Swiss eHealth Forum
Seit 2009 wird im Rahmen des Swiss eHealth Forums das eHealth Barometer erhoben. Befragt werden sowohl Gesundheitsfachpersonen und weitere Akteure des Gesundheitswesens als auch die Wohnbevölkerung. Ziel ist es, den aktuellen Stand sowie die Entwicklung von eHealth in der Schweiz systematisch zu erfassen. Die Studie bildet damit eine kontinuierliche und vergleichbare Standortbestimmung der digitalen Transformation im Schweizer Gesundheitswesen. Der vorliegende Bericht präsentiert die Resultate der Befragung der Wohnbevölkerung.
Das Swiss eHealth Barometer 2026 greift zentrale Fragestellungen zur digitalen Nutzung von Gesundheitsdaten auf. Im Mittelpunkt stehen die elektronische Speicherung und der Austausch medizinischer Informationen, das Zukunftspotenzial von künstlicher Intelligenz im Gesundheitsbereich, Entwicklungen in der Online Medikamentenversorgung und das elektronische Patientendossier (EPD) im Zusammenspiel mit der Einführung der elektronischen Identität (E-ID). Damit werden sowohl strukturelle Entwicklungen als auch konkrete Anwendungsszenarien im Versorgungsalltag thematisiert.
Die Befragung findet in einer Phase statt, in der digitale Identitäten, Datenräume und neue gesetzliche Grundlagen die künftige Organisation des digitalen Gesundheitswesens prägen werden. Mit der Einführung der E-ID und der angekündigten Weiterentwicklung des EPD zum elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD) werden zentrale Fragen zu Zugang, Selbstbestimmung und Datenschutz neu gestellt.
Das Swiss eHealth Barometer wird von den folgenden Partner:innen mitgetragen:
Studienpartner:innen: Bundesamt für Gesundheit (BAG), eHealth Suisse und die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH)
Co-Studienpartner:innen: Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen, Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, Gesundheitsförderung Schweiz und Interessensgemeinschaft eHealth
Die Grundgesamtheit der Wohnbevölkerung setzt sich aus Einwohner:innen ab 16 Jahren zusammen. Seit 2023 ist das Mindestalter der Teilnehmenden von 18 auf 16 Jahre gesenkt worden. Zudem werden seit 2023 die Teilnehmenden nicht mehr telefonisch, sondern online und per Post zugestelltem Print-Fragebogen befragt. Ein Methodeneffekt kann daher nicht ausgeschlossen werden und ist bei der Interpretation zu berücksichtigen. Tendenziell zeigt sich ein weniger polarisiertes Antwortverhalten mit höheren Anteilen bei «weiss nicht/keine Antwort». Trendaussagen über den gesamten Zeitraum bleiben dennoch möglich.
Weitere Details zur Stichprobe und Methode finden sich in der Infobox am Ende des Cockpits.
Die Digitalisierung bildet die Grundlage von eHealth. Sie ermöglicht die Erfassung und den sicheren Austausch digitaler Gesundheitsdaten, die im Zentrum moderner Versorgungsprozesse und der Koordination im Gesundheitswesen stehen. Vor diesem Hintergrund ist entscheidend, wie die Bevölkerung den aktuellen Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen einschätzt.
2025 sind die Haltungen der Wohnbevölkerung zum Stand der Digitalisierung im Schweizer Gesundheitswesen weiterhin gemischt. Nur 29 Prozent empfinden den aktuellen Stand als eher/sehr weit fortgeschritten, während 40 Prozent gegenteiliger Meinung sind. Zudem fällt auf, dass viele Einwohner:innen den Stand der Digitalisierung nicht beurteilen können oder wollen (31%).
Die unter 40 Jährigen bewerten den Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen im Vergleich zu den anderen Altersgruppen am häufigsten als eher oder sehr weit fortgeschritten (35%). Auch bei der Bildung zeigt sich ein Zusammenhang: Je höher der Bildungsstand, desto seltener wird der Digitalisierungsstand im Gesundheitswesen als fortgeschritten betrachtet.
Trotz der insgesamt zurückhaltenden Einschätzung des Digitalisierungsstands zeigt sich eine bemerkenswerte Offenheit gegenüber der elektronischen Speicherung der eigenen Gesundheitsdaten: 72 Prozent sind mit einer elektronischen Speicherung zumindest eher einverstanden. Damit setzt sich der seit fünf Jahren leicht positive Trend fort. Nur rund ein Fünftel sieht digitale Gesundheitsdaten grundsätzlich kritisch (23%).
Skeptische Haltungen sind in der Romandie verbreiteter als in der deutsch- und italienischsprachigen Schweiz. Ausserdem sind Personen mit einem hohen Bildungsniveau eher bereit, ihre Gesundheitsdaten elektronisch zu speichern, im Vergleich zu Personen mit einem mittleren oder tiefen Bildungsstand.
Auch beim Datenaustausch zwischen verschiedenen Behandelnden zeigt sich wieder eine positive Tendenz, nachdem die Zustimmungswerte bei diesem Aspekt in den Jahren 2023 bis 2025 tiefer ausgefallen waren. Zwei Drittel der Bevölkerung sind grundsätzlich mit einem elektronischen Datenaustausch im Rahmen ihrer Behandlung einverstanden (66%). Für 23 Prozent kommt es auf die genauen Regeln an, und nur 7 Prozent lehnen dies aus Prinzip ab.
Wer ein hohes Interesse an Gesundheitsthemen hat, ist auch eher einverstanden mit der elektronischen Übertragung von Behandlungsdaten. Hingegen sind Einwohner:innen, die sich wenig für Gesundheitsfragen interessieren, häufiger dagegen.
Die hohe Zustimmung zum elektronischen Datenaustausch stellt zugleich Anforderungen an die individuelle Entscheidungskompetenz. Zentral ist daher, ob sich die Bevölkerung in der Lage sieht, den Zugriff auf die eigenen Gesundheitsdaten selbstbestimmt zu regeln. Etwas mehr als die Hälfte sieht sich auch weiterhin qualifiziert, in diesem Rahmen über den Datenzugriff der behandelnden Gesundheitsfachpersonen zu entscheiden (56%). Dies entspricht dem höchstgemessenen Wert seit dem 2023 erfolgten Methodenwechsel.
Gleichzeitig gibt ein Viertel der Bevölkerung an, sich im Umgang mit digitalen Anwendungen unsicher zu fühlen. Trotz der insgesamt eher hohen Selbsteinschätzung besteht somit weiterhin Verbesserungspotenzial. Besonders Personen ab 65 Jahren und Personen mit formal tiefer Bildung schätzen ihre digitalen Kompetenzen deutlich zurückhaltender ein. Hinzu kommt, dass die Ärzteschaft die digitalen Qualifikationen der Bevölkerung insgesamt deutlich tiefer einschätzt als die Bevölkerung selbst. Diese Diskrepanz verweist auf unterschiedliche Wahrnehmungen der digitalen Kompetenz und unterstreicht den Handlungsbedarf bei der Förderung digitaler Gesundheitskompetenzen.
Die Einschätzung der eigenen Entscheidungskompetenz bildet einen wichtigen Bezugsrahmen für die konkrete Ausgestaltung von Zugriffsrechten. Zentral ist dabei auch die Frage, welchen Akteuren in welchem Umfang Einsicht in die eigenen Gesundheitsdaten gewährt werden soll. Die Bevölkerung möchte nicht allen Akteuren des Gesundheitswesens im gleichen Ausmass Einsicht in die eigenen Gesundheitsdaten gewähren. Wie im Vorjahr würden die allermeisten den behandelnden Ärzt:innen uneingeschränkte Einsicht in die eigenen Daten gewähren (84%). Bei Apotheker:innen und weiteren Gesundheitsfachpersonen, beispielsweise Pflegekräften, sind es nur noch rund ein Drittel (34% beziehungsweise 30%). In diesen Fällen präferieren die meisten eine eingeschränkte beziehungsweise anonyme Einsicht.
Den Datenzugang durch Privatunternehmen beurteilen die Befragten besonders kritisch: 68 Prozent würden Firmen keine Einsicht in ihre Daten gewähren. Aber auch bei öffentlichen Stellen besteht viel Zurückhaltung. 44 Prozent wollen keine Einsicht; 37 Prozent können sich eine eingeschränkte Einsicht vorstellen.
Das Vertrauen darin, dass die genannten Gesundheitsakteure den Datenschutz einhalten, steht in engem Zusammenhang mit der Bereitschaft, ihnen Einsicht in die eigenen Gesundheitsdaten zu gewähren. Am grössten ist das Vertrauen in behandelnde Ärzt:innen, am geringsten in private Unternehmen.
Im Zeitvergleich sind diese Einschätzungen relativ konstant. Einzig das Vertrauen in Forschungseinrichtungen (65%) fällt deutlich höher aus als in den Vorjahren. Dies liegt wohl daran, dass neu nach dem Vertrauen in «Forschungseinrichtungen wie z.B. das Universitätsspital» gefragt wurde. Die Nennung einer konkreten Forschungsinstitution, unter die sich die Bevölkerung etwas vorstellen kann, führt vermutlich zu einer wohlwollenderen Bewertung.
Es wurde eine Annahme dahingehend formuliert, dass die Befragten in einem Spital behandelt würden und sich entscheiden könnten, ob ihre Behandlungsdaten von der zuständigen Universitätsklinik für Forschungszwecke weiterverwendet werden dürften. In diesem postulierten Fall würde ein Viertel der Einwohner:innen einer uneingeschränkten Einsicht zustimmen, 60 Prozent einer eingeschränkten Einsicht.
Insgesamt ist die Bereitschaft zur Weitergabe der eigenen Gesundheitsdaten in dieser Situation somit sehr hoch. Nur jede zehnte Person würde die Einsicht gänzlich verweigern. Eine klare Mehrheit würde die Datenweitergabe allerdings von einer Anonymisierung abhängig machen.
Ein Forschungszweig, der in den letzten Jahren stark an Relevanz gewonnen hat, sind neue Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Die Bekanntheit solcher Anwendungen, die im Gesundheitswesen eingesetzt werden, ist seit der letzten Erhebung 2024 tendenziell gestiegen.
Mehrheitlich bekannt sind inzwischen KI-Tools zur Automatisierung von Routineaufgaben (53%, +10 Prozentpunkte [Pp.]). Fast die Hälfte der Bevölkerung kennt ausserdem Chatbots als Gesundheitsassistenten (47%, +11 Pp.), KI-Schulungsmöglichkeiten (46%, +5 Pp.) sowie KI als diagnostische Unterstützung (45%, +8 Pp.). Die prädiktive Analytik ist unter den genannten Einsatzbereichen noch am unbekanntesten (31%, +6 Pp.), wobei immerhin knapp ein Drittel auch diese Anwendung kennt – Tendenz steigend.
Das wahrgenommene Potenzial von KI-Tools im Gesundheitsbereich hängt zumindest teilweise mit deren Bekanntheit zusammen. Das grösste Potenzial wird bei der Automatisierung von Routineaufgaben verortet (52%), die zugleich die derzeit bekannteste Anwendungsmöglichkeit darstellt. Am anderen Ende der Skala schätzt nur rund ein Viertel das Potenzial der prädiktiven Analytik als eher/sehr hoch ein, wobei diese Anwendung mit Abstand am wenigsten bekannt ist.
Im Vergleich zur letzten Erhebung 2024 hat es kaum Verschiebungen gegeben. Nach der Automatisierung von Routinearbeiten sehen die Einwohner:innen am meisten Potenzial in der diagnostischen Unterstützung durch KI (46%) sowie in der Forschung und Entwicklung (45%).
Alle genannten KI-Anwendungen werden von der jüngeren Bevölkerung positiver beurteilt, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass mit dem Alter jeweils der «weiss nicht»-Anteil zunimmt. Jüngere Bevölkerungsgruppen fühlen sich also eher imstande, das Zukunftspotenzial verschiedener KI-Tools einzuschätzen.
In denselben drei Bereichen erwarten die Befragten am ehesten, innerhalb der nächsten fünf Jahre als Patient:innen direkt davon zu profitieren:
Einzig bei der prädiktiven Analytik geht nur eine Minderheit (37%) davon aus, dass sie als Patient:innen davon profitieren werden.
Digitale Innovationen im Gesundheitsbereich entstehen nicht nur im Wachstumsfeld der KI, sondern auch in der alltäglichen Versorgung und Behandlungskoordination. Gerade in der Medikamentenversorgung stellt sich die Frage, inwiefern Bestellungen künftig auch rein digital abgewickelt werden könnten.
Aktuell werden Medikamente in aller Regel nicht online bestellt. Nur ein Fünftel der Bevölkerung gibt an, bereits einmal Medikamente im Internet bestellt zu haben. Frauen haben eher bereits online Medikamente bestellt als Männer. Ausserdem ist der Anteil am höchsten bei Personen mittleren Alters (Befragte im Alter zwischen 40 und 64 Jahren).
Diejenigen Einwohner:innen, die diese Möglichkeit schon einmal genutzt haben, nennen aber verschiedenste Beweggründe. Online-Bestellungen werden am häufigsten vorgezogen, weil der Preis des Medikaments tiefer ausfällt. Auch praktische Gründe spielen eine grosse Rolle, insbesondere der Komfort, von zu Hause aus bestellen zu können, sowie die Zeitersparnis. In einem geringeren Ausmass nennen die Befragten zudem eine bessere Verfügbarkeit, bestimmte Arten von Medikamenten oder die Vermeidung von persönlichem Kontakt – Letzteres könnte etwa für immungeschwächte Personen vorteilhaft sein. Bisherige Nutzer:innen hatten in aller Regel keine Rückfragen zum bestellten Medikament, die sie gerne mit einer Fachperson besprochen hätten (83%). Eine klare Mehrheit würde auch den gewählten Webshop weiterempfehlen (68%).
Die bisherigen Erfahrungen der Einwohner:innen sind also mehrheitlich positiv, wobei Ende 2025 erst eine kleine Bevölkerungsminderheit bereits von der Möglichkeit, Medikamente online zu bestellen, Gebrauch gemacht hat.
In der Schweiz können nur rezeptfreie Medikamente online bestellt werden. Danach gefragt, ob sie auch Online-Bestellungen von rezeptpflichtigen Medikamenten sinnvoll fänden, gehen die Meinungen der Einwohner:innen auseinander. Grundsätzlich ist knapp die Hälfte der Bevölkerung dafür (49%), während 43 Prozent eher skeptisch sind. 8 Prozent sind sich unsicher. Personen unter 65 Jahre sowie Männer sind eher aufgeschlossen für diese Idee, während Personen ab 65 Jahre und Frauen sich eher kritisch äussern.
Eine weit verbreitete Befürchtung lautet, dass Online-Bestellungen von rezeptpflichtigen Medikamenten eine Gefahr für die Gesundheit der Schweiz werden könnten, etwa wegen illegaler Vermarktung oder falscher Einnahmen (69%). Missbrauchsbefürchtungen gelten damit als zentrales Argument gegen eine Änderung des Status quo.
Die Bevölkerung zeigt sich hingegen offener, sofern eine offizielle Instanz solche Webshops zentral kontrolliert und zertifiziert (61%). Sollte der Online-Handel von rezeptpflichtigen Medikamenten in der Schweiz jemals möglich werden, ist eine strenge Kontrolle aus Bevölkerungssicht unerlässlich, um Missbrauch zu verhindern.
Während die digitale Medikamentenversorgung einen einzelnen Abschnitt des Behandlungsprozesses betrifft, zielt das EPD auf einen umfassenden digitalen Gesamtüberblick über die eigene Gesundheitsversorgung ab.
In der aktuellen Befragungswelle äussern knapp zwei Drittel der Einwohner:innen eine eher bis sehr positive Meinung über das EPD. Das sind mehr Personen als im Vorjahr, wobei die Zunahme mit einem kleineren Anteil an «weiss nicht»-Antworten im Vergleich zu 2025 erklären ist.
Auf der argumentativen Ebene wird das EPD ähnlich bewertet wie in den Vorjahren. Alle positiven Aussagen geniessen weiterhin mehrheitliche Zustimmung in der Bevölkerung:
Gleichzeitig erhalten auch kritische Aspekte relativ viel Zustimmung:
Obwohl klare Mehrheiten die Vorteile des EPD anerkennen, bleiben kritische Aspekte hinsichtlich Notwendigkeit, Datenschutz und Behandlungsqualität relevant.
Im vergangenen Jahr stimmte das Schweizer Stimmvolk über eine Vorlage zur digitalen Vernetzung ab, die über den Gesundheitsbereich hinausgeht: Am 28. September 2025 wurde die Einführung einer elektronischen Identität (E-ID) an der Urne angenommen.
Ab 2026 wird die E-ID eingeführt. Aktuell ist das Interesse der Wohnbevölkerung, selbst eine E-ID zu beantragen, geteilt: 44 Prozent würden dies eher tun, 34 Prozent sind eher dagegen. Zudem ist sich ein relevanter Anteil noch nicht sicher (22%). Am aufgeschlossensten zeigt sich die Altersgruppe der 40-64 Jährigen.
Unter denjenigen Personen, die Interesse an einer E-ID bekunden, ist auch die Bereitschaft, ein EPD damit zu eröffnen, sehr hoch. Nur 5 Prozent können sich dies nicht vorstellen. Fast die Hälfte würde hingegen bestimmt ein EPD eröffnen, sofern sich dies mit einer E-ID unkompliziert umsetzen lässt.
Diese hohe Bereitschaft kann als vorsichtig positives Signal gedeutet werden, dass ein relevanter Teil der Bevölkerung eine Form des elektronischen Patientendossiers eröffnen würde, wenn der Zugang dazu möglichst niederschwellig gestaltet wird. Ähnlich viele Einwohner:innen würden als Zugangsmittel entweder eine staatliche Lösung wie AGOV oder ein geprüftes privates Zugangsmittel (z.B. SwissID) bevorzugen.
Der aktuelle Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen wird von der Bevölkerung weiterhin ambivalent beurteilt. Nur eine Minderheit sieht das System als fortgeschritten, ein grosser Anteil ist skeptisch oder unentschieden. Gleichzeitig besteht eine stabile und seit Jahren leicht steigende Offenheit gegenüber der elektronischen Speicherung eigener Gesundheitsdaten. Auch der elektronische Datenaustausch zwischen Behandelnden wird mehrheitlich begrüsst. Die Bevölkerung unterscheidet somit klar zwischen Systembewertung und individueller Nutzungsbereitschaft.
Mehr als die Hälfte traut sich zu, über den Zugriff auf die eigenen Gesundheitsdaten selbstbestimmt zu entscheiden. Dennoch gibt ein relevanter Anteil Unsicherheiten im Umgang mit digitalen Anwendungen an, insbesondere ältere Personen und Personen mit tieferer Bildung. Die Gewährung von Einsichtsrechten erfolgt selektiv: Uneingeschränktes Vertrauen gilt primär den behandelnden Ärzt:innen. Gegenüber Privatunternehmen, aber auch gegenüber staatlichen Stellen, ist die Zurückhaltung deutlich grösser. Datenschutz bleibt das zentrale normative Kriterium.
In konkreten Szenarien zeigt sich eine hohe Bereitschaft, Behandlungsdaten für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen, sofern diese anonymisiert oder eingeschränkt verwendet werden. Die Bevölkerung signalisiert damit Solidarität mit der Forschung, knüpft diese jedoch an transparente und kontrollierte Rahmenbedingungen.
Die Bekanntheit von KI-Anwendungen im Gesundheitswesen nimmt zu. Am meisten Potenzial wird bei der Automatisierung von Routineaufgaben sowie bei diagnostischer Unterstützung gesehen. Jüngere Personen bewerten das Potenzial systematisch positiver, während mit zunehmendem Alter die Unsicherheit steigt. Insgesamt bleibt die Bewertung stabil, ohne euphorische Ausschläge. KI wird als nützliche Erweiterung verstanden, nicht als revolutionärer Umbruch. Diese Einschätzung teilen Gesundheitsfachpersonen und die breite Bevölkerung.
Online-Bestellungen von Medikamenten sind in der Bevölkerung bisher noch wenig verbreitet, werden von bisherigen Nutzer:innen aber überwiegend positiv bewertet (v.a. wegen Preis und Komfort). Bei rezeptpflichtigen Medikamenten sind die Haltungen hingegen geteilt: Viele äussern Missbrauchs- und Sicherheitsbedenken. Gleichzeitig steigt die Zustimmung deutlich, sofern eine zentrale Kontroll- und Zertifizierungsinstanz für Webshops vorgesehen ist.
Die Bevölkerung erkennt den Nutzen eines digitalen Dossiers. Gleichzeitig prägen Datenschutzbedenken und Unsicherheiten in der praktischen Umsetzung die Diskussion weiterhin. Zustimmung ist vorhanden, aber sie ist konditioniert: Sicherheit, Kontrolle über die eigenen Daten und eine einfache Nutzung sind zentrale Erwartungen. Hier setzt die elektronische Identität an. Wer sich für eine E-ID interessiert, zeigt auch eine hohe Bereitschaft, ein elektronisches Dossier zu eröffnen. Das deutet darauf hin, dass nicht die Idee das Problem ist, sondern der Zugang und die konkrete Ausgestaltung. Das E-GD könnte diese Ambivalenz überwinden – wenn einfache Zugänge und glaubwürdiger Datenschutz konsequent umgesetzt werden.
Auftraggeber: BAG
Grundgesamtheit: Einwohner:innen der Schweiz ab 16 Jahren, die einer der drei Hauptsprachen mächtig sind (bis 2017: in % Stimmberechtigte, 2018-2022 in % Einwohner:innen ab 18 Jahren)
Herkunft der Adressen: Stichprobenrahmen für Personen- und Haushaltserhebungen SRPH Bundesamt für Statistik BFS
Datenerhebung: Online und schriftlicher Fragebogen (bis 2022 CATI)
Stichprobengrösse: Total 1’602 (Papier: 554, online: 1’048); n DCH: 1’014, n FCH: 318, n ICH: 270
Art der Stichprobenziehung: Nach Sprachregion, Alter und Geschlecht geschichtete Zufallsstichprobe (inkl. Oversampling für FCH und ICH)
Ausschöpfquote: 35 Prozent
Gewichtung: Alter/Geschlecht nach Sprache, Sprache, Kanton, Siedlungsart, Bildungsniveau, Stimmentscheid E-ID
Stichprobenfehler: ± 2.4 Prozentpunkte bei 50/50 (und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit)
Befragungszeitraum: vom 2. Dezember 2025 bis 7. Januar 2026