2. SRG-Trendumfrage zur Abstimmung vom 8. März 2026

Vor der Schlussmobilisierung:

Bargeld-Initiative und Gegenentwurf – Gegenwärtige Stimmabsichten im Ja

SRG-Initiative – Gegenwärtige Stimmabsichten im Nein

Klimafonds-Initiative - Gegenwärtige Stimmabsichten im Nein

Bundesgesetz Individualbesteuerung - Gegenwärtige Stimmabsichten knapp im Ja

Studie im Auftrag der SRG SSR

Wäre bereits am 14. Februar 2026 abgestimmt worden, wären sowohl die Bargeld-Initiative als auch der dazugehörige Gegenentwurf angenommen worden. In der Stichfrage hätte sich eine Mehrheit der Teilnahmewilligen für den Gegenentwurf ausgesprochen. Die SRG-Initiative sowie auch die Klimafonds-Initiative wären abgelehnt worden, während das Bundesgesetz über die Individualbesteuerung knapp angenommen worden wäre.

Der Stand der Meinungsbildung bleibt unterschiedlich fortgeschritten: Am fortgeschrittensten ist sie bei der SRG-Initiative: 85 Prozent der Teilnahmewilligen geben eine feste Stimmabsicht für oder gegen die Vorlage an. Über zwei Drittel äussern auch bei der Bargeld-Initiative, der Klimafonds-Initiative sowie beim Bundesgesetz über die Individualbesteuerung bereits gefestigte Haltungen. Deutlich weniger fortgeschritten ist die Meinungsbildung hingegen beim Gegenentwurf zur Bargeld-Initiative, wo erst 55 Prozent der Teilnahmewilligen eine feste Meinung dafür oder dagegen äussern. Eine argumentative Untermauerung der Stimmentscheide ist vor der Schlussmobilisierung insbesondere bei der SRG-Initiative und der Klimafonds-Initiative klar erkennbar, weniger hingegen bei der Bargeld-Initiative und dem direkten Gegenentwurf dazu. Die Vorlage zur Individualbesteuerung liegt hinsichtlich der argumentativen Verankerung im Mittelfeld.

Die Stimmbeteiligung liegt mit 48 Prozent bislang nahe am langjährigen Durchschnitt (47.1% zwischen 2011 und 2024 gemäss BFS).

Alle Angaben gelten bei einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent mit einem Unsicherheitsbereich von ±2,8 Prozentpunkten. Der Abstimmungskampf und die Meinungsbildung haben gerade erst begonnen und können nachweislich das Ja-/Nein-Verhältnis bei Volksabstimmungen beeinflussen. Hinzu kommen Effekte aus der noch unbekannten Mobilisierung durch die Kampagnen.

Die Befunde der Umfrage werden anhand des Dispositionsansatzes von gfs.bern theoretisch verortet.

Hier finden sich Hintergrundinformationen zu den beiden Vorlagen der Abstimmung vom März 2026 und hier zur Methode der SRG-Trendumfragen.

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Bargeld-Initiative und direkter Gegenentwurf

Gegenwärtige Stimmabsichten im Ja

Eine Mehrheit von 61 Prozent der Teilnahmewilligen hätte am 14. Februar bestimmt oder eher für die Bargeld-Initiative (-4 Prozentpunkte gegenüber der ersten Umfrage (in der Folge ppt.)) und gestiegene 36 Prozent hätten bestimmt oder eher dagegen gestimmt (+5 ppt.). 3 Prozent waren noch unentschlossen.

Der direkte Gegenentwurf von Bundesrat und Parlament erfährt deutlich höhere Zustimmung und hat im Gegensatz zur Initiative leicht an Boden gut gemacht: 70 Prozent sprechen sich Mitte Februar dafür aus (+3 ppt.), 24 Prozent sind dagegen (-2 ppt.), und 6 Prozent waren noch unentschlossen (-1 ppt.).

Leicht deutlicher als in der ersten Welle ziehen die bestimmt Teilnehmenden den Gegenentwurf der Initiative vor. In der Stichfrage würden sich 41 Prozent für die Initiative (-2 ppt.) und 54 Prozent für den Gegenentwurf entscheiden (+3 ppt.). Lediglich 5 Prozent bleiben bei der Stichfrage unentschlossen.

Weiterhin gehen die teilnahmewilligen Stimmberechtigten von einer Annahme beider Vorlagen aus. Lediglich 36 Prozent erwarten am 8. März 2026 ein Nein zur Bargeld-Initiative (+1 ppt.). Beim Gegenentwurf sind es mit gesunkenen 19 Prozent noch weniger (-7 ppt). Im Mittel wird der Ja-Anteil zur Bargeld-Initiative auf unveränderte 53.0 Prozent geschätzt, jener zum direkten Gegenentwurf auf leicht höhere 56.2 Prozent. Entsprechend wird sowohl zur Initiative als auch zum Gegenentwurf ein Ja an der Urne erwartet.

Tiefer Stand der Meinungsbildung

Die Meinungsbildung zur Bargeld-Initiative zeigt sich wie bereits im Vormonat erst wenig gefestigt. 44 Prozent der Befragten sprechen sich klar für, 25 Prozent klar gegen die Vorlage aus. Insgesamt äussern somit 69 Prozent eine eindeutige Haltung. Obwohl sich der Stand der Meinungsbildung beim Gegenentwurf weiterhin als vergleichsweise wenig gefestigt präsentiert, hat er im Verlauf der Hauptkampagnenphase dennoch spürbar an Kontur gewonnen. 55 Prozent äussern hier gefestigte Stimmabsichten (+11 ppt.).

Auch die argumentative Abstützung der Stimmentscheide bleibt verglichen mit jener zu den anderen drei Vorlagen vom 8. März 2026 sehr bescheiden. Damit ist weiterhin Raum für Kampagnenwirkungen bei jenen 28 respektive 39 Prozent der Teilnahmewilligen, die erst tendenziell oder gar nicht entschieden sind, vorhanden.

Vorläufiges Konfliktmuster: Parteipolitische Prägung und Regierungsvertrauen massgebend

Die Parteibindung bleibt die zentrale Konfliktlinie der Bargeld-Initiative. Während das SVP-Lager weiterhin klar zustimmend bleibt, ist in nahezu allen anderen Parteiumfeldern eine Verschiebung in Richtung Ablehnung zu beobachten. Besonders ausgeprägt zeigt sich dieser Nein-Trend bei der GLP, aber auch bei der SP, der Mitte und der FDP haben die Nein-Anteile gegenüber der ersten Welle spürbar zugelegt. Bei Mitte-nahen und FDP-nahen Teilnahmewilligen hat sich der wachsende Nein-Anteil mittlerweile so ausgewirkt, dass die anfänglichen Ja-Mehrheiten aus der frühen Phase des Abstimmungskampfes weggefallen sind. Beide Lager präsentieren sich damit nicht mehr mehrheitlich zustimmend, sondern deutlich offener beziehungsweise leicht ins Nein verschoben. Damit konsolidiert sich das Ablehnungslager ausserhalb der SVP zunehmend. Der Gegenentwurf hingegen bleibt parteiübergreifend mehrheitsfähig und stösst weiterhin in allen Parteiwählerschaften auf mehr Zustimmung als Ablehnung.

Ausserhalb des Parteispektrums Mitte-Links finden sich keine weiteren ablehnenden Untergruppen, aber durchaus unterschiedliche Zustimmungsniveaus zur Bargeld-Initiative. Nach Alter differenziert sich der Trend: Bei den 18-39-Jährigen hat sich die Zustimmung im Wellenvergleich leicht verstärkt, während sie bei den 40-64- und insbesondere bei den 65+-Jährigen zurückgegangen ist.

Nach Bildung nimmt die Zustimmung in allen Stufen ab, am deutlichsten bei Personen mit mittlerer und tiefer Bildung. Gleichzeitig bleibt mit steigendem Bildungsniveau der höhere Nein-Anteil bestehen. Auch nach Haushaltseinkommen verstärkt sich der soziale Gradient: Je tiefer das Haushaltseinkommen desto eher wird für die Bargeldinitiative gestimmt. Unisono hat bei allen Einkommensschichten ein Nein-Trend eingesetzt. Geschlechterspezifisch betrachtet sinkt die Zustimmung bei den Männern wie bei den Frauen nur leicht, wobei die Ja-Anteile beider Geschlechter ähnlich ausfallen.

Schliesslich konsolidiert sich eine Spaltung nach dem Regierungsvertrauen. Personen mit Misstrauen gegenüber der Regierung stehen der Initiative weiterhin klar positiver gegenüber als Befragte mit hohem Regierungsvertrauen.

Nach Siedlungsart bleiben die Unterschiede insgesamt begrenzt, allerdings zeigt sich gegenüber der Ausgangslage insbesondere im urbanen Raum eine Verschiebung: Während in ländlichen Gebieten die Zustimmung zur Bargeld-Initiative zunimmt, setzt im urbanen Raum ein Nein-Trend ein. Im intermediären Raum ist die Unterstützung stabil geblieben.

Der Gegenentwurf präsentiert sich auch während der Hauptkampagnenphase als konsensualere Vorlage mit breiterer politischer und gesellschaftlicher Abstützung und deutlich abgeschwächten Konfliktlinien. Alle hier untersuchten Untergruppen stehen mehrheitlich hinter dem direkten Gegenentwurf. Insgesamt zeichnet sich mit wenigen Ausnahmen ein Trend in Richtung Ja ab.

Argumente: persönliche Freiheit und Selbstbestimmung vs. rechtliche Unsicherheiten

Inhaltlich liegen die geäusserte Stimmabsicht und die Argumentation weiterhin nahe beieinander, wenn auch leicht weniger stark als noch in der Ausgangslage: Indexiert stehen 67 Prozent der Teilnahmewilligen der Befürworterschaft argumentativ näher und 24 Prozent der Gegnerschaft (Gegenentwurf: 60:32). 9 respektive 8 Prozent sind nicht eindeutig einem der beiden Lager zuzuordnen.

Im Vergleich zur Ausgangslage zeigen sich die grundsätzlichen Pro-Argumente zur Bargeldinitiative / zum Gegenentwurf weiterhin auf sehr hohem und stabilem Zustimmungsniveau. Die wertorientierte Ansprache als Bürger:in ist demnach unverändert viel bargeld-freundlicher, als dies beim Trend der Kundschaft und im Zahlungsverkehr in Richtung digitalem Zahlungsverhalten zum Ausdruck kommt. Die Bedeutung von Noten und Münzen als krisenfeste Zahlungsform (92%) sowie als Ausdruck persönlicher Freiheit (82%) bleibt nahezu unangefochten. Auch der explizite Schutz von Münzen und Banknoten findet mit 71 Prozent klar mehrheitliche Unterstützung. Deutlich zurückhaltender beurteilt wird hingegen die Forderung, wonach primär die Politik und nicht die Nationalbank über die Sicherung des Bargelds entscheiden sollte (48%); hier bleibt das Meinungsbild vergleichsweise verhalten und unterstreicht eine gewisse Skepsis gegenüber einer stärkeren Politisierung der Geldordnung. Insgesamt sind die Pro-Argumente im Zeitverlauf sehr stabil.

Auf Seiten der Contra-Argumente ist demgegenüber eine leichte Konsolidierung erkennbar. Die Aussage, der direkte Gegenentwurf schütze Bargeld ausreichend, legt gegenüber der Ausgangslage zu und erreicht 58 Prozent Zustimmung (+6 ppt.).

Auch die Einschätzung, die Nationalbank gewährleiste die Bargeldversorgung bereits zuverlässig (54%), sowie die Auffassung, die heutige gesetzliche Regelung reiche aus (49%), gewinnen leicht an Rückhalt (+2 resp. 4 ppt.). Am umstrittensten bleibt das Argument, die Initiative sei zu unpräzise formuliert und schaffe rechtliche Unsicherheiten (46%; +5 ppt.). Insgesamt deutet sich damit eine vorsichtige Verfestigung der contra-nahen Argumente an, während die stark normativ geprägten Pro-Positionen auf konstant hohem Niveau verharren.

Die Wirkungsanalyse bestätigt das bereits erkennbare Argumentationsmuster: Die Zustimmung zur Bargeld-Initiative speist sich in erster Linie aus dem Freiheitsargument. Wer Bargeld mit persönlicher Freiheit und Selbstbestimmung verbindet, neigt deutlich eher zu einem Ja (stärkster positiver Effekt). Ebenfalls zustimmungsfördernd wirkt – wenn auch klar schwächer – die Forderung, explizit Münzen und Banknoten zu schützen.

Negativ auf die Zustimmung wirken hingegen Argumente, welche die Notwendigkeit der Initiative infrage stellen. Besonders stark ins Gewicht fällt der Einwand, die Initiative sei zu unpräzise formuliert und schaffe rechtliche Unsicherheiten (stärkster negativer Effekt). Auch die beiden Auffassungen, wonach die heutige gesetzliche Regelung genüge oder die Nationalbank die Bargeldversorgung bereits ausreichend sichere, wirken sich – wenn auch moderat – negativ auf den Stimmentscheid aus.

Beim Gegenentwurf zeigt sich ein anderes Muster: Hier wirkt vor allem das Argument mobilisierend, der direkte Gegenentwurf schütze Bargeld ausreichend und mache die Initiative überflüssig. Die klassischen Pro-Bargeld-Argumente spielen für die Unterstützung des Gegenentwurfs demgegenüber eine untergeordnete Rolle.

Trend in der Meinungsbildung

Im Vergleich zur Ausgangslage zeigt sich bei der Bargeld-Initiative eine erkennbare Verschiebung: Zwar bleibt sie mehrheitlich im Ja, doch der anfängliche Vorsprung der Befürworterseite ist kleiner geworden. Die Ja-Anteile sind leicht rückläufig, während sich das Nein-Lager spürbar konsolidiert. Damit beginnt sich das in der Ausgangslage skizzierte  «Regelfallszenario» einer Annäherung an die bundesrätliche Position zumindest teilweise zu materialisieren.

Parallel dazu gewinnt der direkte Gegenentwurf an Profil. Er legt leicht zu, wird in der Stichfrage klar bevorzugt und präsentiert sich zunehmend als konsensfähigere Alternative. Während die Initiative an Zustimmung einbüsst, baut der Gegenentwurf seinen Vorsprung aus und vermag auch in der Erwartungshaltung der Stimmberechtigten Terrain zu gewinnen. Da die Stimmberechtigten weiterhin eine Annahme beider Vorlagen erwarten, sind unter Kritiker:innen beider Vorlagen taktische Erwägungen möglich, die für ein Ja zum Gegenvorschlag als schwächere Alternative sprechen.

Inhaltlich bleibt das Grundmuster stabil:

Die normativen Pro-Argumente zugunsten von Bargeld als Symbol für Freiheit und Krisenfestigkeit verharren auf sehr hohem Niveau. Gleichzeitig verfestigen sich jedoch jene Contra-Argumente, die die Notwendigkeit oder Präzision der Initiative infrage stellen. Diese vorsichtige Konsolidierung contranaher Argumente spiegelt sich im leichten Rückgang der Ja-Anteile. Der anfängliche Startvorteil der Initiative wird damit nicht aufgehoben, aber relativiert.

Strukturell zeigt sich ausserhalb der SVP eine zunehmende Bündelung im Ablehnungslager. In mehreren Parteiumfeldern sind anfängliche Ja-Mehrheiten weggefallen. Auch soziodemografisch sind erste Erosionserscheinungen sichtbar, insbesondere bei älteren Stimmberechtigten sowie in urbanen Räumen. Der Gegenentwurf hingegen bleibt partei- und gruppenübergreifend mehrheitsfähig und weist abgeschwächte Konfliktlinien auf.

Insgesamt deutet der bisherige Kampagnenverlauf auf eine schrittweise Normalisierung der Meinungsbildung hin: Der anfängliche Sympathiebonus für das Anliegen «Bargeld schützen» bleibt bestehen, doch die institutionellen und rechtlichen Einwände gewinnen an Gewicht. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte sich das Kräfteverhältnis weiter zugunsten des Gegenentwurfs verschieben.

SRG-Initiative

Gegenwärtige Stimmabsichten im Nein

Die SRG-Initiative wäre Mitte Februar knapp verworfen worden. 54 Prozent der stimmberechtigten Personen mit fester Teilnahmeabsicht hätten bestimmt oder eher dagegen gestimmt(+2 ppt.), während 44 Prozent bestimmt oder eher dafür gewesen wären (-2 ppt.). Unentschlossen sind lediglich 2 Prozent.

Die Einschätzung der teilnahmewilligen Stimmberechtigten mit Blick auf den Abstimmungstag vom 8. März 2026 fällt wie bereits in der ersten Welle anders aus: 54 Prozent rechnen mit einer Annahme der Initiative, 46 Prozent mit einer Ablehnung. Im Mittel wird der Ja-Anteil auf 50,6 Prozent geschätzt. Damit bleibt eine Diskrepanz zwischen der aktuellen Stimmabsicht und der Erwartungshaltung bestehen: Obwohl sich die Stimmabsichten leicht in Richtung Nein verschoben haben, rechnen viele bestimmt teilnehmende Stimmberechtigte weiterhin mit einer Annahme.

Fortgeschrittener Stand der Meinungsbildung

Gestiegene 85 Prozent äussern eine feste Stimmabsicht (+7 ppt.), gesunkene 13 Prozent der Teilnahmewilligen haben noch keine feste Stimmabsicht (-7 ppt.), und lediglich 2 Prozent sind gänzlich unentschieden. Die argumentative Verankerung der Stimmentscheide ist ebenfalls gefestigt (Erklärungsgrad Regression: 77.8%). Das Meinungsbild erweist sich demnach über die Hauptkampagnenphase hinweg als fortgeschritten. Aufgrund des knappen Mehrheitsverhältnisses bleiben jedoch Mobilisierungseffekte im weiteren Verlauf des Abstimmungskampfes entscheidend.

Vorläufiges Konfliktmuster: Primär durch Parteiaffinität und institutionelles Vertrauen strukturiert

Das Konfliktmuster der SRG-Initiative bleibt klar parteipolitisch geprägt und folgt weiterhin einer ausgeprägten Links-Rechts-Polarität. Während SVP-Sympathisierende die Initiative mit rund vier Fünfteln Zustimmung deutlich unterstützen, wird sie im Umfeld der Grünen und der SP nahezu geschlossen abgelehnt. Auch GLP- und Mitte-nahe Teilnahmewillige positionieren sich klar im Nein-Lager. Im Umfeld der FDP überwiegt die Ablehnung ebenfalls, wenn auch weniger deutlich ausgeprägt. Parteiungebundene zeigen sich weiterhin gespalten, wobei sich auch hier eine leichte Tendenz in Richtung Ablehnung abzeichnet. Insgesamt bestätigen sich damit parteipolitisch erwartbare Lager entlang der Parteiparolen.

Über die Parteibindung hinaus bleibt das Regierungsvertrauen ein zentraler Strukturierungsfaktor der Meinungsbildung. Teilnahmewillige mit Misstrauen gegenüber der Regierung unterstützen die SRG-Initiative weiterhin deutlich mehrheitlich. Umgekehrt lehnen Personen mit Vertrauen in die Regierung die Vorlage klar ab, und der Nein-Anteil hat sich in dieser Gruppe leicht ausgebaut (+5 ppt.). Damit verläuft die Konfliktlinie zunehmend entlang des Institutionenvertrauens.

Soziodemografische Unterschiede fallen gegenüber der parteipolitischen Polarisierung weniger stark aus. Innerhalb nahezu aller Einkommens- und Bildungsgruppen ist der Nein-Anteil im Vergleich zur ersten Welle angestiegen, was auf eine übergreifende Konsolidierung im Ablehnungslager hindeutet.

Bei der Einkommensschicht mit einem Haushaltseinkommen von 5-7’000 CHF ist jedoch nur eine knappe Minderheit gegen die SRG-Initiative. Deutlichere Unterschiede sind zwischen den verschiedenen Bildungsstufen zu erkennen: Bei bestimmt teilnehmenden Stimmberechtigten mit tiefem Bildungsniveau hat sich im Verlauf der Hauptkampagnenphase ein Ja-Trend eingestellt, sodass diese Gruppe die SRG-Initiative weiterhin mehrheitlich annehmen würde. Auch bei Personen mit mittlerem Haushaltseinkommen resultiert eine Ja-Mehrheit, wobei sich hier im Wellenvergleich keine klare Trendbewegung erkennen lässt. Demgegenüber hat sich bei Stimmberechtigten mit hohem Bildungsniveau ein Nein-Trend akzentuiert. In dieser Gruppe würde die Initiative derzeit deutlich abgelehnt.

Geschlechterspezifisch bleibt ein deutliches Muster bestehen: Während Männer weiterhin gespalten sind und sich knapp mehrheitlich zugunsten der Initiative aussprechen, lehnen Frauen die SRG-Initiative klar ab. Altersmässig bleibt das Bild ebenfalls stabil: In allen Altersgruppen überwiegt die Ablehnung. Wobei jüngere Stimmberechtigte im Vergleich zum Vormonat etwas weniger stark im Nein-Lager verankert sind und ältere hingegen stärker.

Regional bleiben die Unterschiede moderat, der Trend weist in fast in allen Regionen Richtung Ablehnung. Alle Sprachregionen lehnen die SRG-Initiative mehrheitlich ab. Dennoch zeigen sich zwischen den Sprachregionen prozentual Unterschiede. Während in der deutschsprachigen Schweiz die Vorlage knapp abgelehnt wird, ist das kritische Votum in der lateinischsprachigen Schweiz deutlicher. Nach Siedlungsart akzentuiert sich die Ablehnung insbesondere im urbanen und intermediären Raum, während sich ländliche Gebiete eher hinter die SRG-Initiative stellen.

Argumente: Service-Public-Auftrag trotz Kürzung erfüllbar vs. Demokratie durch geschwächte SRG gefährdet

Die Pro-Argumente zur SRG-Initiative bleiben auch in der zweiten Welle vergleichsweise schwach abgestützt und erreichen weiterhin keine gesicherte Mehrheit. Am meisten Zustimmung erhält nach wie vor das Argument, wonach die SRG ihren Service-Public-Auftrag auch mit deutlich weniger finanziellen Mitteln erfüllen könne (45%). Knapp dahinter liegt die Aussage, die heutige Radio- und TV-Abgabe sei zu hoch und eine Senkung auf 200 Franken entlaste die Haushalte spürbar (44% einverstanden; -2 ppt.). Am wenigsten mehrheitsfähig bleibt das Argument, eine Zwangsgebühr für Radio und Fernsehen sei nicht mehr zeitgemäss (41%; -1 ppt.). Insgesamt zeigen sich die Pro-Argumente im Wellenvergleich weitgehend stabil, ohne dass sich eine klare Stärkung des Pro-Lagers abzeichnet.

Demgegenüber sind die Contra-Argumente weiterhin deutlich stärker mehrheitsfähig und haben sich teilweise weiter verfestigt. Die Aussage, die Radio- und Fernsehgebühr sei ein Zeichen der Solidarität gegenüber kleineren Landesteilen, erzielt mit 67 Prozent Zustimmung die höchste argumentative Unterstützung (+3 ppt).

Auch die Befürchtung, dass eine geschwächte SRG die sachliche Information der Bevölkerung und damit die direkte Demokratie gefährde, bleibt klar mehrheitsfähig (58%). Eine tendenzielle Uneinigkeit besteht hingegen weiterhin bei der Einschätzung, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis zwischen Programmleistungen und Gebühren stimme (54%; + 2 ppt.).

Insgesamt bestätigt sich damit ein argumentatives Übergewicht der Gegnerschaft, das sich im Verlauf der Hauptkampagnenphase eher verstärkt hat: 57 Prozent der Befragten neigen argumentativ den Contra-Positionen zu, 41 Prozent den Pro-Argumenten, 2 Prozent bleiben indifferent. Damit spiegelt die argumentative Gesamtlage die Stimmabsichten in akzentuierter Form.

Allerdings deutet die Wirkungsanalyse weiterhin auf Vorteile der Befürworterschaft hin: Alle drei Pro-Argumente stehen in einem positiven Zusammenhang mit einer Zustimmung zur Initiative. Am stärksten gilt dies für die Argumente, dass der Service-Public-Auftrag auch mit weniger Geld erfüllbar sei und dass eine Beitragssenkung die Haushalte spürbar entlaste. Demgegenüber entfaltet das Contra-Argument zur Gefährdung der sachlichen Information die stärkste ablehnende Wirkung. Auch bei den Argumentenwirkungen hat sich solch eine Polarität zwischen Qualität trotz Kostenreduktion auf der Ja-Seite und Sicherung der Informationsinfrastruktur auf der Nein-Seite etabliert.

Trend in der Meinungsbildung

Die SRG-Initiative ist aus einer Pattsituation mit einem leichten Nein-Vorsprung in die Hauptphase des Abstimmungskampfes eingetreten. Gleichzeitig rechnen die Stimmberechtigten weiterhin mehrheitlich mit einer Annahme der Initiative an der Urne. Dieses Auseinanderklaffen von aktueller Stimmabsicht und Erwartung verweist auf ein fortbestehendes Erwartungsmuster, das auf eine wahrgenommene gesellschaftliche Resonanz des Anliegens hindeutet, auch wenn sich die effektiven Stimmabsichten inzwischen in Richtung Ablehnung verschoben haben.

Widerstand ist insbesondere im links-grünen Lager, bei regierungsnahen Teilnahmewilligen sowie in Teilen der politischen Mitte konsolidiert. Über die Parteibindung hinaus verläuft die Konfliktlinie zunehmend entlang des institutionellen Vertrauens.

Argumentativ verfügt die Gegnerschaft weiterhin über einen quantitativen Vorsprung, der sich im Verlauf der Hauptkampagnenphase eher verstärkt hat. Gleichwohl entfalten zentrale Pro-Argumente der Initiant:innen nachweislich Wirkung. Besonders das Argument, dass die SRG ihren Service-Public-Auftrag auch mit deutlich weniger finanziellen Mitteln erfüllen könne, sowie der Hinweis auf eine spürbare Entlastung der Haushalte stehen in einem positiven Zusammenhang mit der Zustimmung zur Initiative.

Gleichzeitig prägt die Befürchtung drohender Informationsdefizite und damit verbundener Risiken für die direkte Demokratie das Meinungsbild weiterhin massgeblich.

Mit fortschreitendem Abstimmungskampf verschiebt sich die Wahrnehmung bei Initiativen erfahrungsgemäss von der Problemdefinition der Initiant:innen hin zu den Risiken des vorgeschlagenen Lösungsansatzes. Diese typische Dynamik scheint sich hier abzuzeichnen: Der Nein-Anteil hat sich im Vergleich zur Ausgangslage leicht ausgebaut, insbesondere in urbanen Räumen, in der französischsprachigen Schweiz sowie bei höher gebildeten und regierungsnahen Stimmberechtigten. Die Zustimmung bleibt vor allem im Umfeld der SVP sowie bei regierungsmisstrauischen Kreisen stabil verankert, während sie in anderen Gruppen weniger gefestigt erscheint.

Angesichts des knappen Mehrheitsverhältnisses bleibt der Abstimmungsausgang trotz fortgeschrittener Meinungsbildung offen. Aufgrund des bereits hohen Anteils fester Stimmabsichten dürfte sich die weitere Entwicklung weniger über neue inhaltliche Positionsverschiebungen als über Mobilisierungseffekte entscheiden. Beide Seiten verfügen weiterhin über Mobilisierungspotenzial, wobei angesichts der aktuellen Dynamik Vorteile im Nein-Lager erkennbar sind.

Klimafonds-Initiative

Gegenwärtige Stimmabsichten im Nein

Wäre Mitte Februar abgestimmt worden, wäre die Klimafonds-Initiative klar gescheitert. 65 Prozent der teilnahmewilligen Stimmberechtigten sind bestimmt oder eher dagegen, 31 Prozent dafür, 4 Prozent unentschieden. Gegenüber dem Januar hat sich die Ablehnung weiter leicht verstärkt, während die Zustimmung leicht zurückging. Die Dynamik verläuft somit einseitig zulasten der Initiative.

Wer teilnehmen will, erwartet grossmehrheitlich (87%) ein Nein. Im Mittel wird der Ja-Anteil auf 39 Prozent geschätzt, deutlich tiefer als bei anderen Vorlagen und noch einmal tiefer als in der ersten Befragungswelle.

Fortgeschrittener Stand der Meinungsbildung

Das Meinungsbild zur Klimafonds-Initiative ist nun deutlich. 71 Prozent der Teilnahmewilligen äussern eine klare Stimmabsicht (bestimmt Ja bzw. Nein). Etwas mehr als drei Viertel der Stimmabsichten lassen sich mit den getesteten Argumenten erklären Der Stand der Meinungsbildung ist damit fortgeschritten, was auf begrenzten Kampagnenspielraum hindeutet. Auch die moderate Veränderung zwischen erster und zweiter Welle weist auf eine Konsolidierung des Ja- und Nein-Lagers hin.

Konfliktmuster: Links-grüne Lagerbindung und deutliche Geschlechter- sowie Sprachregionsdifferenzen

Die Klimafonds-Initiative ist klar parteipolitisch strukturiert. Ihre Befürworterschaft reduziert sich faktisch auf das links-grüne Lager. Bei den Grünen ist die Unterstützung nahezu geschlossen, auch bei der SP bleibt die Initiative mehrheitlich getragen.

Mit der Nein-Parole der GLP verliert die Vorlage jedoch die Anschlussfähigkeit ins politische Zentrum. Die GLP-Basis ist gerade noch zur Hälfte für das Anliegen – der Trend weist Richtung Nein. Bei Mitte, FDP und SVP dominieren noch deutlichere Nein-Mehrheiten. Damit fehlt der Initiative die Brückenfunktion in die politische Mitte, was ihre Mehrheitsfähigkeit strukturell einschränkt.

 

Neben der Parteibindung wirken Geschlecht und Sprachregion strukturierend. Frauen zeigen sich trotz Nein-Trend offener gegenüber der Initiative als Männer, bei denen die Ablehnung klar dominiert. Regional ist die Zustimmung in der französischsprachigen Schweiz auf tiefem Niveau höher als in der Deutschschweiz, wo die Ablehnung besonders ausgeprägt ist. In der italienischsprachigen Schweiz überwiegt zwar das Nein, der Nein-Trend ist bisher aber nur schwach ausgeprägt.

Nach Alter, Bildung und Einkommen zeigen sich konsistente, aber weniger stark ausgeprägte Unterschiede: Jüngere und höher Gebildete sind tendenziell zustimmender, ohne jedoch eine tragfähige Mehrheit zu bilden. Mit steigendem Einkommen nimmt die Zustimmung leicht ab. Insgesamt bleibt das Grundmuster über die Gruppen hinweg stabil: Die Ablehnung überwiegt.

Argumente: Status-quo-Orientierung / Bestehende Investitionen gelten als ausreichend

Inhaltlich dominiert die Gegnerschaft die Argumentation. Über alle geprüften Argumente hinweg positionieren sich 61 Prozent der Befragte näher bei den Contra-Argumenten als bei den Pro-Argumenten.

Am stärksten verfängt auf der Contra-Seite die Sorge, die vorgesehenen Milliardeninvestitionen würden den Bundeshaushalt zu stark belasten. Ebenfalls mehrheitlich geteilt wird die Einschätzung, mit dem Klimafonds übernehme der Staat zu viel Verantwortung, statt private Initiativen zu stärken.

Auch das Argument, bestehende klimapolitische Instrumente seien grundsätzlich ausreichend, findet breite Unterstützung.

Auf der Pro-Seite wäre das Argument, dass Investitionen in erneuerbare Energien die Versorgungssicherheit stärkt, am ehesten mehrheitsfähig. Es wirkt sich aber nicht mehr messbar auf die Meinungsbildung aus. Relevant bleibt die Einschätzung, ein staatlicher Fonds sei ein geeignetes Instrument zur Beschleunigung des Klimaschutzes und dass es zusätzliche Milliardeninvestitionen der Schweiz brauche, um genügend schnell beim Klimaschutz vorwärts zu kommen. Diese Argumente sind insbesondere im links-grünen Lager wirksam, überzeugen aber nur noch jeweils 38 Prozent der bisher Teilnahmewilligen und reichen deshalb nicht aus, um eine Mehrheit zu gewinnen.

Trend in der Meinungsbildung

Der Trend spricht derzeit klar gegen die Initiative. Die Zustimmung ist rückläufig, die Ablehnung stabilisiert sich. Die parteipolitische Lagerbildung verfestigt sich, während die Initiative ausserhalb des links-grünen Kernlagers kaum zusätzliche Unterstützung gewinnt.

Wie häufig bei Volksinitiativen verschiebt sich die Wahrnehmung im Verlauf des Abstimmungskampfs weg von der Problemdefinition der Initiant:innen hin zu Kosten, Risiken und Umsetzungsfragen.

Dieser Mechanismus wirkt aktuell zulasten der Vorlage.

Zwar ist die Meinungsbildung relativ gefestigt, jedoch nicht vollständig abgeschlossen. Theoretisch besteht noch Spielraum für Mobilisierungseffekte. Angesichts der klaren Mehrheitsverhältnisse, der parteipolitischen Isolation ausserhalb von SP und Grünen sowie der Optik auf zu hohe Staatsausgaben spricht die aktuelle Dynamik jedoch deutlich eher für eine Ablehnung als für eine Annahme der Klimafonds-Initiative.

Bundesgesetz über die Individualbesteuerung

Gegenwärtige Stimmabsichten knapp im Ja – deutlicher Nein-Trend

Wäre – als mittlerem Befragungstag – am 14. Februar 2026 bereits über die Individualbesteuerung abgestimmt worden, wäre die Vorlage knapp angenommen worden. 52 Prozent der Teilnahmewilligen wollen bestimmt oder eher für das Bundesgesetz stimmen. 44 Prozent sind bestimmt oder eher dagegen. Nach wie vor sind 4 Prozent unentschieden.

Es findet eine Verlagerung der Optik weg von der gut akzeptierten Idee hin zu den Schwächen der Vorlage statt, die sonst bei Initiativen typisch ist. Ein Rückgang von 12 Prozentpunkten beim Ja innerhalb eines knappen Monats ist ausserordentlich hoch.

Hinsichtlich des Abstimmungsausgangs ist die Stimmung zwar auch leicht verhaltener als vor Monatsfrist, aber weiterhin erwarten 73 Prozent der Befragten, die teilnehmen wollen, eine Annahme. Im Mittel wird ein Annahmewert von 54 Prozent Ja geschätzt.

Stand der Meinungsbildung: mittel fortgeschritten

Mit 68 Prozent äussern mehr als zwei Drittel gefestigte Meinungen für oder gegen die Vorlage. 4 Prozent sind noch ganz unentschlossen. Knapp zwei Drittel der Stimmabsichten sind mit Argumenten erklärbar (Erklärungsgrad der Regression: 66%).

Der Stand der Meinungsbildung ist weiterhin nur mittel fortgeschritten, was unverändert Raum für Kampagnenwirkungen lässt. Trotz erkennbaren Einflüssen der öffentlichen Debatte bleibt Unsicherheit bestehen. Das kann bis zum Schluss in beide Richtungen noch Effekte zeigen.

Konfliktmuster: Parteipolitische Aufladung

Im Vergleich zur ersten Welle hat sich das Konfliktmuster deutlich zugespitzt. Während die Vorlage im Januar noch in fast allen Bevölkerungsgruppen mehrheitsfähig war, zeigen sich im Februar klare Verschiebungen – insbesondere entlang der Parteibindung und des Regierungsvertrauens.

Am stärksten auseinander liegen die Mehrheiten parteipolitisch. Bei der SVP-Basis steigt der Anteil bestimmter Gegner:innen stark an. Die Zustimmung bricht entsprechend ein – im Einklang mit der Nein-Parole der Partei. Auch bei der Mitte sinkt der Ja-Anteil markant. Die Basis nähert sich der ebenfalls gefassten Nein-Parole an. Demgegenüber verliert die FDP zwar ebenfalls an Zustimmung, bleibt aber – trotz Ja-Parole – gespalten mit deutlich gewachsenem Nein-Anteil. Im links-grünen Lager bleibt die Vorlage mehrheitlich unterstützt, auch wenn die Zustimmung bei SP und Grünen etwas zurückgeht. Insgesamt ist die parteipolitische Polarisierung deutlich ausgeprägter als zu Beginn der Hauptkampagnenphase.

Auch das Regierungsvertrauen strukturiert stärker als zuvor.

Bei Personen mit Vertrauen in die Regierung bleibt die Zustimmung zwar mehrheitlich, geht aber klar zurück. Bei Personen mit Misstrauen kippt die Mehrheit deutlich ins Nein, begleitet von einem starken Anstieg bestimmter Gegner:innen.

Weitere Verschiebungen sind sichtbar, aber weniger trennscharf: Während Frauen der Vorlage weiterhin eher zustimmen, ist bei den Männern die bisherige Ja-Mehrheit weggefallen. In der Deutschschweiz nimmt die Unterstützung spürbar ab, die französischsprachige Schweiz bleibt vergleichsweise stabil. Nach Schulbildung sinkt die Zustimmung in allen Gruppen deutlich, besonders bei den Personen mit mittlerem Bildungshintergrund. Mit Bezug zum Einkommen, zur Siedlungsart und zum Wohnsitz zeigen sich ebenfalls Rückgänge, ohne ein eigenständiges Konfliktmuster zu prägen.

Insgesamt ist die zuvor breite Zustimmung einer klareren Lagerbildung gewichen. Die Individualbesteuerung ist nicht mehr breit abgestützt, sondern deutlich stärker zwischen gesellschaftlich konservativen und progressiven Lagern strukturiert als noch im Januar.

Argumente: Erwerbsanreize und Abschaffung der Heiratsstrafe prägen positives Meinungsbild

Das kritischere Meinungsbild bei der Stimmabsicht ist auch inhaltlich gespiegelt. Über alle sechs geprüften Argumente hinweg positionieren sich nur 48 Prozent der Teilnahmewilligen inhaltlich näher bei der Befürworterseite.

Am klarsten unterstützt bleibt das Argument der Gleichbesteuerung von Verheirateten und Unverheirateten. In der Wirkung ist dieses aber nicht zentral. Relevant bleibt die Gleichstellungs- und Erwerbsanreizargumentation, auch wenn die Zustimmungswerte bei diesem Argument rückläufig sind, überzeugt es weiterhin eine Mehrheit (58%). Deutlich weniger stabil präsentiert sich weiterhin das Argument, wonach eine Mehrheit gleich viel oder weniger Steuern zahlen würde – hier sind die Zweifel ausgeprägt und die Zustimmung sinkt auf noch 51 Prozent.

 

Auf der Gegenseite differenziert sich das Bild. Die generelle Bürokratiekritik (zwei Steuererklärungen, mehr Aufwand, höhere Kosten) bleibt zwar das am stärksten unterstützte Nein-Argument, verliert jedoch an exklusiver Erklärungskraft. In der zweiten Welle treten stärker inhaltliche Bedenken mit individuellen Folgen in den Vordergrund: Die Sorge um Nachteile für Einverdiener-Haushalte sowie um Mehrbelastungen für Mittelstand und Eineltern-Haushalte ist deutlicher mit einer Nein-Stimmabsicht verknüpft als noch zuvor.

Die Regression bestätigt damit weiterhin die hohe Relevanz der Gleichstellungsargumentation auf der Pro-Seite, zeigt aber zugleich, dass sich die Nein-Seite argumentativ verbreitert: Weg von einer rein abstrakten Bürokratiekritik hin zu konkreten Verteilungs- und Betroffenheitsargumenten. Das Konfliktmuster wird damit substanzieller und stärker individualisiert.

Trend in der Meinungsbildung

Die Meinungsbildung zur Individualbesteuerung ist in der zweiten Welle deutlich offener geworden. Zwar weisen die aggregierten Stimmabsichten weiterhin leichte Vorteile für die Befürworterseite auf, doch ist dieser Vorsprung geschrumpft und argumentativ weniger klar unterlegt als noch zu Beginn der Hauptkampagnenphase. Die abgefragten Argumente überzeugen indexiert keine Mehrheiten mehr – ein Zeichen dafür, dass die inhaltliche Fundierung der Zustimmung brüchiger geworden ist.

Thematisch ist die Ausgangslage nicht mehr eindeutig von der Pro-Seite geprägt. Während die Gleichstellungs- und Fairnessargumente weiterhin überzeugen, ist es der Gegnerschaft gelungen, insbesondere mit der generellen Bürokratiekritik sowie mit Zweifeln an den individuellen Folgen stärker Fuss zu fassen.

Die Nein-Seite verfügt damit über eine klarere Problem- und Risikodeutung, auch wenn sie nicht in allen Lagern mehrheitsfähig ist.

Mit den Nein-Parolen von Mitte und SVP verdichtet sich die bürgerlich-konservative Skepsis zusätzlich. Gleichzeitig bleibt offen, ob eine allfällige Schlussmobilisierung primär gegen die Individualbesteuerung oder gegen die SRG-Initiative wirken würde. Gerade angesichts der verbreiteten Unsicherheit und der noch nicht gefestigten Meinungen ist schwer abzuschätzen, welche Dynamik in der Endphase überwiegt.

Insgesamt ist der Ausgang damit deutlich offen. Leichte strukturelle Vorteile liegen weiterhin bei der Befürworterseite, die Themenführerschaft im Sinne einer konfliktprägenden Problemdefinition tendiert jedoch eher zur Gegnerschaft. Welche Seite daraus in der Schlussphase mehr Mobilisierungskraft schöpfen kann, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unentschieden.

Teilnahmeabsichten

Bisher durchschnittliche Teilnahmeabsicht für die Abstimmung vom 8. März 2026

Die bisher gemessene Beteiligungsbereitschaft für den 8. März 2026 ist mit 48 Prozent nahe am langjährigen Durchschnitt (47.1% zwischen 2011 und 2024 gemäss BFS).

 

 

Für den Moment zeichnet sich somit eine durchschnittliche Teilnahme am Urnengang vom 8. März 2026 ab.

Profil der Beteiligungswilligen

Nach Alter zeigt sich eine deutliche Mobilisierung der 18-39-Jährigen, ihr Anteil an bestimmt Teilnehmenden steigt markant an (34%; +10 ppt.). Dennoch bleiben Sie hinter den anderen Altersgruppen zurück: Bei den 40-64-Jährigen bleibt der Anteil an bestimmt Teilnehmenden stabil auf hohem Niveau (58%). Bei den 65+-Jährigen hingegen geht der Anteil leicht zurück (56%; -6 ppt.).

Geschlechterspezifisch nimmt der Anteil bestimmt teilnehmender Frauen klar zu (59%; +12 ppt), während er bei den Männern leicht sinkt (40%;-6 ppt.). Frauen weisen damit neu die höhere Teilnahmeabsicht auf.

Nach Einkommensgruppen unterschieden fällt insbesondere der starke Anstieg bei den tiefsten wie auch bei höheren Einkommensgruppen auf. In Teilen der mittleren Einkommenssegmente hingegen ist ein Rückgang zu beobachten. Die Teilnahmeabsicht steigt mit dem Bildungsniveau deutlich an. Im Vergleich zur Ausgangslage hat sie bei höher Gebildeten zugenommen, während sie bei Personen mit tiefem und mittlerem Bildungsabschluss zurückgegangen ist.

Politisch zeigen sich markante Unterschiede in der Teilnahmeabsicht.

Besonders stark mobilisiert sind momentan GLP- und SP-nahe Stimmberechtigte sowie Sympathisierende der Grünen, deren Anteil bestimmt Teilnehmender auf hohem Niveau liegt beziehungsweise im Vergleich zur Ausgangslage markant angestiegen ist. Insbesondere im Umfeld der Grünen hat sich die sichere Teilnahmeabsicht gegenüber der Ausgangslage stark erhöht. Auch bei FDP-Sympathisierenden nimmt der Anteil von Personen zu, die bestimmt teilnehmen wollen, wenn auch weniger deutlich. Demgegenüber ist bei SVP- und Mitte-nahen Stimmberechtigten ein Rückgang der bestimmten Teilnahmeabsicht zu beobachten. Besonders auffällig bleibt zudem die Entwicklung bei den Parteiungebundenen, deren Anteil bestimmt Teilnehmender im Vergleich zur Ausgangslage deutlich angestiegen ist.

Beim Regierungsvertrauen steigt die Teilnahmeabsicht im Vertrauenslager deutlich an (59%; +17 ppt.), während sie im Misstrauenslager spürbar zurückgeht (32%; -26 ppt.).

Räumlich betrachtet sinkt der Anteil bestimmt Teilnehmender im ländlichen Raum deutlich (38%: -23 ppt.), während er im städtischen Raum zunimmt (50%; +10 ppt.). Im intermediären Raum ist ein leichter Rückgang erkennbar (54%, -8 ppt.).

Nach Sprachregionen analysiert zeigen sich nur leichte Verschiebungen. In der deutschsprachigen Schweiz äussern 50 Prozent (+3 ppt.), in der französischsprachigen Schweiz 45 Prozent (-3 ppt.) und in der italienischsprachigen Schweiz 43 Prozent (+5 ppt.) eine feste Teilnahmeabsicht.

Zitierweise

Zweite Welle der SRG-SSR-Trendbefragung zu den Volksabstimmungen vom 8. März 2026 vom Forschungsinstitut gfs.bern. Realisiert zwischen dem 11. Februar und dem 19. Februar 2026 bei 11’754 Stimmberechtigten. Der statistische Fehlerbereich beträgt +/-±2,8 Prozentpunkte.

Methode und Datengrundlage

Der telefonische Teil der vorliegenden Befragung wurde vom gfs-Befragungsdienst realisiert, die Auswertung und Analyse der Daten nahm das Forschungsinstitut gfs.bern vor. Befragt wurde via eines RDD-Dualframe-Verfahrens per Festnetz und Handy.

Seit dem Herbst 2018 wird im Rahmen des SRG-Trend-Mandats die telefonische Umfrage durch eine Online-Befragung ergänzt mit dem Ziel die Stichprobengrösse in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz zu erhöhen.

Der Online-Teil wurde als Opt-in-Umfrage (Mitmachumfrage) über die Online-Portale der SRG SSR Medien durchgeführt. Seit Anfang 2024 wird mithilfe von Boomerang Ideas zudem systematisch auch über Social-Media-Kanäle befragt.

Aussagen über das Ständemehr können wir keine machen, denn die Fallzahl lässt gesicherte Rückschlüsse auf die Kantone nicht zu.

Weiterführende Informationen zur Theorie und der Methode der SRG-Trendumfragen finden sich hier.

Technischer Kurzbericht

Auftraggeber: CR-Konferenz der SRG SSR
Grundgesamtheit: Stimmberechtigte Schweizer:innen
Herkunft der Adressen CATI: Stichprobenplan Gabler/Häder für RDD/Dual-Frame; Verwendung Swiss-Interview-Liste,
Herkunft der Adressen Online: Opt-in-Befragung über die Webportale der SRG SSR
Datenerhebung: telefonisch, computergestützt (CATI) und Online
Art der Stichprobenziehung CATI: at random/Geburtstagsmethode im Haushalt geschichtet nach Sprachregionen
Art der Stichprobenziehung Online: offene Mitmachumfrage
Befragungszeitraum: 11. Februar – 19. Februar 2026
mittlerer Befragungstag: 14. Februar 2026
Stichprobengrösse: minimal 1’200, effektiv 11’754 (Cati: 505, Online: 10’744, Boomerang Ideas: 505), DCH: 8’649, n FCH: 2’538, n ICH: 567
Stichprobenfehler: ±2,8 Prozentpunkte bei einem Wert von 50% (und 95%iger Wahrscheinlichkeit)
Quotenmerkmale CATI: Sprachregion
Quotenmerkmale Online: keine
Gewichtung: Dual-Frame-Gewichtung, Sprache, Siedlungsart, Parteiaffinität, Recall, Teilnahme, Methode
mittlere Befragungsdauer CATI: 17.6 Minuten (Standardabweichung: 4.3 Minuten)
Publikation: 25. Februar 2026, 6h00