Von der konkreten zur diffusen Sicherheitswahrnehmung

Reiseverhalten geprägt von Pragmatismus und Sehnsucht

im Auftrag des Touring Club Schweiz

Der TCS-Reisebarometer gibt einen Einblick in das Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung. Die repräsentative Befragung von Einwohner:innen sowie TCS-Mitgliedern zeigt auf, welche Informationsquellen besonders beliebt sind, wie gut man sich übers Reisen informiert fühlt, welche Neuigkeiten zum Thema Reisen wahrgenommen werden oder wie es um das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung steht. Nach der letztjährigen, wiederkehrenden Reiselust der Schweizer Wohnbevölkerung steht die aktuelle Befragung ganz im Zeichen der neuen geopolitischen Lage. Die Befragung wurde 2023 zum siebten Mal durchgeführt.

Die Ergebnisse des TCS-Reisebarometers 2023 basieren auf zwei Befragungen: Einerseits wurde eine repräsentative Auswahl von 1’010 Einwohner:innen der Schweiz ab 18 Jahren per Telefon befragt. 20 Prozent dieser Bevölkerungsbefragung wurden entsprechend des Dualframe-Ansatzes auf Handynummern realisiert.

Andererseits wurden zusätzlich auch Mitglieder des TCS befragt. Von den insgesamt 1.5 Millionen Mitgliedern des TCS wurde eine zufällige Stichprobe von 10’000 gezogen und zum Mitmachen an einer Online-Umfrage eingeladen. 1’039 TCS-Mitglieder haben sich beteiligt.

Der Stichprobenfehler beträgt ± 3.1 Prozent bei der Bevölkerungsbefragung und ± 3.0 Prozent bei der Befragung der TCS-Mitglieder. Befragt wurde vom 14. Februar bis zum 16. März 2023.

Details zur Befragungsmethode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.

 

Reiseverhalten

Schweizer:innen reisen heute wieder deutlich häufiger als noch während der Jahre der Corona-Pandemie. Über 80 Prozent der Bevölkerung haben im letzten Jahr mindestens drei Nächte ausser Haus verbracht. Dasselbe Niveau wie vor der Corona-Pandemie wird damit aber noch nicht erreicht.

Eine ähnliche Dynamik ergibt sich auch bei der Frage nach dem Reisen ins Ausland. Seit Ende der Corona-Pandemie sind die Zahlen wieder deutlich angestiegen. Ganz so viele Leute wie im Jahr 2020 verreisen aber weiterhin nicht ins Ausland.

Obwohl die Einwohner:innen der Schweiz wieder häufiger unterwegs sind als früher, ist keine deutlich grössere Sehnsucht nach Reisen ins Ausland zu beobachten. Die Werte in den letzten Jahren bleiben im Grossen und Ganzen stabil, und rund die Hälfte der Befragten verspürt auch jetzt, wo dies wieder eher möglich wäre, keinen grossen Wunsch nach Ferien ausserhalb der Schweiz.

Relativ stabil bei etwas über 20 Prozent ist auch der Anteil Personen, der angibt, Neuigkeiten gelesen, gehört oder gesehen zu haben, die einen Einfluss auf die eigenen Reisepläne gehabt haben.

Und jene Menschen, die tatsächlich entsprechende Neuigkeiten wahrgenommen haben, beurteilen diese (insbesondere im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren) nun wieder deutlich positiver. In dieser Hinsicht wird 2023 gar ein neuer Höchstwert erreicht.

Die Zeiten, in denen das Reisen hauptsächlich durch Corona beeinflusst wurde, gehören der Vergangenheit an. Stattdessen erinnern sich die Einwohner:innen der Schweiz wieder vermehrt an Berichte über einzelne Länder, konkrete Reisedestinationen oder lassen sich durch Reisewerbung oder -magazine beeinflussen. Die unsichere geopolitische Lage macht sich aber in der Wahrnehmung der Bevölkerung bemerkbar. Politik, Krieg und Krisen spielen in den Nennungen durchaus eine Rolle.

Informiertheit und Informationsquellen

Grundsätzlich fühlen sich die Einwohner:innen gut bis sehr gut (85%) über Reiserisiken und -hindernisse informiert. Der Anteil Personen, der allerdings angibt, sich sehr gut informiert zu fühlen, ist in den letzten fünf Jahren eher rückläufig.

Um die Sicherheitslage in den bereisten Ländern beurteilen zu können, ist eine sorgfältige Informationsbeschaffung für viele ein wichtiger Vorbereitungsschritt. Erste Anlaufstelle dafür sind zum heutigen Zeitpunkt die Online-Medien – und zwar in Form von Reiseportalen wie auch Medien im Zielland. Sie lösen das Bundesamt für Gesundheit (BAG) neu als Top Informationsquelle ab. Auch das Eidgenössischen Departement des Äusseren (EDA) verliert für die Einwohner:innen an Bedeutung als Informationsquelle –bemerkenswerterweise trotz der aussergewöhnlichen geopolitische Lage.

Genau umgekehrt verhält es sich beim TCS: Immer mehr Leute geben an, sich via TCS über Reiserisiken oder –hindernisse zu informieren. Damit liegt der TCS in der Gunst der Bevölkerung zum heutigen Zeitpunkt ungefähr gleich wie die beiden abgefragten eidgenössischen Akteure. Weniger oft informieren sich die Bewohner:innen bei Reiseversicherungen oder – veranstaltern.

Ebenso wie bei der Wohnbevölkerung ist das BAG nach Ende der Corona-Pandemie auch bei den Mitgliedern des TCS nicht mehr Informationsquelle Nummer eins, was Reiserisiken und- hindernisse betrifft. So informieren sich die TCS Mitglieder ebenfalls am meisten online und beim TCS selbst.

Nicht alle Informationsquellen werden von verschiedenen Altersgruppen gleich oft konsultiert. Junge Menschen tendieren eher dazu, sich über Reise- und Reisehindernisse bei Online-Medien zu informieren.

Aber auch der TCS dient einer Mehrheit der 18-39-Jährigen als Informationsquelle. Ältere Menschen hingegen greifen eher auf die klassischen Kanäle wie die eidgenössischen Akteure (BAG und EDA) sowie Reiseveranstalter- und versicherer zurück.

Analog zum wachsenden Gefühl einer besseren Informiertheit über Reiserisiken empfinden die Einwohner:innen Reiseempfehlungen und -vorschriften in der Bevölkerung heute auch als verständlicher, als dies noch vor zwei Jahren – auf der Höhe der Corona-Pandemie – der Fall war.

Unklare Reiseempfehlungen führen zudem heute deutlich weniger häufig dazu, dass Einwohner:innen eine Reise einfach absagen. Hingegen sind es rund 30 Prozent, die ihre Reise trotz unklaren Informationen antreten, und rund ein Viertel entscheidet differenziert je nach Situation über das weitere Vorgehen.

Sicherheitswahrnehmung und Sicherheitsüberlegungen

Der nun über ein Jahr andauernde Krieg in der Ukraine widerspiegelt sich auch im Sicherheitsempfinden der Schweizer Wohnbevölkerung: Rückblickend auf das Jahr 2022 sind nämlich für vier von zehn der dazu befragten Wohnbevölkerung Reisen im Ausland unsicherer geworden.

Die restlichen Befragten hingegen empfanden Auslandreisen in den letzten zwölf Monaten trotz der nahen geopolitischen Unsicherheiten durchaus als sicherer. Vergleichsweise waren 65 Prozent der Bewohner:innen der Schweiz der Auffassung das Jahr 2018 sei dazumal sicherer geworden.

Dabei sind es vor allem jüngere Menschen, für die Auslandreisen im Jahr 2022 sicherer wurden. Für ältere Einwohner:innen ist das Reisen im vergangenen Jahr jedoch eher unsicherer geworden.

Während rund die Hälfte der Einwohner:innen der Schweiz damit der Meinung ist, dass das Reisen bereits im letzten Jahr eher sicherer geworden ist, gehen noch deutlich mehr davon aus, dass die Sicherheit im aktuellen Jahr weiter steigt.

Vier von fünf Reisenden beurteilen Auslandreisen 2023 in dieser Art und Weise. Dieser Wert ist seit 2021 deutlich angestiegen und befindet sich auf Höchststand seit Befragungsbeginn. Die unsicheren Zeiten trüben demnach das Sicherheitsgefühl der Reisenden dieses Jahr nicht.

Zwar herrscht aktuell wieder ein höheres Sicherheitsgefühl unter den Reisenden vor als auch schon. Sicherheit an sich wird in der Priorisierung bei den Reisevorbereitungen aber nicht zurückgestuft, sondern bleibt ein zentraler Faktor. Vor allem der Sicherheit und Versorgung vor Ort wird weitrechende Bedeutung beigemessen und dieses Element der Reiseplanung steht weiterhin unumstritten an erster Stelle (89% Anteil sehr/eher wichtig).

Für eine klare Mehrheit spielt auch die Terrorgefährdung und Kriminalität eine wesentliche Rolle bei der Auswahl ihrer Reisedestinationen. Politische Unruhen wie Streiks oder Demonstrationen werden zwar ebenfalls in Betracht gezogen, aber deutlich weniger stark. Das Risiko der Naturgewalten schliesslich beschäftigte die Bevölkerung 2020 verstärkt, ist seit dann jedoch wieder auf einen Wert von rund 60 Prozent zurückgefallen.

Auch nach dem Ende der Corona-Pandemie bleibt die Gesundheit auf Reisen bei den Reisevorbereitungen ein wichtiges Thema. Gerade im Bereich möglicher Probleme mit Krankheiten und Erregern hat eine grundsätzliche Sensibilisierung bei den Reisenden stattgefunden und das Thema findet verstärkt Beachtung.

Während Reisversicherungen, die Annullationskosten – insbesondere auch im Zusammenhang mit der Pandemie- und medizinische Rückführungen beinhalten etwas an Bedeutung verlieren, werden kurze und gute Kommunikationswege in die Schweiz dafür wichtiger.

Es scheint, als wäre die Bevölkerung während den Corona-Jahren auf den Geschmack der Flexibilität einer Autoreise gekommen. Der Anteil der dies nämlich als wichtig einschätzt bleibt konstant erhöht. Im Gegensatz dazu messen die Einwohner:innen der Schweiz dem Ruf einer Fluggesellschaft deutlich weniger Bedeutung zu als noch 2020. Dies dürfte unter anderem auch damit zusammenhängen, dass die Leute generell weniger im Ausland unterwegs sind. Weniger wichtig wurde der Umstand, dass Reisen auch einen Rückzug aus der Stressgesellschaft bedeutet, und auch die Klimafolgen einer Reise sind in den letzten Jahren weniger wichtig geworden.

Der Fokus in den Reisevorbereitungen liegt also nicht mehr nur auf einem einzelnen und konkreten, dominierenden Sicherheitsfaktor wie es während der Corona-Pandemie der Fall war. Vielmehr ist das Sicherheitsempfinden heute von zahlreichen einzelnen, weniger klar umrissenen Sicherheitsaspekten geprägt.

Die wichtigsten drei Elemente unter den Personen, denen die Sicherheit vor Ort wichtig ist, sind dieselben wie auch schon im letzten Jahr. Die Reihenfolge hat sich jedoch verändert. So ist die Gewährleistung der Grundversorgung nun an erster Stelle und gleichzeitig das einzige Element, welches für eine Mehrheit essenziell ist. Die beiden Garantien einer Ausreismöglichkeit im Krisenfall und einer sofortigen gesundheitlichen Behandlung liegen gleich auf und teilen sich den zweiten Rang.

Dinge, die weniger über Leben und Tod entscheiden, wie die Verfügbarkeit von Kommunikationsmitteln, der effektive Standard der Gesundheitsversorgung oder auch die Versorgung mit Informationen in Realzeit stehen dagegen auch in diesem Jahr weniger im Vordergrund. Damit liegt das Bedürfnis der Einwohner:innen ganz klar auf der Sicherstellung einer Grundversorgung im Notfall – und nicht auf einem Versorgungsstandard entsprechend den Schweizer Massstäben.

Reisetrends und Freizeitaktivitäten

Wie bereits in den vergangenen zwei Jahren ist Reisen für die meisten Einwohner:innen eine Aktivität, die man gerne mit dem nahen persönlichen Umfeld erlebt. Gleichzeitig sind es aktuell weniger Personen, welche das Bedürfnis empfinden alleine zu reisen, als noch im Jahr zuvor. Grundsätzlich kommt das Reisen ohne Begleitung ohnehin lediglich für eine Minderheit in Frage.

Ebenfalls hoch im Kurs ist das Bedürfnis nach Abgeschiedenheit und dem Entdecken neuer Länder respektive Sehenswürdigkeiten (72%). Der dritte Reisetrend, welcher bei einer Mehrheit beliebt ist, verlor im Vergleich zum letzten Jahr an Zustimmung: Denn klimabewusstes Reisen ist noch für rund zwei Drittel ein Muss. Der Trend büsst also ganze 11 Prozentpunkte ein.

In Zeiten der schwierigen globalen, wirtschaftlichen und geopolitischen Lage bleibt einerseits der Anteil an Personen, welche wegen Unsicherheiten auf der Welt vorsichtiger geworden sind, unverändert (62%). Andererseits hat bei rund einem Drittel die aktuelle Wirtschafts- und Versorgungslage dazu geführt, dass man die eigenen Reisepläne anpassen musste.

Passend dazu, dass weniger Einwohner:innen der Auffassung sind, Reisen muss klimabewusst erfolgen, stehen zwei Fortbewegungsmittel an erster und zweiter Stelle, die als weniger ökologisch gelten: Das eigene Auto (67%) und das Flugzeug (56%). Ebenfalls wird der Zug von einer Mehrheit als zukünftiges Transportmittel auf Reisen angesehen (53%).

Analog wie bereits bei den Reisetrends ist die Aktivität „sich mit Freunden zum Essen zu treffen“ im Durchschnitt für die Meisten die attraktivste Form der Freizeitgestaltung. Auch bei den Aktivitäten zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei den bevorzugten Fortbewegungsmitteln und den Reisetrends: Kurzreisen mit dem Auto gewinnen und ökologisch bewusstes Reisen verliert an Beliebtheit.

Erste Leseweise

Sicherheitsgefühl beim Reisen auf neuem Höchststand

Das wahrgenommene Sicherheitsgefühl beim Reisen ist so hoch wie noch nie. Trotzdem ist die Reisebereitschaft (noch) nicht auf dem Niveau wie vor der Corona-Pandemie. Vor allem die jungen Menschen fühlen sich zunehmend sicherer im Ausland und reisen tendenziell eher trotz unklaren Reiseempfehlungen – falls das Einkommen es zulässt.

Neue geopolitische Lage bringt heterogene Risiken

Die Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie rücken in den Hintergrund. Dennoch bleibt die Gesundheit auf Reisen ein wichtiges Thema. Die Sicherheit auf Reisen ist vielschichtiger als noch vor den Krisenjahren. So spielen Aspekte wie die Grundversorgung, die Gesundheit im Allgemeinen oder die Kriminalität eine eminente Rolle.

Klimabewusstsein verliert an Bedeutung

Klimabewusstes Reisen verliert bei den Reisenden deutlich an Unterstützung und liegt auf dem Tiefstand seit ökologische Aspekte in den Befragungen berücksichtigt werden. Dazu passend setzt eine Mehrheit der Wohnbevölkerung in den nächsten Jahren auf das eigene Auto und das Flugzeug als Top Reisemittel.

Reisen in der Schweiz - der andauernde Corona-Effekt

Ferien in der Schweiz waren während der Corona-Pandemie so beliebt wie nie zuvor. Die Schweiz bleibt auch weiterhin für eine Mehrheit der reisenden Wohnbevölkerung eine attraktive Feriendestination. Es wagen zwar wieder mehr Menschen den Weg ins Ausland, eine gewisse Zurückhaltung ist bei den Reisenden jedoch weiterhin vorhanden. Mit einer Ausnahme: Es zeichnet sich ein Rückgang bei Campingferien ab.

Einkommen bestimmt Reiseverhalten

Die finanzielle Lage der Einwohner:innen beeinflusst die Reisetätigkeit bedeutend. So wirkt sich die Höhe des Einkommens am stärksten positiv auf die eigene Reisehäufigkeit aus. Wer hingegen das Reisen als Luxus empfindet, den man sich kaum leisten kann, reist tendenziell auch weniger. Dies zeigt sich auch in der Reiseplanung: Eine nicht zu vernachlässigende Minderheit musste nämlich ihre Reiseplanung aufgrund der aktuellen Wirtschafts- und Versorgungslage anpassen.

Methodische Details

  • Auftraggeber: TCS Schweiz
  • Grundgesamtheit
    • Bevölkerung: Einwohner:innen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in der Schweiz, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind
    • Mitglieder: Mitglieder des TCS Schweiz, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind
  • Erhebungsart
    • Bevölkerung: telefonisch, computergestützt (CATI)
    • Mitglieder: online
  • Auswahlverfahren
    • Bevölkerung: Stichprobenplan nach Gabler/Häder für RDD/Dual Frame / Verwendung der Swiss-Interview-Liste
    • Mitglieder: Zufallsstichprobe aus der Mitgliederdatenbank des TCS Schweiz
  • Stichprobengrösse
    • Bevölkerung: 1’010 (DCH 709, FCH 241, ICH 60)
    • Mitglieder: 1’039 (DCH 508, FCH 424, ICH 107)
  • Befragungszeitraum
    • Bevölkerung: 14.02. bis 16.03.2023
    • Mitglieder: 14.02. bis 16.03.2023
  • Stichprobenfehler
    • Bevölkerung: 3.1%
    • Mitglieder: 3.0%