Swiss eHealth Forum
Seit 2009 wird im Rahmen des Swiss eHealth Forums das eHealth Barometer erhoben. Befragt werden sowohl Gesundheitsfachpersonen und weitere Akteure des Gesundheitswesens als auch die Wohnbevölkerung. Ziel ist es, den aktuellen Stand sowie die Entwicklung von eHealth in der Schweiz systematisch zu erfassen. Die Studie bildet damit eine kontinuierliche Standortbestimmung der digitalen Transformation im Schweizer Gesundheitswesen. Der vorliegende Bericht präsentiert die Resultate der Befragung der Gesundheitsfachpersonen.
Das Swiss eHealth Barometer 2026 steht im Zeichen einer Phase intensiver technologischer und institutioneller Weiterentwicklung. Digitale Gesundheitsdaten, Interoperabilität und Standardisierung bilden weiterhin die Grundlage für eine vernetzte Versorgung. Gleichzeitig rücken neue Themen stärker in den Vordergrund, darunter der Aufbau des Gesundheitsdatenraums Schweiz SwissHDS, der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz im Berufsalltag und Fragen der digitalen Vernetzung über Institutionsgrenzen hinweg. Auch das elektronische Patientendossier (EPD) und seine zukünftige Ausgestaltung bleiben zentrale Bezugspunkte der Diskussion.
Mit der angekündigten Weiterentwicklung des EPD hin zu einem elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD) werden Aufgaben, Zuständigkeiten und Finanzierungsmechanismen zwischen Bund und Kantonen neu justiert. Diese strategischen Weichenstellungen fallen zeitlich mit der aktuellen Erhebungswelle zusammen.
Das Swiss eHealth Barometer wird von den folgenden Partner:innen mitgetragen:
Studienpartner:innen: Bundesamt für Gesundheit (BAG), eHealth Suisse und die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH)
Co-Studienpartner:innen: Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen, Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, Gesundheitsförderung Schweiz und Interessengemeinschaft eHealth
Weitere Details zur Stichprobe und Methode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.
Damit medizinische Informationen zwischen Spitälern, Arztpraxen, Apotheken, Versicherern oder Behörden ausgetauscht und weiterverarbeitet werden können, braucht es einheitliche technische und semantische Vorgaben. eHealth-Standards definieren, wie Daten strukturiert, kodiert, übertragen und gesichert werden. Sie sind damit eine zentrale Voraussetzung für Interoperabilität, Qualitätssicherung und die Weiterentwicklung digitaler Anwendungen wie dem elektronischen Patientendossier oder datenbasierten Analysen. Vor diesem Hintergrund wurde erhoben, wie die Gesundheitsfachpersonen den aktuellen Stand der Arbeiten im Bereich eHealth-Standards in der Schweiz beurteilen.
2025 beurteilten die befragten Gesundheitsfachpersonen den aktuellen Stand der eHealth-Standards in der Schweiz noch verhalten. Dabei empfinden die Vertreter:innen in den Kantonen die Standards am ehesten als fortgeschritten (36%), während dies in der Gruppe IT-Spitäler (24%) und insbesondere unter den Ärzt:innen (13%) viel seltener der Fall ist.
Die Ärzt:innen geben im Vergleich zu den anderen Befragten deutlich seltener eine inhaltliche Antwort auf diese Frage. Vor einem Jahr konnte oder wollte ein Viertel der Ärzteschaft die Frage nicht beantworten; inzwischen ist es ein Drittel, was darauf hinweist, dass viele Ärzt:innen nicht mit dem Stand der Arbeiten vertraut sind. In der Gesamtsicht fallen die Bewertungen aber vergleichbar aus wie im Vorjahr.
Während die Einschätzung der eHealth-Standards eine strukturelle Perspektive auf die Digitalisierung liefert, zeigt sich im Praxisalltag ein weiter fortgeschrittener Stand. Unabhängig davon, wie stark die Standardisierungsarbeiten wahrgenommen werden, hat sich die eKG in den Arztpraxen weitgehend etabliert.
Im Alltag führen die allermeisten Praxisärzt:innen die Krankengeschichten ihrer Patient:innen bereits vollständig elektronisch (79%). 10 Prozent der Praxisärzt:innen führen teilweise eine eKG und nur 5 Prozent haben dies in den nächsten drei Jahren nicht vorgesehen. Damit stagniert der positive Trend, der sich in den letzten zehn Jahren aufgebaut hat, auf hohem Niveau. Im Vergleich zur letzten Datenerhebung geben wieder etwas mehr Personen keine Antwort an.
Die elektronische Führung der Krankengeschichte ist nicht nur weit verbreitet, sie wird auch klar positiv beurteilt. Die Zufriedenheit der Praxisärzt:innen, die eine elektronische Krankengeschichte nutzen, bleibt seit Jahren auf konstant hohem Niveau.
Aktuell geben 29 Prozent an, sehr zufrieden zu sein, weitere 54 Prozent sind eher zufrieden. Damit zeigen sich insgesamt 83 Prozent eher bis sehr zufrieden mit ihrer eKG. Dieser Wert liegt im Bereich der letzten Jahre und bestätigt die stabile Akzeptanz im Praxisalltag. Unzufriedenheit bleibt die Ausnahme: 13 Prozent sind eher nicht zufrieden, lediglich 3 Prozent gar nicht zufrieden. Auch dieser Anteil ist über die Zeit hinweg bemerkenswert stabil und verharrt im einstelligen bis tiefen zweistelligen Bereich.
Im Vergleich dazu fallen die Beurteilungen der KIS in der Spitalärzteschaft weniger eindeutig aus. Eine Mehrheit (63%) zeigt sich zufrieden mit dem System, das in ihrem Spital zur Anwendung kommt, während 37 Prozent tendenziell unzufrieden sind.
Diejenigen, die unzufrieden sind, bemängeln in erster Linie die fehlende Funktionalität ihres Spitalsystems sowie dass dieses zu langsam sei oder dass die Im- und Exportfunktionen nicht den Erwartungen entsprächen. Im Vergleich zu den Vorjahren geben hingegen etwas weniger Befragte an, dass ihr System zu kompliziert sei.
Der übergeordnete Trend zeigt aber in eine positive Richtung: Im gesamten Zeitraum der Befragung fiel die Zufriedenheit einzig 2023 höher aus. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses vorsichtig positive Signal vonseiten der Spitalärzt:innen in den kommenden Jahren bestätigen wird – gerade vor dem Hintergrund der neu eingeführten KIS in der Schweizer Spitallandschaft.
Die Spital- und Praxisärzt:innen beurteilen das Potenzial von Fortschritten im Bereich eHealth, ihr eigenes Arbeitsumfeld zu verbessern, weiterhin sehr unterschiedlich. Während fast drei von vier Spitalärzt:innen (eher/sehr) grosses Potenzial in eHealth sehen (73%), gilt dies nur für knapp die Hälfte der Praxisärzt:innen (47%). In beiden Gruppen zeigt der Trend wieder nach unten, nachdem sich die Bewertungen über mehrere Jahre hinweg stabil bis positiv entwickelt haben.
Auf der anderen Seite schätzen IT-Verantwortliche in Spitälern das Potenzial von eHealth zum ersten Mal seit 2023 wieder höher ein (88%). Damit ist der Optimismus in dieser Befragtengruppe am stärksten ausgeprägt.
Fast ein Drittel der Ärzteschaft und der IT-Verantwortlichen der Spitäler erkennen am ehesten Potenzial in einem besseren Informationsfluss und Datenaustausch dank eHealth. Dieser Aspekt wird mit Abstand am häufigsten genannt.
Ebenfalls viel Potenzial wird beim digitalen Management von medizinischen Daten verortet sowie bei der Effizienz – insbesondere, wenn es darum geht, administrative Entlastung dank digitaler Lösungen zu schaffen oder Doppeluntersuchungen zu vermeiden.
Eine laufende eHealth-Initiative, welche bei den genannten Aspekten anknüpft, ist das Grossprojekt «Gesundheitsdatenraum Schweiz (SwissHDS)». Als Herzstück des Programms DigiSanté verfolgt es das Ziel, die Grundlage für eine vernetzte, datengestützte Gesundheitsversorgung von morgen zu schaffen. Gesundheitsdaten sollen sicher, vertrauenswürdig und effizient zugänglich gemacht werden.
Unter den befragten Gesundheitsfachpersonen haben 45 Prozent schon von diesem Projekt gehört. Dabei kennen die meisten das Projekt nur vom Hörensagen (41%), während 4 Prozent die Pläne von BAG und BFS aktiv mitverfolgen. Auf der anderen Seite gibt rund die Hälfte an, noch nie vom SwissHDS gehört zu haben.
Damit ist die Bekanntheit des Projekts, welches letztes Jahr begann und bis 2034 angesetzt ist, bereits bei einem relevanten Teil der Gesundheitsfachpersonen grundsätzlich vorhanden – auch wenn die meisten die Details noch nicht kennen. Es gibt aber auch einen nicht zu vernachlässigenden Anteil, der noch aktiv über das Vorhaben informiert werden muss.
Fragt man die Gesundheitsfachpersonen nach den Vorteilen, die sie sich vom SwissHDS erhoffen, geht es für klare Mehrheiten um administrative Entlastung, eine effizientere Verfügbarkeit von Patientendaten und schnellere Informationsflüsse zwischen Beteiligten. In einem geringeren Ausmass wird auch eine verbesserte Patientensicherheit erwartet (44%).
Die Erwartungen am SwissHDS betreffen also vor allem die Bereiche Informationsfluss und Effizienz – diejenigen Aspekte, bei denen die Befragten auch das grösste grundsätzliche Potenzial von eHealth verorten. Das Projekt soll dort ansetzen, wo die Gesundheitsfachpersonen den grössten Problemdruck wahrnehmen.
Bei der Beurteilung von verschiedenen Aspekten zum SwissHDS zeigen sich überwiegend positive Signale:
Gleichzeitig ist nur eine Minderheit der Gesundheitsfachpersonen (39%) dazu bereit, zum Schutz von Gesundheitsdaten Mehraufwände in Kauf zu nehmen. Hier liegt sicherlich ein Knackpunkt in der Umsetzung: Die Betroffenen sind in der Regel offen, beim SwissHDS mitzuwirken, sofern sie dafür nicht mit Zusatzaufwänden rechnen müssen.
Ein weiterer technologischer Fortschritt, der seit einigen Jahren prominent diskutiert wird, sind Anwendungen der KI. Auch im Gesundheitsbereich gibt es verschiedene Nutzungsmöglichkeiten dieser Technologie, die seit der letzten Erhebung 2024 allesamt an Bekanntheit gewonnen haben:
Das grundsätzliche Potenzial von KI-Technologien im Gesundheitssektor wird tendenziell höher bewertet, je bekannter sie sind.
Auch bei der Beurteilung, ob man sich im eigenen Berufsalltag den Einsatz dieser Technologien innerhalb der nächsten fünf Jahren vorstellen kann, zeigt sich diese Grundtendenz. Zuoberst rangiert in dieser Betrachtungsweise allerdings die Automatisierung von Routineaufgaben durch KI (84%), gefolgt von diagnostischer Unterstützung (79%) und Schulung und Fortbildung bzw. Chatbots (je 70%).
Neben neuen eHealth-Innovationen, die die Vernetzung in der Zukunft vereinfachen sollen, existieren bereits heute verschiedene digitale Koordinationspunkte und Schnittstellen.
Die befragten Gesundheitsfachpersonen beurteilen den aktuellen Stand der digitalen Vernetzung innerhalb ihrer Institution deutlich besser als die externe Vernetzung – analog zu den Vorjahren. Im Schnitt wird die interne Vernetzung mit 68 von 100 möglichen Skalenpunkten bewertet, die externe Vernetzung hingegen nur mit 42 Punkten. Bei der Vernetzung mit anderen Institutionen wird ausserdem ein stetiger Abwärtstrend seit 2024 ersichtlich. Diese Differenz bleibt nicht folgenlos: Schwache externe Schnittstellen erschweren den kontinuierlichen Informationsfluss und erhöhen den Koordinationsaufwand zwischen Leistungserbringern. Damit bleibt das Potenzial einer koordinierten, datenbasierten Versorgung strukturell eingeschränkt.
Heruntergebrochen auf verschiedene Akteure bleiben die Bewertungen insgesamt vergleichbar mit den Vorjahren: Am besten funktionieren die Schnittstellen zu Spezialärzt:innen (81%), gefolgt von den Hausärzt:innen (75%) und den Akutspitälern (69%).
Gleichzeitig ist weiterhin nur eine Minderheit zufrieden mit den Schnittstellen zu Rehakliniken (43%), therapeutischen Gruppen (40%), Alters- und Pflegeheimen (38%) sowie insbesondere zu Hebammen (20%). In der Gesamtsicht stagnieren oder sinken die meisten Werte im Vergleich zu den Vorjahren – ein Hinweis darauf, dass das Thema digitale Schnittstellen auch bei den aktuell hoch bewerteten Gesundheitsakteuren nicht an Relevanz verliert.
Eine weitere digitale Schnittstelle, die für Patient:innen zukünftig an Bedeutung gewinnen könnte, betrifft den Medikamentenbezug. Die Möglichkeit, auch online rezeptpflichtige Medikamente bestellen zu können, wird kontrovers bewertet: Während 45 Prozent diese Idee begrüssen, sind 48 Prozent dagegen. Ein wichtiger Grund für die Ablehnung des Onlinehandels bei rezeptpflichtigen Medikamenten ist die Sicherheit. Denn 68 Prozent der befragten Gesundheitsfachpersonen befürchten, dass diese Möglichkeit zu Missbrauch führen würde. Vertrauensbildend könnten hingegen offizielle Kontrollinstanzen wirken. Sofern es eine zentrale Kontroll- und Zertifizierstelle für solche Webshops gibt, könnte sich eine knappe Mehrheit vorstellen, dass zukünftig auch rezeptpflichtige Medikamente online bestellt werden (53%).
Schliesslich spielt auch das elektronische Patientendossier (EPD) eine Rolle in der koordinierten Gesundheitsversorgung. Je nach Befragtengruppe wird das Potenzial des EPD jedoch sehr unterschiedlich bewertet. Auf der einen Seite finden 82 Prozent der kantonalen Vertreter:innen das EPD hilfreich für den Fortschritt in der koordinierten Versorgung. Andererseits sehen dies nur 44 Prozent der Ärzt:innen und 39 Prozent der IT-Verantwortlichen in Spitälern ähnlich. Allerdings: Der langjährige Negativtrend bei den Bewertungen der Ärzteschaft und IT-Verantwortlichen setzt sich 2026 nicht fort.
Im beruflichen Alltag wird das EPD noch immer erst von einer kleinen Minderheit der Ärzteschaft genutzt, die einen Anschluss haben (22%).
Wie bereits in den Vorjahren wird die Eröffnung eines EPD nur von einer Minderheit aktiv empfohlen. Spitalärzt:innen sprechen deutlich häufiger eine Empfehlung aus als Praxisärzt:innen, 45 Prozent gegenüber 17 Prozent. Praxisärzt:innen nehmen hingegen öfter eine passive Haltung ein: 31 Prozent empfehlen das EPD nicht aktiv, raten ihren Patient:innen auf Nachfrage jedoch auch nicht davon ab. Bei den Spitalärzt:innen liegt dieser Anteil bei 24 Prozent.
Die wenigen Ärzt:innen, die aktiv vom EPD abraten, kritisieren insbesondere den Datenschutz sowie den Umstand, dass das aktuelle System keinen Mehrwert für Patient:innen bringe. Zudem werden auch häufig die erforderliche Datenstruktur, Mehraufwände und fehlende Integrationsmöglichkeiten des bestehenden Systems bemängelt.
Der Hauptgrund für die Nicht-Nutzung des EPD besteht darin, dass viele Ärzt:innen (noch) keinen nachweisbaren Mehrwert dieses Tools erkennen (33%). Ausserdem lehnen einige Patient:innen das EPD aktiv ab (21%), und einen Teil der Ärzt:innen macht die Erfahrung, dass das EPD eher zu einem höheren Zeitaufwand (19%) statt zu Effizienzgewinnen führt. Technische Hindernisse, wie etwa instabile Systeme oder Kompatibilitätsprobleme, spielen ebenfalls für manche Ärzt:innen eine Rolle in ihrer Ablehnung. Unter denjenigen, die das EPD in ihrem beruflichen Alltag bereits aktiv nutzen, stechen drei Motivatoren hervor: Am wirksamsten sind gesetzliche Vorgaben/Obligatorien (50%), gefolgt vom Eindruck, dass das EPD eine bessere Patientenversorgung sowie eine bessere Vernetzung mit anderen Akteuren ermöglicht (je 38%). Diese Beweggründe gewinnen auch im Vergleich mit dem Vorjahr an Bedeutung. Neben der Reduktion negativer Einflussfaktoren bei behandelnden Ärzt:innen und Patient:innen sollte folglich auch die Wirkung gesetzlicher Vorgaben nicht unterschätzt werden.
Die positiven Haltungen zum EPD sind bei den befragten Ärzt:innen weiter rückläufig, insbesondere bei den Praxisärzt:innen. Nur 29 Prozent geben in der aktuellen Befragung an, das EPD eine (sehr) gute Sache zu finden, während 45 Prozent eine negative Haltung haben. Rund ein Viertel der Praxisärzteschaft gibt keine Antwort auf diese Frage.
Auch der Anteil Spitalärzt:innen, die dem EPD kritisch gegenüberstehen, hat einen neuen Höchststand erreicht (29%). Im Gegensatz zu den befragten Praxisärzt:innen überwiegen jedoch weiterhin die positiven Haltungen innerhalb der Spitalärzteschaft (46%).
Der klare Negativtrend ist insbesondere vor dem Hintergrund zu lesen, dass der Bundesrat Ende 2025 die Ablösung des EPD durch das elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) kommunizierte. Eine entscheidende Neuerung ist, dass zukünftig jede Person mit Wohnsitz in der Schweiz automatisch und kostenlos ein E-GD erhalten soll. Aufgrund der zeitlichen Überschneidung mit der Befragung ist davon auszugehen, dass die negative Entwicklung der Beurteilungen zum EPD stark mit dieser Neuigkeit zusammenhängt.
Trotz der verhaltenen Einstellungen zum EPD in seiner aktuellen Form gibt es weiterhin mehrheitliche Zustimmung zu verschiedenen Vorteilen des EPD:
Die negativen Aussagen zum EPD werden hingegen kontroverser beurteilt:
Im Vergleich zu den Vorjahren gibt es keine auffälligen Entwicklungen in den Bewertungen. Es zeigt sich jedoch erneut, dass viele grundsätzliche Vorteile des elektronischen Patientendossiers anerkannt werden, gleichzeitig aber weiterhin Überzeugungsarbeit hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit und des Datenschutzes nötig ist.
Ob beim EPD oder bei anderen digitalen Innovationen im Gesundheitswesen: Um Fortschritte im Bereich eHealth zu erzielen, ist eine fundierte Ausbildung der betroffenen Fachkräfte zentral.
Am ehesten sehen die befragten Ärzt:innen bei sich selbst in drei Bereichen Ausbildungsbedarf: Jeweils knapp zwei Drittel möchten mehr wissen über digitale Schnittstellen für den Austausch mit Gesundheitsfachpersonen ausserhalb der eigenen Institution (66%), digitale Entscheidungshilfen in der ganzen Behandlungskette (65%) und den elektronischen Datenaustausch mit Behörden (63%).
Je rund 60 Prozent verorten zumindest einen gewissen Ausbildungsbedarf, wenn es um die Förderung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung dank digitaler Hilfsmittel (61%), den Datenschutz im Gesundheitswesen (61%), den elektronischen Austausch mit Versicherern und Krankenkassen (60%) oder die Nutzung des EPD geht (59%).
Rund die Hälfte der Ärzteschaft möchte über digitale Tools zur Unterstützung interner administrativer Prozesse (51%) oder über die digitale Kommunikation mit Patient:innen (47%) geschult werden.
Am wenigsten Ausbildungsbedarf gibt es bezüglich dem digitalen Austausch innerhalb der eigenen Institution (39%). Dies hängt wohl damit zusammen, dass – wie oben erläutert – der Stand der internen digitalen Vernetzung seit Jahren deutlich besser bewertet wird als die externe digitale Vernetzung. Gerade beim Datenaustausch über die eigene Institution hinaus wird dagegen am meisten Ausbildungsbedarf gesehen.
Nebst den erwähnten Ausbildungsbereichen wird in den letzten Jahren auch das Thema Cybersicherheit immer wichtiger. Die Hälfte der befragten Gesundheitsfachpersonen gibt an, dass in ihrer Organisation regelmässig Schulungen zur Cybersicherheit stattfinden. Dabei finden solche Schulungen in grösseren Zeitabständen statt: für 28 Prozent jährlich, 17 Prozent halbjährlich und nur 5 Prozent monatlich.
Auf der anderen Seite finden bei 40 Prozent der Befragten keine regelmässigen Cybersicherheitsschulungen statt. Dies ist am häufigsten bei den Praxisärzt:innen (45%) und weniger bei den Spitalärzt:innen (29%) der Fall. Entsprechend zeigt sich im Gesundheitswesen ein erheblicher Bedarf an weiterer Sensibilisierungsarbeit im Bereich der Cybersicherheit.
Aktuell geben nur 40 Prozent der Befragten an, dass ihre Institution über einen Notfallplan für Cyberangriffe verfügt. Bei 22 Prozent gibt es keinen solchen Plan.
Auffällig ist vor allem der hohe Anteil derjenigen, die die Frage nicht beantworten können (38%). Der Weiss-nicht-Anteil ist insbesondere bei den Spitalärzt:innen hoch (50%), bei den Praxisärzt:innen sind es 35 Prozent. Das weit verbreitete Unwissen weist darauf hin, dass auch bei diesem Aspekt noch viel Aufklärungspotenzial besteht.
Die Arbeiten an nationalen eHealth-Standards werden von den Gesundheitsfachpersonen weiterhin eher zurückhaltend beurteilt. Der strategische Fortschritt bei Standardisierung und Interoperabilität ist aus ihrer Sicht nur begrenzt sichtbar. Demgegenüber ist die Digitalisierung im konkreten Berufsalltag deutlich weiter: Die elektronische Krankengeschichte ist in den Praxen nahezu flächendeckend etabliert und geniesst konstant hohe Zufriedenheit. Auch die Beurteilung der Klinikinformationssysteme fällt mehrheitlich positiv aus und hat sich leicht verbessert.
Der Gesundheitsdatenraum Schweiz trifft auf grundsätzlich offene Haltungen. Erwartet werden vor allem effizientere Informationsflüsse, bessere Datenverfügbarkeit und administrative Entlastung. Die Bereitschaft zur Mitwirkung ist hoch, jedoch an klare Bedingungen geknüpft: Zusätzlicher Aufwand wird kaum akzeptiert. Digitale Grossprojekte werden primär danach beurteilt, ob sie im Arbeitsalltag konkret entlasten. SwissHDS wird damit als potenziell sinnvoller Schritt gesehen, sofern Integration und Praktikabilität gewährleistet sind.
Gesundheitsfachpersonen bewerten künstliche Intelligenz (KI) nicht abstrakt, sondern funktional. Besonders bei der Automatisierung von Routineaufgaben und bei diagnostischer Unterstützung sehen sie klares Potenzial. Gleichzeitig zeigt sich: Der Nutzen von KI hängt direkt von strukturierten Daten, funktionierenden Standards und ausreichender Kompetenz ab. KI wird als Erweiterung bestehender Systeme verstanden, nicht als eigenständige Lösung.
Die digitale Vernetzung innerhalb der eigenen Institution funktioniert gut und wird stabil positiv bewertet. Der langjährige Trend bei der externen Vernetzung ist leicht rückläufig, während Erwartungen, Komplexität und Koordinationsbedarf zunehmen. Die wachsende Diskrepanz zwischen Bedarf und tatsächlicher Interoperabilität macht die externe Vernetzung zum zentralen Bremsfaktor einer koordinierten, datenbasierten Versorgung.
Der grundsätzliche Nutzen eines elektronischen Dossiers ist aus Sicht der Gesundheitsfachpersonen klar erkennbar: bessere Informationsverfügbarkeit, weniger Doppeluntersuchungen und höhere Behandlungsqualität. Die konkrete Umsetzung in Form des EPD wird jedoch mehrheitlich kritisch beurteilt. Fehlende Integration, zusätzlicher Aufwand und begrenzter Mehrwert im Alltag haben das Vertrauen geschwächt. Die angekündigte Weiterentwicklung hin zum elektronischen Gesundheitsdossier eröffnet eine neue Chance. Entscheidend wird sein, ob Integration, Benutzerfreundlichkeit und spürbarer Nutzen diesmal konsequent umgesetzt werden.
Grundsätzlich wird eHealth als Chance für Effizienz und Qualitätssteigerung verstanden. Gleichzeitig besteht weiterhin klarer Ausbildungsbedarf, insbesondere beim externen Datenaustausch, bei digitalen Entscheidungshilfen und im Umgang mit neuen Technologien. Die digitale Transformation ist damit nicht nur eine Frage technischer Infrastruktur, sondern der Kompetenzentwicklung. Ohne gezielte Weiterbildung bleiben Potenziale unausgeschöpft.
Auftraggeber: BAG
Grundgesamtheit: Ärzt:innen, IT-Verantwortliche in Spitälern, eHealth-Verantwortliche in Kantonen
Befragungsgebiet: ganze Schweiz (dreisprachig)
Herkunft der Adressen: Ärzt:innen: FMH, IT-Verantwortliche in Spitälern: Swiss eHealth Forum, Kantone: eHealth Suisse (Kontakt direkt durch eHealth Suisse)
Datenerhebung: online, Ärzteschaft zusätzlich Print
Art der Stichprobenziehung: at random bzw. Vollerhebung
Befragungszeitraum: vom 18. November 2025 bis 7. Januar 2026
Stichprobengrösse: N = 1’187; n Ärzt:innen = 1’143 (Ausschöpfung: 26%) (Praxisärzt:innen: 826, Spitalärzt:innen: 202, Spital- und Praxisärzt:innen: 74, Andere: 41); n IT-Verantwortliche von Spitälern = 33 (12%), die für 103 Einrichtung stehen; n Kantone: 11 (42%)
Gewichtung: keine