im Auftrag der Glückskette
Im Auftrag der Glückskette wurde in Zusammenarbeit mit der SRG eine Umfrage zur Wahrnehmung und den Einstellungen zur Solidarität in der Schweiz durchgeführt. Konkret geht es im Solidaritäts-Barometer der Glückskette um die Wahrnehmung von und Einstel-lungen in der Bevölkerung zu Solidarität sowohl allgemein wie auch im Kontext der Krisen-lage und um das Verhalten von Bürger:innen.
Die Befragung findet insgesamt zum dritten Mal nach 2023 und 2022 statt und steht auch im Zeichen des 80-jährigen Gründungsjubiläums der Glückskette im September 2026.
Neben den Einstellungen sollen auch die Wirksamkeit von unterschiedlichen Narrativen auf das Spendenverhalten respektive die Spendenabsichten in der Bevölkerung untersucht werden. Befragt wurden 1’618 Einwohner:innen ab 18 Jahren in der Schweiz, wobei 590 Personen mit einem Riversampling-Verfahren über die Kanäle der SRG und mittels Opt-In-Teilnahme im Rahmen des Newsletters ausgewählt und befragt wurden. Alle Angaben gelten bei einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit mit einem Unsicherheitsbereich von ±2.4 Prozentpunkten bei einer 50:50 Verteilung der Antworten.
Weitere Details zur Befragungsmethode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.
Generelle Ausgangslage und Wahrnehmung der Solidarität
Der vorliegende Bericht entsteht in einer Zeit, in der Krisen nicht als Ausnahmezustand, sondern zunehmend als Dauerzustand wahrgenommen werden. Unterschiedliche gesellschaftliche und globale Herausforderungen sind gleichzeitig präsent und rücken Fragen der Solidarität immer wieder in den Vordergrund. Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass die Schweizer Bevölkerung die Solidarität der eigenen Gesellschaft insgesamt mehrheitlich positiv beurteilt (68%), dabei jedoch deutliche Unterschiede zwischen der Solidarität gegenüber Menschen innerhalb und ausserhalb der Schweiz wahrnimmt:
Während 76 Prozent der Befragten der Schweizer Bevölkerung eine Solidarität gegenüber den Menschen in der Schweiz zusprechen, wir die Solidarität gegenüber Menschen ausserhalb der Schweiz lediglich von 42 Prozent wahrgenommen.
Diese Einordnung untermauern auch die Rückmeldungen zur Frage, wie solidarisch die Befragten den zwischenmenschlichen Umgang in verschiedenen Bereichen wahrnehmen würden. Hier zeigt sich, dass mit zunehmender Distanz oder Anonymität die Solidaritätswahrnehmung abnimmt.
Während der Freundeskreis von 85 Prozent und die Familie von 82 Prozent der Befragten als solidarisch bezeichnet werden, nimmt dieser Wert bereits in der Nachbarschaft auf 55 Prozent ab. In der Arbeitswelt (32%), dem öffentlichen Raum (21%) und besonders in den sozialen Medien (7%) wird die Solidarität als sehr tief wahrgenommen.
Auch die Aussagen zum Verständnis von Solidarität zeigen, dass in der Bevölkerung verschiedene Zugänge gleichzeitig bestehen. Einen breiten Konsens gibt es zunächst bei einem grundsätzlichen Solidaritätsverständnis: 97 Prozent sehen eine Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen, und jeweils 93 Prozent finden, dass Menschen einander in Not helfen sollten beziehungsweise der Staat Menschen in Notsituationen unterstützen sollte. Solidarität ist damit sowohl als zwischenmenschliche wie auch als gesellschaftliche und staatliche Verantwortung stark verankert.
Gleichzeitig zeigt sich, dass Solidarität häufig nicht als bedingungslos verstanden wird. 76 Prozent finden es wichtig zu prüfen, ob jemand Unterstützung tatsächlich verdient. Für 70 Prozent beruht Solidarität zudem auf Gegenseitigkeit: Man hilft anderen auch in der Erwartung, bei eigenem Bedarf Unterstützung zu erhalten.
Solidarität wird damit nicht nur als einseitige Hilfeleistung, sondern auch als wechselseitige Verpflichtung innerhalb der Gesellschaft verstanden. Ergänzend betonen 63 Prozent die Eigenverantwortung jeder Person für das eigene Wohlergehen. Die grundsätzliche Bereitschaft zur Solidarität ist damit breit vorhanden, wird jedoch vielfach mit Erwartungen an Verdienst, Gegenseitigkeit und Eigenverantwortung verbunden. Diese Bedingungen gelten allerdings nicht flächendeckend: So findet etwa die Forderung, Unterstützung nur bei unverschuldeter Not zu gewähren, keine Mehrheit. Insgesamt zeigt sich somit keine einheitliche oder lineare Vorstellung von Solidarität, sondern ein Nebeneinander verschiedener Prinzipien, die von umfassender gesellschaftlicher Verantwortung bis hin zu gegenseitiger Verpflichtung und individueller Verantwortung reichen.
Bedeutung Solidarität
Neben der Wahrnehmung und dem Erleben von Solidarität stellt sich die Frage, welche Bedeutung die Bevölkerung ihr grundsätzlich beimisst. Dabei steht einerseits der Stellenwert von Solidarität als Grundhaltung im Fokus, andererseits die Unterstützung unterschiedlicher Formen solidarischen Handelns.
Solidarisches Handeln als Grundlage für das gesellschaftliche Zusammenleben wird von fast zwei Dritteln (65%) als «sehr wichtig» beschrieben und stösst bei insgesamt 95 Prozent der Befragten auf Zustimmung. Solidarisches Handeln hat für die Befragten auch persönlich einen hohen Stellenwert, insgesamt geben dies 93 Prozent an.
Die Wahrnehmung zu verschiedenen Bereichen der humanitären Tradition bietet Einblick zu einem weiteren Aspekt der Solidarität, der durch grosse Unterschiede in der Unterstützung gekennzeichnet ist. Eine deutliche Mehrheit von 87 Prozent gibt an, dass sie die Nothilfe bei Naturkatastrophen oder Konflikten als besonders wichtig empfindet. Auch Friedensförderung und Diplomatie geniessen breite Unterstützung und werden von drei Vierteln der Befragten als wichtiger Bestandteil der humanitären Tradition angesehen.
Weiter werden die internationale Entwicklungshilfe respektive Entwicklungszusammenarbeit (60%) und die Aufnahme von verfolgten Menschen (59%) von einer deutlichen Mehrheit als zentralen Aspekt der humanitären Tradition beurteilt.
Hingegen wird die Neutralität der Schweiz von einer Minderheit, nämlich von 43 Prozent, als wichtiger Aspekt der humanitären Tradition eingeordnet.
Die Ansicht, dass Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen Unterstützung verdienen würden, wird von 94 Prozent der Befragten geteilt. Ebenfalls eine sehr deutliche Unterstützung von jeweils 90 Prozent erfahren die humanitäre Hilfe bei Katastrophen und Krisen sowie die soziale Unterstützung von Menschen in der Schweiz. Gesundheit und medizinische Forschung werden von 87 Prozent als unterstützungswürdig wahrgenommen.
Umwelt- und Klimaschutz (80%), Tierschutz (72%) sowie internationale Entwicklungszusammenarbeit und Menschenrechte (72%) stossen ebenfalls auf eine breite Unterstützung. Bei Kultur und Sport liegt dieser Anteil bei 62 Prozent. Am wenigsten stark ausgeprägt ist die Unterstützung für religiöse Organisationen, die gemäss den Befragten lediglich von rund einem Sechstel der Bevölkerung (17%) als unterstützungswürdig wahrgenommen werden.
Krisenwahrnehmung und Spendenbereitschaft
Die Wahrnehmung der aktuellen Krisen bietet einen relevanten Kontext, um die Spendenbereitschaft von Individuen zu verstehen. Besonders relevant ist in diesem Zusammenhang die wahrgenommene Anzahl der Krisen, ihre Tragweite sowie der Zusammenhang, den die Befragten zwischen den Krisen und ihrer eigenen Lebensrealität herstellen.
Eine klare Minderheit von 12 Prozent der Wohnbevölkerung ist der Ansicht, dass sich die Krisenlage in den letzten Jahren nicht verändert oder sogar eher abgenommen hat (1%). Demgegenüber steht eine deutliche Mehrheit von Personen, welche eine Zunahme der Krisen wahrnehmen: 46 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Anzahl der Krisen eher zugenommen hat, während weitere 40 Prozent die Zunahme als stark beschreiben.
Etwas weniger ausgeprägt, wenn auch auf einem ähnlichen Niveau, schätzen die Befragten die Schwere der Krisen ein: 47 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Krisen in den vergangenen Jahren eher schwerer wurden, während sich 35 Prozent für eine starke Zunahme aussprechen.
Lediglich 15 Prozent sind der Ansicht, dass die Krisen gleichgeblieben sind, und ein Prozent spricht sich für eine Abnahme der Schwere der Krisen aus.
In diese Wahrnehmung einer höheren Salienz von Krisen passt auch die Einordnung der Belastung durch die Krisen für die eigene Person: Knapp die Hälfte der Befragten (48%) gibt an, dass sie eine «eher starke» Belastung durch die Krisen empfinden, und weitere 11 Prozent nehmen die Belastung gar als sehr stark wahr.
Demgegenüber steht ein Drittel der Bevölkerung (33%), welches die Belastung als eher schwach, respektive 6 Prozent der Bevölkerung, welche die Belastung als sehr schwach empfinden.
Auf den Beobachtungen zur Krisenwahrnehmung aufbauend stellt sich die Frage, wie die Befragten ihre Bereitschaft zu spenden aufgrund der intensiver wahrgenommenen Krisenlage einordnen. Trotz der Wahrnehmung einer höheren Krisenakzentuierung in der Bevölkerung ist die Bereitschaft mittels Spenden andere Personen zu unterstützen weitgehend konstant.
Eine deutliche Mehrheit von 60 Prozent der Befragten gibt an, dass ihre Bereitschaft zu spenden durch die Anzahl der Krisen nicht beeinflusst wurde und gleichgeblieben ist. Rund ein weiteres Viertel (24%) der Bevölkerung gibt an, dass aufgrund der Krisen die Bereitschaft eher zugenommen habe, und 4 Prozent geben an, ihre Bereitschaft habe stark zugenommen.
Demgegenüber stehen 8 Prozent der Bevölkerung, deren Bereitschaft eher oder stark abgenommen hat.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung auch in Zeiten vermehrter und schwerer Krisen in einer deutlichen Mehrheit konstant bleibt. Zudem resultiert netto bei rund einer von vier Personen (28%) eine höhere Spendenbereitschaft zur Unterstützung von Menschen aufgrund der Krisen der vergangenen Jahre.
Unterschiedliche Solidaritätslogiken in der Bevölkerung
Um die unterschiedlichen Vorstellungen von Solidarität innerhalb der Bevölkerung besser einzuordnen, wurde eine Clusteranalyse durchgeführt. Dabei zeigen sich vier unterschiedliche Solidaritätstypen: die bedingt Solidarischen, die eigenverantwortlich Solidarischen, die offen Solidarischen und die engagiert Solidarischen.
Innerhalb der Gruppe der bedingt Solidarischen finden sich etwas mehr Männer als Frauen. Sie sind politisch breit aufgestellt, und es sind in dieser Gruppe leicht mehr Personen vertreten, welche Kinder haben, als in den übrigen Gruppen.
Bedingt Solidarische sind häufiger als andere Personen der Ansicht, dass Solidarität auf Gegenseitigkeit beruht. Gleichzeitig wird das individuelle Wohlergehen als persönliche Verantwortung eingestuft. Das Pflichtbewusstsein als Grundlage der Solidarität ist stärker ausgeprägt als in anderen Bevölkerungsgruppen. In diesem Solidaritätsverständnis ist Unterstützung ausserdem daran geknüpft, dass Personen unverschuldet in Not geraten sind und die Hilfe wirklich verdienen. Die Medienberichterstattung kann bedingt solidarische animieren sich mittels konkreten Hilfsmöglichkeiten zu engagieren, womöglich, da Personen dieser Gruppe zurückhaltend mit ihrer Unterstützung sind, wenn sie sich nicht betroffen fühlen.
In der Gruppe der eigenverantwortlich Solidarischen ist eine Übervertretung von Personen mittleren Alters (40- bis 64-Jährige) festzustellen, wobei auch ein höherer Anteil von Männern als von Frauen vertreten ist. Zudem finden sich in dieser Gruppe vergleichsweise viele Personen, die der FDP und der SVP nahestehen.
Eigenverantwortlich Solidarische Personen sind besonders häufig der Ansicht, dass jede Person grundsätzlich selbst für ihr Wohlergehen verantwortlich ist und nur dann Hilfe erhalten sollte, wenn sie unverschuldet in Not geraten ist. Ergänzend weisen sie ein Solidaritätsverständnis auf, welches sich besonders stark auf die Bevölkerung in der Schweiz begrenzt. Solidarität und Hilfe sind in der Selbstwahrnehmung der eigenverantwortlich Solidarischen keine Pflicht und werden auch seltener als Aufgabe des Staates wahrgenommen.
Für das Verhalten ist besonders relevant, ob sich eigenverantwortlich Solidarische persönlich betroffen fühlen. Zudem lassen sie sich weniger durch Medienberichte zur Hilfsbereitschaft bewegen. Entsprechend sehen sie die Notwendigkeit zu Solidarität in Krisenzeiten nicht als besonders hoch an und möchten weniger als andere Personengruppen den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Unter den offen Solidarischen finden sich leicht mehr Personen im Alter von 40 bis 64 Jahren als bei den übrigen Gruppen, während das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist. Diese Gruppe ist politisch breit aufgestellt mit vergleichsweise leicht höherem Anteil an Personen, welche der SP, der GLP und der Mitte nahestehen.
Offen solidarische Personen charakterisieren sich unter anderem dadurch, dass sie Hilfe in Krisenzeiten als besonders wichtig empfinden. Im Vergleich zum Durchschnitt in der Schweiz sind Personen mit einem offenen Solidaritätsverständnis weniger der Ansicht, dass die Solidarität vor allem innerhalb der Schweiz stattfinden solle und dass sie helfen, auch wenn sie nicht persönlich vom Ereignis betroffen sind.
Anerkennung für die eigenen Taten und das solidarische Verhalten zu bekommen, ist unter diesem Solidaritätsverständnis weniger zentral als unter den übrigen Verständnissen.
Offen Solidarische Personen fühlen sich gut, wenn sie anderen Personen in Not helfen, und fühlen sich durch die vielen Krisen nicht eingeschränkt in der Möglichkeit, anderen Personen in Not zu helfen. Dennoch stellen sie sich die Frage, ob ihre Unterstützung auch etwas bewirken würde.
In der Gruppe der engagiert solidarischen Personen befinden sich überdurchschnittlich viele Frauen im Vergleich zu Männern. Zudem ist diese Gruppe stark durch Personen geprägt, welche im urbanen Raum wohnen. Vergleichsweise viele Personen in der Gruppe der engagiert Solidarischen stehen den Grünen und der SP nahe. Daneben bezeichnen sich verhältnismässig viele Befragte dieser Gruppe als einkommensschwach, während der Bildungsstand überdurchschnittlich hoch ist.
Charakteristisch für diese Personengruppe ist, dass sie ein breit abgestütztes Solidaritätsverständnis aufweist. Dazu gehört auf der einen Seite, dass sich engagiert Solidarische überdurchschnittlich betroffen fühlen von Menschen in Not und ein hohes Pflichtgefühl aufweisen, respektive ein grosses Verantwortungsbewusstsein spüren, Menschen in Notlagen zu unterstützen. Diese Solidarität bezieht sich nicht nur auf Personen in der Schweiz, sondern auch auf Hilfsbedürftige im Ausland und ist nicht an bestimmte Bedingungen geknüpft (Prüfung von Hilfsbedürftigkeit, Hilfe primär, wenn grosse Not vorhanden ist).
Auch wenn engagiert Solidarische der Ansicht sind, dass es in Krisenzeiten wichtig sei, sich solidarisch zu zeigen, sind diese Personen häufiger als andere Gruppen der Ansicht, dass sie abwägen müssen, wofür sie sich einsetzen.
Spendenverhalten
Das Spendenverhalten der Bevölkerung bleibt insgesamt auf hohem Niveau, verändert sich aber deutlich in seiner Form. Während 2021 noch 42 Prozent ausschliesslich spontan spendeten, liegt dieser Anteil 2026 nur noch bei 23 Prozent. Gleichzeitig hat das regelmässige Spenden an Bedeutung gewonnen und ist im gleichen Zeitraum von 21 auf 33 Prozent angestiegen. Auch der Anteil der Personen, die sowohl spontan als auch regelmässig spenden, hat leicht zugenommen.
82 Prozent der Bevölkerung geben an, zumindest gelegentlich für einen guten Zweck zu spenden. Damit liegt dieser Anteil zwar vier Prozentpunkte tiefer als 2021, bleibt aber klar mehrheitlich. Auffällig ist somit weniger ein Rückgang der Spendenbereitschaft als vielmehr eine Verschiebung hin zu regelmässigeren Formen des Spendens.
Bezogen auf das Alter zeigt sich ein klares Muster: Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Personen, die überhaupt spenden, deutlich an. Während bei den 18- bis 39-Jährigen 27 Prozent angeben, nicht zu spenden, sind es bei den 40- bis 64-Jährigen noch 13 Prozent und bei den Über-65-Jährigen lediglich 8 Prozent.
Gleichzeitig verändert sich die Form des Spendens: Ausschliesslich spontane Spenden sind bei jüngeren Personen häufiger, während regelmässige Spenden mit zunehmendem Alter an Bedeutung gewinnen. Auch die Kombination aus spontanen und regelmässigen Spenden nimmt mit dem Alter zu. Insgesamt zeigt sich damit, dass ältere Personen nicht nur häufiger spenden, sondern ihr Spendenverhalten auch stärker auf regelmässige Formen ausgerichtet ist.
Der Blick auf die Spendenart zeigt, dass Spenden stark an Institutionen geknüpft sind. Rund vier von fünf Personen (79%) spenden Geld für wohltätige und gemeinnützige Organisationen direkt an gemeinnützige Organisationen. Jeweils knapp ein Drittel spendet Geld über Crowdfunding und private Akteure (31%) oder gibt an, durch bewusste Konsumentscheidungen soziale und ökologische Anliegen zu unterstützen (31%).
Informellere Spenden, beispielsweise an hilfsbedürftige Personen (27%) oder direkt vor Ort , werden weniger häufig getätigt. Social Media als Spendekanal nutzen lediglich 4 Prozent der Befragten.
In Thesenform fassen wir die Erkenntnisse dieser Studie wie folgt zusammen:
Solidarität wird in der Schweiz durch einen breit verankerten Konsens getragen und ist ein zentraler Bestandteil der schweizerischen Wesensart: 95 Prozent halten solidarisches Handeln für wichtig für das Zusammenleben, 93 Prozent auch für sich persönlich. Dieser Grundsatz bleibt nicht bei der Haltung stehen, sondern zeigt sich im Verhalten. Von den Befragten spenden 82 Prozent regelmässig oder spontan, wobei der Anteil der regelmässig Spendenden seit 2021 gestiegen ist. Solidarität ist damit eine eingeübte Praxis.
Die Bevölkerung nimmt deutlich mehr und schwerere Krisen wahr: 86 Prozent geben an, eine Zunahme der Anzahl Krisen festzustellen, 82 Prozent eine Zunahme der Schwere. Und 59 Prozent fühlen sich durch die Krisen belastet. Dennoch ist die Spendenbereitschaft bei mehr als der Hälfte der Bevölkerung (60%) unverändert geblieben. Zudem geben 28 Prozent sogar eine höhere Bereitschaft an. Die eigentliche Gefahr für die Solidarität ist deshalb nicht Müdigkeit, sondern Hilflosigkeit: Eine Mehrheit fragt sich, ob ihre Unterstützung überhaupt etwas bewirken würde, und wägt ab, wofür sie ihre Mittel einsetzen. Wer Solidarität mobilisieren will, muss folglich weniger den Willen zum Helfen wecken als konkrete Hilfsmöglichkeiten aufzeigen.
Solidarität wird als Bedingung dafür verstanden, dass die Gesellschaft funktioniert. Wahrgenommen wird sie allerdings vor allem im Nahbereich: Der Freundeskreis (85%) und die Familie (82%) gelten als besonders solidarisch. Je weiter eine Personengruppe vom eigenen Umfeld entfernt ist, desto weniger solidarisch wird diese wahrgenommen. Dieselbe Staffelung zeigt sich auch international. Denn 76 Prozent nehmen eine Solidarität gegenüber Menschen in der Schweiz wahr und nur 42 Prozent gegenüber Personen im Ausland.
Solidarität wird in allen Bevölkerungsgruppen gelebt, aber auf unterschiedliche Weise. Es wurden vier unterschiedliche Solidaritätstypen identifiziert: bedingt solidarisch, eigenverantwortlich solidarisch, offen solidarisch und engagiert solidarisch. Die Trennlinien dieser Gruppen folgen teilweise dem Alter, dem Geschlecht oder der Parteiaffinität, verlaufen aber primär entlang anderer Dimensionen: Solidarität wird unterschiedlich verstanden und gelebt. Entscheidend ist, wem Unterstützung zukommen soll und inwiefern diese an bestimmte Bedingungen geknüpft wird.
Auftraggeber: Glückskette
Grundgesamtheit: Einwohner:innen ab 18 Jahren
Datenerhebung: Online-Befragung: Hauseigenes Online-Panel «Polittrends» / Riversamling via SRG-Kanäle und Opt-in via Newsletter
Befragungszeitraum: 4 Juni.- 1. Juli 2026
Stichprobengrösse: Total Befragte CH N = 1618, n DCH: 952, n FCH: 547, n ICH: 119 (Panel: 1028; Riversamling und Opt-in: 590)
Stichprobenfehler: ±2.4 Prozent bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit
Gewichtung: Alter, Geschlecht, Sprache, Siedlungsart, Bildung