Wahrnehmung Reiserisiken: Gesundheitsbedenken schlagen Angst vor Terror

Wachsender Unterschied in der Informiertheit zu Reiserisiken zwischen Bevölkerung und TCS-Mitgliedern

im Auftrag von TCS Schweiz

Der TCS Reisebarometer gibt einen Einblick in das Reiseverhalten der Schweizer Bevölkerung. Die repräsentative Befragung von Einwohnerinnen und Einwohnern sowie TCS-Mitgliedern zeigt auf, welche Destinationen besonders beliebt sind, welche Neuigkeiten zum Thema Reisen wahrgenommen werden oder wie es um das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung steht. Die Befragung wurde 2020 zum vierten Mal durchgeführt.

Die Ergebnisse des TCS Reisebarometers 2020 basieren auf zwei Befragungen: Einerseits wurde eine repräsentative Auswahl von 1’000 Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz ab 18 Jahren per Telefon befragt. 20 Prozent dieser Bevölkerungsbefragung wurden entsprechend des Dualframe-Ansatzes auf Handynummern realisiert. Andererseits wurden zusätzlich auch Mitglieder des TCS befragt. Von den insgesamt 1.5 Millionen Mitgliedern des TCS wurde eine zufällige Stichprobe von 10’000 gezogen und zum Mitmachen an einer Online-Umfrage eingeladen

 

1’363 TCS-Mitglieder haben sich beteiligt. Der Stichprobenfehler beträgt ± 3.2 Prozent bei der Bevölkerungsbefragung und ± 2.7 Prozent bei der Befragung der TCS-Mitglieder.

Befragt wurde vom 3. Februar bis zum 9. März 2020, wobei rund die Hälfte der Interviews in den letzten beiden Befragungswochen gemacht wurden. Die Erhebung 2020 war somit bereits abgeschlossen, als die Krise rund um den Coronavirus die Schweiz mit der Erklärung des Notstandes im Tessin richtig erfasste. Während das ganze Ausmass der Pandemie während der Befragung somit noch nicht ersichtlich war, hinterliess die zunehmende Sorge um die Verbreitung des Virus in der diesjährigen Befragung dennoch bereits Spuren – beispielsweise bei den Nennungen in der offenen Frage.

Details zur Befragungsmethode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.

 

Bewertung Reisedestinationen

"Warum in die Ferne schweifen, wenn das Nahe doch so gut ist"

Das ist auch 2020 das Motto vieler Schweizer*innen. Die drei nationalen Destinationen Tessin, Graubünden und Wallis sind in den Augen der Bevölkerung attraktiver als alle anderen befragten Reise- und Ferienziele.
Knapp nach den Schweizer Destinationen kommen Ziele in Mitteleuropa zu liegen, wobei Italien am ehesten ähnlich wie die Schweiz beurteilt wird.

Der Befragungszeitraum für diese Untersuchung lag im Februar und Anfang März. Während die ersten Fälle des Corona-Virus in Italien bereits nachgewiesen wurden, war das Ausmass der Verbreitung – auch in der Schweiz – zum Befragungszeitpunkt des Reisebarometers 2020 so noch nicht eindeutig.

Dennoch hinterliess die Thematik auch in diesen Daten seine Spuren (siehe Kapitel „News zum Thema Reisen“).
Auf der Skala von 0 bis 10 im Mittelmass mit einem Durchschnittswert von 5 bis 5.5 sind die anglosächsischen Regionen (USA, Neuseeland, Australien) sowie die Kanaren und Balearen.
Destinationen in Asien (Thailand und Japan) sowie in Afrika, in Ägypten und der Türkei werden hingegen als wenig(er) attraktiv wahrgenommen.
Die Mitglieder des TCS beurteilen die Attraktivität der einzelnen Reisedestinationen äusserst ähnlich wie die Bevölkerung insgesamt.

Innerhalb des letzten Jahres ist die Schweizer Bevölkerung im Durchschnitt pro Kopf 1.7 Mal geflogen, wobei 30 Prozent angaben, gar nie geflogen zu sein. Von denjenigen Personen, die mindestens einmal geflogen sind im letzten Jahr, gaben 24 Prozent an, den Flug immer, regelmässig oder ab und zu kompensiert zu haben.

Im Vergleich zur Bevölkerung sind die TCS-Mitglieder etwas häufiger ins Flugzeug gesessen: 2.2 Mal pro Kopf im Durchschnitt und mindestens ab und zu ihren Flug kompensiert haben 27 Prozent.

Vergleicht man diese Zahlen mit dem effektiven Anteil kompensierter Flüge, ist davon auszugehen, dass der Anteil Personen, der einen Flug kompensiert in dieser Befragung eher hoch ist. Dennoch: Trotz der intensiv geführten Klimadebatte macht dementsprechend eine klare Mehrheit der Bevölkerung heute keinen Gebraucht von der Möglichkeit zum Kauf von Klima-Zertifikaten, um den Ausstoss gemachter Flüge auszugleichen.

Freizeitaktivitäten

Das unkomplizierte Essen mit Freunden bleibt wie auch in den vergangenen Jahren die attraktivste Beschäftigung im Ranking von 12 verschiedenen Möglichkeiten, die Freizeit zu verbringen. Dieses Jahr zum ersten Mal abgefragt wurden das ökologische Reisen, Kurzreisen mit Zug oder Flugzeug oder auch Kreuzfahrten.

In den Augen der Bevölkerung (und auch der TCS-Mitglieder) sind Kurzreisen mit dem Zug deutlich attraktiver als mit dem Flugzeug, wogegen Campingferien gegen Kreuzfahrten gewinnen.

Neuigkeiten zum Thema Reisen

Wenn es ums Thema Reisen geht, bleiben der Bevölkerung am meisten konkrete Destinationen, Länder oder Kontinente in Erinnerung (am häufigsten Italien oder andere Länder im näheren europäischen Umfeld). Als zweite Gruppe inhaltlicher Nennungen folgen dann aber bereits Nachrichten, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus wahrgenommen wurden. Insgesamt haben 37 Prozent derjenigen Einwohner*innen der Schweiz, die sich an konkrete Dinge erinnern, Nachrichten im Zusammenhang mit der Verbreitung von Corona genannt.

Das ist rund doppelt so viel wie es Nennungen im Bereich Terrorismus und Krieg gab. Die Einschätzung der Gefahrenlage bezüglich Reisen und Ferien hat sich in den letzten Jahren somit also klar verändert.
Auch bei den TCS-Mitgliedern wurde das Coronavirus häufiger genannt als Neuigkeiten im Zusammenhang mit Terrorismus und Krieg, wenn auch weniger klar als bei der Bevölkerung (43% Corona vs. 36% Terrorismus/Krieg)

Sicherheit Reise im Ausland

Im Vergleich zum letzten Befragungsjahr wird die Sicherheit des Reisens im Ausland aktuell schlechter beurteilt. 38 Prozent der Einwohner*innen der Schweiz empfinden das Reisen im Ausland als sehr oder eher unsicher.

Auch bei den Mitgliedern des TCS nimmt dieser Anteil zu, wenn auch auf tieferem Niveau (21% sehr/eher unsicher). Insgesamt gibt aber noch immer eine Mehrheit der Bevölkerung, wie auch von TCS-Mitgliedern an, dass sie Reisen im Ausland als sicher empfinden.

Wird die Frage nach der Sicherheit des Reisens im Ausland nach Altersgruppen differenziert betrachtet, wird ersichtlich, dass Menschen ab 65 Jahren fast doppelt so häufig ein Unsicherheitsgefühl verspüren, als dies bei Jüngeren der Fall ist. Während das Niveau der Unsicherheit bei den Einwohner*innen ab 40 Jahren in den letzten vier Jahren ungefähr gleich blieb, ist bei der jüngsten Kohorte ein klarer Anstieg im Vergleich zu 2019 zu erkennen. In den ZEiten von Corona ist es also nicht die primäre Risikogruppe der Pensionär*innen, die sich unsicherer fühlt, sondern es sind ihre Kinder und Enkel*innen.

Wird die Frage nach der Sicherheit des Reisens im Ausland nach Altersgruppen differenziert betrachtet, wird ersichtlich, dass Menschen ab 65 Jahren fast doppelt so häufig ein Unsicherheitsgefühl verspüren, als dies bei Jüngeren der Fall ist. Während das Niveau der Unsicherheit bei den Einwohner*innen ab 40 Jahren in den letzten vier Jahren ungefähr gleich blieb, ist bei der jüngsten Kohorte ein klarer Anstieg im Vergleich zu 2019 zu erkennen.

In den Zeiten von Corona ist es also nicht die primäre Risikogruppe der Pensionär*innen, die sich unsicherer fühlt, sondern es sind ihre Kinder und Enkel*innen.

Informiertheit Reiserisiken

Insgesamt fühlt sich ein Grossteil der Schweizer Bevölkerung über Reiserisiken gut bis sehr gut informiert. Über die vier Messzeitpunkte hinweg lässt sich jedoch ein leichter Negativtrend feststellen: Gaben 2017 noch 14 Prozent an, sich schlecht informiert zu fühlen, sind es 2020 bereits 21 Prozent.

Auch die TCS-Mitglieder fühlen sich gut über mögliche Risiken informiert. Im Gegensatz zur Bevölkerung im Allgemeinen nimmt der Anteil, der sich gut oder sehr gut informiert fühlt bei den TCS-Mitgliedern jedoch zu.

Reiseplanung

Die Sicherheit und Versorgung vor Ort ist für 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung ein wichtiges Kriteirum bei der Auswahl ihrer Reisedestinationen. An zweiter Stelle folgt die Möglichkeit einer Reiseversicherung mit Annulationskosten und der Option einer medizinischen Rückführung. Auch bei dieser Auswertung macht sich der Einfluss der aktuellen Gesundheitssituation rund um das Coronavirus sichtbar. Probleme mit Krankheiten und Erregern gewinnen stark an Wichtigkeit bei der Reiseplanung und überholen 2020 sogar das Element der Terrorgefährdung.

Im Zusammenhang mit Sicherheitsfragen gewinnen zudem Online-Reiseinformationen und Sicherheitshinweise an Bedeutung.
Eindeutig angestiegen ist zudem auch die Sorge um Risiken wegen Naturgewalten und mehr als die Hälfte gibt an, dass sie sich Gedanken über die Klimafolgen ihrer Reisen machnen würden.

Synthese

Virus statt Terror

Waren Bedenken gegenüber der Sicherheit beim Reisen im Ausland vor wenigen Jahren noch primär durch Nachrichten über Terror und Anschläge bedingt, stehen jetzt Probleme mit Krankheiten und Erregern im Vordergrund. Wichtiger geworden sind auch Sorgen um Naturereignisse. Coronavirus, die Buschbrände in Australien oder auch die Debatte rund um den Klimawandel hinterlassen bei der Schweizer Bevölkerung offensichtlich ihre Spuren.

Klima: Differenz zwischen Meinung und Handlung

Über die letzten vier Befragungsjahre ist eine Tendenz zu weniger Reisen bei der Schweizer Bevölkerung ersichtlich. Zudem wird das ökologisch bewusste Reisen im Durchschnitt als attraktiv bewertet und eine Mehrheit gibt an, dass sie die Klimafolgen einer Reise mindestens mit in ihre Überlegungen einbeziehen. Gerade wenn es um das Fliegen geht, kompensiert jedoch heute erst grund jede vierte Person mindestens ab und zu einen Flug.

Je näher desto besser

Die drei nationalen Destinationen Wallis, Tessin und Graubünden gelten als attraktivste Reiseziele für viele. Ganz grundsätzlich gilt die Weisung: Je näher, desto besser. Exotische Destinationen in Asien oder auch in der arabischen Welt werden dagegen weniger attraktiv eingeschätzt. Im Vergleich zu 2019 verlieren viele der weiter entfernten Reiseziele in den Augen der Bevölkerung an Reiz – das gilt im besonderen Ausmass für Australien und Neuseeland, was auch mit den dort wütenden Buschbränden zu tun haben dürfte.

Informiertheit Reiserisiken

Während sich die Schweizer Bevölkerung bezüglich Reiserisiken über die letzten Jahre eher schlechter informiert fühlt, ist bei den TCS-Mitgliedern genau das Gegenteil der Fall. In der Bevölkerung schlagen sich Ereignisse wie die Verbreitung von Corona oder auch Risiken wegen Naturgewalten stärker in der Reiseplanung nieder als bei TCS-Mitgliedern, was auch mit der grundsätzlich besseren Informiertheit zusammenhängen könnte.

Methodische Details

  • Auftraggeber: TCS Schweiz
  • Grundgesamtheit
    • Bevölkerung: Einwohnerinnen und Einwohner ab 18 Jahren mit Wohnsitz in der Schweiz, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind
    • Mitglieder: Mitglieder des TCS Schweiz, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind
  • Erhebungsart
    • Bevölkerung: telefonisch, computergestützt (CATI)
    • Mitglieder: online
  • Auswahlverfahren
    • Bevölkerung: Stichprobenplan nach Gabler/Häder für RDD/Dual Frame / Verwendung der Swiss-Interview-Liste
    • Mitglieder: Zufallsstichprobe aus der Mitgliederdatenbank des TCS Schweiz
  • Stichprobengrösse
    • Bevölkerung: 1’000 (DCH 700, FCH 240, ICH 60)
    • Mitglieder: 1’371 (DCH 805, FCH 455, ICH 111)
  • Befragungszeitraum
    • Bevölkerung: 03.02. bis 07.03. 2019
    • Mitglieder: 03.02. bis 07.03. 2019
  • Stichprobenfehler
    • Bevölkerung: 3.2%
    • Mitglieder: 2.7%