Studie im Auftrag der SRG SSR
Wäre bereits am 8. November 2025 abgestimmt worden, wären die Service-citoyen-Initiative und die Initiative für eine Zukunft, auch bekannt als Erbschaftssteuer-Initiative der Juso, abgelehnt worden. Beide Vorlagen wurden über den Kampagnenverlauf von einem Nein-Trend erfasst. Ein solcher Meinungsverlauf entspricht für Volksinitiativen dem Normalfall der Meinungsbildung.
Der Stand der Meinungsbildung ist in dieser späteren Phase des Abstimmungskampfes unterschiedlich weit fortgeschritten: Bei der Service-citoyen-Initiative äussern 68 Prozent der Teilnahmewilligen eine feste Stimmabsicht dafür oder dagegen, bei der Initiative für eine Zukunft sind es deutlich höhere 82 Prozent. 4 bzw. 2 Prozent sind noch immer unentschieden. Eine argumentative Untermauerung der Stimmentscheide zur Juso-Initiative ist klar erkennbar, etwas weniger jedoch bei der Service-citoyen-Initiative.
Die Stimmbeteiligung liegt mit 43 Prozent deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt (47.1% zwischen 2011 und 2024 gemäss BFS) und ist seit der ersten Umfrage auch kaum angestiegen. Die beiden Initiativen mobilisieren somit nur beschränkt.
Wie üblich handelt es sich auch bei der zweiten Befragung nur um eine Momentaufnahme rund zwei Wochen vor dem Abstimmungstag und nicht um eine Prognose zum Abstimmungsausgang. Die Ergebnisse können im Wellenvergleich allerdings auch als Trends interpretiert werden. Die Studie beschreibt somit den Stand und die Trends in der Meinungsbildung vor der Schlussmobilisierung. Alle Angaben gelten bei einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit mit einem Unsicherheitsbereich von ±2.8 Prozentpunkten.
Die Befunde der Umfrage werden anhand des Dispositionsansatzes von gfs.bern theoretisch verortet.
Hier finden sich Hintergrundinformationen zu den beiden Vorlagen der November Abstimmung 2025 und hier zur Methode der SRG-Trendumfragen.
Ausserdem können Sie hier eine vollständige Grafiksammlung herunterladen und hier den aktuellen Abstimmungsmonitor des Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) zur Mediensituation im laufenden Abstimmungskampf.
Gegenwärtige Stimmabsichten im Nein
Das aktuelle Meinungsbild zur Initiative «Für eine engagierte Schweiz (Service-citoyen-Initiative)» fällt eindeutig aus: Gesunkene 32 Prozent (-16 ppt.) der Teilnahmewilligen hätten am 8. November 2025 für die Vorlage gestimmt, 64 Prozent (+18 ppt.) dagegen. Aus einer Pattsituation zu Beginn der Hauptkampagnenphase hat sich durch diesen Nein-Trend eine mehrheitliche Ablehnung ergeben. 4 Prozent sind unentschlossen respektive wollen oder können sich (noch) nicht zur Service-citoyen-Initiative äussern.
Die teilnahmewilligen Stimmberechtigten gehen bislang von einer Ablehnung der Service-citoyen-Initiative aus. Lediglich ein Viertel erwartet ein Ja zur Initiative am 30. Die Einschätzung über den möglichen Abstimmungsausgang hat sich weiter verhärtet und deutet nun klarer auf ein Nein hin: Lediglich 18 Prozent der teilnahmewilligen Stimmberechtigten halten eine Annahme für wahrscheinlich, während 82 Prozent mit einer Ablehnung rechnen. Im Mittel wird der Ja-Anteil auf 42.1 Prozent geschätzt. Entsprechend wird ein Nein an der Urne erwartet.
Mittel bis fortgeschrittener Stand der Meinungsbildung
Die Meinungsbildung zur Service-citoyen-Initiative zeigt sich aktuell gefestigter. 19 Prozent der Teilnahmewilligen sprechen sich klar für, 49 Prozent klar gegen die Vorlage aus. Somit verfügen 68 Prozent der Befragten über eine eindeutig ausgeprägte Haltung. 28 Prozent der bestimmt Teilnehmenden sind nur tendenziell entschieden (13% eher dafür, 15% eher dagegen) und 4 Prozent noch gänzlich unentschieden.
Die Meinungsbildung hat sich erwartungsgemäss konsolidiert und befindet sich inzwischen auf einem mittleren bis fortgeschrittenen Stand. Entsprechend verbleibt nur wenig Raum für Kampagnenwirkungen bei Unentschiedenen oder Personen mit wenig gefestigter Meinung. Sie bilden allerdings die klare Minderheit.
Vorläufiges Konfliktmuster: Schwach ausgeprägt – einzig GLP bleibt im Ja
Der Nein-Trend bestätigt sich in allen 31 untersuchten Untergruppen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass. Die Konfliktlinien fallen rund drei Wochen vor dem Abstimmungssonntag insgesamt schwach aus. Deutliche Unterschiede zeigen sich lediglich bei den Parteipräferenzen und beim Geschlecht. Die übrigen soziodemografischen Gruppen stimmen innerhalb ihrer jeweiligen Untergruppen homogener ab.
Zu Beginn des Abstimmungskampfes verliefen die Konfliktlinien noch klar zwischen dem linksgrünen Lager und den Mitte-Rechts-Parteien.
Inzwischen unterstützen jedoch nur noch GLP-affine Teilnahmewillige das Anliegen mehrheitlich. Die Stimmabsichten liegen damit grösstenteils im Einklang mit den Parolen jener Partei, zu der die Befragten eine entsprechende politische Affinität aufweisen.
Die anfänglich mehrheitliche Unterstützung von 18- bis 39-Jährigen, Personen mit hoher Schulbildung, Teilnahmewilligen aus der französischsprachigen Schweiz und aus ländlichen Regionen, solchen mit hohem Vertrauen in die Regierung sowie von Männern ist somit weggebrochen. Am deutlichsten äussert sich der Nein-Trend bei teilnahmewilligen Stimmberechtigten aus ländlichen Regionen (28%, -26 ppt.)
Argumente: stärkt Solidarität und Verantwortungsbewusstsein vs. finanzielle Belastung
Die drei getesteten Pro-Argumente stossen bei den bestimmt Teilnahmewilligen in unterschiedlichem Ausmass auf Zustimmung. Insgesamt verlieren alle drei Pro-Argumente im Verlauf des Abstimmungskampfes an Rückhalt. Zwei der drei Argumente finden dabei weiterhin eine Mehrheit: 64 Prozent unterstützen die Aussage, ein gemeinsamer Einsatz stärke Solidarität und Verantwortungsbewusstsein, und 52 Prozent stimmen dem Gleichstellungsargument zu, wonach der Dienst für alle Geschlechter gleich gelten und das Milizprinzip modernisieren würde. Das Pro-Argument, dass eine allgemeine Dienstpflicht den Bestand von Armee und Zivilschutz sichere, findet hingegen nur bei einer Minderheit Unterstützung. Zugleich handelt es sich um das Argument mit der stärksten Wirkung auf den positiven Stimmentscheid. Nur geringfügig weniger wirksam ist das Gleichstellungsargument, während das Solidaritäts- und Verantwortungsbewusstseinsargument deutlich weniger Einfluss entfaltet.
Auf der Gegenseite hat das Kostenargument an Bedeutung gewonnen (+11 ppt.). 70 Prozent sind der Ansicht, dass eine allgemeine Dienstpflicht zu erheblichen Mehrkosten und damit zu einer finanziellen Belastung von Bund und Kantonen führen würde. Gleichzeitig entfaltet es die stärkste Wirkung auf einen negativen Stimmentscheid. Das Gleichstellungsargument der Gegnerschaft, wonach Frauen durch eine allgemeine Dienstpflicht zusätzlich belastet würden, findet bei 53 Prozent Zustimmung und zeigt vergleichsweise eine moderate Wirkung. Das Argument, ein obligatorischer Dienst für alle schwäche die Armee und gefährde die Landessicherheit, ist ebenfalls wirksam, wird aber nur von einer kleinen Minderheit (28%) geteilt.
Insgesamt verlieren die Pro-Argumente an Boden, während auf der Gegenseite das Kostenargument zunehmend an Gewicht gewinnt. Indexiert stehen die Teilnahmewilligen argumentativ der Befürworterschaft und der Gegnerschaft jeweils etwa gleich nahe, wobei die Zustimmungsindizes weiterhin bei allen Parteiwählerschaften höher liegen als die effektiven Stimmabsichten.
Trend in der Meinungsbildung
Typologisch handelt es sich bei der Service-citoyen-Initiative inzwischen nicht mehr um eine tendenziell befürwortete, sondern um eine Vorlage mit deutlichem Vorteil für die Gegnerschaft. Diese Einschätzung ergibt sich aus der markanten Verschiebung der Stimmabsichten in Richtung Nein, der gefestigten Meinungsbildung sowie der aktuellen Argumentationslage. Während zu Beginn der Hauptkampagnenphase noch eine offene Ausgangslage mit leichten Vorteilen für die Befürworterseite bestand, hat sich diese im Verlauf der Kampagne klar zugunsten der Ablehnung verändert. Für eine Volksinitiative entspricht der hier festgehaltene Nein-Trend dem Normalfall.
Denn gemäss dem Dispositionsansatz gleichen sich die Stimmabsichten im Laufe der Kampagne an die Empfehlungen von Bundesrat und Parlament an. In der öffentlichen Debatte erhalten die Contra-Argumente stärkeres Gewicht, was Unsicherheiten oder angelegte Zweifel an der Vorlage verstärkt.
Sollte sich dieser übliche Verlauf auch im Fall der Service-citoyen-Initiative einstellen, wäre ein Nein am Abstimmungssonntag wahrscheinlich. Offen bleibt jedoch, wie stark ausgeprägt eine solche Verschiebung tatsächlich ausfallen wird. Die Stimmabsichten sprechen zwar deutlich für ein Nein, doch die Einschätzungen der bestimmt Teilnehmenden lassen einen höheren Ja-Anteil weiterhin möglich erscheinen.
Eine Stabilisierung oder leichte Erholung der Ja-Anteile wäre nur dann plausibel, wenn es der Befürworterseite gelingt, den Problemdruck rund um gesellschaftliche Kohäsion und Gleichstellung im Milizsystem glaubwürdig zu erhöhen und sichtbar in der Debatte zu halten. Das argumentative Feld zeigt jedoch, dass das Kostenargument der Gegnerschaft an Bedeutung gewinnt und die stärkste Wirkung entfaltet, während die Pro-Argumente leicht an Strahlkraft verlieren. Entscheidend wird daher sein, ob sich die öffentliche Diskussion in den verbleibenden Wochen stärker auf Solidarität und Gleichberechtigung oder auf finanzielle Belastung und individuelle Freiheitseinschränkungen konzentriert.
Gegenwärtige Stimmabsichten im Nein
Wäre die Erbschaftssteuer-Initiative der Juso bereits am 8. November 2025 zur Abstimmung gekommen, hätten gestiegene 68 Prozent der stimmberechtigten Personen mit fester Teilnahmeabsicht entweder entschieden oder eher dagegen gestimmt (+6 ppt.). Im Gegensatz dazu hätten nur noch 30 Prozent bestimmt oder eher dafür gestimmt (- 4 ppt.). Der Vorsprung der Gegnerschaft hat sich somit auf 38 Prozentpunkte vergrössert, was einer Zunahme von 11 Prozentpunkten entspricht.
Die Prognose der teilnahmewilligen Stimmberechtigten selbst ist noch eindeutiger als vor einem Monat: 91 Prozent gehen von einer Ablehnung am 30. November 2025 aus, nur noch 9 Prozent rechnen mit einer Annahme. Im Mittel wird der Ja-Anteil auf 36.7 Prozent geschätzt (Welle 1: 38.3%). Erwartet wird von den Teilnahmewilligen somit ein klares Nein zur Vorlage an der Urne.
Fortgeschrittener Stand der Meinungsbildung
Das Meinungsbild zur Initiative für eine Zukunft zeigte sich bereits früh relativ gefestigt. Das erklärt sich durch den frühen Start der gegnerischen Positionierung, welche parallel zur Lancierung des Initiativvorhabens einsetzte. Rund 3 Wochen vor der Abstimmung äussern hohe 82 Prozent bestimmte Stimmabsichten für oder gegen die Erbschaftssteuer-Initiative der Juso und nur 2 Prozent sind noch gänzlich unentschieden. Die solide argumentative Verankerung der Stimmabsichten bestätigt den Eindruck eines gefestigten Meinungsbildes.
Der Stand der Meinungsbildung ist als fortgeschritten einzustufen, was den Spielraum für Kampagnenwirkungen einschränkt.
Vorläufiges Konfliktmuster: Parteipräferenz als die zentrale Konfliktlinie
Bei den untersuchten Gruppen zeigen nur zwei eine Mehrheit für die Initiative: Sympathisant:innen der Grünen und der SP. Diese beiden Gruppen bilden den Kern der Unterstützung und sind vom allgemeinen Nein-Trend weitgehend unberührt. Alle anderen Parteiwählerschaften lehnen die Initiative klar ab, ebenso wie parteiungebundene Teilnahmewillige. Die Polarisierung ist stark ausgeprägt, wobei Grüne (76% dafür) und FDP (95% dagegen) die Meinungspole bilden. Sämtliche Parteiwählerschaften stehen mehrheitlich auf Seiten der Parole ihrer jeweiligen Mutterpartei, so dass sich kein Elite-Basis-Konflikt abzeichnet.
Obwohl jüngere, weibliche und höher gebildete Teilnahmewillige tendenziell offener gegenüber einer Erbschaftssteuer sind, lehnen auch sie die Initiative mehrheitlich ab.
Ein Anstieg der Zustimmung ist in nur einer einzigen Gruppe zu verbuchen: bei den Teilnehmenden mit den niedrigsten Haushaltseinkommen, jedoch überwiegt auch in dieser Gruppe die Ablehnung.
In der italienischsprachigen Schweiz, die anfangs Sympathien äusserte, sind diese im Verlauf der Kampagne weitgehend weggebrochen. In der französischsprachigen Schweiz ist das «Non» zwar ebenfalls stark (56%), jedoch weniger ausgeprägt als in den anderen Sprachregionen (DCH: 71%, ICH: 73% dagegen). Diese flächendeckende Ablehnung bestätigt sich bezogen auf die Siedlungsräume. Von den ländlichen über die intermediären bis hin zu den städtischen Siedlungsgebieten erfährt die Initiative für eine Zukunft Ablehnung. Am ehesten noch können sich Städter:innen für die Idee erwärmen (33% dafür).
Argumente: Zeichen für Klimaschutz durch Reiche setzen vs. Liquiditätsrisiken für Familienunternehmen
Inhaltlich zeigt sich das folgende Meinungsbild: Die Contra-Argumente überzeugen inzwischen breitere Teile der Teilnahmewilligen, während die Pro-Argumente im Verlauf der Kampagne an Rückhalt verloren haben. Über alle sechs geprüften Argumente hinweg stehen heute 60 Prozent der Contra-Seite näher (+10 ppt.), 36 Prozent der Pro-Seite (-5 ppt.), während 4 Prozent (-5 ppt.) indifferent bleiben. Der Nein-Trend bestätigt sich damit auch auf inhaltlicher Ebene.
Mehr als zwei Drittel der Teilnahmewilligen bezweifeln konkret die Wirksamkeit der geplanten Steuer, da sie befürchten, Wohlhabende könnten diese umgehen oder ins Ausland ausweichen. In ähnlichem Umfang bestehen Sorgen, Firmenerben könnten in Liquiditätsengpässe geraten, was Familienunternehmen gefährden kann. Beide Contra-Argumente haben gegenüber der ersten Erhebung an Überzeugungskraft gewonnen (+6 bzw. +5 ppt.). Dies gilt ebenso für das dritte Contra-Argument:
Eine Mehrheit von 54 Prozent (+5 ppt) ist mittlerweile der Ansicht, dass die bestehenden Förderinstrumente für den Klimaschutz ausreichen.
Gleichzeitig stimmen weiterhin jeweils 53 Prozent der Aussage zu, dass die Reichsten aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Emissionen stärker zum Klimaschutz beitragen sollten und dass ohne zusätzliche Mittel die Belastung auf der breiten Bevölkerung lasten würde (je -2 Prozentpunkte). Neu findet jedoch das Argument, die Schweiz solle ein Zeichen setzen, dass Klimaschutz nicht nur Aufgabe der Allgemeinheit, sondern auch der Vermögendsten sei, keine Mehrheit mehr (-5 ppt).
Dass die Deutungshoheit inzwischen das Lager gewechselt hat, zeigt sich auch in der Wirkungsanalyse der Argumente. Während vor einem Monat das wirksamste Argument aus dem Pro-Lager stammte, ist nun mit deutlichem Abstand das Argument zu den potenziellen Liquiditätsschwierigkeiten für Firmenerben am einflussreichsten für die Stimmabsicht. Zusammen mit der Befürchtung von Steuerumgehung durch Auswanderung prägt es die derzeitige ablehnende Haltung besonders stark. Auf der anderen Seite erzeugt das nur minderheitlich geteilte Argument, es gelte ein Zeichen zu setzen, dass Klimaschutz auch Aufgabe der Vermögendsten sei, die stärkste Wirkung auf ein Ja.
Trend in der Meinungsbildung
Der Widerstand gegen die Erbschaftssteuer-Initiative der Juso war bereits früh formiert und konsolidiert sich nun. Die Initiative startete aus der Defensive in den Hauptabstimmungskampf und wurde nun von einem für Initiativen typischen deutlichen Nein-Trend erfasst. Mit fortschreitendem Abstimmungskampf hat sich die Wahrnehmung noch weiter weg von der Problemdefinition der Initiant:innen hin zu den Schwächen und Risiken des vorgeschlagenen Lösungsansatzes verschoben.
Die Zustimmung der Anhängerschaften von SP und Grünen hält, während Sympathien in anderen Gruppen, etwa unter italienischsprachigen Stimmberechtigten, im Kampagnenverlauf weggebrochen sind.
Erwartet wird von den Stimmberechtigten eine klare Ablehnung an der Urne, was dem für Volksinitiativen typischen Abstimmungsausgang entspricht.
Rund drei Wochen vor der Abstimmung deuten sämtliche hier erhobenen Indikatoren klar auf eine Ablehnung der Initiative hin. Politisch hat sich eine Mehrheit der Eliten gegen das Vorhaben positioniert. Stimmabsichtlich überwiegt in der Befragung deutlich die Gegnerschaft. Argumentativ hat das Nein-Lager die Deutungshoheit übernommen und prägt die Meinungsbildung massgeblich. Und erwartungsseitig gehen die Stimmberechtigten selbst von einer Ablehnung aus.
In der Gesamtschau ist ein Nein zur Juso-Initiative am 30. November 2025 damit das wahrscheinlichste Szenario.
Unterdurchschnittliche Teilnahmeabsicht für die Abstimmung vom 30. November 2025
Die Beteiligungsbereitschaft für den 30. November 2025 liegt mit 43 Prozent (+2 ppt.) weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt (2011-2024: 47.1 Prozent).
In dieser fortgeschrittenen Phase des Abstimmungskampfes bewegen die beiden Vorlagen nur begrenzt breite Teile der Bevölkerung. Erfahrungsgemäss kann die Teilnahmebereitschaft mit näher rückendem Abstimmungssonntag noch ansteigen, sodass sich derzeit ein durchschnittlicher bis leicht unterdurchschnittlicher Urnengang abzeichnet.
Profil der Beteiligungswilligen
Das Profil der mobilisierten Stimmberechtigten entspricht den üblichen Mustern einer eher tiefen Teilnahme: Ältere und einkommensstärkere Personen äussern überdurchschnittliche Beteiligungsabsichten. Gleichzeitig steigt die Teilnahmeabsicht bei jungen, weiblichen und einkommensschwächeren Stimmberechtigten leicht an, was auf eine sich langsam verbreiternde Mobilisierung hindeutet. Höher gebildete und städtische Stimmberechtigte bleiben stärker mobilisiert als Personen mit tieferer Bildung oder aus ländlichen Räumen.
Politisch betrachtet weisen Sympathisierende links-grüner Parteien und der Mitte weiterhin die höchsten Teilnahmeabsichten auf.
GLP-, FDP- und SVP-nahe Stimmberechtigte wurden hingegen eher demobilisiert. Eine regierungskritische Aufladung der Mobilisierung ist in der dynamischen Perspektive zwar erkennbar, Stimmberechtigte mit Vertrauen in die Regierung bleiben aber stärker mobilisiert als solche ohne.
Sprachregional liegt die Mobilisierung in der französischsprachigen Schweiz weiterhin etwas höher als in der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz.
Insgesamt dürfte die Debatte bis zum 30. November 2025 zusätzliche Bevölkerungskreise erfassen, wodurch sich die Zusammensetzung der Stimmbeteiligung weiterhin verändern kann.
Zweite Welle der SRG-SSR-Trendbefragung zu den Volksabstimmungen vom 30. November 2025 vom Forschungsinstitut gfs.bern. Realisiert zwischen dem 5. November und dem 13. November 2025 bei 12’939 Stimmberechtigten. Der statistische Fehlerbereich beträgt +/-2.8 Prozentpunkte.
Der telefonische Teil der vorliegenden Befragung wurde vom gfs-Befragungsdienst realisiert, die Auswertung und Analyse der Daten nahm das Forschungsinstitut gfs.bern vor. Befragt wurde via eines RDD-Dualframe-Verfahrens per Festnetz und Handy.
Seit dem Herbst 2018 wird im Rahmen des SRG-Trend-Mandats die telefonische Umfrage durch eine Online-Befragung ergänzt mit dem Ziel die Stichprobengrösse in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu erhöhen.
Der Online-Teil wurde als Opt-in-Umfrage (Mitmachumfrage) über die Online-Portale der SRG SSR Medien durchgeführt. Seit Anfang 2024 wird mithilfe von Boomerang Ideas zudem systematisch auch über Social-Media-Kanäle befragt.
Aussagen über das Ständemehr können wir keine machen, denn die Fallzahl lässt gesicherte Rückschlüsse auf die Kantone nicht zu.
Weiterführende Informationen zur Theorie und der Methode der SRG-Trendumfragen finden sich hier.
Technischer Kurzbericht
Auftraggeber: CR-Konferenz der SRG SSR
Grundgesamtheit: Stimmberechtigte Schweizer:innen
Herkunft der Adressen CATI: Stichprobenplan Gabler/Häder für RDD/Dual-Frame; Verwendung Swiss-Interview-Liste,
Herkunft der Adressen Online: Opt-in-Befragung über die Webportale der SRG SSR
Datenerhebung: telefonisch, computergestützt (CATI) und Online
Art der Stichprobenziehung CATI: at random/Geburtstagsmethode im Haushalt geschichtet nach Sprachregionen
Art der Stichprobenziehung Online: offene Mitmachumfrage
Befragungszeitraum: 5. November– 13. November 2025
mittlerer Befragungstag: 8. November 2025
Stichprobengrösse: minimal 1’200, effektiv 12’939 (Cati: 502, Online: 11’937, Boomerang Ideas: 500), DCH: 10’531, n FCH: 2’116, n ICH: 292
Stichprobenfehler: ± 2.8 Prozentpunkte bei einem Wert von 50% (und 95%iger Wahrscheinlichkeit)
Quotenmerkmale CATI: Sprachregion
Quotenmerkmale Online: keine
Gewichtung: Dual-Frame-Gewichtung, Sprache, Siedlungsart, Parteiaffinität, Recall, Teilnahme, Methode
mittlere Befragungsdauer CATI: 10.8 Minuten (Standardabweichung: 2.6 Minuten)
Publikation: 19. November 2025, 6h00