Publikumsbefragung Programmbewertung

Analyse subjektive Bewertung Medienpublikum

Untersuchung im Auftrag des Bundesamtes für Kommunikation

In diesem Bericht werden die Ergebnisse der 2017 durchgeführten Publikumsbefragung zur Nutzung und Bewertung des privaten sowie öffentlichen Schweizer TV- und Radioangebots vorgestellt. Die Befunde basieren auf einer repräsentativen Telefonbefragung im Frühjahr 2017 mit 3612 Befragten ab 15 Jahren in allen vier Sprachregionen der Schweiz.

Die kontinuierliche Erhebung der Qualitätsbewertung durch das Publikum soll die Frage beantworten, wie die in der Schweiz wohnhafte Bevölkerung die Radio- und Fernsehange-bote bewertet, die sie nutzen kann und nutzt. Die Ergebnisse der seit 2009 mindestens einmal im Jahr durchgeführten Befragung (immer mindestens 3600 Personen) weisen eine bemer-kenswerte Stabilität auf hohem Niveau aus. Wie in den Vorjahren werden die Angebote der SRG-Radiosender mit leichtem Vorsprung am besten bewertet (3.9 im Durchschnitt auf einer Skala von 1 «sehr schlecht» bis 5 «sehr gut»). In den letzten Jahren haben die Bewertungen in Bezug auf die Lokalradiosender an zweiter Stelle gelegen. In diesem Jahr wurde das Angebot der SRG-Fernsehsender (3.8) erstmals insgesamt besser bewertet als die lokalen Radiosender (3.7). Die regionalen Fernsehangebote werden positiv bewertet (mit 3.5 über dem neutralen Skalenmittel von 3), aber in der Gesamtzufriedenheit liegen sie hinter den Angeboten der SRG und den Angeboten der lokalen Radioprogramme.

Die öffentliche Debatte um den Wert der SRG-Angebote hat sich nicht negativ auf die Bewertung der Angebotsqualität ausgewirkt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die «Gesamtzufrie-denheit» (3.9) mit den SRG-Fernsehangeboten sogar signifikant gestiegen: Folgende Bewer-tungskriterien liegen im Durchschnitt signifikant über dem Vorjahr: «Professionalität» (4.1), «Aus-gewogenheit» (3.7), «Glaubwürdigkeit» (4.1) und die «Unterhaltsamkeit» (4.1). Die Bewertung der SRG-Radioangebote war in allen Bewertungsdimensionen etwas besser als im Vorjahr. Al-lerdings wurde nur der «Lokalbezug» (3.3) und die Summe der Bewertungen (27.4) signifikant besser bewertet. Auch die Qualitätsbewertung der Regionalfernsehangebote hat sich im We-sentlichen leicht verbessert. Lediglich die Bewertung des «Lokalbezug» (3.9) wurde minimal geringer eingestuft als im Vorjahr. Allerdings sind die Unterschiede zum Vorjahr für die Regio-nalfernsehangebote statistisch nicht signifikant. Die Bewertung der lokalen Radioangebote fällt in der Summe minimal schlechter aus als im Vorjahr (25.9 im Vergleich zu 26.1).

Bewertung nach Bewertungsdimensionen

Bewertung öffentlicher Rundfunk (SRG-TV und SRG-Radio)

In diesem Kapitel wird ausgewertet, wie die Befragten die Schweizer Radio- und Fernsehsen-der bewerten. Die Aufforderung im Fragebogen lautete: «Jetzt möchte ich Ihre Einschätzung bzw. Bewertung von der Qualität vom Gesamtprogramm einerseits vom Schweizer Fernsehen und vom Schweizer Radio erfahren und andererseits auch vom Lokalradio und vom Regio-nalfernsehsender, wo Sie am meisten nutzen.». Dann wurde immer konkret ein SRG-Fernsehsender, ein Regionalfernsehsender, ein SRG-Radiosender und ein Lokalradiosender bewertet.

Bewertung privater Rundfunk (Regio-TV und Lokalradio)

Die Bewertungen wurden auf einer Skala von 1 bis 5 gemessen, wobei 1 jeweils die schlech-teste und 5 die beste Bewertung darstellt. Der Wert 3 bildet die neutrale Mitte der Skala. Durchschnittswerte unter 3 stehen für negative undWerte über 3 stehen für insgesamt positive Bewertungen. In Abbildung 9 zeigt sich also für jedes Jahr seit 2009 ein positives Bild in Bezug auf die Fernseh- und Radioprogramme der Schweiz. Bei aller Kritik an konkreten Sendungen und Sendern, können die Schweizer aus einem Angebot wählen, mit dem sie im Schnitt zu-frieden sind. Die durchschnittlichen Werte für die Gesamtzufriedenheit sind seit Jahren sehr stabil.

Gesamtzufriedenheit mit dem Medienangebot über die Jahre

Die Gesamtzufriedenheit mit den SRG-Fernsehsendern liegt in der Erhebung 2017 über dem der Vorjahre. Zwei Drittel des Publikums sind mit dem TV-Angebot der SRG ziemlich oder sogar sehr zufrieden.

Dabei unterscheidet sich die Zufriedenheit mit dem SRG-Fernsehen signifikant zwischen der jüngsten und der ältesten Befragtengruppe, wobei – wie die Jahre zuvor – die jüngsten Befragten zwischen 15 und 34 häufiger zufrieden sind (81%) als Befragte älter als 55 mit 68 Prozent.

Das Phänomen, dass die älteren Befragten die SRG-TV-Sender deutlich häufiger nutzen, aber weniger zufrieden mit dem Angebot sind, wurde schon in den letzten Jahren der Medienbewertungen beobachtet (vgl. Fretwurst/Bonfadelli 2016, 2015). Das ältere Publikum weist eine grössere Treue beziehungsweise Bindung an die Sender der SRG auf, die sie dann aber kritischer bewerten als die jüngeren Nutzer dieser Sender. Das bedeutet auch, dass ein Teil der jüngeren Befragten mit den Sendern der SRG weniger zufrieden ist und sich, im Unterschied zu den älteren, dann anderen Medienangeboten zuwendet.

Politik

Der Anteil der Befragten, die angeben sich für Politik zu interessieren, ist hoch.

Die meisten Personen (92%) bekunden Interesse am aktuellen politischen Geschehen in der Schweiz und im Ausland. Mit 81 Prozent ge-ben weniger Befragte als im letzten Jahr (90%) an, dass sie sich für das aktuelle regionale und lokale politische Geschehen in ihrer Gegend eher oder sehr interessieren. Eine Erklärung für diese Verschiebung kann in der populistischen Entwicklung der internationalen Politik gese-hen werden.

Mediennutzung

Das Interesse am Geschehen in der Schweiz führt zu verschiedenen Mediennutzungen.

Für Informationen über Ereignisse in der Schweiz und im Ausland nennen die Befrag-ten am häufigsten (78%) als präferiertes Medium das Fernsehen und an zweiter Stelle folgen Presseerzeugnisse (69%). Darauf folgen mit etwas Abstand Onlinequellen (60%). Das Radio wird am seltensten als Priorität für die Information genannt (34%).

Präferenz

Internet liegt bei täglicher Nutzung jeweils vor allen anderen Medien.

Aus der Medienausstattung der Haushalte ist die individuelle Mediennutzung nicht direkt ableitbar. Darum wird im Folgenden der Umfang der Mediennutzung dargestellt. Das Fernsehen wird von der Hälfte (50%) der Befragten täglich genutzt, wobei die Angebote der SRG von 47 Prozent täglich genutzt werden (wie 2016) und die Angebote der privaten Regionalfernsehsender von 18 Prozent (2016 20%).

Medienbesitz und Mediennutzung

Auch wenn neuere Mediengeräte wie Smartphones und Tablets und vor allem Notebooks beziehungsweise allgemeiner Computer eine hohe Versorgungsdichte erreicht haben, haben sie doch die klassischen Geräte nicht aus den Haushalten verdrängt. Über Fernsehgeräte verfügen noch immer 95 Prozent der Haushalte und über Radiogeräte insgesamt 84 Prozent (siehe Abbildung 4). Allerdings gibt es eine Differenz zwischen den älteren und jüngeren Alterskohorten. Letztere verfügen in 88 Prozent der Haushalte über ein Fernsehgerät und in 78 Prozent der Fälle über ein Radiogerät. Dass auch das Radio zu den alten Medien gehört, erkennt man daran, dass es bei den Jüngeren eine geringere Haushaltsabdeckung hat und bei den Älteren eine deutlich höhere (92%). Waren 2016 noch 67 Prozent der Haushalte mit einem Zeitungsabonnement ausgestattet, sind es in diesem Jahr nur noch 65 Prozent. In der jüngsten Kohorte ist der Anteil von 62 Prozent 2016 noch stärker auf 55 Prozent 2017 gesunken.

Wie 2016 verfügen 92 Prozent der Haushalte über mindestens einen Computer. Im Vergleich der Altersgruppen bestehen klare Kohorteneffekte. Bei der jüngeren und mittleren Altersgruppe hat die Computerausstattung eine Sättigung von 97-98 Prozent erreicht. Die älteste Befragtengruppe über 55 Jahren hat nur in 83 Prozent der Fälle einen Computer im Haushalt. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Fernsehgeräte entsorgt werden und Computer in die Haushalte einziehen.

 

Die langsame Verschiebung entsteht vor allem durch Verschiebungen zwischen den Alterskohorten, indem Jüngere in die höheren Altersgruppen nachrücken. Ein grosser Teil der über 55-jährigen ist in ihrem Privat- und Berufsleben ohne einen Computer ausgekommen und hat auch keinen Bedarf bzw. sogar Berührungsängste gegenüber der neuen Technik (Schweiger/Ruppert 2009). Wie bei den Jüngsten gehören Computer für die mittlere Gruppe zum Alltag und haben auch hier einen Ausstattungsanteil von 97 Prozent erreicht.Nach der individuellen Ausstattung gefragt gaben 79 Prozent aller Befragten an, dass sie über ein Smartphone verfügen, was im Vergleich zu 2016 ein Zuwachs von 8 Prozent ist.

Die jüngste Altersgruppe bis 34 Jahre ist deutlich häufiger mit einem Smartphone (95%) ausgestat-tet. Dieser Wert ist im Vergleich zu 2016 nicht gestiegen. Die Hälfte (51%) der Befragten verfügt über ein Tablet. Das Tablet ist die einzige Medientechnik, über die die mittlere Altersgruppe von 35 bis 54 Jahren am häufigsten verfügt (63%) und die jüngste (53%) sowie die älteste (40%) deutlich seltener.

Fazit Monitor Medienbewertung 2017

Die Digitalisierung auf der technischen Seite ist in der Schweiz weit vorangeschritten und strebt langsam in Richtung Sättigung. Die jüngeren Kohorten der vorliegenden Studie zeigen, dass Computer in den Haushalten erst bei 98 Prozent eine Sättigung erreichen. Hier wurde nicht zwischen Desktop-Rechnern und Laptops unterschieden. In Zukunft sollte die individuelle Verfügbarkeit von Laptops abgefragt werden, da die individuelle Ausstattung mit solchen Geräten hoch ist und den individuellen Konsum von Onlinemedien beeinflusst, sowie als Gegenpart die Mediennutzung in Gruppen, wie der Familie oder mit Freunden. Smartphones sind bei der jüngsten Befragtengruppe zu 95 Prozent in individuellem Besitz. So lange diese Geräte nicht durch Alternativen ersetzt werden, ist zu vermuten, dass 95 Prozent in der Schweiz nahe an der Sättigung liegt. Abgesehen von den neueren Geräteformen – also Computern, Smartphones und Tablets – Stehen die klassischen Mediengeräte noch immer in eine überwiegende Mehrheit der Haushalte zur Verfügung. Inzwischen ist auch das Fernsehen digital und nur noch in Ausnahmen analog möglich. Heute ist Fernsehen online mit IP-TV und seinen Möglichkeiten wie digitale TV-Guides, zeitversetztes Fernsehen oder Streamingdienste (z.B. Netflix) integrierten Video- und Mediatheken oder Onlinegaming. Insofern zeigt nur noch der Formfaktor der heutigen Fernsehgeräte die Verwandtschaft mit den klassischen Fernsehgeräten.

In durchschnittlich 93 Prozent der Haushalte gibt es TV-Geräte, die in Ihrer Grösse und Position im Haushalt funktional nicht durch Laptops ersetzt wurden. Wenn man sich allerdings die Befragtenkohorten ansieht, wird der Anteil der mit Fernsehgeräten ausgestatteten Haushalte vermutlich noch etwas zurückgehen, bis insgesamt eine Verbreitung um die 90 Prozent der Haushalte erreicht ist. Radio funktioniert noch zu einem grossen Teil terrestrisch. Dennoch sind inzwischen auch viele Radiogeräte online, beziehungsweise werden Geräte wie Onlinelaut-sprecher als Radioempfänger verwendet. In den Haushalten der jüngsten Kohorte sind noch zu 78 Prozent Radiogeräte vorhanden. Beim Radio ist die Entwicklung der Haushaltsausstattung in Bezug auf die Geräte weniger absehbar, da Smartphones immer bessere Lautspre-cher haben und Kabellose Lautsprecher und Kopfhörer das Hören von Audioinhalten ermöglichen. Die Bindung der jüngeren Nutzer an die klassischen Schweizer Radio- und TV-Anbieter ist geringer als bei den Älteren, die den Medien, mit denen sie aufgewachsen sind, auch dann treu bleiben, wenn sie ihren Zustand oder ihre Entwicklung kritisch sehen. Das zeigt sich in den Nutzungszahlen bei gleichzeitig in mehreren Kategorien tieferen Qualitätsbewertun-gen bei den älteren Befragten im Vergleich zur jüngsten Befragtengruppe.