Gleichstellungskommission Kanton Schwyz
Der Kanton Schwyz möchte sich mit der Frage auseinandersetzen, wie die Gleichstellung der Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen effizient und effektiv voranzutreiben ist.
Um ein umfassendes Bild über die Wahrnehmung, die vorhandenen Meinungen und auch Problemsichten mit Bezug auf Aspekte der Gleichstellung im gesamten Kanton Schwyz zu erhalten, wurde eine repräsentative Online-Befragung unter Einwohnern und Einwohnerinnen des Kantons Schwyz ab 16 Jahren durchgeführt.
Befragt wurden 1’269 Einwohner und Einwohnerinnen ab 16 Jahren, wohnhaft im Kanton Schwyz mittels Online-Befragung zwischen dem 20. Juni und dem 4. August 2025.
Für weitere methodische Details: siehe Infobox am Ende des Cockpits.
Generelle Gedanken zum Thema Gleichstellung
Die Bedeutsamkeit des Themas Gleichstellung wird von der Schwyzer Bevölkerung klar erkannt. So erachtet eine überwiegende Mehrheit von 79 Prozent der Befragten die Gleichstellung für die Entwicklung der Gesellschaft als sehr oder eher wichtig.
Bei der Beurteilung der Wichtigkeit dieses Themas für sich persönlich ist der Anteil mit 71 Prozent zwar leicht tiefer aber immer noch stark ausgeprägt
Die Wichtigkeit, welche man dem Thema Gleichstellung beimisst, ist dabei klar von soziodemographischen Merkmalen wie Alter und Geschlecht abhängig. Insbesondere für junge Frauen zwischen 16 und 39 Jahren hat das Thema für sie persönlich eine grosse Bedeutsamkeit (83% sehr/eher wichtig). In der gleichen Alterskohorte sind es bei den Männern hingegen nur 58 Prozent, die dieses Thema als wichtig erachten.
Mit steigendem Alter nimmt die wahrgenommene Wichtigkeit der Gleichstellung bei den Männern zu, so dass sie bei den über 65 Jährigen bereits 66 Prozent beträgt. Bei den Frauen pendelt sich die zugeschriebene Bedeutsamkeit dieses Themas in den höheren Alterskategorien auf einem stabil hohen Niveau von 78 Prozent ein.
Bei der Ansicht, ob Gleichstellung, sei es auf einer gesamtgesellschaftlichen oder persönlichen Ebene, als gegeben betrachtet wird, spielt die unmittelbare Wahrnehmung im Alltag eine entscheidende Rolle.
Sieben von zehn Personen geben an, in ihrem Alltag schon Situationen erlebt zu haben, in denen sie das Gefühl hatten, dass Gleichstellung noch nicht vollständig erreicht ist – 16 Prozent davon häufig.
Bei Betrachtung dieser Verteilung nach Geschlecht zeigt sich, dass jede vierte Frau davon berichtet, solche Situationen sehr häufig zu erleben, während es bei den Männern 10 Prozent sind.
Das Thema Gleichstellung wird somit von einem Grossteil der Schwyzer Bevölkerung als bedeutsam wahrgenommen und ist auch in ihrem Alltag gleichermassen präsent.
Spontane Assoziationen zu einem Thema zeigen auf, was bei den Menschen «Top of mind» ist, wenn sie mit einem bestimmten Themenbereich in Berührung kommen und geben Aufschluss darüber, was sie damit primär verbinden. Beim Thema Gleichstellung sticht ins Auge, dass fast alle Assoziationen negativ konnotiert sind (rot) und nur ein Bruchteil von dem, was einem spontan beim Thema Gleichstellung in den Sinn kommt, positiv behaftet ist (grün).
Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern ist es die Lohnungleichheit, die klar oben ausschwingt und am ehesten mit dem Thema Gleichstellung in Verbindung gebracht wird. Auch weitere Ungleichheiten wie eine abweichende Behandlung bei politischen Rechten, Karrrierechancen oder der Militärpflicht werden öfters genannt. Stereotypische Rollenbilder in Familie, Beruf und Alltag werden ebenfalls mit dem Thema Gleichstellung assoziiert, wenn auch in klar geringerem Masse im Vergleich zum Gender Pay Gap.
Insgesamt zeichnet sich bei den spontanen Eingebungen zum Thema Gleichstellung bei Frauen und Männern ein relativ ähnliches Bild. Bei den Frauen geht es nebst Lohnungleichheit vermehrt auch um Familie und Kinderbetreuung.Währenddessen betonen die Männer vermehrt, dass mit gleichen Rechten auch gleiche Pflichten einhergehen und damit auf den Militärdienst anspielen.
Die Antworten auf die offene Frage nach den spontanen Assoziationen, zeigen auf, dass eindeutige Problemfelder in Bezug auf Gleichstellung erkannt werden. Im Zuge dessen stellt sich die Frage, bei welchen Personengruppen denn der grösste Nachholbedarf in Bezug auf Ihre Gleichstellung in der Gesellschaft gesehen wird.
Auf einer Skala von 0 bis 10, wobei 0 «überhaupt kein Nachholbedarf» und 10 «extrem viel Nachholbedarf» impliziert, sieht die Schwyzer Bevölkerung am ehesten bei Menschen mit Behinderung (5.9) Verbesserungsbedarf, wenn es um ihre Gleichstellung in der Gesellschaft geht, gefolgt von Frauen (5.7), Menschen mit geringen finanziellen Mitteln (5.6) und psychischen Erkrankungen (5.4) sowie älteren Personen (5.3). Das Schlusslicht des Rankings bilden LGBTQIA+ Personen und Männer (jeweils 3.9).
Auch hier zeichnet sich bei Betrachtung der Auswertung nach Männern und Frauen differenziert ein unterschiedliches Bild. Insbesondere die jungen Männer sehen deutlich weniger Nachholbedarf bei verschiedensten Personengruppen was ihre Gleichstellung in der Gesellschaft anbelangt.
Frauen hingegen sind vergleichsweise viel eher der Meinung, dass in puncto Gleichstellung bei vielen Gruppen noch deutlicher Handlungsbedarf besteht. Gerade was die Verbesserung der Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft betrifft, zeigen sich zwischen den Geschlechtern jungen und mittleren Alters deutliche Unterschiede in der Wahrnehmung.
Themenwahrnehmung
Ein erster Überblick hat bereits verdeutlicht, dass das Thema Gleichstellung in der Schwyzer Bevölkerung präsent ist und mit gewissen Problemfeldern in Verbindung gebracht wird. Dieses Kapitel gibt Aufschluss darüber, in welchen Bereichen die Bevölkerung konkreten Handlungsbedarf sieht und wo sie hier die Prioritäten setzt.
Fragt man die Einwohner und Einwohnerinnen des Kantons Schwyz danach, welche Elemente zur Erreichung der Gleichstellung denn besonders wichtig sind, fällt die Zustimmung gross aus. Alle Elemente erhalten deutlich mehrheitliche Befürwortung. Selbst in den Untergruppen, lassen sich keine relevanten unterschiedlichen Mehrheiten erkennen, so breit abgestützt sind diese Aspekte.
Am meisten Zuspruch erhält das Element Schutz vor Gewalt, welches vorsieht, dass niemand aufgrund des Geschlechts belästigt und bedroht wird, oder Gewalt erfährt (95%, sehr/eher wichtig). Darauf folgen mit geringem Anstand Elemente, die die Ungleichheiten in verschiedenen Lebensbereichen adressieren. So ist jeweils eine Mehrheit von über 90 Prozent der Ansicht, dass unabhängig von Geschlecht ein gleicher Zugang zu Bildung und Karriere (94%) sowie zu Gesundheit und sozialer Sicherheit (91%) gegeben sein sollte.
Zudem ist man sich über die Bedeutsamkeit einig, dass alle unabhängig des Geschlechts die gleichen Möglichkeiten und Rechte haben (93%) und für dieselbe geleistete Arbeit den gleichen Lohn erhalten sollten (91%).
Ebenfalls als wichtig, wenn auch leicht weniger dezidiert, wird die Freiheit empfunden, selbst entscheiden zu können, wie man das eigene Leben gestalten möchte (89%) genauso wie die Möglichkeit Beruf und Familie miteinander vereinen zu können (86%).
Vergleichsweise ambivalenter steht die Schwyzer Bevölkerung den Elementen Teilhabe in der Politik (75%), Inklusion und Akzeptanz von Menschen aller sexueller Orientierungen (69%) und Abbau von Rollenbildern (60%) gegenüber. Jede vierte Person im Kanton Schwyz erachtet diese Gleichstellungelemente als unwichtig. Beim Abbau von Rollenbildern ist es gar jede dritte Person.
Solange man sich also auf einer abstrakteren Ebene bewegt, wo es mitunter um fundamentale Menschenrechte geht, wie Schutz vor Gewalt, individuelle Lebensgestaltung und gleiche Rechte, findet man breite Zustimmung. Sobald es jedoch um spezifischere Bereiche wie die Teilhabe in der Politik, die Inklusion von LGBTQIA+ Personen oder den Abbau von Rollenbilder geht, bröckelt die zugeschriebene Bedeutsamkeit, und erste Risse in der scheinbar klaren Einigkeit werden sichtbar.
70 Prozent der Schwyzer Bevölkerung geben an, häufig oder gelegentlich im Alltag Situationen zu erleben, die ihnen den Eindruck geben, dass Gleichstellung noch nicht vollständig erreicht ist. Umso mehr erstaunt es, dass ein genau gleich grosser Anteil der Meinung ist, dass in ihrem persönlichen Umfeld die Gleichstellung der Geschlechter schon weitgehend umgesetzt ist. Auf einer Skala von 0 «überhaupt nicht umgesetzt» bis 10 «vollständig umgesetzt» verorten 70 Prozent der Befragten den Grad der Umsetzung zwischen 7 und 10. Es scheint also bei dieser Frage eine gewisse kognitive Dissonanz vorzuliegen, indem zwar ein Grossteil der Bevölkerung im eigenen Alltag erkennt, dass Gleichstellung noch nicht vollständig erreicht ist, im eigenen Umfeld hingegen das Gefühl hat, dass die Gleichstellung der Geschlechter schon weit fortgeschritten ist.
In der Schweiz und im Kanton Schwyz ist dieser Anteil mit 46 Prozent, respektive 38 Prozent deutlich geringer. Was sich hier zeigt, ist das typische Phänomen, dass Menschen oft dazu neigen, sich selbst und das eigene Umfeld in einem besseren Licht zu sehen.
Sehr deutlich ist auch zu beobachten, dass der Problemdruck zwischen den Geschlechtern unterschiedlich wahrgenommen wird. Männer sind viel eher der Meinung, dass die Gleichstellung der Geschlechter bereits gut fortgeschritten ist im Vergleich zu Frauen.
Zu wissen, in welchen Bereichen die Einwohner und Einwohnerinnen im Kanton Schwyz Nachholbedarf sehen, wenn es um die Gleichstellung der Geschlechter geht, ist essenziell, um am richtigen Ort mit geeigneten Massnahmen ansetzen zu können. Die Priorisierung der Bereiche mit Nachholbedarf deckt sich weitestgehend mit der Bedeutsamkeit der Elemente zur Erreichung von Gleichstellung, indem die Themen Löhne, Vereinbarkeit Familie/Beruf und Gewaltprävention oft genannt werden.
Besonders auffällig ist, dass beim Thema Familienrecht eine breite Mehrheit einen Handlungsbedarf erkennt: Sieben von zehn Befragten (71%) sehen hier Nachholbedarf aufgrund der Benachteiligung von Männern. Dieses Resultat ist insofern bemerkenswert, als es sogar mit der Lohndiskriminierung gleich zieht – ein Feld, das im Rahmen der vorangehenden Fragen klar im Zentrum stand.
Deutlich wird zudem, dass sich das Unbehagen nicht auf ökonomische Fragen beschränkt. Gewaltprävention (65%), Kinderbetreuung (61%) und die Unterstützung von Opfern (61%) gehören ebenfalls zu den Bereichen, in denen eine Mehrheit den Status quo als ungenügend empfindet. Auch bei Themen wie der psychischen Gesundheit oder bei Geschlechterstereotypen in der Berufswahl sieht jeweils mehr als die Hälfte Verbesserungsbedarf (56%). Damit entsteht ein breites Bild von Feldern, in denen Gleichstellung weit mehr bedeutet als nur gleiche Bezahlung.
Anders stellt sich die Lage bei Bereichen dar, die stärker mit staatlichen oder politischen Institutionen verknüpft sind. Elternzeit und schulische Förderung von Jungen bewegen sich mit jeweils gut der Hälfte Zustimmung (52%) im Mittelfeld. Doch bei Fragen wie der geschlechtsspezifischen Gesundheitsversorgung (50%) oder der Förderung von Frauen in der Armee (46%) bricht die Mehrheit bereits weg. Letzteres wird vor allem von den Männern getragen.
Noch deutlicher ist das Bild bei der politischen Gleichstellung. Nur rund vier von zehn Befragten sehen Nachholbedarf bei der Gleichstellung in Lehrplänen (43%), der Vertretung in politischen Ämtern (41%) oder der Förderung politischer Partizipation (41%). Hier bleibt die Mehrheit zurückhaltend und signalisiert, dass diese Fragen im Vergleich weniger dringlich erscheinen.
Insgesamt zeigt die Auswertung damit ein klares Spannungsfeld: Während bei Familienrecht, Lohn, Gewaltprävention und Betreuung deutliche Mehrheiten einfordern, dass gehandelt wird, bleiben die politischen Gleichstellungsfragen ein Minderheitenanliegen. Gleichstellung wird damit in erster Linie als Frage des Alltags und der Lebensrealität empfunden und weniger als ein Projekt politischer Institutionen.
Auch hier ist natürlich besonders spannend zu erfahren, wie sich verschiedene Bevölkerungsgruppen positionieren.
Frauen sehen in allen Altersgruppen konsequent mehr Nachholbedarf als Männer. Besonders ausgeprägt ist dies bei der Lohndiskriminierung. Während 79 bis 86 Prozent der Frauen Handlungsbedarf erkennen, liegt der Anteil bei den Männern nur zwischen 56 und 67 Prozent. Ähnlich beim Thema Gewaltprävention, das von 71 bis 76 Prozent der Frauen, aber lediglich von 57 bis 64 Prozent der Männer betont wird.
Ein anderes Muster zeigt sich bei der Elternzeit. Hier entscheidet weniger das Geschlecht als vielmehr das Alter über die Wahrnehmung. Junge Frauen (75%) und junge Männer (67%) sehen klaren Nachholbedarf, während die Werte bei älteren Kohorten markant sinken.
Dies verweist darauf, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor allem die jüngere Generation beschäftigt.
Unabhängig von Geschlecht oder Alter gibt es aber auch Bereiche mit breitem Konsens. Bei der Benachteiligung von Männern im Familienrecht, der Lohndiskriminierung und der Gewaltprävention liegen die Zustimmungswerte über alle Gruppen hinweg konstant über 55 Prozent – diese Felder sind damit gesellschaftlich besonders breit verankert.
Deutlich geringer fällt die Zustimmung bei der politischen Repräsentation aus. Nur rund 40 Prozent sehen Nachholbedarf bei der Vertretung in Ämtern oder der Förderung politischer Partizipation. Auffällig ist hier die besonders geringe Zustimmung der Männer, die zum Teil bei unter 30 Prozent liegt. Frauen schreiben diesen Themen zwar mehr Bedeutung zu, doch auch bei ihnen bleiben die Werte deutlich unter den Mehrheiten anderer Gleichstellungsfelder.
Auch die politischen Präferenzen prägen das Bild des wahrgenommenen Nachholbedarfs deutlich. Anhänger und Anhängerinnen der Grünen und der SP sehen fast durchgehend mehrheitlich Handlungsbedarf und zwar in allen Bereichen mit Ausnahme der Frauen in der Armee (SP, 42%). Bei Themen wie Lohndiskriminierung (86% bei SP und Grünen), Gewaltprävention (94% bzw. 81%) oder der Kinderbetreuung (89% bzw. 85%) erreichen die Werte besonders hohe Zustimmungsraten. Auch bei Bereichen wie der psychischen Gesundheit oder der Förderung von Jungen liegen sie klar über 70 Prozent.
Bei den Sympathisanten und Sympathisantinnen der GLP zeigt sich ein ähnliches Muster, wenn auch etwas weniger stark ausgeprägt. Bei der Mitte beginnt das Bild bereits zu bröckeln. Zwar sehen auch hier noch Mehrheiten bei klassischen Gleichstellungsthemen wie Lohn und Familienrecht Handlungsbedarf (jeweils rund 72–81%), doch bei anderen Bereichen wie der Elternzeit (57%) oder der Förderung politischer Partizipation (52%) ist die Zustimmung nur noch knapp mehrheitlich.
Noch deutlicher verschiebt sich die Wahrnehmung am rechten Spektrum.
Bei den FDP-Sympathisanten und Sympathistantinnen sehen nur in wenigen Feldern klare Mehrheiten Nachholbedarf, etwa beim Familienrecht (71%) oder der Gewaltprävention (63%). In anderen Bereichen, etwa bei der Elternzeit (39%) oder der Förderung politischer Partizipation (39%), bleibt die Zustimmung unterhalb der 50-Prozent-Marke.
Am stärksten fällt die Zurückhaltung bei den SVP-Anhänger und Anhängerinnen auf. Hier sind es nur Minderheiten, die in klassischen Gleichstellungsfeldern weiteren Handlungsbedarf erkennen, beispielsweise bei den Karrierechancen (32%), der Vertretung in politischen Ämtern (23%) und der politischen Partizipation (22%). Deutliche Mehrheiten ergeben sich lediglich bei den Bereichen Familienrecht (69%) und Lohndiskriminierung (58%).
Insgesamt zeigt sich damit ein klarer politischer Graben. Während das linke Lager Gleichstellung in fast allen Lebensbereichen als ausbaufähig betrachtet, vertritt das rechte Lager häufiger die Haltung, dass der aktuelle Stand ausreichend ist, insbesondere wenn es um Karrierefragen oder politische Repräsentation geht.
Wenn sich die Bevölkerung entscheiden müsste, in welchem Bereich würde sie den grössten Handlungsbedarf sehen?
Die grösste Priorität bei der Verbesserung der Situation rund um Gleichstellung hat für die meisten die Lohndiskriminierung (32%).
Danach folgen Bereiche, die die Familie betreffen, wie Kinderbetreuung (11%), Elternzeit (8%) und die Benachteiligung von Männern im Familienrecht (8%). Auch bei der Gewaltprävention und der Hilfe für Opfer wird Verbesserungspotenzial erkannt, wenn auch mit vergleichsweise geringerer Dringlichkeit (5%).
Diskriminierung und Gewalt
Gleichstellung spielt nicht nur eine wichtige Rolle, wenn es um Lohngleichheit oder eine modernere Rollenverteilung in der Familie geht, sondern kann auch ein wichtiger Hebel im Kampf gegen Diskriminierung und Gewalt sein.
Jede vierte befragte Person berichtet, in den letzten zwölf Monaten eine Situation erlebt zu haben, in der sie sich aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt oder diskriminiert fühlte. Besonders betroffen sind Frauen:
35 Prozent geben entsprechende Erfahrungen an, bei den Männern sind es 15 Prozent.
Am häufigsten treten solche Benachteiligungen im Berufsleben auf. Doch auch im Alltag sind Belästigungen und diskriminierende Strukturen für viele spürbar – ein Hinweis darauf, dass Gleichstellungspolitik weit über ökonomische Fragen hinausreicht und tief in das gesellschaftliche Miteinander hineinwirkt.
Geht es um die wahrgenommene Häufigkeit sexueller Belästigung so findet man in der Schwyzer Bevölkerung eine relativ ambivalente Haltung.
50 Prozent gehen davon aus, dass sexuelle Belästigung in der Schweiz wenig verbreitet ist, während knapp 40 Prozent annehmen, dass diese ziemlich bis sehr verbreitet ist.
Wenig überraschend gehen vor allem junge Frauen davon aus, das sexuelle Belästigung weit verbreitet ist und machen damit einen klaren Problemdruck und Handlungsbedarf in dieser Gruppe deutlich.
So stufen 61 Prozent der Frauen zwischen 18 und 39 Jahren diese Formen der Belästigung als ziemlich oder sehr verbreitet ein. Bei jungen Männern sind es nur 31 Prozent, die Mehrheit (62%) hält sie für selten.
Zudem nimmt mit zunehmendem Alter die Dringlichkeit in allen Gruppen ab, bleibt bei Frauen jedoch stets höher als bei Männern. Besonders auffällig ist, dass ältere Männer Belästigung mehrheitlich als wenig verbreitet sehen (56%), während Frauen 65+ weiterhin von einer deutlichen Verbreitung ausgehen (42%).
Was wären den gemäss der Schwyzer Bevölkerung geeignete Massnahmen, um sexualisierte Gewalt zu verhindern?
Am ehesten sehen die Befragten in einer härteren Bestrafung der Täter und Täterinnen eine Lösung (82% braucht es viel mehr/eher mehr).
Aber auch Prävention und Aufklärung werden als Möglichkeiten gesehen, um sexualisierte Gewalt erfolgreicher zu verhindern, genauso wie bessere Anlaufstellen und Opferhilfe.
Eine bessere Schulung der Polizei hält hingegen nur eine Minderheit von 45 Prozent als geeignete Massnahme, um gegen sexualisierte Gewalt vorzugehen.
Bei der Forderung nach härteren Strafen für Täter und Täterinnen herrscht über alle Gruppen hinweg weitgehender Konsens. Männer (79%) und Frauen (85%) sowie alle Altersklassen (jeweils rund 81–82%) sehen darin den wirksamsten Ansatz.
Grössere Unterschiede zeigen sich bei den übrigen Massnahmen. Frauen betonen Prävention und Aufklärung deutlich stärker (75%) als Männer (59%) und sprechen sich auch häufiger für den Ausbau von Anlaufstellen und Opferhilfe (64% vs. 55%) aus.
Die grössten Differenzen zeigen sich bei der Schulung der Polizei. Während mehr als die Hälfte der Frauen (52%) diesen Ansatz unterstützt, sind es bei den Männern nur 38 Prozent. Altersmässig ist eine leichte Tendenz erkennbar: Bei den Jüngeren (16–39 Jahre: 44%) fällt die Zustimmung geringer aus als bei den Älteren ab 65 Jahren (49%).
Damit zeigt sich, dass während bei Strafen klare Einigkeit besteht, bei Prävention und Polizeischulung jedoch klare Unterschiede zwischen Frauen und Männern und in geringerem Masse auch zwischen den Generationen zu erkennen sind.
Auch auf einer ideologischen Ebene ist man sich parteiübergreifend mehrheitlich einig, dass härtere Bestrafung von Täter und Täterinnen und mehr Prävention und Aufklärung sexualisierte Gewalt verhindern können.
Der Umstand, dass gerademal 60 Prozent der Schwyzer Bevölkerung der Meinung sind, dass der Abbau von Rollenbildern ein wichtiges Element zur Erreichung von Gleichstellung ist, deutet schon darauf hin, dass Stereotype nicht immer als solche wahrgenommen und/oder sogar bewusst aufrecht erhalten werden.
Entsprechend verwundert es wenig, dass gewisse traditionelle Rollenbilder und Stereotype noch immer stark in der Bevölkerung verankert sind, wenn auch nicht in allen Bereichen gleichermassen. Am weitesten verbreitet ist die Ansicht, dass gut aussehende Frauen es im Leben leichter haben (71% Zustimmung). Ebenfalls mehrheitlich vertreten ist die Meinung, dass Erfolg im Beruf für Frauen häufig mit Abstrichen in der Familie verbunden sei (69%).
Drei Viertel der Befragten sind zudem der Ansicht, dass Frauen in der Öffentlichkeit von Männern beschützt und verteidigt werden sollten (65%), was aufzeigt, wie sehr traditionelle Rollenzuweisungen nach wie vor präsent sind.
Andere klassische Stereotype stossen hingegen auf deutlich weniger Rückhalt. Nur rund 20 Prozent befürworten etwa die Aussage, dass Männer die Hauptverdiener der Familie sein sollten. Ebenso findet die Vorstellung, dass Frauen sich grundsätzlich schlechter für Führungspositionen eigneten, oder dass sie schlechtere Entscheidungen träfen, nur bei Minderheiten Zustimmung.
Während sich also einige stereotype Rollenbilder hartnäckig halten und gesellschaftlich tief verankert sind, haben andere dagegen stark an Bedeutung verloren.
Eine klare Mehrheit der Bevölkerung misst dem Thema Gleichstellung grosse Bedeutung bei – sowohl auf gesellschaftlicher Ebene wie auch im persönlichen Leben. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass viele, insbesondere Frauen, in ihrem Alltag noch regelmässig Benachteiligungen erfahren. Auch für bestimmte Gruppen wie Menschen mit Behinderungen, Personen mit geringen finanziellen Mitteln oder ältere Menschen wird ein deutlicher Nachholbedarf erkannt. Gleichstellung ist somit zwar ein breit anerkanntes Ziel, in der Lebensrealität vieler jedoch noch nicht vollständig eingelöst.
Wenn es um konkrete Verbesserungen geht, stehen immer wieder dieselben Baustellen im Vordergrund. Lohngleichheit, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Gewaltprävention. Diese Felder bilden den Kern des wahrgenommenen Handlungsbedarfs. Während im privaten Umfeld oft Fortschritte gesehen werden, dominiert auf gesellschaftlicher Ebene die Wahrnehmung, dass noch erhebliche Lücken bestehen, allen voran beim Lohn, der nach wie vor als drängendstes Gleichstellungsthema gilt.
Die Erfahrungen vieler Menschen verdeutlichen, dass Gleichstellung noch keine Selbstverständlichkeit ist. Jede vierte befragte Person berichtet von Diskriminierungserfahrungen, am häufigsten im beruflichen Kontext. Vor allem junge Frauen sehen sexuelle Belästigung als weit verbreitet an. Gefordert werden deshalb vor allem strengere Strafen gegen Täter, verbunden mit mehr Prävention, Aufklärung und besserer Opferhilfe. Diese Ergebnisse senden ein deutliches Signal: Die Bevölkerung erwartet, dass Politik und Gesellschaft das Thema entschlossener anpacken.
Während Einigkeit darüber besteht, dass Frauen im Beruf höhere Hürden zu überwinden haben, zeigt sich zugleich, wie fest traditionelle Rollenbilder in Teilen der Gesellschaft noch verankert sind. So hält sich etwa die Vorstellung, dass Männer die Hauptverdiener sein sollten, zwar nur noch bei einer Minderheit, andere stereotype Zuschreibungen – etwa dass gut aussehende Frauen es leichter hätten – sind dagegen weit verbreitet. Rollenbilder bleiben damit ein ambivalentes Feld, in dem Fortschritte und Beharrung nebeneinanderstehen.
Auftraggeberin: Gleichstellungskommission des Kantons Schwyz
Grundgesamtheit: Einwohner und Einwohnerinnen ab 16 Jahren im Kanton Schwyz
Datenerhebung: Online-Befragung mit Registerdaten aus dem Kanton Schwyz
Befragungszeitraum: 20. Juni bis 4. August 2025
Stichprobengrösse: Total Befragte N = 1’269 / Schwyz n = 384 / Küssnacht (SZ) n = 121 / Gersau n = 114 / March n = 275 / Höfe n = 241 / Einsiedeln n = 134
Stichprobenfehler: ±2.7 Prozent bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit
Gewichtung: Alter/Geschlecht, Siedlungsart, Bezirk und Parteiaffinität