Linie vom rot-grünen Lager getragen. Die Stimmenherkunft ist hier relativ homogen und eng an die Parteibasis gekoppelt. Überlagernde Koalitionen bleiben begrenzt.
Evi Allemann hebt sich in zweifacher Hinsicht ab. Einerseits verfügt sie über eine sehr starke Verankerung im rot-grünen Lager. Andererseits gelingt es ihr, darüber hinaus Stimmen aus anderen politischen Spektren zu mobilisieren. Ein relevanter Teil ihrer Unterstützung stammt nicht ausschliesslich aus SP- und Grüne-Wählerschaften. Diese breitere Abstützung verstärkt ihre Spitzenposition und erklärt ihre klare Führung im Gesamtergebnis.
Besonders auffällig ist die Situation bei Astrid Bärtschi. Als Vertreterin der Mitte, einer im Kanton strukturell kleineren Partei, kann sie sich nicht allein auf eine grosse eigene Parteibasis stützen. Ihre Stimmen setzen sich entsprechend breiter zusammen. Ein substanzieller Teil ihrer Unterstützung stammt aus dem bürgerlichen Lager, insbesondere aus der SVP. Sie profitiert damit stark von der Logik der Personenwahl. Ihre Wahlchancen beruhen weniger auf einer geschlossenen Parteimobilisierung als auf ihrer individuellen Akzeptanz über Parteigrenzen hinweg.
Im Vergleich dazu sind viele andere Kandidierende deutlich stärker von ihrer eigenen Parteibasis abhängig. Wo diese Basis gross ist, wie bei SP oder SVP, entsteht daraus ein struktureller Vorteil. Wo sie kleiner ist, wie bei der GLP, wird die Herausforderung sichtbar. Tobias Vögeli erhält zwar Stimmen aus dem eigenen Umfeld, doch dieses ist zahlenmässig begrenzt. Ohne nennenswerte Zuflüsse aus grösseren Lagern bleibt der Handlungsspielraum enger.
Wäre der Grosse Rat bereits am 12. Februar 2026 gewählt worden, hätten sich dif folgenden Parteistärken ergeben. Die SVP läge mit deutlichem Abstand an der Spitze und würde ihre Stellung als stärkste Kraft im Kanton bestätigen. Dahinter folgt die SP als zweitstärkste Partei mit klarer Distanz zum restlichen Feld. Die Grünen behaupten sich im zweistelligen Bereich, während FDP, GLP und die Mitte relativ nahe beieinander liegen. EDU und EVP bewegen sich im unteren einstelligen Segment.
Auffällig sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede. Männer wählen deutlich häufiger SVP, während Frauen überdurchschnittlich stark SP und Grüne unterstützen. Insgesamt wählen Frauen klar linker als Männer. Das rot grüne Lager ist bei Frauen markant stärker verankert, während das bürgerliche Lager insbesondere bei Männern höhere Anteile erzielt.
Diese Zahlen sind als strukturelle Momentaufnahme zu verstehen. Der eigentliche Wahlkampf hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingesetzt. Es handelt sich daher nicht um ein durchmobilisiertes Endbild, sondern um eine Ausgangslage unter vergleichsweise ruhigen Bedingungen. Gerade in dieser Phase werden langfristige Parteibindungen und Grundhaltungen sichtbar.
Die Konstellation deutet auf eine klare Zweipolstruktur hin. Auf der einen Seite steht eine gestärkte SVP mit solidem Rückhalt insbesondere im ländlichen Raum. Auf der anderen Seite eine stabile SP, die im urbanen Raum stark verankert ist. Beide Parteien verfügen über organisatorische Stärke und erkennbare Mobilisierungsreserven.
Im Vergleich zu 2022 zeigen sich insgesamt moderate, aber politisch relevante Verschiebungen. Die SVP legt sichtbar zu und festigt ihre Position als führende Kraft. Die SP bleibt stabil mit leicht positiver Tendenz. Die Grünen verlieren nur marginal, womit die Phase grösserer Verluste vorerst abgeschlossen scheint. Ihr Niveau stabilisiert sich und deutet nicht auf weiteren substanziellen Rückgang hin.
Anders stellt sich die Situation bei der FDP dar. Sie verzeichnet einen klaren Rückgang und setzt damit ein Muster fort, das auch in anderen Kantonen zu beobachten ist. Die FDP steht unter Druck zwischen einer profilierteren SVP auf der rechten Seite und moderateren Kräften wie GLP oder Mitte im zentristischen Bereich. Ohne ein stark mobilisierendes Kernthema erscheint ihre Position anfälliger für weitere Verluste im Wahlkampf.
Die Mitte liegt per Mitte Februar leicht über ihrem früheren Niveau. Allerdings ist sie im Kanton Bern organisatorisch weniger flächendeckend verankert als die grossen Parteien. In einem intensivierten Wahlkampf könnte sich zeigen, dass der aktuelle Wert leicht überschätzt ist.
Die EDU gewinnt leicht hinzu und könnte durch die Listenverbindung mit Aufrecht strukturell profitieren. Im Mandatsverteilungssystem kann diese strategische Konstellation entscheidend sein.
Im Wahlkreis Biel-Bienne-Seeland präsentiert sich per 12. Februar eine stärker bürgerlich geprägte Ausgangslage. Die SVP liegt klar an erster Stelle, gefolgt von einer vergleichsweise starken SP. FDP und Die Mitte erreichen hier höhere Werte als im kantonalen Durchschnitt. Die Grünen und insbesondere die GLP sind schwächer positioniert als im urbanen Raum.
Der Wahlkreis vereint ländliche Strukturen mit urbaneren Zentren. Entsprechend zeigt sich eine Kombination aus klassischer bürgerlicher Dominanz und stabiler sozialdemokratischer Präsenz. Die SVP profitiert klar von ihrer Verankerung in ländlichen Gemeinden. Gleichzeitig bleibt die SP in urbaneren Teilen konkurrenzfähig.
Auch hier gilt: Die Werte spiegeln eine Ausgangslage ohne intensiven Wahlkampf wider. Mobilisierung kann die Abstände im oberen Bereich noch verändern. Besonders relevant wird sein, wie stark die SVP ihre ländliche Basis aktiviert und ob die SP ihre urbane Stärke innerhalb des Wahlkreises weiter ausbauen kann.
Die Verschiebungen im Wahlkreis Biel-Bienne-Seeland fallen deutlicher aus als im kantonalen Durchschnitt. Die SVP legt überdurchschnittlich zu und stärkt ihre dominante Stellung. Auch Die Mitte und die EDU gewinnen spürbar hinzu. Besonders markant ist der Rückgang der GLP. Die Grünen verlieren ebenfalls an Unterstützung.
Diese Entwicklung unterstreicht die stärkere bürgerliche Dynamik in diesem Wahlkreis. Die ländliche Komponente wirkt hier stärker mobilisierend zugunsten der SVP. Gleichzeitig profitieren kleinere bürgerliche Parteien teilweise von strukturellen Konstellationen wie Listenverbindungen.
Die SP verzeichnet ebenfalls Zugewinne und bleibt konkurrenzfähig, insbesondere in den urbaneren Gemeinden des Wahlkreises. Dennoch ist die strukturelle Ausgangslage klarer zugunsten des bürgerlichen Lagers verschoben als im Gesamtkanton.
Insgesamt zeigt sich ein Wahlkreis, der empfindlicher auf politische Stimmungsverschiebungen reagiert und in dem Mobilisierung besonders entscheidend sein wird.
Im Wahlkreis Bern ergibt sich per 12. Februar ein deutlich anderes Bild als im Gesamtkanton. Das progressive Lager dominiert klar. Die SP liegt mit grossem Abstand an der Spitze und baut ihre führende Stellung weiter aus. Die Grünen folgen als zweitstärkste Kraft. Die GLP erreicht ebenfalls einen zweistelligen Wert. Die SVP liegt deutlich unter ihrem kantonalen Durchschnitt. FDP und Die Mitte spielen eine untergeordnete Rolle.
Die Stadt Bern bleibt damit das stabile Rückgrat des linken Lagers im Kanton. Die thematische Agenda mit Schwerpunkt auf Wohnraum, soziale Sicherheit und Klimapolitik spiegelt sich direkt in der parteipolitischen Verteilung wider.
Auch hier handelt es sich um eine Momentaufnahme vor der heissen Phase des Wahlkampfs. Die SP verfügt über hohes Aktivierungspotenzial, nicht zuletzt gestützt durch die gute Ausgangslage von Evi Allemann im Regierungsratsrennen. Gleichzeitig zeigt sich das vorhandene Potenzial der SVP, wohl zulasten der FDP. Die Verschiebungen deuten darauf hin, dass bürgerliche Stimmen in der Stadt stärker zur klar profilierten SVP tendieren als zur FDP.
Die Veränderungen gegenüber 2022 verdeutlichen die Dynamik im urbanen Raum. Die SP legt deutlich zu und festigt ihre dominante Stellung. Auch die SVP gewinnt hinzu, während die FDP klar verliert. Die Grünen geben leicht nach, bleiben jedoch stark positioniert. Die Mitte und kleinere Parteien verlieren leicht an Boden.
Die Entwicklung weist auf eine zunehmende Polarisierung hin. Während das progressive Lager insgesamt sehr stark bleibt, verdichten sich die bürgerlichen Stimmen stärker auf die SVP. Die FDP gerät dabei besonders unter Druck. Sie verliert in einem Umfeld, in dem klar profilierte Parteien profitieren und moderate Positionierungen weniger mobilisierend wirken.
Die Stadt Bern zeigt damit eine klare Struktur: ein gefestigtes progressives Zentrum mit einer dominanten SP und starken Grünen, sowie eine bürgerliche Verdichtung, bei der die SVP eher gewinnt als die FDP. Wie stark sich diese Polarisierung im Wahlkampf noch verstärkt, wird auch davon abhängen, ob externe politische Ereignisse zusätzliche Mobilisierung auslösen.
Die Gesamterneuerungswahlen 2026 sind klar sozialökonomisch gerahmt. Lebenshaltungskosten und Krankenkassenprämien prägen sowohl die Problemwahrnehmung als auch den Wahlentscheid. Selbst in sicherheitspolitisch geprägten Lagern entscheidet letztlich die finanzielle Belastung über die Parteiwahl. Klimaschutz bleibt relevant, erreicht jedoch nicht die gleiche Breitenwirkung. Parteien mit hoher Kompetenzzuschreibung in der Kostenfrage verfügen über einen strukturellen Vorteil.
Die bisherigen Regierungsrätinnen und Regierungsräte starten aus einer soliden Position. Evi Allemann liegt klar vorne, doch auch Astrid Bärtschi, Pierre Alain Schnegg und Philippe Müller profitieren vom Amtsbonus und einer stabilen Kernunterstützung. Aline Trede sticht heraus. Als Nationalrätin ohne Regierungsamt positioniert sie sich auf Augenhöhe mit den Bisherigen und durchbricht die klassische Amtsinhaberlogik. Sie startet mit einem klaren strukturellen Vorteil.
Im Kampf um die frei werdenden Sitze von SVP und SP haben die beiden grossen Parteien die besten Karten. Raphael Lanz und Reto Müller liegen jeweils vor ihren parteiinternen Konkurrenten und profitieren von einer breiten Parteibasis. Daniel Bichsel und Hervé Gullotti folgen knapp dahinter. Exekutiverfahrung bringen insbesondere Raphael Lanz als Stadtpräsident von Thun und Reto Müller als Stadtpräsident von Langenthal mit.
Für den Grossen Rat zeigt sich eine moderate Verschiebung zugunsten von SVP und Mitte, während SP und Grüne stabil bleiben. Von einer grundlegenden Neuordnung kann keine Rede sein, doch die Dynamik ist leicht nach rechts akzentuiert. Räumlich zeigt sich eine klassische Stadt-Land-Struktur: Die SVP kann vor allem im ländlichen Raum zulegen, die SP eher in den Städten. Entscheidend wird die Mobilisierung sein.
Frauen wählen klar linker als Männer. SP und Grüne sowie rot grüne Kandidierende profitieren deutlich von weiblicher Unterstützung, während SVP und bürgerliche Kandidaten bei Männern stärker verankert sind. Die Differenz spiegelt sich auch thematisch: Frauen priorisieren soziale Fragen und Klima, Männer eher Sicherheit und Migration.
Im Wahlkreis Biel-Bienne-Seeland steht die Kostenfrage im Zentrum. Die Ausgangslage ist kompetitiv, aber leicht bürgerlich geprägt. SVP und Mitte verfügen über strukturelle Vorteile, während kleinere Parteien stärker unter Druck stehen. Das Rennen bleibt offen und hängt stark von der Mobilisierung ab.
Im Wahlkreis Bern bleibt das Kräfteverhältnis klar links-grün dominiert. SP und Grüne stützen sich auf eine stabile urbane Basis. Die SVP verfügt über Mobilisierungspotenzial, wohl zulasten der FDP, doch die grundlegende Dominanz des rot-grünen Lagers bleibt intakt. Auch hier entscheidet die Beteiligung über das Ausmass möglicher Verschiebungen.
Der Abstimmungssonntag vom 8. März ist mehr als ein Mobilisierungstest. Er zeigt, wie geschlossen die politischen Lager auftreten und ob parteipolitische Zusammenschlüsse tragen. SVP und Mitte stehen bei der Individualbesteuerung gemeinsam gegen die Reform, die SP engagiert sich stark bei der Halbierungsinitiative. Das Resultat signalisiert, welche Lager mobilisierungsfähig und strategisch anschlussfähig sind – und wer mit Momentum in die kantonalen Wahlen startet.
Auftraggeber: Gassmann Media
Grundgesamtheit: Stimmbevölkerung im Kanton Bern
Datenerhebung: Online Befragung (Opt-In via Gassmann-Medien und Hauptstadt & Panel via Polittrends)
Stichprobengrösse: Total Befragte N = 1613 (n Opt-In = 842, n Panel = 749, n Boomerang = 22; n DCH = 1444, n FCH= 169)
Art der Stichprobenziehung: Opt-In: ohne Quoten, Panel: geschichtete Quoten nach Alter/Geschlecht nach Sprache
Gewichtung: Alter/Geschlecht nach Sprache (interlocked), Siedlungsart, Bildung, Partei, Wahlkreis
Stichprobenfehler: ±2.4 Prozentpunkte bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit
Befragungszeitraum: vom 6. bis am 22. Februar 2026 (Median: 12. Februar 2026)